Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914
GA 265
Die vier elementarischen Wesensarten
München, 12. Dezember 19061
Die vier elementarischen Wesensarten, die den Weltenraum durchfluten, heißen:
- Gnomen, die in der Erde leben.
- Undinen, die im Wasser sich verkörpern.
- Sylphen, die wir uns in der Luft und
- Salamander, die wir uns im Feuer lebend zu denken haben.
Instruktionsstunde Basel, 24. September 1912
Es versteht sich von selbst, daß wir, wenn wir während längerer Zeit unserer okkulten Entwickelung obgelegen sind, in dem Sinne, daß wir im richtigen Geist unsere Übungen und Meditationen verrichtet haben, auch einmal an den Punkt gelangen müssen, wo uns ein Einblick in die geistige Welt gewährt wird. Dieser Moment wird für einen jeden Menschen einmal eintreten, wenn wir mit dem wahren Ernst und mit wahrer Hingabe alles auf uns wirken lassen, was uns hier als Ritual und Symbole vor Augen geführt wird, in Zusammenhang mit unseren täglichen Übungen. Für den einen kommt er früher, für den andern später, aber für jeden Menschen wird er einmal da sein.
Zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert war es sehr schwierig, in die geistigen Welten hineinzugelangen. Man konnte es damals nicht viel weiterbringen als zu gewissen Imaginationen, die zwar eine Empfindung, ein Gefühl für höhere Daseinswelten gaben, aber keine unmittelbaren Offenbarungen aus der geistigen Welt vermittelten. In unserer Gegenwart, seit dem letzten Drittel des 19. Jahrhunderts war es aber noch viel schwieriger, den Ruck zu vollziehen, der den Menschen aus seinem physischen Leibe in die geistige Welt hineinbringt. Wenn er es aber einmal vollbracht hat, so aufzusteigen, dann ist es heute leichter als früher, in der geistigen Welt vieles zu erleben.
Im Verlaufe des 20. Jahrhunderts werden die Menschen anfangen, ihre schlummernden Organe zu entwickeln und durch diese wird sich ihnen zunächst dasjenige offenbaren, was unmittelbar über der physisch-sinnlichen Welt gelegen ist, was sich uns durch die Natur ankündigt. Man wird sich zum Beispiel am Meer befinden oder sonst irgendwo in der Nähe von Wasser; dann wird man sich das Wasser anschauen und es nicht mehr nur äußerlich beschreiben als eine Zusammensetzung von Wasserstoff und Sauerstoff, sondern man wird die Natur des Wassers ganz anders empfinden. Man wird in ihm erkennen eine riesige Summe von Elementarwesen, die das Wasser durchdringen und im Grunde das Wasser sind. Denn das Wasser ist der Schauplatz, das Seelenelement dieser Elementarwesen. Daraus ist auch das Wort «Element» entstanden.
Diese Elementarwesen haben ihr Dasein im Wasser und sie vergehen auch wiederum in ihm, nämlich wenn ein anderes Element, das «Feuer» dazutritt. Die Wärme bewirkt einen Austrocknungsprozeß und läßt das Wasser in Form von Nebeldampf oder Feuchtigkeit oder auch Wolken aufsteigen. Bei diesem Vorgang bemerkt der Hellseher, wie die Elementarwesen wie abgelähmt, ja gleichsam getötet werden. Wird das Wasser aber wieder abgekühlt oder bilden sich die aufsteigenden Nebelmassen wieder zu dichten Wolken, aus denen der Blitz schlägt, der Regen auf die Erde stürzt, dann schaut er, wie diese Wesen gleichsam wieder aufleben, ja sogar neu entstehen. Bei dem Ablähmungs- und Sterbeprozeß, der beim Erhitzen und Verdampfen von Wasser stattfindet, geben diese Elementarwesen gleichsam Samen von sich, die wiederum aufsprießen bei der Abkühlung und Verdichtung des Wassers. Unzählige Mengen von Geburten von Elementarwesen sind verbunden mit einem auf die Erde herabströmenden Regen, und wir können darin den wohltätigen Einfluß dieser neuentstehenden Wesen erleben.
