Zur Geschichte und aus den Inhalten der ersten Abteilung der Esoterischen Schule 1904 bis 1914

GA 264 — Berlin

An Adolf Kolbe in Hamburg

(Teil des sonst unbekannten Briefes, der den Inhalt der esoterischen Stunde zusammenfaßt, die in Berlin am gleichen Tage gehalten worden ist)

Berlin, 4. Oktober 1905

AUM
«Suche den Weg»
«Suche den Weg in der inneren Versenkung»
«Suche den Weg, indem kühn du heraus aus dir selbst trittst»1

Nur scheinbar widersprechen sich die beiden letzten Sätze. In Wahrheit drücken sie zwei ganz außerordentlich richtige Tatsachen aus.

Die innere Versenkung ist nämlich die erste Hälfte eines Weges. Zunächst lebt der Mensch auf seiner gegenwärtigen Entwickelungsstufe in den Sinneswahrnehmungen der Außenwelt. Auch wenn er mit seinem Verstande und seiner Vernunft diese Sinneseindrücke verarbeitet, bleibt er doch «im Außen».

Macht er sich nun frei von den Sinneseindrücken, zieht er sich in sich selbst zurück, so bleibt ihm die Kraft des Denkens. Dieses Denken ist dann ausgeleert von dem äußeren Inhalte. Das ist die «innere Versenkung». Aber eben deshalb, weil das Denken «entleert» ist, kann ihm nun neuer Inhalt von Innen zufließen.

Und dieser Inhalt ist geistiger Art, wie der vorhergehende sinnlicher Art war. - Eben dadurch aber tritt nun der Mensch wieder aus sich heraus. Er tritt aus der Sphäre des niederen Ich in die «geistige Außenwelt». Und das wird mit dem Satze angedeutet: «Suche den Weg, indem kühn du heraus aus dir selbst trittst».

Nun verbindet der Mystiker mit der Silbe AUM alle drei Sätze. Das A ist zunächst das Festhalten des Zustandes, in dem sich der Mensch immer befindet auf der gegenwärtigen Stufe seiner Evolution.

Das U ist das Sinnbild der inneren Versenkung und das M ist der Heraustritt in die geistige Außenwelt.



  1. Aus den Leitsätzen in «Licht auf den Weg». ↩

German original of To Adolf Kolbe in Hamburg · ← Previous · Next →