Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914

GA 265

Der Spiegel

Aus einer Instruktionsstunde ohne Orts- und Datumangabe1

Wenn der Mensch sein Spiegelbild sieht, sieht er sich in Wahrheit nicht. Denn das, was er sieht, ist nicht in Wahrheit der Mensch. Geistig ist der Mensch außerhalb seiner physischen Wesenheit. Was er sieht, sind die geistig reflektierten Strahlen, die aus der geistigen Welt auf ihn fallen. Der Mensch reflektiert geradeso das Geisteslicht, wie ein Gegenstand das Sonnenlicht reflektiert. Was der Mensch von sich im Spiegel sieht, ist eine Spiegelung seines wahren Wesens. Alles um uns herum ist Spiegelung der geistigen Welt. In Urzeiten, vor dem sogenannten Sündenfall, hat der Mensch nicht nach außen geschaut wie jetzt. Da hat er innerlich geistig gesehen. Das geschah so: Er atmete ein eine geistige Substanz, die um ihn herum war. Dann hatte er in sich das, was vorher außen war: die geistige Substanz. Diese spiegelte sich dann in ihm. Zum Beispiel da, wo später das Auge entstand, war ein kleines geistiges Licht, und so weiter. Dadurch erhielt er innere Erkenntnisse. Nach außen sah er nichts. Und so war es mit allen späteren Sinnen. Das war der Paradieseszustand des Menschen. Dies innere Paradies verlor er durch die luziferische Einwirkung. Da erst begann er sich als physisches Wesen - von außen - zu sehen, als seine Augen nach außen aufgetan wurden. Und er schämte sich dessen vor Gott, in dem er vorher geweilt hatte. Er war wie seelisch nackt vor der Gottheit geworden.



  1. Figurierte im Ritual zur Beförderung in den 2°. ↩

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