Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914
GA 265
Zu Zeichen, Griff und Wort
Die ausführlichste Erklärung, die vorliegt, gibt die Beantwortung einer Frage über Freimaurerei und ihren Zweck in einem der Vorträge für die Arbeiter am Goetheanum-Bau. Darum wird diese Fragenbeantwortung aus dem Vortrag Dornach, 4. Juni 1924 hier vorangestellt:
Die heutige Freimaurerei, die ist eigentlich, man könnte sagen, nur der Schatten dessen, was sie einmal war. Ich habe hier auch schon verschiedentlich davon geredet, daß es in sehr alten Zeiten der Menschheitsentwickelung nicht solche Schulen gab wie heute, auch nicht solche Kirchen und auch nicht solche Kunstanstalten, sondern das war alles eins. In den alten Mysterien, wie man es nannte, war zugleich die Schule, die Kunstanstalt und die Religion. Das ist erst später auseinandergegangen. So daß es eigentlich für unsere mitteleuropäischen Gegenden, man könnte sogar sagen, erst im 11., 12. Jahrhundert so geworden ist; früher waren die Klöster, ich möchte sagen, ein Andenken an die alte Zeit. Aber in ganz alten Zeiten war das so, daß Schule, Kirche und Kunstanstalten eines waren. Es war aber so, daß in den Mysterien alles das, was da getrieben wurde, viel ernster genommen worden ist als heute zum Beispiel in unseren Schulen und auch in unseren Kirchen die Sachen genommen werden.
Die Sache ist nämlich damals so gewesen, daß man lange Zeit hat vorbereitet werden müssen, bis man hat lernen dürfen. Heute entscheidet ja im Grunde genommen, ob man etwas lernen kann oder nicht, wirklich ein Prinzip, das gar nichts zu tun hat mit dem Lernen. Nicht wahr, heute entscheidet eigentlich nur das, ob für den Betreffenden, der lernen soll, das Geld aufgebracht werden kann oder nicht aufgebracht werden kann! Das ist natürlich etwas, was gar nichts zu tun hat mit den Fähigkeiten, die der Betreffende hat. Und ganz anders nun war die Sache in alten Zeiten. Da hat man unter der ganzen Menschheit diejenigen ausgesucht - man hat einen besseren Blick auch dafür gehabt als heute -, die etwa die Fähigsten waren. Natürlich ist die Sache dann fast überall, weil die Menschen schon einmal egoistisch sind, in Verfall geraten; aber das Prinzip war ursprünglich dies, daß man diejenigen aussuchte, die Fähigkeiten hatten. Und die wurden dann erst dazu berechtigt, daß sie geistig lernen konnten - nicht einfach durch Drill und durch Dressur und durch Elemente, wie heute gelehrt wird, sondern die konnten geistig lernen.
Dieses geistige Lernen, das ist nun aber damit verknüpft, daß man in der Vorbereitung lernt, ganz bestimmte Fähigkeiten auszubilden. Sie müssen nur bedenken, wenn man im gewöhnlichen Leben irgend etwas angreift, so hat man eigentlich eine grobe Empfindung davon; und das Äußerste, was heute die Menschen erreichen, ist, daß sie in der Empfindung manchmal Stoffe voneinander unterscheiden können, daß sie die Dinge so befühlen und etwas in der Empfindung unterscheiden. Aber die Menschen sind in ihrer Empfindung - ich meine, in der rein physischen Empfindung - heute eigentlich recht grob; sie unterscheiden Wärme und Kälte. Höchstens daß es die Leute, die darauf angewiesen sind, zu einer feineren Empfindung bringen. Das sind zum Beispiel die Blinden. Es gibt ja Blinde, die lernen, wenn sie das Papier überfahren, die Buchstabenformen befühlen. Jeder Buchstabe ist ja ein bißchen eingegraben ins Papier. Wenn das Gefühl in den Fingern fein ausgebildet wird, kann man schon die Buchstaben etwas befühlen. Das sind die einzigen Leute, die heute lernen, feiner etwas fühlen, feiner etwas empfinden. In der Regel wird die Empfindung gar nicht ausgebildet, aber man lernt ungeheuer viel, wenn man das Gefühl, und namentlich das Gefühl in den Fingerspitzen und in den Fingern ganz fein ausbildet. Heute unterscheidet der Mensch Wärme und Kälte nicht bloß durch das Gefühl. Ja, das kann er auch heute, deshalb, weil er heute das Thermometer lesen kann; da werden ihm die feinen Unterschiede in Wärme und Kälte sichtbar. Aber das Thermometer ist ja auch erst im Laufe der Zeit erfunden worden. Vorher hatten die Leute nur ihr Gefühl. Da wurden in den Mysterienvorbereitungen anfangs nämlich die Gefühle, besonders in den Fingern und Fingerspitzen, ganz besonders ausgebildet. Und es war so, daß man in feinster Weise empfinden lernte.
