Our Dead

GA 261 — 29 November 1915, Munich

Gedenkworte Für Sophie Stinde

Ein Platz ist leer geworden für die physische Welt unter uns, der ausgefüllt war von einer Persönlichkeit, die in verständnisvollster Treue und in wärmstem Erkenntnisstreben diesen Platz ausgefüllt hat. Unsere Liebe strömt nach diesem Platz, sie blickt nach diesem Platz und sie sucht zu beleben das innige Band, welches uns seit vielen Jahren verbunden hat mit dieser Persönlichkeit, die von dem physischen Plan hinweggegangen ist. Unser Schmerz blickt nach ihrem Platz. Dieser Schmerz wird lebendig bleiben, wie der Gedanke lebendig ist, der Gedanke, der uns zurückträgt zu all der belebenden, beseligenden Treue und Liebe, mit der wir der lieben Sophie Stinde verbunden waren. Und die tiefe Schätzung, die wir, suchend das Verständnis ihres ganz eigenartigen Wesens, ihr entgegenbringen mußten, muß sich in uns verwandeln in das treueste Angedenken, damit, wenn sie nun nicht mehr in der physischen Welt mit uns wandelt, ihr Geist unter uns walte, mit uns arbeite, mit uns wirke jener Geist, der uns durch Jahre hindurch in seiner Bedeutung, in seinem Werte innerhalb unserer Arbeit so wunderbar erstrahlte. Entbehrung wird die Schätzung, die wir Sophie Stinde entgegenbringen durften, Entbehrung, die nur ausgeglichen wird werden können durch die treue Festhaltung an dem Geistigen, mit dem wir uns dauernd verbunden wissen werden mit ihr, mit Sophie Stinde. Suchen wir uns heute im Bilde zu vereinigen, in dem Bilde, das sie durch ihre Liebe, ihre Arbeit, ihr starkes Wirken, das sie durch ihr verständnisvolles Wirken innerhalb unserer Arbeit in uns geschaffen - in diesem Bild suchen wir uns zu vereinigen, gedenkend, wie ihr Seelenauge herunterblickt zu diesem Bilde und sich mit uns einen kann, wenn wir mit rechtem Sinn, mit rechter Liebe, mit tiefem Verständnis das Bild, das sie selber in uns geschaffen, in diesem Augenblick in unserer Seele wieder erschaffen.

So, meine lieben Freunde, hat sich mir, als die teuere Seele Sophie Stindes uns entschwebte, in Ätherhöhen dieses ihr Bild vor meiner Seele geformt:

Dich führen aus dem Erdensein
Dem Geistes-Sonnenlande zu
Die Wesen, deren Abglanz wir
In Deinem Wirken fühlen durften;
Sie lebten uns als Daseinsfrüchte
In allem, was Du auf den Erdenwegen
In Kraft und Liebe schufest. Du blickst aus Geisteshöhen
In Deiner Freunde Herzen;
Es treffen Deinen Seelenblick
Die Blüten Deiner Liebeswerke;
Sie leuchten durch den Schmerz
In jenem hellen Lichte
Das Da um ihre Seelen schufest. Die sichre Treu’ im recht Erkannten:
Es war das erste Geisteswesen,
Das all Dein Tun beseelte; —
Wer dies in Dir erfühlte,
Ihm ward Vertrauen unbegrenzt
Ins eigne Werk, das er
Mit Deinem Werke einen durfte. Der Wahrheitsinn, der unbeirrt
Aus Deiner klaren Seele wirkte,
Er war das zweite Wesen,
Dem sich stets alles nahen durfte,
Was auf Menschen-Lebens-Wegen
Verwandtes Fühlen sich erstreben muß. Den dritten Geist, der Dich durchlebte,
Es fühlten seiner Seelenwärme Macht,
Die Dir zum Lebenswerk verbunden;
Er stählte Deine edle Liebekraft
Durch richtungfesten Pflichtensinn;
Er konnt’ in lautre Herzensmilde
Die strengste Pflichtentat verhüllen. So standest Du in unsrer Mitte,
In Deinem Wesen voll verkörpernd
Den Sinn des Werkes, dem wir leben;
Den Platz im Sinnensein, den Du
Mit Deiner Kraft belebtest:
Ihn wird in Deiner Weise
Kein andrer je beleben können. Er wird im Sinnen-Sein
Den Freunden leer erscheinen müssen;
Doch hell wird von ihm leuchten
Die Geisteslamme, welche Du
An ihm mit Deinem Sein entflammt.
Sie wird im Spiegel Deiner Freundesseelen
Im kräft’gen Widerschein erstrahlen.
Den ew’gen Menschengeist, Den Deine Erdenhülle
Uns liebend offenbarte,
Ihn hört aus jener Äther-Höhe,
Der Er sich jetzt verbindet,
Das Seelenohr als Trosteswort verkünden
Den Freunden, die von tiefem Leid erfüllt: «Ich will mit Eurem Erdenwirken
Vereinen, was in Geisterlanden
Der Seele sich an Kräften gibt.
So wird das Band, das in dem Zeitensein
n Euch mich binden konnte,
Der Ewigkeiten Siegelmacht
In Licht und Wahrheit offenbaren.»

