Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 14 June 1921, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner Bildhauer Atelier Goetheanum 14. Juni 1921
Sehr verehrter lieber Lehrer,
ich sitze eigentlich noch zu Hause, während ein Arbeiter die «Stink-Rohre» in Ordnung bringt, es ist eine sehr langweilige Arbeit, die man hätte vermeiden sollen. Ich werde wohl heute die Skizze Herrn Bay geben können. Das Wetter ist kalt und unfreundlich. Gestern hat Frl. Vreede einen Vortrag gehalten über Entwicklung und Geschichte der Mathematik - ganz interessant. Nachher haben Wachsmuth, Storrer, Pfeiffer und Herr Stadtlin Fragen gestellt. Wachsmuth hat über Klangfiguren gesprochen, Pfeiffer wollte wissen, inwiefern die alten Ägypter ihre Astronomie auf Mathematik gebaut haben. Er spricht nicht schlecht, aber zu monoton. Von den Mitgliedern waren ziemlich viele anwesend, trotz einem starken Regenwetter, von Außenstehenden leider nur drei oder vier vielleicht. Dr. Boos war nicht dabei, ich habe ihn überhaupt nicht gesehen; bei dem Vortrag Samstag waren seine Mutter und seine Frau anwesend, Nachricht habe ich keine. Ich habe einen Brief von Miss Franklin erhalten, sie lädt mich wieder auf eine kleine Reise ein, vielleicht wäre das die billigste Art für mich, ein wenig Ferien zu haben, wenn man es nur arrangieren könnte, während Sie nicht hier sind.
Rosenkrantz hat mir geschrieben und das Sommerprogramm geschickt; ich habe Ihnen davon drei weitere geschickt und hoffe, Sie haben sie schon in Händen. Die Preise in England für elektro-galvanische Abbilder sind noch teurer als in der Schweiz, so werde ich probieren, wie der Mann in Locle arbeitet. Die Muster, die ich gesehen habe, waren tadellos, aber sehr billig doch nicht.
Ich denke viel an die Arbeit in Stuttgart und wünsche, daß ich mitmachen könnte. Hoffentlich ist die Eurythmie-Aufführung dort gut aufgenommen worden? Ich bin sehr interessiert zu wissen, wie die Dinge weitergehen dort, die Arbeit und die feindlichen Attacken, ich hoffe, daß durch Ihren öffentlichen Vortrag die Situation sich etwas gebessert hat, solch ein Erfolg sollte doch eine Anzahl Menschen gewinnen.
Wenn Sie nur nicht nötig hätten, sich zuviel anzustrengen, daran denke ich.
Mit herzlichsten Grüßen
Edith Maryon