Wer war also eigentlich in den Mysterien derjenige, der zuerst vorbereitet worden war, ganz fein zu empfinden? Nun, die andern Menschen konnten nicht so fein empfinden. Nehmen Sie nun an, irgendwo, an einem andern Orte, war ein Mysterium. Die Leute reisten ja viel im Altertum; sie reisten fast ebensoviel wie wir, und manchmal ist man erstaunt, wie schnell sie reisten. Sie hatten keine Eisenbahn; aber sie reisten, weil sie flinker waren, weil sie schneller gehen konnten, weniger müde wurden, auch etwas besser gingen und so weiter. Und nun trafen sie sich auf dem Wege, solche Leute. Ja, wenn sich zwei solche Leute, die fein empfinden konnten, die Hand gaben, so merkten sie das aneinander, und man sagte dann: Die erkennen sich an ihrer feineren Empfindung. Das ist dasjenige, was man den Griff nennt - den Griff, wenn man den andern angriff in alten Zeiten und man merkte, der hat eine feinere Empfindung.
Nun weiter, meine Herren, bedenken Sie einmal das zweite: Wenn erkannt wurde, daß einer eine feine Empfindung hatte, dann ging man weiter, denn man lernte noch mehr. In alten Zeiten schrieb man ja nicht so viel wie heute; man schrieb eigentlich nur sehr selten und das Allerallerheiligste auf. Allerdings, es gibt im Altertum auch schon eine Art von Korrespondenz; aber auch diese Korrespondenz war mehr in allerlei Zeichen. Und so entstanden viele Zeichen für alles mögliche. Es war ja auch so, daß die Leute, die nicht zu den Mysterien gehörten, die also nicht die Weisen, wie man sie nannte, waren, wenn sie reisten, nur in kleinerem Umkreis reisten; die kamen nicht sehr weit. Aber die Gelehrten, die Weisen, die reisten sehr viel. Da hätten sie eigentlich nicht nur alle Sprachen, sondern alle Dialekte kennen müssen. Es ist ja natürlich schwer, schon wenn man Norddeutscher ist, den Schweizer Dialekt zu können. Nun aber gab es für diese Leute in den Mysterien außer der Sprache, die sie sprachen, für alle Dinge, die sie interessierten, gewisse Zeichen. Sie machten Zeichen. So zum Beispiel, sagen wir, es wurde die gewöhnliche Gebärde, die man schon in der Empfindung hat, weiter ausgebildet: Ich begreife -; oder: Das ist nichts, was du mir sagst -; oder: Wir verstehen uns gut miteinander. - Man zeichnete das Kreuz hinein. So daß es eine voll ausgebildete Zeichensprache gerade unter den alten Weisen gab, und man legte alles, was man wußte, in solche Zeichen hinein. So daß Sie einsehen können: Alle die Leute, die in den damaligen hohen Schulen, in den Mysterien, waren, hatten für alles gewisse Zeichen. Sagen wir zum Beispiel, sie wollten nun diese Zeichen festhalten; dann erst malten sie sie auf. So entstanden die aufgemalten Zeichen.
Es ist schon interessant, daß es heute noch gewisse Schriften gibt, welche deutlich erkennen lassen, daß sie aus den Zeichen hervorgegangen sind. Das ist zum Beispiel die alte Schrift der Inder, die Sanskritschrift. Bei ihr sieht man überall, daß alles aus der krummen und aus der geraden Linie hervorgegangen ist. Krumme Linien: Unzufriedenheit mit etwas, Antipathie; gerade Linien: Sympathie. Bedenken Sie einmal: Es weiß einer, die geraden Linien bedeuten Sympathie, die krummen Linien bedeuten Antipathie. Jetzt will ich ihm etwas mitteilen. Dafür habe ich auch mein Zeichen. Er will mir etwas sagen; das kann ja anfangs ganz gut gehen, später aber kann die Geschichte schlecht werden. Sehen Sie, da geht es noch gut; später zeichnet er eine Schlangenlinie: da kann es schlecht gehen. Und so hatte man für alles bestimmte Zeichen. An diesen Zeichen oder mit diesen Zeichen verständigten sich diejenigen wieder, die in den Mysterien waren. So daß man zum Griff dazu hatte das Zeichen.
Nun, etwas ganz Besonderes sah man früher in den Worten. Sehen Sie, wenn heute der Mensch Worte spricht, so hat er eigentlich gar keine Ahnung mehr, was es mit den Worten ist. Aber man kann doch noch etwas empfinden, was in den Lauten schon drinnenliegt. Sie werden leicht empfinden können, wenn einer irgendwie in einer Lebenslage ist und er fängt an: A - da hat das irgend etwas mit Verwunderung zu tun. A - der Buchstabe A ist Verwunderung. Nun nehmen Sie dazu den Buchstaben R: dadrinnen liegt das Hinrollen, Strahlen: R = Ausstrahlen. A = Verwunderung, R = Rollen, Ausstrahlen.
