Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 11 October 1922, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum,
11. Oktober 1922
Sehr verehrter lieber Lehrer,
weil der Brief immer noch nicht angekommen ist, befürchte ich, daß es allzuviel Überlastung mit Arbeit bedeutet. Ich bin deswegen traurig! Ich hatte eine leise Hoffnung, man würde etwas auslassen und Vorträge korrigieren, was immer noch genug Arbeit gibt!
Hier ist die Zeit ausgefüllt mit Telephonieren, Briefe beantworten und recht viel Ordnung machen auf allen Gebieten! Heute aber, weil die Sonne ein bißchen scheint, fahre ich nach Basel.
Mrs. Horegood hat mir geschrieben, einige Fragen, die auf Ihre Ankunft warten müssen, und mir persönlich wegen Susie, sie möchte sie nämlich in [die] Villa St. Georg schicken. Hoffentlich wird es sich arrangieren lassen, zur Befriedigung von Susie und ihrer Mutter.
Admiral Grafton hat mich mehrmals besucht. Ich hoffe, es steht doch nicht so schlimm mit seiner Tochter, sie will nur selber das Leben ein bißchen kennenlernen. Sie geht in drei Wochen auf einige Monate zu Rev. Lord Victor Seyman wohnen. Der Admiral erhofft sehr viel davon, weil er ein Pfarrer und ein Lord sei!! Ich hoffe sehr, er wird nicht enttäuscht! Er redet aber vernünftig darüber und baut einige Hoffnung auf die Ansichten der Tochter, sie scheint mir auch nett zu sein.
Herr Steffen kam wieder gestern abend und war sehr befriedigt zu hören, daß der 5. Vortrag schon unterwegs sei. Er sagte mir weiter, daß Herr Prof. Bürgi sich wirklich recht viel Mühe gibt und ihm viel hilft.
Sonst habe ich keine weitere Nachricht aus London, aber der Admiral will heute beim Konsulat anfragen, und falls etwas bekannt ist über Ihr Visum, werde ich Ihnen das gleich schreiben.
Weiter möchte ich nur alle guten Wünsche schicken - und Hoffnung, daß Sie kein Kopfweh haben? Und daß alles ruhig ist in Stuttgart, und daß man recht viel acht gibt.
Mit allerherzlichsten Grüßen
Edith Maryon