Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 4 August 1923, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier, Goetheanum
Dornach bei Basel, 4. Aug. 23
(8.30 Uhr nachmittags)
Sehr verehrter lieber Lehrer,
hoffentlich sind Sie gut in Ilkley angekommen, ohne zu große Müdigkeit. Es spricht wohl jetzt Miss Macmillan, und nachher, denk ich mir, werden Sie ein paar Worte sagen, um die Leute zu begrüßen. Es interessiert mich sehr zu wissen, wieviele erscheinen und was für eine Qualität? Miss Beverley hat mir versprochen, Zeitungs-Notizen zu schicken, wenn es welche gibt, hoffentlich hält sie Wort.
Heute war das Wetter ganz herrlich, ich war viel draußen, aber habe dort Figuren gemalt, gelesen usw. Gestern abend kam Frau Dr. Wegman, aber sie hat nichts Neues gesagt, außer, daß Frau Dr. Bockholts Vater schwer krank ist, und deswegen ist sie abgereist; es kann sein, daß Wegmans eigene Reise dadurch etwas hinausgeschoben wird; weil sie Frau Dr. Walther nicht allein lassen kann.
Sonntag Abend. Wiederum konnte ich viel draußen sitzen, heute weniger Hustenreiz. So viele Sonntags-Spaziergänger gehen vorbei, meistens zupfen sie an der Brombeerhecke, die schwarzen Beeren scheinen in dem Sonnenglanz allzu verlockend. Unten im Dorf gibt es Karussell und man feiert immer noch die Bundesfeier, die Musik hört man bis hier oben, was man gerne entbehren könnte. Alles reist jetzt ab, vorhin Clason und Geck, jetzt die Eurythmisten; die Arrangements sind noch mehr primitiv als sonst, weil es Sonntag ist. Es wird stiller und stiller hier und Ereignisse sind nur der Briefbote, wenn er etwas bringt. Ich denke, was geschieht jetzt in Ilkley, hat man Ruhe beim Vortrag? Und ich hoffe, nichts Unangenehmes ist vorgekommen? Etwas unruhig bin ich.
Gerade spazieren Herr Steffen und Frau Stückgold mit Felicitas vorbei. Er sagt, Frau Hecker aus Chicago sei angekommen und bringe gute Nachricht, auch Geld, aber Einzelheiten konnte er mir natürlich nicht von der Strasse aus mitteilen, als ich oben beim Fenster saß.
Montag. Der Brief aus Harwich [ist] angekommen. Mir ist die Nachricht von der Zugverspätung sehr unwillkommen, ich war unruhig, daß Ihnen etwas geschehen ist, Finger verbrannt oder etwas [anderes] Unangenehmes. Geht es Ihnen wirklich gut? Bitte mir zu sagen. Ich hoffe, ich werde bald hören, was geschehen ist.
Hier ist alles gleich. Bauer liegt zu Bette und ruht sich aus, sie ist sehr übermüdet und herunter.
Das Wetter ist etwas heißer geworden, so hoffentlich ist es auch schön in Ilkley.
Sie haben wohl übernachten müssen in Vlissingen?
Bitte mir zu schreiben, daß es Ihnen gut geht - die Wahrheit!
Herzlichste Grüße
Edith Maryon