Nun wissen wir jetzt allerdings das, was wir eben über die Sonnenstrahlen gesagt haben. Aber auch wenn die Sonnenstrahlen scheinbar sind, wenn sie keine Wirklichkeit sind: es sieht so aus, wie wenn sie hinströmen würden. Nun denken Sie sich, es will einer sagen: Da oben ist etwas, das wirft mir hier auf der Erde etwas zu, was, wenn es mir am Morgen erscheint, Verwunderung hervorruft. Die Verwunderung drückt er aus durch A, aber daß es von oben kommt, mit R; das drückt er also aus mit: RA. Ja, so haben die alten Ägypter den Sonnengott genannt: Ra! In jedem von diesen Buchstaben liegt eben ein Empfinden darinnen, und wir haben die Buchstaben zu Worten zusammengesetzt. Es war also eine ganz ausgebreitete Empfindung drinnen. Das ist heute längst vergessen. So etwas kann man an verschiedenen Dingen spüren. Nehmen Sie zum Beispiel: I. Das ist so etwas wie eine leise Freude; man findet sich ab mit dem, was man erfährt, wahrnimmt: I. Daher wird auch das Lachen ausgedrückt mit: hihi. Das ist eine leise Freude. So hat jeder Buchstabe etwas Bestimmtes in sich. Und es gibt eine Kenntnis, durch die man geradezu die Worte bilden kann, wenn man Verständnis hat für die Laute, die in den Worten drinnen sind.
Nun werden Sie eines sagen, meine Herren: Ja, dann könnte es eigentlich, wenn das so wäre, nur eine einzige Sprache geben! Ursprünglich hat es unter der Menschheit auch eine einzige Sprache gegeben; als man noch ein Empfinden hatte für diese Laute, diese Buchstaben, hat es nur eine einzige Sprache gegeben. Die Sprachen sind dann verschieden geworden, als sich die Menschen zerstreut haben. Aber ursprünglich haben die Menschen das empfunden, und in den Mysterien wurde das richtig gelehrt, wie man Laute, Buchstaben empfindet und zu Worten macht. Daher gab es eine eigene Sprache in den Mysterien. Diese Sprache, die sprachen alle untereinander. - Sie sprachen untereinander nicht die Dialekte, aber diese Sprache, die verstanden alle. Wenn einer Ra sagte, wußte der andere, daß das die Sonne ist. Wenn einer zum Beispiel sagt: E - fühlen Sie nur: Ich schrecke etwas zurück, das paßt mir nicht; E = ich habe eine leise Furcht, so etwas wie Furcht! Nun, nehmen Sie L: das ist so, wie wenn etwas hinschwindend ist, wie wenn etwas fließt, und EL, ja, das ist etwas, das hinfließt und wodurch man zurückschreckt, wodurch man sich fürchtet. So hat in Babylon El = Gott geheißen. So wurde alles nach diesem Prinzip bezeichnet. Oder nehmen Sie die Bibel: Wenn Sie sagen: O - das ist eine Verwunderung, eine plötzliche Verwunderung, gegen die man nicht aufkommt. Beim A - da hat man eine Empfindung, welche man gern hat, eine Verwunderung, die man gern hat; O - da will man zurück weichen; H, Ch ist der Atem. So daß man sagen kann: O = zurückweichende Verwunderung; H = Atem; I = da zeigt man hin darauf, man freut sich darüber, es ist leise Freude = I. Und M, das ist: Man will selber hineingehen. Sie spüren, wenn Sie M aussprechen: M - da geht der Atem hinaus, und man fühlt, man läuft förmlich nach dem Atem; M ist also: hinweggehen. Jetzt setzen wir das zusammen: El, das haben wir schon gesehen, ist der im Winde herkommende Geist, El; O = das ist die zurückweichende Verwunderung, H = der Atem; das ist also schon der feinere Geist, der als Atem wirkt; I ist die leise Freude; M - das ist das Hingeben. Da haben Sie Elohim, womit die Bibel beginnt; da haben Sie diese Laute drinnen. So daß man sagen kann: Was sind die Elohim? - Die Elohim sind im Winde Wesen, vor denen man etwas Angst hat, vor denen man etwas zurückweicht, die aber durch den Atem zur Freude der Menschen, im Hingeben des Menschen Freude haben: Elohim. Und so ist ursprünglich in den Worten nach den Lauten, nach den Buchstaben zu studieren, was die Worte eigentlich bedeuten. Die Menschen spüren heute gar nicht mehr, wie das eigentlich ist.
Wie heißt hier in der Schweiz die Mehrzahl von Wagen? Heißt es auch hier: Wagen, oder heißt es die Wägen? (Antwort: Die Wagen!)1 Die Wagen heißt es noch. Da ist es also schon verwuschelt; das Ursprüngliche wäre: der Wagen, die Wägen! Bei der Mehrzahl haben wir das in der verschiedensten Weise; zum Beispiel haben wir: der Bruder, die Brüder. Das ist aber doch wohl auch so in der Schweiz! Sie sagen doch nicht: die Bruder? Also: der Bruder, die Brüder. Oder sagen wir: das Holz, die Hölzer. Man sagt ja wohl auch hier nicht: die Holzer. Das Holz, die Hölzer. Sie sehen, meine Herren, wenn die Mehrzahl gebildet wird, da wird der Umlaut gebildet: a in ä, u in ü, o in ö. Warum geschieht das? Ja, der Umlaut, der drückt aus, daß die Sache undeutlich wird! Wenn ich einen Bruder sehe, dann ist er deutlich da als eine Person; wenn ich mehrere Brüder sehe, dann wird es undeutlich, da muß ich schon einen von dem andern unterscheiden, und wenn ich das nicht kann, wird es undeutlich. Man muß einen um den andern anschauen. Das Undeutlichwerden wird überall durch den Umlaut angedeutet. Wo also ein Umlaut irgendwo in einem Worte ist, da ist irgend etwas undeutlich.