Wie wohltätig und lebenspendend das Wasser auf den menschlichen Organismus wirken kann, davon hat die Heilkunst in den letzten Jahrzehnten den besten Beweis geliefert, aber sie hat auch erfahren müssen, daß diese Kraft, zuviel oder falsch angewendet, zu Schaden führen kann. Wo warmes (heißes) Wasser zur Verwendung kommt, ist das Bedürfnis vorhanden, die Wirkung der Elementarwesen zu betäuben oder aufzuheben. Beim Gebrauch von kaltem Wasser ist das Bedürfnis, die Leben-reizende Kraft all dieser im Entstehen begriffenen Wesen zu empfinden.
Noch manches andere wird der hellsichtig Gewordene bemerken. Für ihn werden die Wolken, die für das gewöhnliche Auge bei einem Gewitter als schwarze, unheilkündende, zusammengepreßte Wolken da sind, wie leuchtende, hellglänzende Wolken erscheinen. Und wenn aus der Regenwolke der Blitz schlägt und der Regen herabströmt, dann schaut er das als Licht, das auf die Erde strömt. Das ist es, was die alten Menschen erlebten als das Trinken des Somatrankes. Sie hatten einen Zusammenhang mit der elementarischen Welt, und für sie kam mit dem Regen das Licht auf die Erde herab.
Der Hellseher schaut noch andere Elementargeister, Wesen, die wiederum auf einer anderen Entwickelungsstufe stehen. Diese Wesen erfüllen die Luft, die wir mit jedem Atemhauch einatmen und die wir (ohne uns dabei auf chemische Begriffe festzulegen) wiederum ausatmen als ein Totes, wenn sie von uns verbraucht ist. Für die gewöhnliche Wahrnehmung ist die eingeatmete Luft die lebende Luft und die ausgeatmete die Todes- oder tötende Luft. Geistig angeschaut ist aber die Einatmung der Tod der Elementarwesen der Luft, und mit der Ausatmung leben sie wiederum auf. So durchziehen diese Wesen unseren ganzen Organismus und sie haben von allem Anfang an mitgearbeitet an dessen Aufbau.
Jetzt wollen wir uns die Frage vorlegen, welche besondere Aufgabe in der Entwickelung diese Elementarwesen des Wassers haben und welche diejenigen des Luftelementes. In lang vergangenen Entwickelungsepochen, als der Mensch noch eine ganz andere Zusammensetzung seiner höheren Glieder hatte als jetzt, wirkten diese Elementarwesen auch noch ganz anders. Der Mensch hatte damals noch nicht, was wir die Sprache nennen. In den Atmungsorganen liegen ja eingeschaltet die Sprachorgane, die uns die Sprache ermöglichen. Der Mensch gebraucht die Sprache, um sein Seelisches zum Ausdruck zu bringen oder auch nur für die Konversation, aber das ist nur so im materialistischen Zeitalter, wie wir es jetzt durchleben. In dem Zeitalter, das unserem materialistischen vorangegangen ist, waren die Sprachorgane zu gleicher Zeit Wahrnehmungsorgane. Die Sprache nun ist dadurch entstanden, daß die Wasser-Elementarwesen, während sie in die Keimesorgane (Keimanlage) des Kehlkopfes eindrangen, diese langsam und allmählich zum Sprachorgan verwandelten, wie es heute ist.
Die Menschen der damaligen Zeit machten sich noch nicht durch Worte verständlich, so wie wir jetzt miteinander verkehren. Da sie noch im Besitz des alten Hellsehens waren, schauten sie in die geistige Welt, in die Welt der Elemente. Und sie erlebten die schwirrenden Elementarwesen um sich herum, während sie Laute wie unsere Vokale A, I, U aussprachen, indem sie aus ihrem Innern erklingen ließen, was sie in Bildern erlebten. So drückten sie auch ihre Empfindungen und Gefühle aus, wenn zum Beispiel dasjenige, was sie schauten, ihnen Sympathie oder Antipathie einflößte. So auch, wenn sie das Wort Tao aussprachen, das durch die ganze Natur hindurchklang; dann wußten sie von dem Großen Geist, der Ursache alles Seienden. Dieses Wort, das also zugleich geistige Wahrnehmung war, ist verlorengegangen, seit Atmungs- und Sprachorgane mehr unabhängig voneinander geworden sind, als sie damals waren.