Meine lieben Freunde! So allerdings steht Sophie Stindes Seele vor der unsrigen. Wir ahnen, wie sie geleitet wird in Geistesätherhöhen von den drei Genien, von den drei Geisteswesen, von denen ihre Arbeit, ihr Wirken, von denen ihr Charakter, von denen all ihr Sein hier, wie es sich im Physischen offenbarte, begleitet war.

Jene innige, gerade auf unendlich Festes gebaute Treue, mit der sie verbunden war unserem Geistesstreben, das ist wirklich das eine Wesen, das wir fühlen konnten an Sophie Stindes Seite, und das sie so sicher und so tief verständnisvoll auf den Weg unserer Arbeit versetzte. Wenn wir die Blicke sinnend in das Leben schweifen lassen und zu empfinden versuchen, welche Menschen wir in den ernstesten, wichtigsten, bedeutungsvollsten Augenblicken des Lebens zum gemeinsamen Lebens- und Arbeitswege suchen müssen, dann sind es diejenigen Menschen, mit denen wir nicht bloß verbinden können dasjenige, was immerzu bewußt in unserer Seele leben kann, wenn wir mit den Freundesseelen, den in Liebe verbundenen Seelen zusammen sind: jene Seelen sind es, die wir in solchen Augenblicken des Lebens suchen müssen, die im tieferen Seelengrunde mit uns verbunden sind, in jenem Seelengrunde, der unser Wesen ausmacht und unser Wesen hinüberträgt in die Freundesseele und von der Freundesseele herüber in die unsrige, so daß wir sicher sein können auch dann, wenn wir mit ihr verbunden sein müssen durch Bande, die sich nicht unter allen Umständen dem Bewußtsein erschließen können. Wir gehen an unser Lebenswerk, wir sind oftmals unsicher, wie wir uns im Beginn des einen oder des andern verhalten müssen; wir ergreifen des Freundes Hand; wir wissen ihm zu sagen: In dieser oder jener Weise erwarten wir von dir, daß du uns hilfst, daß du mit uns tust das, was wir zu tun gedenken. - Da gibt es eben die starken Freundesseelen, denen wir solches nicht zu sagen brauchen, mit denen wir so tief verbunden sind, daß wir ihnen nur zu sagen brauchen, was wir selber vom Anfang unseres Beginnens wissen, die aber so innig mit uns verwandt sich fühlen im Streben, daß sie mit uns arbeiten, auch wenn sich der Arbeit Frucht und Wesen erst in dem gemeinsamen Wirken selber entfalten kann. Da entwickelt sich die unter der Schwelle des Bewußtseins die Seelen verbindende Leebenstreue, jene Lebenstreue, die wahrhaftig da sein muß auf dem Boden eines geistigen Strebens, wie der unsrige sein soll, jene Lebenstreue, die fest zusammenhält die Seelen auch in dem, was nicht nur hier von den Seelen sich offenbart und auslebt auf dem physischen Plan, die die Seelen zusammenhält bis in die tiefsten Tiefen des geistigen Wesens hinein. So fühlten sich die, die Sophie Stinde wahrhaftig kennen lernen durften hier auf dem physischen Plan, mit ihr verbunden, und so lernten sie erkennen den einen der drei Begleiter, die sie durchs Leben geleiteten und die jetzt ihre Seele in die Gefilde der Ewigkeit hinaufleiten.