In der Sprache liegt also etwas, woran man eigentlich den ganzen Menschen erkennen kann; da ist der ganze Mensch. Und so drückten die Leute auch aus, wie schon in den Buchstaben, die man aufschrieb, in diesen Zeichen gewisse Bedeutungen drinnen liegen. A war immer Verwunderung. Wenn nun der alte Jude so x aufgeschrieben hat, so sagte er sich: Wer verwundert sich in der Erdenwelt? Die Tiere verwundern sich eigentlich nicht, nur der Mensch. Daher nannte er den Menschen überhaupt: die Verwunderung. Wenn er sein Aleph aufschrieb, das x, das hebräische A, dann bedeutete das aber auch den Menschen.
Und so war es, daß jeder Buchstabe zugleich ein bestimmtes Ding oder Wesen bedeutete. Das alles kannten wiederum die Leute, die in den Mysterien waren. Wenn also einer reiste und traf einen andern und sie hatten die gemeinsame Kenntnis, so erkannten sie sich am Wort. So daß man sagen kann: In den alten Zeiten war es so, daß die Leute, die etwas gelernt haben, die also viel wußten, einander erkannten an Griff, Zeichen und Wort. Ja, aber, meine Herren, da war etwas darinnen! Da war wirklich zugleich die ganze Gelehrsamkeit drinnen in diesen Zeichen, Griff und Wort. Denn dadurch, daß man fühlen lernte, lernte man die Gegenstände unterscheiden. Dadurch, daß man die Zeichen hatte, hatte man ein Nachahmen alles desjenigen, was Naturgeheimnisse waren. Und im Worte lernte man den inneren Menschen kennen. So daß man also sagen kann: Im Griff hatte man die Wahrnehmung; im Zeichen hatte man die Natur, und im Wort hatte man den Menschen, seine innere Verwunderung oder sein Zurückbeben, seine Freude und so weiter. Man hatte also Natur und Mensch, und hat sie wiedergegeben in Zeichen, Griff und Wort.
Nun, im Laufe der Menschheitsentwickelung ist dann dasjenige entstanden, was sich auf der einen Seite trennte in die Universität und später Schulen, und auf der anderen Seite in die Kirchen und in die Kunst. Alle drei haben nicht mehr verstanden, was ursprünglich vorhanden war; und ganz verloren ging Griff, Zeichen und Wort. Nur diejenigen, die dann bemerkt hatten: Donnerwetter, diese alten Weisen, die hatten ja dadurch eine gewisse Macht, daß sie das wußten! Das ist eine gerechtfertigte Macht, die ein Mensch hat, wenn er etwas weiß, denn dadurch kommt es seinen Mitmenschen zugute; wenn keiner eine Lokomotive zu machen verstünde, so würde die Menschheit eben niemals eine Lokomotive haben! Also wenn einer etwas weiß, so kommt es den Menschen zugute; das ist eine gerechtfertigte Macht. Später aber haben sich die Leute einfach die Macht angeeignet, indem sie abgeguckt haben die äußeren Zeichen. Gerade wie diese oder jene Zeichen früher einmal etwas bedeutet haben und man später die Bedeutung verloren hat, so hat alles das die Bedeutung verloren. Und es bildete sich dann, ich möchte sagen, durch Nachäffung von den alten Mysterien, allerlei aus, in dem Sie nur äußerlich die Sache haben. Was haben die Leute getan? Die hatten die feine Empfindung nicht mehr, aber sie verabredeten ein Zeichen, an dem sie sich erkennen. Sie geben sich die Hand in einer bestimmten Weise, wodurch einer weiß: der gehört zu diesem Bund. Da haben sie sich erkannt am Griff. Dann machen sie noch in irgendeiner Weise ein Zeichen. Das Zeichen und der Griff sind verschieden, je nachdem der eine im ersten oder zweiten oder dritten Grad ist. Daran erkennen sich dann die Leute. Aber es ist nicht mehr darinnen als nur ein Erkennungszeichen. Und ebenso haben sie für jeden Grad bestimmte Worte, die sie aussprechen können in gewissen freimaurerischen Bünden; sie haben, sagen wir für den ersten Grad zum Beispiel - wenn man wissen will: Was ist das Wort? -: Jachin. Man weiß, er hat das Wort Jachin in der Freimaurerloge gelernt, sonst wäre er nicht im ersten Grad drin. Das ist nur noch ein Losungswort. Und ebenso macht er dann das Zeichen und so weiter. Nun, eigentlich hat diese Art der Freimaurerei sich erst entwikkelt, als alles übrige aus den Mysterien vergessen war; und es wurden einzelne von den alten Dingen, die man nicht mehr verstand, nachgeahmt. So daß dasjenige, was die Freimaurerei an Kultus übernommen hat, meistens heute von den Freimaurern nicht mehr verstanden wird; auch Zeichen, Griff und Wort verstehen sie nicht, weil sie all das nicht wissen, um was es sich da handelt. Sie wissen zum Beispiel nicht, daß, wenn sie das Wort des zweiten Grades aussprechen: Boas, daß das B so viel ist wie ein Haus; © ist, wie ich Ihnen gesagt habe, diese zurückhaltende Verwunderung; A: das ist die angenehme Verwunderung; $ ist das Zeichen für die Schlange. Damit haben Sie ausgedrückt: Wir erkennen die Welt als dasjenige an, was ein großes Haus ist, das der große Baumeister der Welt gebaut hat, über das man sich sowohl ängstlich als auch behaglich