Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 13 September 1923, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum
Dornach bei Basel [vermutlich 13. September 1923]
Donnerstag
Sehr verehrter lieber Lehrer,
ich hoffe, Sie haben eine gute Reise gehabt und sind nicht allzu spät nachts in Stuttgart gut angekommen.
Frau Leuzinger ist gerade zu mir gekommen mit einer komischen Geschichte. S$ie erzählt, sie hat einen Scheck aus London bekommen, von zwei ihr unbekannten Damen aus dem dortigen Zweig - unterzeichnet von Miss Maryon! und einer anderen, an deren Namen sie sich nicht erinnert — (Scheck und Brief hat sie leider nicht mitgebracht). Der Betrag war ungefähr für 380 frs und war die Hälfte dessen, was sie (so sagt der begleitende Brief) für die Damen ausgegeben hat für die Pässe und die Reise nach England; die andere Hälfte des Geldes würde in einigen Tagen nachgeschickt. Nur, sagte Frau Leuzinger, hat sie überhaupt nichts ausgegeben und versteht von der Sache gar nichts, hat aber überall herumgefragt, was das bedeuten sollte, und endlich kam sie zu mir. Ich habe ihr geraten, entweder den Scheck zurückzusenden an die zwei Damen und zu sagen, daß sie mit der Sache nichts zu tun hat, oder Mrs. Mackenzies Ankunft in ein paar Tagen abzuwarten, und die Sache mit ihr zu besprechen. Es war nicht gerade leicht, zu verstehen, was geschehen ist, weil Frau Leuzinger in einigen Punkten ihrer Erzählung nicht sehr klar ist; und sie machte auch keine Miene, den Brief zu holen, was vielleicht etwas klar gemacht hätte. Ich weiß auch nicht, ob vielleicht die Sache kompliziert ist mit dem Preis für die Eurythmie-Figuren. Sie müssen sehr nachlässig sein in London, so etwas zu machen. Vielleicht verstehen Sie oder Frau Doktor etwas von der Geschichte!
Ich muß etwas eilig schreiben, sonst kommt der Brief nicht an, an der Post.
Es ist sehr langweilig hier, ich möchte, daß ich nach Stuttgart reisen könnte! Ich habe neue Gedanken sehr nötig - vielleicht lernt man sie bei dem Vortrag von Dr. Unger am Montag!
Es geht mir ungefähr gleich, nur etwas Schmerz an der Stelle, wo es nicht sein sollte, aber es geht vorüber.
Ich hoffe, die Zeit in Stuttgart wird nicht allzu anstrengend und ekelhaft.
Mit allerherzlichsten Gedanken und Grüßen
Edith Maryon