Correspondence with Edith Maryon 1912–1924

GA 263 — 16 November 1921, Hildesheim

Letter from Edith Maryon

Edith Maryon an Rudolf Steiner

Bildhauer Atelier Goetheanum
16. Nov. 1921

Sehr verehrter lieber Lehrer,

ich schreibe nur ein paar Zeilen, bevor ich zur Bank nach Basel fahre.

In der Nacht träumte ich fortwährend von Goethe, ich weiß nicht warum, bis ich gegen 4 Uhr aufwachte und [nach-]dachte. Heute ist es sehr leer im Atelier, man hat jetzt Zeit genug zu denken; mir scheint es, als ob ich für lange Zeit «Martha-Qualitäten» nur ausgebildet habe auf Kosten der «Maria-Qualitäten», und daß ich sehr einer geistigen Vertiefung bedürfte, in vielen Richtungen hin. Ich werde versuchen, während Ihrer Abwesenheit besser in dieser Linie zu arbeiten und zu meditieren. So viel Mangel und Unzulänglichkeiten, auch Ihnen gegenüber, kommen mir immer klarer ins Bewußtsein hinein.

Wenn ich nicht zu spät kommen will, muß ich gleich gehen. Ich hoffe aber auf viel Erfolg am Samstag und werde viel daran denken, bis ich weiß, daß alles gut verlaufen ist in Berlin.

Auch hoffe ich sehr, daß die Reise nach Norwegen ohne Erkältung verläuft, aber das kann man wünschen, ohne viel Hoffnung auf Erfüllung zu haben. Mit guten besten Grüßen

Edith Maryon

German original of Letter from Edith Maryon · ← Previous · Next →