verwundern muß und in dem es auch das Böse gibt, die Schlange. - Ja, so etwas hat man gewußt in alten Zeiten; da hat man die Natur angeschaut nach diesen Dingen, den Menschen angeschaut nach diesen Dingen. Heute sprechen ahnungslos in gewissen Freimaurerbünden diejenigen, die den zweiten Grad haben, das Wort «Boas» aus. Ebenso, nicht wahr, wenn beim dritten Grad die Leute die Finger gelegt haben auf die Pulsader, dann war das wirklich eine Erkenntnis, daß der Betreffende eine feine Empfindung hat. Das merkte man an der Art und Weise, wie der Finger lag an der Pulsader. Das ist später geworden der Griff für den dritten Grad. Die Leute wissen heute nur noch, wenn einer kommt und so die Hand nimmt: das ist ein Freimaurer. Also in diesen Dingen ist eigentlich etwas Altes, Ehrwürdiges, Großes, etwas, worin alle frühere Gelehrsamkeit gelegen ist; das ist jetzt also ganz ins Formelhafte übertragen, ins Nichtige ausgegangen. So daß heute der Freimaurerbund solche Dinge hat; er hat auch Zeremonien, einen Kultus: das ist noch aus den Zeiten, wo man alles auch in einem Kultus, in Zeremonien gezeigt hat, damit es den Leuten mehr eindringlich war. Die Freimaurer machen das auch heute noch. So daß in dieser innerlichen Beziehung wirklich der Freimaurerorden keine Bedeutung mehr hat.
Aber es ist doch so furchtbar langweilig für viele Leute gewesen, wenn solche Bündnisse eingerichtet worden sind, da die Sachen mitzumachen; denn eigentlich artete es aus in eine Art Spielerei. Es brauchte also etwas, was man wiederum hineinschüttete, hineingoß in die Freimaurerei. Und dadurch entstand das, daß dann die Freimaurer mehr oder weniger politisch wurden, oder wiederum mehr oder weniger religiöse Aufklärungslehren verbreiteten. Die unaufgeklärte römische Lehre wurde von Rom verwaltet. Diejenige Lehre, die Rom gegenüberstand, wurde dann von der Freimaurerei verbreitet. Daher sind Rom, der römische Kultus und die Freimaurerei die allergrößten Gegner. Das hängt gar nicht mehr zusammen mit dem, was nun der Kultus, Zeichen, Griff und Wort bei den Freimaurern war, sondern das ist eben dazwischen gekommen. In Frankreich nannte man den Bund nicht Bund, sondern «Orient de France», weil alles von dem Orient genommen ist - «Grand Orient de France», das ist der große französische Freimaurerbund. Das andere, Zeichen, Griff und Wort, das ist nur noch, damit die Leute zusammenhalten, das ist das, woran sie sich erkennen. Der gemeinschaftliche Kultus ist das, wo sie zusammenkommen unter besonders feierlichen Umständen; so wie die andern in der Kirche zusammenkommen, so kommen diese Freimaurer unter Zeremonien, die von alten Mysterien herrühren, zusammen. Das hält die Leute zusammen.
Es war ja auch besonders in Italien zu gewissen Zeiten, als politische Geheimbünde sich bildeten, Sitte, unter gewissen Zeremonien, Zeichen und Griff, sich zu erkennen und zusammenzukommen. Politische Bünde, politische Vereinigungen haben immer angeknüpft an dieses alte Mysterienwissen. Und es ist heute ja wiederum ganz merkwürdig: Wenn Sie heute zum Beispiel in gewisse polnische und österreichische Gegenden gehen, finden Sie Plakate; auf diesen Plakaten sind sonderbare Zeichen und sonderbare Buchstaben, die sich dann zu Worten verbinden; man weiß zunächst nicht, was dieses Plakat bedeutet - aber solch ein Plakat, das heute in polnischen und österreichischen Gegenden überall angeschlagen ist, das ist das äußere Zeichen für einen Bund, der von gewissen nationalistischen Seiten unter der Jugend gebildet wird. Da wird mit denselben Dingen vorgegangen. Es ist das eigentlich weit, weit verbreitet, und die Leute wissen ganz gut, daß das Zeichen auch eine gewisse starke Kraft hat. Es gibt Verbände, die Deutschvölkischen zum Beispiel, die haben ein altes indisches Zeichen: zwei ineinandergeschlungene Schlangen, oder auch, wenn Sie wollen, ein Rad, das sich dann so umgebildet hat zum Hakenkreuz. Die haben das heute als Abzeichen. Und Sie werden vielfach hören, daß das Hakenkreuz wiederum als ein Zeichen angenommen wird für gewisse chauvinistische völkische Kreise. Das ist aus dem Grunde, weil man die Überlieferung hat: durch solche Zeichen haben die Alten ihre Herrschaft ausgedrückt. Und so ist es im großen Maßstabe immer gewesen beim Freimaurerbund. Der Freimaurerbund ist eigentlich dazu da, um gewisse Leute zusammenzuhalten, und das tut er durch Zeremonien, durch Zeichen, Griff und Wort. Und dann verfolgt er geheime Ziele, indem er unter all denen, die unter diesen Zeremonien, Zeichen, Griff und Wort, verbunden sind, gewisse Geheimnisse bewahrt. Natürlich, geheime Ziele kann man nur verfolgen, wenn sie nicht alle wissen; und so ist es bei den Freimaurerbünden, daß sie vielfach politische oder kulturelle und dergleichen Ziele verfolgen.
