Correspondence with Edith Maryon 1912–1924

GA 263 — 5 August 1923, Ilkley

Letter to Edith Maryon

Rudolf Steiner an Edith Maryon

Ilkley, Hillside, 5. August 1923

Meine liebe Edith Maryon!

Es geht gut; ich will jetzt die Geschichte vom verspäteten Ankommen erzählen. Wir, Frau Dr., Mr. Pyle, Dr. Wachsmuth und ich fuhren ganz ordnungsgemäß von Stuttgart nach Oldenzaal, die Eingangsstation zu Holland. Da wurde ich herausgeholt, weil man das eingeschriebene Gepäck beschauen wollte beim Zoll. Ich ging dann durch die Bahnhofsperre, und da wurden die Pässe verlangt. Der Mann hielt aber Frau Doktors Paß, die im Zuge geblieben war, zurück und sagte: er müsse sie selbst von Angesicht zu Angesicht sehen. Deshalb werde er den Paß in den Zug bringen. Ich ging dann r»r mit meinem Paß in den Zug. Bis vor Abgang war aber Frau Doktors Paß nicht da. Ich zog mir meinen Überrock an - wohl gemerkt, ich ging nicht ohne Überrock - und wollte nach dem Paß schauen. Doch siehe, der Zug fuhr ab. Frau Doktor, Mr. Pyle, Dr. Wachsmuth waren im Zuge; ich war in Oldenzaal zurückgeblieben. Schnell erkundigte ich mich, was mit dem Paß geschehen. Der war doch auch im Zuge. Alles war also in Ordnung. Nur ich war nicht dabei. Da ließ ich schnell nach der nächsten Haltestation durch den Bahnhofchef telephonieren, daß die Entfahrenen doch aussteigen sollen; ich würde mit dem nächsten Zug dorthin - nach Almelo - nachfahren. Der Zug zum Nachfahren war auch schon da. Ich stieg ein und traf denn in Almelo Frau Doktor, Mr. Pyle und Dr. Wachsmuth. Nun mußten wir alle vier in Almelo bleiben. Da kriegten wir gute Zimmer; es war auch gerade eine Hochzeit im Hotel, die Leute schrieen, tanzten, ein furchtbarer Spektakel.

Am nächsten Tage erst ging es weiter nach Hook van HollandHarwich. Von da direkt nach Ilkley, wo wir mit 24-stündiger Verspätung Samstag abends ankamen. Die Verspätung hat nichts gemacht, als daß wir eben nicht nach London kamen. Ich muß mich also darauf verlassen, daß der Schnee [Schnupftabak] brieflich kommt.

So war diese Reise mit Romantik. Besten Dank für den Brief, den ich hier vorgefunden habe. Ich sehe freudig, daß es dort nicht allzu schlecht geht und hoffe, daß es immer besser wird. Heute abend soll ich den ersten Vortrag haben. Heute bin ich genügend, trotz der Reiseromantik, ausgeruht. Man ist hier schon ganz im englischen Norden. Aus diesem sende ich die

allerherzlichsten Gedanken

Rudolf Steiner

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