Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914

GA 264 — Düsseldorf

Ausführungen über Wesen und Wirken der Meister in esoterischen Stunden XI

Gedächtnisnotizen von Mathilde Scholl

Der esoterische Schüler hat beim Eintritt in die Schule nur eine Bedingung zu erfüllen, nämlich die, daß er seine Vernunft, seine Intellektualität ganz anwendet auf das, was ihm an Lehren zufließt, daß er sich beim Anhören der Lehren fragt: Ist es vernünftig für mich, diesen Weg zu gehen? daß er mit seiner Vernunft, seinem Verstande erkennt und erfaßt, was ihm gegeben wird. Dies ist unbedingt notwendig, damit das, was wir esoterisch an uns zu arbeiten haben, die richtige Wirkung habe. Nur unter dieser Bedingung kann unsere esoterische Arbeit die richtigen Früchte tragen. Die Schule hat dagegen die Bedingung zu erfüllen, daß alles, was durch sie hindurchfließt, nur ausgeht von den großen Lehrern, die wir die Meister der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen nennen. Welchen Zweck verbinden sie denn mit diesen esoterischen Schulen? Es soll ein kleines Häuflein Menschen erzogen werden, die ausgestattet werden sollen mit dem Wissen über die Entwickelung der Welt und der Menschheit, und die die richtige Gesinnung mitbringen für die großen spirituellen Wahrheiten, die hinter den Weltgeschehnissen stehen. Diese Wahrheiten sollen sie dann wieder einfließen lassen in die Entwickelung der Menschheit, zur Förderung derselben. Wie kommt es, daß gerade jetzt diese spirituelle Bewegung entstanden ist? Das beruht auf wichtigen Vorgängen in den geistigen Welten, denn alles auf Erden ist nur eine Widerspiegelung aus ihnen. Wir haben gesehen, daß große geistige Hierarchien die Befehle der Gottheit ausführen und die Geschicke der Menschheit lenken. Acht Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung war es notwendig, um von einer Seite das Mysterium von Golgatha vorzubereiten, hemmende Kräfte in die Entwickelung zu schicken, und es wurden die Scharen eines Führers, der im Okkultismus Mammon genannt wird, zu diesem Zwecke losgelassen. Sie verdunkelten mehr und mehr den Menschen das Bewußtsein für ihren Zusammenhang mit der Göttlichkeit. Das alte Hellsehen ging den Menschen verloren und es blühten die Wissenschaft und Philosophie des Abendlandes auf. Die alte orientalische Philosophie hat ihre Ursprünge noch in dem alten Hellsehen, während die griechische ganz aus dem Materiellen herauswächst. Der Ausspruch des Thales «Alles entsteht aus dem Wasser» wurde allmählich ganz materiell aufgefaßt. Für das Geistige hinter dem Wasser verlor man die Erinnerung. Aber auch in diesen Zeiten der Verdunkelung wirkten große Lehrer, die die Menschen an ihren geistigen Ursprung erinnerten. Nehmen wir nun einmal an, daß ein Mensch jener Zeit gar keine Gelegenheit gehabt hätte, den Lehren eines Buddha, eines Zarathustra und so weiter zu lauschen, was wäre mit einem solchen Menschen nach dem Tode geschehen? Sie wissen, daß das Leben zwischen zwei Inkarnationen ebenso der Veränderung unterworfen ist, wie das geschichtliche Leben im Physischen.

Die Verdunkelung des menschlichen Bewußtseins war natürlich nur nach und nach eingetreten, wie alles nur nach und nach in der Entwickelung geschieht. Diese Geister des Mammon hatten nur allmählich ihren Einfluß geltend machen können und es war jedesmal der Sohn weniger hellsichtig als der Vater, der Großvater noch hellsichtiger und so weiter. Starb nun ein Mensch mit ganz verdunkeltem Bewußtsein für das Göttliche, so nahm er diese Verdunkelung mit hinüber und mußte sich ganz allmählich aus dieser Wolke herausarbeiten und zwar dadurch, daß er sozusagen, um bildlich zu sprechen, von Hand zu Hand ging, die Reihe seiner Vorfahren hinauf, bis zu dem Urahn, der noch das volle, alte Hellsehen gehabt hatte. Dadurch zerteilte sich allmählich für ihn die Wolke. Das nahm natürlich viel Zeit in Anspruch, und es konnte geschehen, daß ein solcher Mensch seinen Urahn nicht mehr antraf, weil dieser inzwischen wieder inkarniert war, und so mußte er unreif zu einer neuen Inkarnation zurückkehren. Diesen Weg nannte man den «Väterweg» oder «Pitri (Väter)-yana» in der östlichen Weisheit. Wer aber die Lehren eines Zarathustra, eines Buddha aufnahm, einem großen Lehrer folgte, der wurde drüben von dessen Hand empfangen und der Lehrer kürzte ihm den Pitriyana, teilte die Wolke für ihn und führte ihn zu seinem göttlichen Ursprung. Diesen Weg nannte man in der östlichen Weisheit den «Devayana» (Götterweg). In die Zeit der tiefsten Verdunkelung leuchtet herein als Licht das Mysterium von Golgatha. Die esoterischen Schüler wissen oder sollten wissen, daß mit dem Augenblick, als das Blut aus den Wunden floß, der Christus die Reise in die Geisteswelt antrat, daß er im Devachan erschien. Das war die geistige Widerspiegelung oben zu den physischen Ereignissen unten. Was das Mysterium von Golgatha der Menschheit gebracht hat, das ist da; aber das Verständnis dafür, das kann erst ganz allmählich in den menschlichen Seelen aufleuchten; ja, es kann selbst heutzutage noch nicht allgemein eintreten. Die führende Macht in den Menschengeschicken hatte zur Zeit des Mysteriums von Golgathaausden Händen Michaels Oriphielübernommen, der einer der Führer ist, dem die Scharen des Mammon dienen, und der der EntwickelungdieHemmnisseund Hindernisse entgegenzuhalten hat.