Nun können Sie aber noch eines sagen, meine Herren. Sehen Sie, die Leute, die in Freimaurerbünden verbunden sind, sind keineswegs deshalb anzufechten, weil sie das tun, sondern manchmal haben sie die allerbesten und edelsten Absichten; sie sind nur der Ansicht: Man kann die Menschen nicht auf eine andere Weise als durch solche Bündnisse für so etwas gewinnen, und daher haben die meisten Freimaurerbünde auch wiederum den Zweck, Wohltätigkeit im großen zu üben. Das ist schön, Wohltätigkeit und Humanität zu üben. Das ist nun auch etwas, was von diesen Bünden in großem Maßstabe ausgeübt wird. Daher ist es kein Wunder, wenn der Freimaurer immer darauf hinweisen kann, daß furchtbar vieles außerordentlich Humanes und Wohltätiges gerade von den Freimaurerbünden gestiftet und begründet wird. Man muß nur eben sich sagen: In der heutigen Zeit sind eigentlich alle solche Dinge nicht mehr zeitgemäß. Denn, nicht wahr, was müssen wir denn heute an solchen Dingen hauptsächlich ablehnen? Wir müssen die Absonderung ablehnen. Es entsteht dadurch auch bald eine geistige Aristokratie, die es nicht geben soll. Und das demokratische Prinzip, das immer mehr und mehr zur Geltung kommen muß, das widerstrebt eigentlich durchausdem Freimaurerbund ebenso wie den geschlossenen Priesterschaften. So daß man also sagen kann: Es ist schon einmal so, daß derjenige, der noch heute verstehen kann, was in manchen freimaurerischen Zeremonien für den ersten, zweiten und dritten Grad enthalten ist, in dem, was die Freimaurer selber oft nicht verstehen, erkennen kann, daß sie oftmals zurückreichen auf ganz alte Weisheit; aber dieses hat nicht die große Bedeutung. Die große Bedeutung hat dieses, daß eigentlich heute bei vielen freimaurerischen Verbänden, Bündnissen, eben viele politische oder sonstige soziale Wohltätigkeitsbestrebungen leben. Aber bis aufs Messer bekämpfen sich die katholische Kirche und die Freimaurer. Das hat sich aber auch im Laufe der Zeit erst herausgebildet.
Nun, solche Dinge kann man natürlich sehr leicht verkennen. Und es ist auch das aufgetreten: Die Freimaurer haben eine bestimmte Bekleidung bei ihren Zeremonien; sie haben zum Beispiel ein Schurzfell aus Lamm, das Lammschurzfell. Da haben manche gesagt: Die Freimaurerei ist überhaupt nichts anderes als eine Spielerei mit dem Maurerhandwerk, weil der Maurer ein Schurzfell hat. Aber das ist nicht wahr. Und das Schurzfell, das da ist, das ist durchaus dazu da- und es ist immer ursprünglich aus Lammleder gewesen, nicht erst allmählich so geworden -, um zu zeigen, daß derjenige, der in solchen Bündnissen ist, nicht ein wütender Kerl sein soll in bezug auf die Leidenschaften; es sollen also die Geschlechtsteile bedeckt werden mit seinem Schurz, und das ist das Zeichen dafür. Also es handelte sichdadoch um etwas, was in Zeichen ausdrückte den menschlichen Charakter. Und so ist es mit sehr vielen Zeichen, die auch in der Bekleidung liegen.
Man hat dann auch höhere Grade, wo ein ganz priesterähnliches Kleid getragen wird; da bedeutet alles einzelne etwas. Zum Beispiel habe ich Ihnen gesagt, daß der Mensch ja außer dem physischen Leib noch einen Ätherleib hat. Und geradeso wie der Priester ein weißes Linnenkleid, ein hemdartiges Gewand hat, um den Ätherleib auszudrücken, so haben auch gewisse hohe Grade der Freimaurer ein solches Gewand, und für den Astralleib - er ist farbig -, da hat man eine Toga, ein Übergewand; das drückt alles das aus. Und der Mantel, der dann verbunden war mit dem Helm, der drückte aus die Macht des Ich.