Und das, was wir nennen dürfen den geraden Wahrheitsinn, der unbeirrt in der Seele wie selbstverständliches Licht erweckt, so daß diese Seele die Kraft findet, der aufrichtig gemeinten Erkenntnis durch ihre eigene Natur zu folgen, dieser Wahrheitsinn, es war der zweite Genius, der an Sophie Stindes Seite stand, jener Genius, der diejenigen, die ihr nahestanden, so sicher machte in ihrer Nähe, jener Genius, der da bewirkte, daß zwischen ihr und ihren Freunden die Atmosphäre der Wahrheit, die Atmosphäre des ernstesten, würdigsten Wahrheitsuchens sich ausbreitete.

Und der dritte der Geister, die mit ihr waren, die mit ihr bleiben werden, das war derjenige, der in des Menschen Seele entzündet jene tiefe, tiefe Menschenliebe, die diejenigen Untergründe in der Seele des Nächsten zu finden weiß, die der Liebe bedürftig sind, und Sophie Stindes Seele — darf man sagen - ihre Liebe wußte stets die Seelenorte zu finden, wo Liebe nötig ist, und sie war sich dessen bewußt, daß die Liebe da wirken muß, wo sie benötigt ist, wenn sie wirken darf. Aber in diese Liebe, in diese warme Liebe strahlte hinein ein heiliger Pflichtensinn, Pflicht im Kleide der Licbe, das war das dritte Geisteswesen, das an Sophie Stindes Seite stand. Derjenige, der Sophie Stinde verstand, er wußte, wie heilig ihr der Opferdienst der Pflicht war; er wußte aber auch, wie innig in Liebe sie sich verbinden konnte denjenigen Herzen und Seelen, nach denen hin ihre Pflichterfüllung gerichtet sein mußte.

So stand sie wirklich unter uns, so stand sie unter uns in treuer Arbeit, in ernster tiefer Erkenntnisarbeit und Liebesarbeit, so machte sie zu ihrem eigenen Werke das Werk unserer Geisteswissenschaft, so verband sie des Lebens beste Kräfte in hingebungsvoller Art mit demjenigen, was unserer Arbeit nötig ist, so nahm sie auch auf sich als selbstverständliches Opfer alles das, was als Opfer zu leisten ist für unsere Arbeit. Derjenige, der so mit unserer Arbeit, wie Sophie Stinde, verbunden war und ist, der wirkt, hinwegsehend über alles Persönliche, rein sachlich, stets nur das Sachliche im Auge haltend, für die Ziele, die sich unser Streben setzen muß. Da kommt manches Mißverständnis. Es ist ganz naturgemäß im Leben, daß manches Mißverständnis uns entgegenschlägt, wenn wir versuchen als Menschen rein um der Sache willen aus uns heraus zu der Sache im anderen Menschen zu sprechen. Nicht erspart sind unserer lieben Sophie Stinde geblieben Mißverständnisse, die gerade aus Untergründen herauskommen, die mit dem sachlichen Wirken zusammenhängen, denn ein Muster, ein Vorbild war sie in bezug auf sachliches Wirken, so sachlich ihre Persönlichkeit stets unterdrückend, daß sie gar nicht anders konnte, als sich dem Glauben hinzugeben, wenn sie so ganz in Sachlichkeit aufgehe, daß auch jeder andere in voller Sachlichkeit das von ihr Gewollte entgegennehmen könne.

