Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914

GA 264 — Dornach

Die Zwölfgliedrige Wesenheit der Meister

Schriftliche Beantwortung einer schriftlich gestellten Frage1

Frage: Sind die verschiedenen Meister sozusagen Teile einer Wesenheit, so daß diese Wesenheit dann zwölf verschiedene Meister in sich enthält, von denen immer sieben im Physischen verkörpert sind und fünf im Geistgebiet bleiben?

Antwort: Ja.

Frage: Enthält einer davon zum Beispiel die Eigenschaften des physischen Körpers zur Vollkommenbheit entwickelt, also daß er die Harmonie der physischen Organe repräsentiert, ein anderer die Harmonie der Temperamente (also Ätherkörper) im physischen Körper zum Ausdruck bringt, ein anderer das Wissen in sich harmonisch repräsentiert (Astralkörper), ein vierter die genannten Eigenschaften empfindungsgemäß ausdrückt, ein fünfter die genannten Eigenschaften verstandesmäßig ausdrückt oder repräsentiert, ein sechster sie vollkommen bewußt ausdrückt und die anderen sechs beherrscht (die Worte «und die anderen sechs beherrscht» korrigierte Rudolf Steiner in: «und von den anderen sechs beherrscht wird»)

Manas als 8., Buddhi als 9., Atma als 10., Heiliger Geist als 11. und Sohn als 12., diese fünf Individualitäten sind unsichtbar zur Zeit?

Antwort: Der 7. ist der Diener der anderen 6, wird von ihnen beherrscht und der 7. beherrscht dann die anderen 5, d.h. sie zur Verkörperung bringend. Es sind immer sieben inkarniert. Inkarniert sich der achte, so wird der erste nicht inkarniert.2

Schema
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  1. Die Frage wurde Rudolf Steiner von Alma von Brandis, einem Berliner Mitglied, das damals in Dornach lebte, am 29. Mai 1915 vorgelegt und beantwortet und von ihr später Marie Steiner-von Sivers übermittelt. Sie war als sogenanntes «altes» Mitglied vertraut mit den Vorstellungen über die Meister, wie sie seit Sinnetts «Die okkulte Welt» und «Geheimbuddhismus» in der T.S. lebten. Sinnett hatte nämlich bereits in seinem «Geheimbuddhismus» die Frage nach dem Zusammenhang der Mahatmas mit den Prinzipien des Menschen aufgeworfen. Die entsprechende Passage lautet: Die Natur eines Mahatma ist schwer richtig zu erfassen und würde ohne Bezugnahme auf spätere Abschnitte dieses Buches kaum verständlich werden, so daß es zweckmäßig erscheint, schon jetzt näher darauf einzugehen. Die Doppelnatur in ihm ist dermaßen ausgeprägt, daß seine höheren Gebieten angehörende Kraft und Weisheit für diejenigen, die in besonderen seelischen Beziehungen zu ihm stehen, erreichbar ist, ohne daß der Mahatma sich derer Anrufung zur Zeit bewußt zu werden braucht. Daraus eröffnet sich unserem Denken die Möglichkeit, daß das Verhältnis zwischen dem geistigen und dem menschlichen Mahatma zuweilen ein derartiges wird, welches man in Geheimschriften mehr mit «Überschattung» oder Beeinflussung als mit Einverleibung in des Wortes voller Bedeutung bezeichnet. Ferner - zur anderweitigen Erschwerung des Verständnisses - gelangen wir zu der Tatsache, daß jeder Mahatma nicht nur ein menschliches Wesen von erhabener Entwicklung ist, sondern, sozusagen, einem eigenen Reiche des großen Naturhaushaltes angehört. Jeder Mahatma muß der einen oder anderen von sieben großen Grundformen entsprechen, aber, obgleich wir fast schließen möchten, daß diese Grundformen auf Beziehungen zu den sieben Grundteilen im Menschen zurückgeführt werden könnten, scheue ich davor zurück, eine vollständige Erklärung dieser Annahme zu versuchen. Es genügt, diesen Gedanken auf das anzuwenden, was wir, in schwachen Umrissen, von den höheren Gebieten der geheimen inneren Gliederung wissen. Seit einiger Zeit ist in Geheimschriften behauptet worden, daß es fünf große Tschohans oder höhere Mahatmas gebe, welche die ganze Brüderschaft der Mahatmas leite. Als ich seinerzeit den vorhergehenden Abschnitt dieses Buches schrieb, war ich unter dem Eindruck, daß ein höchstes - auf noch höherer Stufe stehendes Oberhaupt die Herrschaft über diese fünf Tschohans führe; aber jetzt drängt sich mir der Gedanke auf, daß diese Persönlichkeit mit größerer Wahrscheinlichkeit als ein sechster Tschohan, als das Haupt der Mahatmas sechster Grundform aufzufassen sei; und diese Vermutung führt sofort zu der weiteren Folgerung, daß es zur Vervollständigung der erkannten Entsprechungen oder Beziehungen einen siebenten Tschohan geben müsse. Aber wie das siebente Grundteil in der Natur oder im Menschen ein kaum faßbarer, unserem Denken sich entziehender Begriff ist, der nur in verschwommenen Redewendungen von übersinnlicher Deutungslosigkeit geschildert werden könnte, so wird sich sicherlich auch der siebente Tschohan jeder ungeschulten Vorstellungskraft unnahbar erweisen. Aber auch er füllt zweifellos einen Platz im Haushalt der geistigen Welt aus, und ich bin überzeugt, daß es eine solche Persönlichkeit gibt, die gelegentlich den anderen Mahatmas sichtbar ist. Das Sinnen darüber bringt indessen kaum anderen Vorteil als den, größerer Klarheit bezüglich des oben ausgesprochenen Gedankens, daß die Mahatmas nicht als bloß außergewöhnliche Menschen von großer geistiger Erhabenheit, sondern als notwendige Erscheinungen in der Natur aufgefaßt werden müssen, ohne die eine fortschreitende Entwicklung der Menschheit kaum gedacht werden könne. ↩

  2. Vgl. hierzu auf Seite 244/45 (Ausführungen Berlin, 3. Juli 1904) ↩

German original of The Twelve-membered Essence of the Masters · ← Previous · Next →