Correspondence with Edith Maryon 1912–1924

GA 263 — 31 January 1922, Dresden

Letter to Edith Maryon

Rudolf Steiner an Edith Maryon

resden, 31. Januar 1922

Meine liebe Edith Maryon!

Nun schreibe ich doch erst von hier aus statt von Hamburg. Aber es geht eben wegen der langen Reisen doch nicht leicht, die Zeit zu finden. Es ist bis jetzt alles gut gegangen: mit den Vorträgen und mit der Gesundheit. Alle Säle waren sehr groß. Es ist nun der Morgen nach Dresden und heute abends Breslau. Ich will nun am 2. Januar [Februar] über Stuttgart zurückfahren. Hoffentlich macht der Eisenbahnerstreik keine Hindernisse. Oft bin ich mit meinen Gedanken in dem Atelier und sehne mich sehr darauf, es wieder äußerlich tatsächlich zu sein. Es wird manche Details von dieser Reise zu erzählen geben; die Aufnahme war bisher durchaus gut von seiten des Publikums. Natürlich kann man durch einen Vortrag nicht viel tun. Man kann nur eine Anregung geben. Man ist eigentlich immer im Anfange der Arbeit.

Und nun bezüglich der vier Fragen: die erste habe ich schon beantwortet. Man kann ganz gut außerhalb der Stadt wohnen, wenn ein Auto vorhanden ist. Bezüglich des Vortragstitels scheint mir am besten: Spirituelle Werte in der Erziehung. Doch ist mir jeder andre auch recht. Besonders auch Erziehung als ein Weltproblem.

Was den Übersetzer betrifft, so sollten das doch die Leute dort entscheiden. Es wird doch kaum jemand besser als Kaufmann übersetzen.

Der Ort für den Sommer sollte nach den dortigen Bedürfnissen festgestellt werden; ich habe darüber keine Wünsche.

Es scheint nun, daß man auch da mit sektiererischen Neigungen zu kämpfen hat. Mir ist das sehr zuwider. Es sollte doch alles unabhängig von den Gewohnheiten der theosophischen Gesellschaft eingerichtet werden.

Ich habe den Brief nach Bremen bekommen. Und danke sehr dafür. Die Sache geht allerdings darauf zurück, daß ich nicht Flossy als Vermittlerin von Briefen wollte und ihr einmal sagte: man muß mir direkt schreiben. Nicht wahr, es ist dies zu verstehen; es bezieht sich ja alles, was ich sage, immer auf den einen konkreten Fall. Ich möchte Genauigkeit in den Sachen haben, und die Geschichte mit dem Artikel in Hibbert Journal beweist dies. Ich sagte also dieses nur für den betreffenden Fall.

Auch den Brief nach Hannover habe ich bekommen, kann aber jetzt nur noch herzlichste Grüße anfügen, denn bald geht mein Zug. Genau zu sagen, wann ich ankomme, ist doch von hier aus nicht möglich. Ich komme sobald es geht. Wie gesagt, hoffentlich macht nicht ein Eisenbahnerstreik einen Strich durch die Rechnung. Gestern wurde mir hier schon ein Auto für diesen Fall angeboten. Nun hoffentlich brauche ich es nicht, denn so etwas macht sich doch schwierig.

Auf baldiges Wiedersehen

Rudolf Steiner

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