Diejenigen, die sie so wirken sahen unter uns, die werden ihr Bild in sich bewahren als eine Kraft, auf welche das Seelenauge, der geistige Blick des Wesens, der in Sophie Stinde gewohnt hat, herabblicken, herabkraften kann in die Freundesseelen hinein, auf die dieses Wesen mit dem, was es an Macht, an Kraft aus Geistgefilden zieht, hineinwirken kann in die Freundesseelen. Denn diejenige Seele, die also unter uns gewirkt hat, fort wird sie wirken, wenn wir wissen, ihr Wirken in unsere Herzen, in unser Innerstes aufzunehmen.

Und Sophie Stinde war verbunden mit unserer Arbeit nicht nur von der einen oder anderen Seite, verbunden war sie mit unserer Arbeit in umfassendster Art. Sie kam in unsere Mitte herein, indem sie, um voll zu ergreifen das, was sie als ihre Aufgabe erkannte innerhalb unserer Mitte; sie kam zu verlassen die ihr so liebe Kunst, von der sie glaubte zu gewissen Zeiten, daß sie ihr Leben ausfüllen werde. Wir sehen in den Bildern, die sie geschaffen hat und die wir gerne hierherbringen wollten heute, wo wir unsere Gedanken mit Sophie Stindes Erdengedanken verbinden wollen, die liebevollste Erfassung der Natur, das intimste Zusammenleben mit dem, was geistig die Natur durchwallt und durchlebt. Weil sie glaubte, daß sie einem noch Höheren dienen müsse innerhalb unserer Geisteswissenschaft, verließ sie dieses Feld ihres Wirkens und widmete unserem Felde die Kräfte, die sie vorher der Kunst dargebracht hatte. Und wir fühlten in der Art und Weise, wie Sophie Stindes Seelentaten in unsere Geistesarbeit einflossen, diejenige Richtung ihrer Kraft, die voll des künstlerischen Sinnes, voll der künstlerischen Wärme künstlerische Phantasie ausgießen konnte in das, was der Geist erarbeiten will innerhalb unserer Mitte. Und diejenigen, die sich im tiefsten Sinn verbunden fühlen mit unserer Arbeit, die können vielleicht, wenn sie nicht fernstehen demjenigen, was Kunst eigentlich trägt und hegt, ermessen, was es bedeutet für unsere Arbeit, wenn künstlerische Phantasie sich verbindet mit denjenigen Seelenwirksamkeiten, die wir gerade in der Praxis unserer geisteswissenschaftlichen Arbeit brauchen. Ist es doch dasselbe, was in einer gewissen Sphäre aus der menschlichen Seele herausfließt in Farbe und Form in die anderen künstlerischen Arbeitsund Wirkungsweisen, was in anderen Sphären wirksam zu den Erkenntniskräften der Geisteswissenschaft wird, zum geisteswissenschaftlichen Schauen wird. Unendliche Schätze trägt herein in das Feld unseres Wirkens derjenige, der sie von den Gefilden der Kunst, der sie aus der Wärme der Begeisterung für die Kunst, der sie aus dem Vermögen künstlerischen Schaffens bringt. Und so fühlten wir uns auf dem Arbeitsfelde, auf dem unsere liebe Sophie Stinde wirkte, mit ihr verbunden, wie mit ihr zusammen vor dem Opferaltar unserer Arbeit stehend, auf dem sie ihr Bestes aus ihrem diesmaligen Erdenleben willig hinopfern wollte mit uns. So fühlten wir uns in heiliger Pflicht und - wie wir glauben dürfen - in treuer Liebe mit ihr vereint; so blicken wir mit inniger Dankbarkeit auf das, was sie innerhalb unserer Mitte zu unserer Beseligung leistete in ihrer Erdeninkarnation. Und so folgen wir in getreuem Gedenken ihrer Seele, wissend, daß sie unter uns fortwirkt, wenn sie gleich die Art und Weise ihres Wirkens, ihrer Kräfte verändert hat. Und wir brauchen sie, diese Kräfte unter uns. Daß