[Hier endet diese Nachschrift. In einer anderen schließt noch folgendes an:]
Nicht nur in den Lungen haben wir einen Atmungsvorgang, sondern auch in den Augen. Nur daß dort keine Luft ein- und ausgeatmet wird, sondern Wärme. Wenn wir eine rote Farbe sehen, wird Wärme ausgeatmet (rot, orange, gelb). Wird eine kalte Farbe wie Blau, Indigo, Violett wahrgenommen, dann atmet das Auge ein. Dasjenige, was den Augen ätherisch zugrundeliegt - so wie Luft der physischen Lunge zugrundeliegt -, ist Wärme und wird ein- und ausgeatmet. Im Grunde ist jedes Sinnesorgan ein Atmungsorgan.
Höhere Wesen, die unmittelbar über den Menschen stehen, haben weder solche Augen, noch eine solche Sprache wie der Mensch. Sie richten irgendwo Wärme hin und an der Stelle leuchtet eine Farbe auf. Dadurch drücken sie ihr Wesen aus und so reden sie miteinander. Wer die Farben jemals so in ihrer lebendigen Gestalt wahrgenommen hat, der empfindet Schmerz, wenn er die festen Farben sieht, die an den physischen Gegenständen haften - so wie überhaupt die ganze physische Welt ihn schmerzt anfänglich. Der Schmerz hört erst auf, wenn man lernt, die Farben moralisch zu empfinden. Dann empfindet man im Rot die Bestrafung des Egoismus, im Blau die Belohnung für die Überwindung des Egoismus. Dann fangen die Farben an, eine Sprache zu sprechen, die auch die zukünftige Sprache der Menschen sein wird.
In dem Maße, wie die Menschen sich dem Jupiterdasein nähern, wird ihr Sprechen immer mehr zugleich ein Wahrnehmen werden; dann wird Atmungs- und Sprachorgan nicht mehr so getrennt sein wie heute. Auch das Sehen und die Wärmeempfindung werden sich vereinigen. Es war notwendig für die Entwickelung des selbständigen Ich, daß diese Prozesse eine Zeitlang getrennt waren. Wäre das nicht geschehen, dann würde der Mensch zwar immer wahrgenommen haben, was in seiner Umgebung geschieht, aber nicht zum Selbstbewußtsein gekommen sein. In der Zukunft wird man anfangen, einen Zusammenhang zu empfinden zwischen dem gesprochenen Worte und den Farben. Man wird Grün empfinden, wenn von gleichgültigen Dingen geredet wird; Gelb wird auftauchen, wenn man egoistisch spricht; Rot wird da sein, wenn der Egoismus bekämpft wird.2
Dieses Einswerden der Organe erreicht man im Grunde nur im Verständnis von dem Mysterium von Golgatha. Nur das kann uns befähigen, die ganze Natur moralisch zu empfinden. Wenn man dann aufschaut zu den Wolken und den Blitz daraus hervorschießen sieht, dann wird man darin den Christus sehen können in seiner Äthergestalt. Mit den «Wolken», das heißt mit den Elementen, kommt er in seiner Geistgestalt. Dieses Gesicht wird einmal für jeden Menschen auftreten, sei es früher oder später. Nur der Vater weiß Tag und Stunde - wie das Evangelium sagt.3
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Durch welche Symbole diese ausgedrückt waren, ist nicht überliefert. ↩
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In Notizen von einer anderen Hand heißt es: Die rote Farbe wird empfunden werden wie die Strafe für das Schlechte, das überwunden werden soll; das Gelb zeigt an das Egoistische des Menschen, das Blau das Himmlische, das uns vorschwebt. ↩
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In den gleichen Notizen von anderer Hand heißt es am Schluß: «Heiliger Dienst oder Esoterik führt allmählich zum Schauen. Wenige werden nur durch Gnade, als Auserwählte, zum Schauen durch den Christus berufen, die anderen müssen sich durch Meditation und durch heiligen Dienst dazu entwickeln. Tag und Stunde für jeden weiß nur der Vater allein, aber sie wird für jeden kommen. «Im Urbeginne war das Wort und das Wort war bei Gott und ein Gott war das Wort.» ↩