Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 26 April 1923, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum Donnerstag
Dornach, [vermutlich 26. April 1923]
Sehr verehrter lieber Lehrer!
Wahrscheinlich reisen Sie jetzt nach Prag. Hoffentlich ist alles gut gegangen in Stuttgart, so daß Sie es nicht nötig haben werden, eigens eine Zeit auf der Rückreise dort zu bleiben, sondern eine direkte Durchreise machen können. Das wäre schön!
Gestern hat die Bengalische mich besucht und allerlei mir erzählt, sonst ist alles sehr still hier; das Wetter ist jetzt endlich einmal besser, so daß ich gestern zweimal spazieren gehen konnte, auch Samen im Garten säen. Kalähne hat sich nach einem halben Tag Ferien und einer Nacht zu Hause beruhigt, wahrscheinlich war sie bloß etwas müde und ein bißchen nervös.
Außer etwas Hustenreiz geht es mir gut. Gestern hat Miss Lewis mir ein Buch geliehen, worüber ich viel lachen mußte, und das Lachen tut gut! Ich habe das Atelier auch einmal besucht und alles war in guter Ordnung, außer der Luft! Die Luft aber war schrecklich «muffig». Eine Änderung hier ist wirklich nötig. (Ich kann nicht ordentlich schreiben mit dieser Feder - aber im Hause ist keine andere.) Alle die Blumen waren verwelkt.
Ich habe an Stuttgart viel gedacht, und jetzt denke ich daran, wie es wird in Prag, obwohl das etwas schwieriger ist, sich vorzustellen, weil ich die Stadt nie gesehen habe.
Morgen ist der 27., also noch zwei Vorträge, dann kommen Sie zurück zur Arbeit hier.
Frau Dr. Wegman meint, eine Ritter-Salbe zum Einreiben auf der Brust könnte mir vielleicht helfen. Sie heißt so etwas wie Plantagen oder ähnlich. Meinen Sie, es wäre gut? Ich habe immer noch oben dies Gefühl, etwas ähnlich einem Erkältungsgefühl, das den Atem erschwert; nachdem ich geschlafen habe, geht es immer etwas besser eine Weile.
Heute scheint die Sonne und das Wetter ist herrlich, schade, daß Sie nicht hier sind um es auch zu genießen.
Frl. Bauer schickt Grüße und wartet darauf, den Brief auf die Post zu tragen, so, weil ich keine [weiteren] Nachrichten habe, will ich bloß Auf Wiedersehen sagen und herzlichste Grüße senden.
Schöne Grüße
Edith Maryon