Our Dead
GA 261 — 23 October 1920, Dornach
Gedenkworte Für Caroline Wilhelm
Meine lieben Freunde!
Auch heute habe ich mit einer Trauerbotschaft zu beginnen. Unser liebes Mitglied, Frau Caroline Wilhelm, hat heute Nacht den physischen Plan verlassen. Es sind jedenfalls eine ganze Anzahl von Freunden unter Ihnen, welche seit Jahren Frau Wilhelm kennen, und welche wissen, mit welcher Treue sie vor allen Dingen an unserer anthroposophischen Geistesbewegung hing, mit welcher Treue sie auch hing an alledem, was hier der Dornacher Bau ist. Mit welcher Liebe ist sie immer herausgekommen! Sie ist seit langem schwer leidend gewesen. Auch als das Leiden, das seit langem nicht viel Aussicht bot auf eine wirklich gründliche Wiederherstellung der Gesundheit, sie schon ergriffen hatte, da kam sie immer wieder und wiederum heraus und fühlte sich gestärkt, auch im Leiden gestärkt durch dasjenige, was ihr hier Dornach war. Sie fand dann manche Linderung da und dort. Sie fand insbesondere durch längere Zeit hindurch die besonders liebe Pflege in der Anstalt unseres verehrten Mitgliedes, Mitarbeiters, des. Herrn Dr. Scheidegger in Basel. Es war rührend, wie sie in ihrem freundlichen Zimmer über jeden Sonnenstrahl sich freuen konnte, auch unter schmerzlichstem Leiden, wie sie immer wieder und wiederum ihre Zuflucht suchte zu alledem, was ihr an Erhebendem, aber auch an Trost und an Kräftigendem gerade die anthroposophische Lektüre bieten konnte. Das ist ganz zweifellos, daß sie mit ihrer Seele dasjenige, was in der Anthroposophie lebt, tief und intim verbunden hat, und daß sie es hindurchgetragen hat durch des Todes Pforte. Und ich bin auch überzeugt davon, daß diejenigen, die sie gekannt haben, diejenigen, die hier gesehen haben, wie treu sie an alledem, was Dornach betrifft, hing, ihre Gedanken auch jetzt vereinigen werden mit dem Streben ihrer Seele. Es wird ganz zweifellos auch unsere Freundin, Frau Wilhelm, stets aus ihrem jetzigen Orte mit inniger Liebe und mit treuer Anhänglichkeit an alledem hängen und bei alledem sein, was hier lebt und wirkt. Dienstag um 4 Uhr wird in Basel die Kremation sein, und es ist zu hoffen, daß diejenigen, die Frau Wilhelm kennen, an dieser Kremation sich beteiligen werden. Jetzt erheben wir uns zum Zeichen, daß wir uns mit ihr verbinden, von unseren Sitzen.