Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 18 October 1922, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum,
[vermutlich nach dem 14. Oktober 1922]
Mittwoch
Sehr verehrter lieber Lehrer,
heute morgen ist die Einladung für die Eurythmisten endlich gekommen, und ich bin beim Konsulat gewesen. Es war recht schwierig! Er sagte, es läge überhaupt nicht in seinen Möglichkeiten, etwas für Den Haag auszurichten, man müsse dort Schritte einleiten; allerdings könne man das erst tun, wenn die Damen schon da seien, und das wäre natürlich zu spät, weil es doch ziemlich lang dauern würde. Er gab allerlei gescheite Ratschläge, daß die Damen von Den Haag nach Basel kommen sollten, um ihre Visa perönlich zu holen; man solle die Pässe durch die Post schicken usw. Es dauerte lang, bis ich die drei Herren umgestimmt habe, und endlich hat er nach Zürich telephoniert und von dort die Erlaubnis bekommen, die Papiere dorthin zu schicken und die Visa nach Haag, wo ich sie persönlich holen muß. (Die Ihrigen kommen nach Basel). Die Erlaubnis des Ministry of Labour ist noch nicht hier, und ich habe versprochen, es ihm gleich zu senden, und auch, daß ich in London jemand schicken würde zum Ministerium und zum Foreign Office. Von Zürich will man telephonisch anfragen.
Ich werde auch den Admiral veranlassen, zu schreiben.
Dann habe ich dem Baron geschrieben, um ihm Beine zu machen, und auch geklagt, daß man mir allzu wenig Einzelheiten geschrieben hat, die möglich gewesen wären zu wissen; sie nehmen die Sache dort allzu leicht, es ist in Wirklichkeit viel schwieriger, als sie meinen. Ich habe ihm auch gesagt, er muß die Dinge beschleunigen. Sie haben wirklich etwas geschlafen, die Einladung hätte früher hier sein sollen, und man hätte auch früher anfangen sollen mit dem Ministry of Labour. Aller Wahrscheinlichkeit nach sollte ich jetzt früher nach Haag reisen, nur dann muß ich ein heizbares Zimmer dort bestellen, und wenn ich zu lange warte, gibt man mir etwas weit weg! Es kann sein, daß man von Haag aus telegraphieren muß, wenn es zu lang dauert, vielleicht wäre es gut, Frau Fortuyn zum Konsulat zu schicken, [um] etwas später anzufragen? Oder sollte man warten damit, bis ich ankomme? Man darf keinen Fehler machen, der Kürze der Zeit wegen.
Hoffentlich geht es gut bei Ihnen - gesundheitlich? Ich hoffe, alles geht ruhig vorwärts, ohne irgendwelche Störungen.
Mit allerbesten Grüßen
Edith Maryon