Michael löste Gabriel ab, der im 16. Jahrhundert, nachdem vier weitere Erzengel auf Oriphiel gefolgt waren, wiederkehrte, die Herrschaft von neuem übernahm. Gabriel hat die Leitung der menschlichen Geburten unter sich, deshalb ist er es, der zum Beispiel die Geburt des Johannes, des Christus verkündigt. Er bereitete uns im 16. Jahrhundert das Gehirn, die Stirn des Menschen durch Auswahl der Geburten so vor, daß sich ein Organ darin ausbildet, das man allerdings mit den Mitteln der materiellen Wissenschaft nicht entdecken kann, das aber das heutige Gehirn anders erscheinen läßt als das eines Menschen aus dem 13. oder 14. Jahrhundert zum Beispiel.

Seit dem 16. Jahrhundert hat sich also das menschliche Gehirn für den Hellseher deutlich wahrnehmbar verändert und zwar zu dem Zweck, die Menschen fähig zu machen, das Christentum in seiner ganzen Bedeutung allmählich verstehen zu lernen.

Wir haben gesehen, daß im 4. bis 14. Jahrhundert die Vervielfältigungen des Äther- und Astralleibes Christi an Persönlichkeiten verliehen wurden, die auf diese Weise den Geist des wahren Christentums lebendig erhielten. Augustinus, der einen Abdruck des Ätherleibes erhalten hatte, gelangte nach vielen Irrungen zu den mystischen Erkenntnissen, die soviel Ähnlichkeit mit unseren theosophischen Lehren haben. Die Siebenteilung des Menschen zum Beispiel war ihm eine bekannte Tatsache, wenn er auch andere Bezeichnungen dafür hatte. Alle diese Äther- oder Astralleibbegabten zeichneten sich durch eine tiefe Demut aus, weil sie das Bewußtsein in sich trugen, daß die großen Wahrheiten, die sie verkündeten, wie Erleuchtungen, wie eine Gnade zu ihnen traten, daß sie sie mit ihrem Ich nicht verstehen konnten. Wenn solche kosmischen Ereignisse eintreten, wie zum Beispiel die Verleihung eines Äther- oder Astralleibes Christi an einen Menschen, so sind sie meist begleitet von Naturerscheinungen, die wir geneigt sind, als Zufall aufzufassen, die aber in tiefem Zusammenhange mit den geistigen Ereignissen stehen. Um nur ein Beispiel anzuführen, sei erwähnt, daß, als Thomas von Aquino als kleines Kind einen Astralleib Christi erhielt, ein Blitzstrahl herniederfuhr, der das im selben Zimmer in einer Wiege liegende Schwesterchen des Thomas von Aquino tötete, aber den Astralleib des Knaben elastisch machte, den hohen Astralleib aufzunehmen.

Durch die Vorbereitung der Menschen im 16. Jahrhundert durch Gabriel, ein neues Organ im Vorderhirn zu entwickeln, ist es möglich geworden, daß im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts, nachdem Gabriel die Regierung wieder an Michael abgetreten, das, was wir die Theosophie nennen, einfließen konnte von den großen Meistern der Weisheit und des Zusammenklanges der Empfindungen, um der Menschheit die Bedeutung des Mysteriums von Golgatha in ihrer ganzen Wirkung allmählich nahe zu bringen. Wenn der Mensch jetzt die Todespforte durchschreitet, so kann er - jeder Einzelne seinen großen Meister finden, der schon von jedem im Physischen lebenden Menschen sich finden läßt.

German original of The Nature and Work of the Masters XI · ← Previous · Next →