wir in der Lage waren, uns mit dem Gedanken zu verbinden, den Bau, der zuerst in München aufgeführt werden sollte und der nun in Dornach aufgeführt wird, aufzuführen, es hängt innig zusammen mit dem, was Sophie Stinde für unsere Arbeit ersehnte. Und was für das erste Erkeimenlassen des Gedankens an diesen Bau getan werden mußte, das wurde zum großen Teil von Sophie Stinde getan. Den allerersten Gedankenkeimen zu diesem Bau war ihr Sinnen, ihr Sehnen für unsere Geistesarbeit verbunden, und ihnen war wie den anderen Zweigen unseres Arbeitens gewidmet ihre hingebungsvolle Tätigkeit. Ja oftmals sahen wir in den letzten Jahren, namentlich auch in den letzten Monaten, wie sie sich überarbeitend in dem weiten Umfang ihrer Pflichten, der ihr allmählich zugewachsen war, schwächte. Ängstlich sahen wir, wie oftmals ermüdet ihr überarbeiteter physischer Leib die Seele offenbaren konnte. Diejenigen, denen unsere Arbeit teuer ist, die unsere Arbeit verstehen, werden immer verbunden fühlen mit dieser unserer Arbeit den Namen Sophie Stindes. Wir arbeiteten an ihrer Seite in Dornach, wir schauten hin auf das, was wir als künstlerische Form Stück für Stück als Hülle unserer Arbeit dort im Dornacher Bau entstehen sahen. Uns war teuer und lieb, wenn wir mit Sophie Stinde an diesem Bau wirken, diesen Bau betrachten konnten, wie er Stück für Stück entstand. Das physische Auge Sophie Stindes wird nicht an dem Tage, an dem dieser Bau sich seinem völligen Ende naht, wie wir heute vor unsere Seele hinschreiben müssen, auf den Formen dieses Baues ruhen. Verlassen ist die Arbeitsstätte um diesen Bau im physischen Sinn von Sophie Stinde, aber nichts ist in diesem Bau wie in unserer übrigen geisteswissenschaftlichen Arbeit, was nicht im tiefsten Sinn eingeprägt mitträgt Sophie Stindes Geistesmittätigkeit. Und wer unsere Arbeit nicht im abstrakten Sinn, wer sie in Lebendigkeit fühlt, der fühlt mit zu den Organen dieser Arbeit gehörig Sophie Stindes Geistesauge, Geistestaten auch. Physisch werden wir sie ferner nicht am Bau in unserer Arbeit haben, geistig wird sie uns immerdar umschweben. Wir werden nicht nur das Gefühl haben, daß sie treu zu uns halten wird auch in ihrer Geistform, wir werden wissen, daß sie mit der starken Kraft, die sie sich gebildet hat durch ihre Erdeninkarnation für die Geistesform, weiter unter uns wirken wird. Das werden fühlen die Seelen, die Sophie Stinde nahegekommen sind. Bei denjenigen, die in engerem Sinn mit ihr zusammenwirken durften, werden sich besonders der Schmerz und die Liebe zu einem Denkmal gestalten, das kraftend und stets in den ernstesten Augenblicken des Lebens leuchtend in ihrer Seele bleiben wird. Wie treu, wie lieb, wie schön wirkte hier in München Sophie Stinde mit ihrer Freundin, der Gräfin Kalckreuth, zusammen. Diejenigen, die nahestehen diesem Wirken, ich weiß, ich wende mich an ihre Seelen nicht vergebens, wenn ich mit diesen Seelen zusammen es aussprechen möchte unserer lieben Freundin, der Gräfin Kalckreuth, die als die Nächste zurückgelassen ist von der teuren Hingegangenen, wenn ich es ihr ausspreche, daß wir treu mittragen wollen ihren Schmerz, treu mitpflegen wollen das Gedächtnis unserer lieben Freundin. In mustergültiger Weise hat unsere liebe Gräfin Kalckreuth uns Anteil nehmen lassen an der innigen Liebe, mit der sie mit ihrer Freundin verbunden war, neidlos Anteil