Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914
GA 265
Zum Gebet «Brüder der ...»
Aus Instruktionsstunde München, 12. Dezember 1906
Mit unserem Gebet «Brüder der Vorzeit ...» zeigen wir, daß wir anknüpfen mit der Arbeit an die Brüder der Vergangenheit, die Brüder der Gegenwart und die Brüder der Zukunft, die Mahatmas.
Aus Instruktionsstunde Hannover, Weihnachten 1911
Wissen, empfinden sollen wir innerhalb der Mauern unseres Tempels, daß mit diesen uns umgebenden Symbolen auf uns einströmen die Kräfte der weisen Meister des Ostens. Wenn wir aufblicken zu denen, die uns die ganze Menschheitsentwickelung gelenkt haben vom Urbeginn der Welt an, durch die Entwickelung von Saturn, Sonne, Mond hindurch bis zur Erdenentwickelung, bis zu unserem gegenwärtigen Zeitpunkt, so wenden wir uns betend, Hilfe für unsere gegenwärtige Entwickelung erbittend, an diejenigen, die wir nennen «Brüder der Vorzeit». Und wir beten also: «Brüder der Vorzeit ...». Blicken wir auf zu denjenigen, die uns gegenwärtig geistig leiten, so beten wir: «Brüder der Gegenwart ...». Und diejenigen, die in der Zukunft sein werden die Leiter der Menschheit, sprechen wir an als «Brüder der Zukunft ...».
Aus Instruktionsstunde Hannover, 31. Dezember 1911
Die weisen Meister des Ostens sind Wesenheiten, die den drei höheren Welten angehören, und die gleichsam in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft wirken, und die wir uns beim Aussprechen unseres Gebetes als über uns befindlich vorstellen. Aus Instruktionsstunde München, 5. September 1912
Das erste Gebet unterscheidet uns von allen anderen derartigen Bestrebungen, die sich auf Dokumente oder auf ein überkommenes Weisheitsgut stützen. Wir berufen uns auf nichts dergleichen; wir knüpfen nur an die getane Arbeit an, an das wirklich Geleistete.
Man wird in der nächsten Zeit neben anderem, was man gegen uns unternehmen wird, auch unsere okkulte Bewegung versuchen zu verdächtigen und zu verunglimpfen, darum sollen wir wissen dieses, woran wir uns anschließen. Im Geistigen besteht eine solche Gemeinschaft wie die unsrige, sie hat aber dort nur so viel Berechtigung, als sich Seelen zu ihr, als zur Wahrheit, bekennen. Und wem etwas nicht recht ist daran, der braucht ja nicht dabei zu sein. Wir beanspruchen weder ein Orden, noch eine Rosenkreuzerbewegung oder ähnliches zu sein, sondern unser Streben geht dahin, die Wahrheit in der Weise zu vertreten, daß wir nicht die Weisheit als unser beanspruchen, sondern das Schaffen, das, was daraus geflossen ist als Weisheit, uns aneignen wollen.
Die Weisheit ist da. Es gab ein Urweisheitsgut der Menschheit, wie es im «Hüter der Schwelle» vom Generalgroßmeister gezeigt wird [1. Bild]. Und wie man sich dazu zu stellen hat, das heißt, wie man im okkulten Leben vorwärtskommt, das zeigt uns Maria in der zweiten Szene mit Thomasius. Bequemer wäre es ja, eine Vorschrift für alle zu geben, aber es mußte schon einmal in unserer abendländischen Bewegung gezeigt werden, wie Personen von der besonderen Art eines Thomasius, Strader, Capesius und einer Maria den Einweihungsweg gehen.
«Zirkel und Richtmaß» heißt: Eure Gebräuche übernehmen wir.
Solche Gebete enthalten in den Worten alles, was uns not tut, ebenso die «Mysteriendramen». Jedes Wort ist da an seinem Platze und voll okkulter Bedeutung. Nichts, nichts ist aus einem anderen Grunde als wegen seiner geistigen Bedeutung und Kraft so gesetzt und gesagt, wie es eben ist.
Die Gegner des Spirituellen, wie zum Beispiel ein Haeckel, tragen das Spirituelle tief verborgen in sich und ihre Rage und Wut ist eigentlich gegen sich selbst gerichtet. Weil sie im Leben nicht an ihr unterbewußtes Seelenleben heran können, zeigen sie sich nach dem Tode ganz anders gegenüber dem Spirituellen und sind am leichtesten zu zitieren zum Beispiel in spiritistischen Sitzungen.
