Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 27 August 1923, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum
Dornach bei Basel, 27. Aug. 1923
Sehr verehrter lieber Lehrer,
heute ist ein trüber Regentag, aber ich bin sehr glücklich, so viel Nachricht von Penmaenmawr zu erhalten. Auch bin ich recht froh, daß Sie die esoterische Atmosphäre dort so günstig finden, ich kann mir ganz gut vorstellen, daß in einem keltischen Land wie Wales etwas noch geistig zu finden wäre. Das Volk klammert sich noch an die Reste ihres alten Druidentums, ihre Sprache und altes Sängertum - die «Bards». Ich hoffe, Sie werden gelegentlich ein bißchen von den alten Gebräuchen sehen können; die Eistedfod war letzte Woche, ich weiß nicht, wie lang es dauert. Bilder davon schickte ich.
Schade, daß Miss Groves (ich nenne sie Miss Grob!) solch eine unverzeihliche und taktlose Attacke machte auf Mr. Dunlop; vielleicht mag sie ihn nicht, aber so etwas ist nur zu unterlassen. Es ist mir leider mehrmals zu Ohren gekommen, wie sie unserer Sache wohlwollende Menschen in weniger wohlwollende verstimmt hat durch ihre Taktlosigkeit. Ich sehe nicht, warum man den Veranstaltungen weiter einen so äußerlichen Erziehungs-Charakter geben muß, ich meinte, so etwas wie Oxford war nur nötig als Nachkriegs-Maßnahme, das jetzt nicht mehr nötig ist. Sicher, wenn Sie sagen würden, es ist Ihnen jetzt lieber, eine rein anthroposophische Umrahmung in Zukunft zu haben, werden alle froh sein, diesem Wink zu folgen. Oxford hat sie vielleicht ein bißchen irre gemacht. Vielleicht wird D.N. Dunlop jetzt mehr geneigt sein, Dornach selber zu besuchen, und zu sehen, wie es in Wirklichkeit dort aussieht. Miss Groves ist sicher ein schlechter Spiegel, und Collison in seiner Art nicht besser.
Der Sonnenuntergang trotz Regen war so schön. Oben dunkelgrau, aber am Horizont ein breites Band Gold, stundenlang ist es noch ganz hell dort geblieben.
Dienstag. Baron Walleen ist überfahren worden von einem Fahrrad, es geht ihm aber nicht schlecht. Seine Frau hat ihn zuerst verbunden, und jetzt liegt er zu Hause. Frl. Dr. Bockholt besucht ihn. So viel Wind heute, ich werde nicht ausgehen können. Heute Morgen war es, als ob ein Hauch von dem Vortrag herüberwehte, so schön war die Stimmung dabei.
Frau Bögel ist angekommen; sonst gibt es wohl nichts zu melden. Ich hoffe, daß Sie sich nicht erkälten bei der nassen Kälte in Penmaenmawr? Liverpool und Manchester sind ganz nahe, wo man alles kaufen kann an warmen Sachen.
Herzlichste Grüße
Edith Maryon
Ich habe keine Londoner Adresse.
Wo wird die Eurythmie stattfinden?