Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 2 August 1923, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner Bildhauer Atelier
Sehr verehrter lieber Lehrer, Goetheanum, 2. Aug. 23
heute ist noch weniger geschehen als gestern, außer ein bißchen lesen, viel im Garten sitzen, und einem kurzen Besuch im Atelier habe ich sonst überhaupt nichts getan. Das Wetter heute ist herrlich, wie schade, daß Sie in einem heißen Coupe& sitzen müssen, aber in einigen Stunden wird es wohl besser, weil Sie dann auf das Meer kommen. Ich hoffe sehr auf eine gute Überfahrt, und baldige Nachricht davon zu erhalten. Wenn nur die Leute nicht zu anspruchsvoll sind, werden Sie ein paar Stunden und eine Nacht in London ausruhen können, was sehr wünschenswert wäre. Hoffentlich wird man Ihnen auch das Vergnügen ersparen, im heißen Theater den Abend zu verbringen! Gute Sachen gibt man in London sowieso nicht im August.
Wenn Sie wiederkommen und bevor Sie wegfahren müssen, wäre es nicht möglich, ein Michaelifest zu feiern? Sie haben soviel davon gesprochen, wäre es möglich, jetzt einen Anfang hier zu machen? Vielleicht könnte ich bis dahin auch dabei sein.
Der Sonnenuntergang ist wunderbar schön, auf dem Horizont weit ausgebreitet, hell rosarot mit seinem zarten Hauch von Iila, dann oben hellgold, dann wieder rosarot mit lila.
- Aug. In der Früh hat es sehr stark geregnet, jetzt hat es aufgehört und es bleibt dumpf warm. Sie sind wohl jetzt in London. Heute malte ich wieder Eurythmiefiguren, und setzte die Arbeit mit den Rechnungen fort, (was gründlich langweilig ist!).
Gerade kommt ein willkommenes Briefchen aus Stuttgart, wie froh bin ich, daß es Ihnen gut geht - hoffentlich nicht zu müde?
Ich hoffe nur, es wäre endlich den Stuttgartern unmöglich gewesen, weiteres Unheil auszudenken, es macht mir Sorgen zu hören, daß sie doch Unglaubliches zustande gebracht haben. Es wird vielleicht zu lang sein, mir weiteres zu erzählen?
Ich sende eine Pressenotiz, obwohl sie oberflächlich und uninteressant ist. Es wird gar nicht unterschieden zwischen den verschiedenen «Teachers», als ob sie alle gleich wert wären, und die Geschichte von jedem scheint auch ziemlich unbekannt zu sein.
Alle Glückwünsche für die Konferenz!
Herzlichste Grüße
Edith Maryon