nehmen lassen, hingebungsvoll Anteil nehmen lassen, nichts für sich beansprucht, das sie nicht gern aus dem teueren Schatz, das sie nicht gern aus ihrer Freundschaft heraus den anderen abgegeben. So möge sie uns gestatten, daß wir in 'Treue geloben, auch nun ihren Schmerz mit ihr zusammen zu tragen, jenen Schmerz, der sich uns so tief in die Seele schreibt aus all der Liebe und all der Schätzung, die wir entgegenbringen mußten Sophie Stinde, weil wir sie zu erkennen versuchten, weil ihre Arbeit als ein so klares Licht, klares Wahrheitslicht unter uns wirkte. Denjenigen aber der lieben Freunde, die Sophie Stinde zu schätzen, zu lieben wußten, denen möchte ich sagen: Wendet Eure Gefühle, wendet Eure Gedanken, wendet all Euer liebendes Seelenwesen hin zu den Geistesorten, wo Ihr Sophie Stindes Seelenwesen jetzt ahnt, wendet diese Empfindungen, diese Gedanken dorthin und lernt Euch gewöhnen, diese Eure Gedanken und Empfindungen an diesen von Euch geahnten Geistesort Sophie Stindes immer dann hinzuwenden, wenn Ihr, die Ihr in treuer Freundschaft ihr verbunden waret, Kraft braucht zu dem, was Ihr hier auf der Erde zu leisten habt, Ratschlag und Zuspruch braucht für manches, was Ihr tun wollt. Wendet Euch hin zu der Seele an ihrem Geistesort, die Euch im Leben so oftmals mit Rat und tätiger Hilfe zur Seite gestanden hat. Ihr werdet Euch nicht vergeblich an sie wenden, an diese Kraft, an dieses Seelenwesen am Geistesort. Ihr werdet fühlen, wenn Ihr Euch sagen werdet: Das ist einer der Augenblicke, wo ich suchen würde Sophie Stinde, wenn sie noch hier weilte in der Welt der Sichtbarkeit, - wenn Ihr solche Augenblicke erfahren werdet, da dürft Ihr die Gedanken, die Empfindungen hinauflenken zu ihrem Geistesort, dürft Euch in der Seele innig mit ihr verbunden fühlen, und wenn Ihr die rechte Liebe, die rechte Schätzung hier in diesem Erdendasein für sie gewonnen habt, dann wird sie den Geistesblick, das Seelenauge, die Geisteskraft zu Euch herunterwenden, und Ihr werdet Rat und Hilfe aus den Tiefen Eurer Seelen heraus erfühlen, die sie Euch auf Geisteswegen zuwendet. - Das können wirdurch die Artund Weise, wie wir uns nun schon mit einer Reihe von unseren lieben Toten verbunden fühlen, erkennen können, daß diejenigen, die uns im physischen Leben verbunden waren, fortwirken unter uns, auch wenn sie ihren Geistesort aufgesucht haben. Sophie Stinde, eine unserer ersten Arbeiterinnen, sie wird eine unserer wirksamsten Geistesarbeiter auch sein da, wo sie nunmehr weilt, nachdem sie den physischen Leib verlassen hat. Und so verbinden wir uns in dieser Stunde so tief, so stark wir nur können, mit ihrer Seele, fassen wir zusammen all das, was in unserer Seele für sie leben kann nach der starken Kraft, wie sie unter uns gelebt hat:

Du Seele, die Du uns so teuer warst, an Dich richten wir uns, damit von diesem Richten unsere Seelenkraft den Ausgang nehme zu dem stetigen Verbundensein mit Dir in Treue, in Liebe, in wachsendem Erkenntnisstreben.

Die Gedächtnisworte: «Dich führen aus dem Erdensein...» werden noch einmal gesprochen. So wollen wir gründen die Gefühle, die Gedanken, die uns verbinden sollen mit Sophie Stindes Geist, so wollen wir in Treue uns selbst und ihr geloben, daß wir festhalten wollen an dem, was uns mit ihr, sie mit uns verbindet auf ewig.

German original of Eulogy for Sophie Stinde · ← Previous · Next →