Correspondence with Edith Maryon 1912–1924

GA 263 — 15 August 1923, Hildesheim

Letter from Edith Maryon

Edith Maryon an Rudolf Steiner

Bildhauer Atelier, Goetheanum
Dornach bei Basel, 15. Aug. 1923

Sehr verehrter lieber Lehrer,

heute ist es wieder sehr heiß, nachmittags viel Wind, vielleicht kommt ein Sturm. Es ist Freitag und sehr still.

Heute morgen ist Frl. Günther weggegangen. Sie hat viel Schmerz in den letzten Tagen gehabt, und war (so sagt Frl. Stolle) öfters abwesend; gegen 5 Uhr in der Früh ist sie ganz sanft entschlafen. Stolle war bei ihr. Die Schwester Johanna sollte alles für sie arrangieren, sagte mir Mitscher. Es ist wohl für sie eine Erlösung nach so langer Krankheit. Frau Dr. Wegman und Herr Steffen beschäftigen sich damit, was später zu tun ist, höre ich jetzt. Frl. Bauer geht es besser, sie war sogar in der Stadt. Mir geht es ein wenig besser, nur die zu große Hitze find’ ich für das Herz etwas anstrengend, deswegen tue ich so gut wie nichts bis es kühler wird. Hoffentlich ist es nicht zu heiß in Ilkley? Bald wird die erste Hälfte der langen Zeit vorüber sein.

Donnerstag. Der Sturm kam, war aber nicht sehr groß, aber heute ist es bedeutend kühler und frischer.

Der Brief ist heute Morgen gebracht worden, weil gestern, feiertags, niemand etwas von der Post geholt hat. Ich bin sehr froh, daß alles gut geht. Durch Miss Wilson (über Miss Lewis) höre ich, daß es kalt war und naß in Ilkley letzte Woche, ich hoffe, daß Sie reklamieren, wenn nicht genug warme Decken im Zimmer sind, es wird sehr wahrscheinlich nötig sein in Penmaenmawr. Dort ist es öfters sehr frisch, und Hotels tragen öfters nicht genug Sorge dafür, auch habe ich etwas Mißtrauen in bezug auf die jetzigen Kursleiter - ich meine ihre Fähigkeiten, alles zur rechten Zeit in Ordnung zu haben. Bitte reklamieren Sie und erkälten Sie sich nicht, bitte nicht vergessen nachzusehen, was im Zimmer vorhanden ist. Dieser Brief sollte auch am Samstag ankommen. Programm habe ich noch keines gesehen.

Ja, die Nachrichten aus Deutschland sind alle sehr, sehr betrübend, man kann nur traurig sein.

Es freut mich aber zu hören, daß etwas Enthusiasmus, Verständnis und Energie zu finden sind unter den Kurs-Leuten. Wenn sie nur eine ordentliche Schule auf die Beine stellen könnten, würden Sie ein bißchen belohnt sein für all die Mühe. Miss Wilson schreibt einige Einzelheiten über den starken Eindruck, den die Vorträge machen, aber alles hängt von der Persönlichkeit der Menschen ab; Miss Cross war leider nicht fähig, etwas durchzusetzen.

Ich weiß jetzt gar nicht, wann Sie Vorträge haben, wenn es kein Programm gibt; werden sie alle und auch die Eurythmie Improvisationen sein?

Allerherzlichste Gedanken

Edith Maryon

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