Nietzsche ist da sehr interessant. Er konnte sich schwer trennen von seinem materiellen Teil. Darum bot er dem Seher einen solch eigenartigen Anblick schon in seiner Krankheit: der Mensch Nietzsche, diese eigenartige Persönlichkeit, auf dem Sofa liegend und die Aura um ihn.1 Die Spaltung des Ich kommt bei solchen Persönlichkeiten zum Ausdruck: während das Bewußtsein materialistisch ist, ist das Unterbewußtsein spirituell.
«Brüder der Zukunft»: Wir haben auch keinen Namen, denn Luzifer steht Pate zu jeder äußeren Gründung einer Vereinigung oder Gesellschaft.
Aus Vortrag Bremen, 9. April 1906
Lehrling sein heißt: nachholen, was unsere Brüder in der Vorzeit geleistet haben; Geselle sein heißt: mitleben dürfen mit den älteren Brüdern der Menschheit; Meister sein heißt: mitarbeiten dürfen am Tempelbau.
Aus Vortrag Berlin, 29. Januar 1906
Nicht umsonst ist, wie ich öfter gesagt habe, im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Theosophische Gesellschaft begründet worden. Die Art und Weise, wie sie das Geistige sucht, unterscheidet sich doch wesentlich von anderen Bestrebungen, die ebenfalls anstreben, Beweise für die Unsterblichkeit des Menschen zu erlangen. Es ist eine große Verschiedenheit in dem Suchen nach dem Ewigen, wie es in der Theosophischen Gesellschaft gefunden wird, und dem Suchen nach dem Ewigen in anderen auf den Geist gerichteten Strömungen. In Wahrheit ist die theosophische Bewegung nichts anderes als die populäre Ausgestaltung der die Welt im geheimen umspannenden okkulten Bruderschaften der verflossenen Jahrtausende. Ich habe schon erwähnt, daß die hervorragendste, die größte Bruderschaft Europas im 14. Jahrhundert begründet worden ist als die Rosenkreuzer-Bruderschaft. Diese Rosenkreuzer-Bruderschaft ist eigentlich die Quelle, die Ausgangsstätte für alle sonstigen Bruderschaften, welche die Kultur Europas erhalten hat. In diesen Bruderschaften wurde streng geheim die okkulte Weisheit gepflegt. Wenn ich Ihnen charakterisieren soll, was die in diesen verschiedenen Bruderschaften vereinigten Menschen erlangen wollten, so müßte ich Ihnen sagen: jene hohen und erhabenen Weisheitslehren und jene Weisheitsarbeit, welche in diesen okkulten Bruderschaften, von denen die Rosenkreuzer-Bruderschaft die hervorragendste war, gepflegt wurden, brachten den Menschen dahin, daß er sich seines ewigen Wesenskernes bewußt wurde. Sie brachten den Menschen dahin, daß er den Zusammenhang fand mit der höheren Welt, mit den Welten, die über uns liegen, und hinblickte zu der Führung unserer älteren Brüder, zu der Führung derjenigen, die unter uns leben und die eine Stufe erlangt haben, die Sie alle zu einer späteren Zeit erlangen werden. Wir nennen jene die älteren Brüder aus dem Grunde, weil sie, vorauseilend der allgemeinen Entwickelung, diesen hohen Standpunkt früher erlangt haben: also die Gewißheit des ewigen Wesenskernes, die Erweckung desselben, so daß der Mensch das Ewige erschauen kann wie der gewöhnliche Mensch die Sinnenwelt. Um dies zu erreichen, muß der den älteren Brüdern, die überall unter uns leben, nacheifern. Diese älteren Brüder oder Meister, die großen Führer der Menschheit, sind selbst immer die obersten Leiter und obersten Vorsteher der okkulten erhabenen Weisheit gewesen, durch die der Mensch seines ewigen Wesenskernes bewußt wird.
-
Bezieht sich auf Rudolf Steiners Eindruck, als er einmal den kranken Nietzsche besuchen konnte. Siehe hierzu «Mein Lebensgangs, GA 28. ↩