Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 19 March 1921, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum
19. März 1921
Sehr verehrter lieber Lehrer,
ich hoffe, daß Sie während Ihrer Anwesenheit in Stuttgart die Sache etwas ordnen können? Ich denke sehr viel daran und hoffe, daß man am richtigen Orte durchschauen wird, wie furchtbar gemein diese Attacken auf Sie sind, und wie sie gegen alle Wahrheit verstoßen. Unglaublich ekelhaft sind sie, man frägt sich wirklich, wo die wahrhaft einsichtigen Menschen in Deutschland stecken, und ob es gänzlich fehlt an solchen mit einem breiten Horizont.
Einen Brief habe ich von Mrs. Drury-Lavin erhalten. Erinnern Sie sich, sie hat einmal über einen Admiral geschrieben? Derjenige, der viele Jahre Ihre Bücher studiert hat, ohne zu wissen, daß Sie noch leben; und auf der Brücke seiner Schiffe, als er die Wache halten mußte, trug er in der Tasche immer Auszüge von Büchern zum Lesen. Jetzt ist er Mitglied geworden, kommt zum Kursus an Östern, und bringt seine junge Tochter mit, weil er sagt, sie sollte wenigstens etwas Vernünftiges hören, bevor die Welt allerlei Unsinn in ihren Kopf hineinredet! Auch für sie hat er ein Buch geschaffen - Auszüge aus Ihren Büchern, und dieses liest sie jeden Abend. Er hofft auf einige Minuten Gespräch mit Ihnen, nur um zu danken für alles, was er gelernt hat durch die Anthroposophie.
Ich hoffe, daß es mit der Stimme gut geht? Und daß Sie nicht übermüdet sind?
Mit herzlichsten Grüßen
Edith Maryon