Correspondence with Edith Maryon 1912–1924
GA 263 — 26 September 1923, Hildesheim
Letter from Edith Maryon
Edith Maryon an Rudolf Steiner
Bildhauer Atelier Goetheanum
Dornach bei Basel, 26. Sept. 1923
Sehr verehrter lieber Lehrer,
es scheint sehr schlecht gegangen zu sein mit dem Früh-zu-Bette-Gehen! Ich sende allerbeste Gedanken und Wünsche für den heutigen Vortrag, und hoffe, daß die Reise nicht allzu ermüdend war, und daß man einen ruhigen Tag heute gehabt hat; ohne Besucher, es war sicher sehr nötig.
Sie werden wohl wissen, daß der kleine Paul zwei Stunden später (als Sie nach Hause gingen) weggegangen ist, ohne wieder zum Bewußtsein zu kommen; ich hoffe, es ist ihm so leichter gewesen. Er hat es sehr schwer gehabt, der arme Bub.
Heute ist es hier sehr unruhig, zwei Arbeiter hängen die Doppelfenster ein. Um 11 Uhr hat man die erste Sprengung im Bau gemacht — es war aber gar nicht so arg, obwohl es nicht ungefährlich ist. Ich sah die Splitter hinauffliegen, und mehrere Fensterscheiben in der Schreinerei haben gelitten. Um 4 Uhr werde man weitermachen. Die Fenster werden diesmal offen gelassen.
Die Gesundheit ist wieder ein bißchen besser. Aber ich merke nicht die Geduld, von der Frl. Waller spricht, im Inneren warte ich doch ungeduldig auf die Zeit, wo ich freier mich bewegen kann, und nicht ewig mit Gesundheits-Gedanken mich befassen muß. Daran möchte ich lieber nie denken. Es ist schön und sonnig, ich werde wohl jetzt etwas spazierengehen.
Ich hoffe, eine kleine Nachricht zu bekommen über die Reise und Vortrag, und hauptsächlich über Gesundheit?
Ich denke viel an den Vortrag heute.
Herzlichste Grüße
Edith Maryon