Alle diese Dinge führen eben zurück auf alte, sehr sinnreiche, bedeutsame Gebräuche, die heute ihre Bedeutung verloren haben. Wenn jemand die Freimaurerei gern hat, so soll er das nicht als etwas Abschätziges behandeln, was ich gesagt habe. Ich wollte nur auseinandersetzen, wie das ist. Es kann natürlich ein Freimaurerorden bestehen, der außerordentlich gute Menschen in sich vereinigt und so weiter. Und in der heutigen Zeit kann so etwas besonders wichtig werden. Wirklich, was heute meistens der Mensch lernt, wenn er Arzt oder Jurist wird - ja, das ergreift sein Herz nicht. Und deshalb werden noch viele Juristen und Ärzte echte Freimaurer, weil sie dann wenigstens die Feierlichkeit der alten Zeremonien haben und etwas, wobei sie sich nicht mehr viel denken können, was aber immerhin noch etwas ist: Zeichen, Griff und Wort, was aber hinweist darauf, daß der Mensch nicht bloß im äußeren Materiellen lebt.
Aus Instruktionsstunde Berlin, 16. Dezember 1911
Zeichen, Griff und Wort sind nicht nur bloße Erkennungszeichen, sondern sie haben einen tief okkulten Wert.2
Das Zeichen, bei dem man den rechten Winkel bildet zwischen dem Daumen und der flachen Hand, hat zu tun mit der Hand als Erkenntnisorgan. Es wurde schon in dem letzten Zyklus darüber gesprochen, daß Hände und Füße Erkenntnisorgane sind und zwar bessere als das Gehirn.3
Das physische Gehirn ist gleichsam herauskristallisiert aus dem Ätherleib wie Eis aus Wasser. Man kann einen innigen Zusammenhang verspüren zwischen diesen beiden «Gehirnen» und wie das physische Gehirn eigentlich eine Art von Spiegelapparat ist für dasjenige, was im ätherischen Gehirn vor sich geht. Das erlebt man besonders dann, wenn man sich sehr anstrengt mit Dingen, die sich auf den physischen Plan beziehen, oder wenn man Erinnerungsvorstellungen in sich hervorrufen will: es ist dann immer - ob man davon weiß oder nicht - der Ätherleib in Mitleidenschaft gezogen, aber besonders auch das physische Gehirn, das wie ein Klotz im Äthergehirn liegt und verhindert, daß es der Beweglichkeit des Äthergehirns folgen kann. Man fühlt dann sehr deutlich, daß es nicht das Äthergehirn ist, das ermüdet; das könnte bis in alle Ewigkeit Gedanken und Erinnerungen hervorrufen, aber das physische Gehirn kommt nicht mit, wirkt wie ein Fremdkörper im Ätherleib. Dadurch spürt man die Ermüdung des physischen Gehirns um so mehr. - Und wenn man auch immer weiter denken könnte mit dem Äthergehirn, so würde man doch sich krank machen; der normale Zusammenhang würde durchbrochen werden, der physische Teil würde wie tot werden. Es ist unmöglich, den Parallelismus zwischen physischem und Äthergehirn in größerem Maße zu durchbrechen.
In unserem Gehirn haben wir also einen sehr getreuen Ausdruck des Äthergehirns in seinen Funktionen und Prozessen. Bei den Händen des menschlichen Ätherleibes ist der Zusammenhang mit den physischen Organen ein anderer. Ebenso wie beim Gehirn entsprechen auch den Händen gewisse Ätherprozesse des Ätherleibes, aber zwischen den physischen Händen und ihrer Aufgabe, und demjenigen, was ihnen im Ätherleibe entspricht, ist ein weit größerer Unterschied, als zwischen dem physischen Kopf und dem entsprechenden Ätherteil desselben. Was die Hände tun, ist viel mehr eine rein sinnliche Verrichtung, und was die Ätherorgane der Hände tun können, findet nur sehr wenig seine Offenbarung und seinen Ausdruck in demjenigen, was die physischen Hände tun. Diese Ätherhände sind in dem elementarischen oder Ätherleib wirkliche Geistorgane. Eine viel höhere, intuitivere spirituelle Handlung wird verrichtet gerade durch diejenigen [Äther}-Organe, die den Händen zugrunde liegen und in den Händen des physischen Leibes nur einen mangelhaften Ausdruck finden. Diese Ätherorgane führen schon in die übersinnliche Welt und können in dieser Beobachtungen anstellen. Etwas paradox könnte man sagen: das menschliche Gehirn ist das allerungeeignetste Wahrnehmungsorgan für die Welt; die Hände - ätherisch genommen - sind viel bedeutsamere und geschicktere Erkenntnisorgane als das Gehirn. Auf dem Wege zur Einweihung lernt man nicht besonders viel, wenn man lernt, von dem Gebrauch des physischen Gehirns überzugehen zu dem des Äthergehirns.
Was die Hände zu verrichten haben, findet man in dem Zusammenhang mit den Lotusblättern in der Herzgegend, die ihre Kräfte so ausstrahlen, daß sie von dem Herzen in die Hände gehen und so die Ätherhand zum geistigen Erkenntnisorgan machen. Diese Unterschiede verstehen zu lernen, gibt einen Begriff von dem Sich-Einleben in die Initiation. Nicht das ist wichtig, daß man empfindet, wie das physische Gehirn das Äthergehirn ausfüllt, sondern daß man empfindet, wie ganz andere Organe in dem Menschen entstehen können. Was zuerst veranlagt war in dem sinnlich-physischen Menschen, so wie die Hände, verwandelt sich in den inneren Menschen, so daß er anderes damit erleben kann.
