Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914

GA 265

Ernennung Rudolf Steiners zum Generalgroßmeister des ägyptischen Ritus von Misraim in Deutschland

Wortlaut der Originalhandschrift von Theodor Reuß, datiert 15. Juni 1907

Memphis and Mizraim Rite of Masonry
Order of Oriental Templars and Esoteric Rosicrucians
Z.R.D.A.B.A.W.!1

Brüderlichen Gruß auf allen Punkten des Dreiecks! An Alle die es angeht!

In Ausführung der Bestimmungen des brüderlichen Übereinkommens vom 3. Januar 1906 E.V. und des Ediktes vom 10. September A.D. 1906, A.O.788, publiziert in der «Oriflamme», Heft 2, Jahrgang 5, 1906, E.V. ernenne ich hiermit Kraft der mir durch Patent vom 24. September 1902, E.V. verliehenen Rechte und Machtbefugnisse den

S.E.Br.-. Dr. Rudolf Steiner, 33.° 90. 96.° in Berlin

zum selbständigen

Amtierenden General Großmeister des Obersten General Grofßrates des ägyptischen Ritus (90°) von Mizraim in Deutschland

sowie der Adoptionslogen der ägyptischen Freimaurerei in Deutschland mit dem Rechte und der Verpflichtung, den Orden gemäß den Bestimmungen des Übereinkommens vom 3. Januar 1906 E.V. zu leiten.

Gegeben in unserem Sanktuarium am fünfzehnten Juni A.D. 1907, A.O.

789 London und Berlin,

Theodor Reuß, 33.° 90. 96.°
Souveräner General Großmeister ad Vitam
Henry Klein 33.° 95.°
General Groß Registrar

Rudolf Steiner zum Unterschied von Erkenntniskult und Freimaurerei

Aus Teilnehmer-Gedächtnisnotizen von der Instruktionsstunde Berlin, 16. Dezember 1911

Man möge [könnte] meinen, daß man es hier zu tun habe mit einer Einrichtung desjenigen, was man im allgemeinen «Freimaurerei» nennt, aber es ist nicht so. Wie geheim auch die Freimaurerei in früheren Zeiten betrieben worden sein mag, sie ist dennoch zu allen Zeiten etwas Äußerliches gewesen. Denn tatsächlich ist die Freimaurerei ursprünglich in die Welt getreten durch einen Verrat aus den Mysterienschulen und daher kommt es, daß man viele Symbole, die man in der Freimaurerei findet, auch hier antrifft. Aus den Mysterienschulen sind diese Symbole durch Schüler, die nicht genügend von deren Wert und Bedeutung durchdrungen waren, in für die Außenwelt zwar geheime Gesellschaften geraten, aber niemals haben jene Geheimgesellschaften, die man kennt unter dem allgemeinen Namen der Freimaurerei, die wahre Tiefe der Symbole begreifen und erklären können, weil die Heiligkeit der Symbole an sich es mit sich bringt, daß sie außerhalb des okkulten Tempels nicht richtig verstanden werden können.2

Bis jetzt hat unsere okkulte Strömung für die Welt noch den Namen der Freimaurerei getragen, weil man aus okkultem Standpunkte immer an das Bestehende möglichst anknüpfen soll, aber von jetzt ab soll dieser Name für unseren Tempel in Wegfall kommen und sollen unsere Verrichtungen «Misraim-Dienst» genannt werden. Man möge dies, wenn man unseren okkulten Dienst andeuten will, mit den Buchstaben «M.D.» abkürzen. Die Bezeichnung «F.M.» [Freimaurerei] soll jetzt endgültig verschwinden, und damit ist für die Außenwelt und für alle Einrichtungen auf freimaurerischer Grundlage eine Freimaurerei in unserer Bewegung nicht vorhanden. Wenn bei uns angefragt werden sollte, ob zu unserer Bewegung auch eine Freimaurerei gehört, kann man, ohne eine Unwahrheit auszusprechen, dies verneinen. Was hier verrichtet wird, ist ein okkulter Dienst, genannt Misraim-Dienst, was so viel sagen will wie: das Bewirken der Vereinigung des Irdischen mit dem Himmlischen, des Sichtbaren mit dem Unsichtbaren.

Misraim-Dienst war schon bekannt im alten Ägypten und gehörte zu dem am meisten [geübten] okkulten Dienst in den Mysterienschulen. Dieser selbe Dienst wird auch jetzt in unserem Tempel verrichtet, unter Hinzufügung der Ergänzungen und Reformen, die Markus bewirkt hat. Der Markus, der hier gemeint wird, ist jener Schüler des Petrus, einer der zwölf Apostel, der das Markus-Evangelium geschrieben hat, als er als Bischof von Alexandrien in Ägypten weilte. Zusammen mit einem ägyptischen Eingeweihten hat er den okkulten Dienst (Kultus) neu geregelt, den wir jetzt kennen als Misraim-Dienst.



  1. Zum Ruhme des allmächtigen Baumeisters aller Welten! ↩

  2. Ergänzend hierzu die folgende Aussage aus dem Vortrag Köln, 27. Dezember 1907: «Sie würden ganz fehlgehen, wenn Sie die Vorzeit mit ihrer tiefen Weisheit in den okkulten Schulen verkennen würden, oder sie in irgendeiner Weise durch unsere moderne Weisheit für überwunden halten würden. Wo Ihnen die okkulte Weisheit entgegentritt in Zeichen und Symbolen, da zeigt sie sich immer so, daß sie zu bestätigen ist durch unmittelbare okkulte Anschauung der Hellscher.» ↩

German original of Appointment of Rudolf Steiner as Grand Master of the Egyptian Rite of Misraim in Germany · ← Previous · Next →