Wenn wir die Hände an den Kehlkopf legen, so daß der Daumen der rechten Hand beim Ohr liegt und die flache Hand unter dem Kinn in der Höhe des Kehlkopfes, dann schließen wir die Ätherströmungen des Hauptes aus und gestalten den übrigen Organismus zum Erkenntnisorgan.
In solcher Weise wird die Erkenntnis spiritualisiert, und wenn man in dieser Stellung aufrecht steht, ist es ein Hilfsmittel, um Erkenntnisse in spiritueller Art aufnehmen zu können. Der Kehlkopf steht in Zusammenhang mit dem Denken, das der Mensch während des Mondenzustandes entwickelte. Das Gehirndenken ist ein Erdenprodukt und kann nur die Welt der Sinne berühren, nicht die Welt des Geistes.
Mit dem Griff, indem wir mit dem Daumen einen rechten Winkel bilden, verrichten wir ebenfalls etwas sehr Bedeutsames. Es wird dadurch in dem Verhältnis von Mensch zu Mensch etwas, was in unserer materialistischen Zeit in der brutalsten Art geschieht, ausgeschaltet. Wir machen nämlich die Strömungen feiner und verwandeln damit unsere Verhältnisse zur Außenwelt. Wenn wir eine bestimmte Stelle der Oberhand berühren mit dem so gebogenen Daumen, vereinigen sich die beiden Strömungen miteinander, und dadurch können wir einen wohltätigen, weitreichenden Einfluß zum Guten bewirken. In der sinnlichen Welt sind keine Ursachen, diese leben nur in der übersinnlichen Welt. Hier gibt es nur Zeichen. Diese sollen wir in unserem Tempel kennenlernen, damit wir sie in gutem Sinne anwenden und gebrauchen lernen. Die dumme Anatomie - so töricht das klingen mag, es ist doch richtig, wenn auch in unserer Zeit der Anatomie ihr Daseinsrecht zuerkannt werden muß - meint, daß das Herz das Blut pumpt. Aber das Blut wird in Wirklichkeit getrieben durch Strömungen im Ätherleib. Das Herz ist nur das Zeichen, daß an der Stelle die Ätherströme zusammenkommen. So sind zum Beispiel unsere Muskeln Zeichen für die Bewegung, die tatsächlich im Astralleibe als Ton entsteht. Ohne die Muskeln könnten wir von der Bewegung nichts wissen, sie spiegeln uns die Bewegung. Unser ganzer Körper ist ein Spiegelungsapparat in jedem seiner Teile.
Das heilige Wort [JACHIN] wird nicht ausgesprochen, sondern buchstabiert, wie bei der Aufnahme auseinandergesetzt worden ist. Es ist ein Wort aus der Ursprache, und wer es in Gedanken mit einem anderen Menschen austauscht, kann damit heilsame Kräfte von dem einen auf den anderen Menschen übertragen. Wenn jemand von Leid übermannt ist, oder wenn wir jemandem begegnen, der mit einem heftigen Unwohlsein oder Kranksein zu kämpfen hat, so stellt man innerlich die Frage: Kennst du das heilige Wort? - richtet sie in Gedanken an den andern, während man sich vorstellt, daß der andere die Antwort gibt - natürlich alles in Gedanken -, und so tauscht man die Buchstaben und die beiden Silben mit ihm aus. Damit geht der Strom von dem einen Kehlkopf auf den andern über und kann man Menschen in der günstigsten Art beeinflussen, ohne daß ihre Freiheit beeinträchtigt wurde.
Das Zeichen regelt das Verhältnis des Menschen zur Außenwelt; der Griff regelt das Verhältnis von Mensch zu Mensch; und das Wort wirkt heilbringend, heilend auf unseren Mitmenschen.
Aus Instruktionsstunde Berlin, 6. Februar 1913
Was wir als Menschen hier tun und denken, und die Bewegungen, die wir machen, das ist das, was die Götter früher getan haben, um diese unsere Welt entstehen zu lassen. Geisteskeime für die Zukunft sollen gelegt werden durch die Arbeit und das Ritual in unseren M.E.Logen. Magie ist nicht etwas, was beliebige Handlungen vollbringt, sonderbare Gebräuche ausführt, sondern Magie ist dasjenige, was Menschheits- und Weltenzukunft vorbereitet.
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Diese Antwort ist falsch; es heißt im Schweizerdeutsch «Wäge», wie Rudolf Steiner vermutete. ↩
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Zeichen und Griff waren für jeden Grad anders; sie sind nicht authentisch überliefert. In Notizen von der Instruktionsstunde München, 5. September 1912 heißt es, daß bei der Aufnahme in den 1.° noch gesagt wurde: «Das Zeichen des 1.° wird in der Zukunft der Ausdruck sein für Selbsterkenntnis oder für das, was man unter dem «Erkenne dich selbst!» versteht.» - Das «Wort» für den 1.° war Jakin, für den 2.° Boas, für den 3.° Mach ben ach. Zu Zeichen, Griff und Wort siche auch «Gegenwärtiges und Vergangenes im Menschengeiste» (4. Vortrag), GA 167. ↩
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Siehe «Exkurse in das Gebiet des Markus-Evangeliums» (7. Vortrag), GA 124. ↩