Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914
GA 265
Die Tempellegende
«Der die Menschheitsevolution symbolisch deutende Teil», wie er im ersten Grad vermittelt wurde.
Text nach Originalhandschrift Rudolf Steiners
Im Beginn der Erdenentwickelung stieg einer der Lichtgeister oder Elohim aus dem Sonnenbereich in den Erdenbereich und verband sich mit Eva, der Urmutter des Lebendigen. Aus dieser Verbindung entstand Kain, der erste der Erdenmenschen. Darauf bildete ein anderer aus der Reihe der Elohim, Jahve oder Jehova, den Adam; und aus der Verbindung des Adam mit Eva entstand Abel, des Kain Stiefbruder. Die Ungleichheit der Abstammung von Kain und Abel (geschlechtliche und ungeschlechtliche Abstammung) bewirkte Streit zwischen Kain und Abel. Und Kain erschlug den Abel. Abel war durch die geschlechtliche Abstammung, Kain durch den moralischen Fall des Lebens in der geistigen Welt verlustig gegangen. Für Abel gab Jehova dem Elternpaar den Ersatzsohn Seth. Von Kain und Seth stammen zwei Menschentypen ab. Die Nachkommen Seths konnten in besonderen (traumhaften) Bewußtseinszuständen in die geistige Welt schauen. Die Nachkommen Kains waren dieses Schauens ganz verlustig gegangen. Sie mußten sich im Laufe der Generationen hindurch durch allmähliche Ausbildung der menschlichen Erdenkräfte zur Wiedererringung der spirituellen Fähigkeiten hinaufarbeiten.
Einer der Nachkommen Abel-Seths war der weise Salomo. Er hatte sich die Gabe traumhaften Hellsehens noch ererbt; ja hatte sie in einem besonderen Grade als Anlage mitbekommen; so kam es, daß seine Weisheit so weithin berühmt war, daß symbolisch von ihm berichtet wird, er habe auf einem Throne von Gold und Elfenbein gesessen (Gold und Elfenbein Symbole der Weisheit).
Aus dem Kainsgeschlechte stammten Menschen, die sich im Laufe der Zeit immer mehr und mehr die Hinaufentwickelung der menschlichen Erdenkräfte angelegen sein ließen. Einer dieser Menschen war Lamech, der Bewahrer der T-Bücher, in welchen, soweit dies durch Erdenkräfte möglich war, die Urweisheit wiederhergestellt war, so daß diese Bücher den uneingeweihten Menschen unverständlich sind. Ein andrer Nachkomme der Kain-Menschheit ist Tubalkain, welcher in der Bearbeitung der Metalle es weit brachte, ja die Metalle kunstvoll zu Musikinstrumenten zu formen verstand. Und als Zeitgenosse Salomos lebte Hiram Abiff oder Adoniram aus dem Kainsgeschlecht, der in seiner Kunst so weit gelangt war, daß diese unmittelbar an das Schauen der höheren Welten grenzte, eben noch eine dünne Wand gegen die Initiation für ihn zu durchstoßen war.
Der weise Salomo erdachte den Plan eines Tempels, der in seinen Formteilen symbolisch die Menschheitsentwickelung zum Ausdrukke bringen sollte. Durch seine Traumweisheit konnte er die Gedanken dieses Tempels in allen Einzelheiten ersinnen; doch fehlte ihm die Kenntnis der Erdenkräfte zum wirklichen Bau, welche nur durch Ausbildung der Erdenkräfte im Kainsgeschlecht zu erringen waren. Es verband sich deshalb Salomo mit Hiram-Abiff. Dieser baute nun den die Menschheitsentwickelung symbolisch ausdrückenden Tempel.
Salomos Ruhm war gedrungen bis zur Königin von Saba, Balkis. Diese begab sich eines Tages an den Hof Salomos, um diesen zu ehelichen. Es wurden ihr alle Herrlichkeiten des salomonischen Hofes gezeigt; auch der gewaltige Tempel. Sie konnte aus den Vorstellungen heraus, die sie bis dahin gewonnen hatte, nicht begreifen, wie ein Baumeister, der nur menschliche Kräfte zur Verfügung hatte, so etwas habe leisten können. Sie hatte ja nur erfahren, daß die Führer von Arbeitern durch den Besitz von atavistischen magischen Kräften genügende Scharen von Arbeitern hatten zusammenführen können, um die alten gewaltigen Bauten aufzuführen. Sie verlangte den ihr seltsam-merkwürdigen Baumeister zu sehen. Als er ihr begegnete, machte sein Auge sogleich einen tief bedeutsamen Eindruck auf sie. Dann sollte er ihr zeigen, wie er durch bloße Menschen-Verabredung die Arbeiter führe. Er nahm seinen Hammer, bestieg einen Hügel, und auf ein Zeichen mit dem Hammer eilten große Scharen von Arbeitern herbei. Die Königin von Saba merkte, daß Menschen-Erdenkräfte zu solcher Bedeutung sich entwickeln können.
Bald darauf erging sich die Königin mit ihrer Amme (Amme steht symbolisch für eine prophetische Person) vor den Toren der Stadt. Sie begegneten Hiram Abiff. In dem Augenblicke, als die beiden Frauen den Baumeister erblickten, flog aus den Lüften der Vogel Had-Had auf den Arm der Königin von Saba.
Die prophetische Amme deutete dieses dahin, daß die Königin von Saba nicht für Salomo, sondern für Hiram Abiff bestimmt sei. Von diesem Augenblicke an dachte die Königin nur mehr daran, wie sie das Verlöbnis mit Salomo lösen könne. Es wird weiter erzählt, daß nun «im Rausche» dem König der Verlobungs-«ring» vom Finger gezogen wurde, so daß sich nun die Königin für die dem Hiram Abiff bestimmte Braut betrachten konnte. (Es liegt das Bedeutungsvolle diesem Zug der Legende zugrunde, daß in der Königin von Saba zu sehen ist die alte Sternenweisheit, die bis in jene Zeitepoche verbunden war den alten atavistischen Seelenkräften, die in Salomo symbolisiert sind. Die okkulten Legenden drücken in den Symbolen von weiblichen Personen die Weisheit aus, welche sich mit dem männlichen Teil der Seele vermählen kann. Mit der Zeit Salomos ist die Epoche eingetreten, in welcher diese Weisheit übergehen soll von den atavistischen alten Kräften an die neu erworbenen ErdenIch-Kräfte. Der «Ring» ist immer das Symbol des «Ich». Salomo wird noch im Besitz eines nicht voll-menschlichen Ich gedacht, sondern eines solchen, welches nur der Widerschein ist des «höheren Ichs» der Engel im atavistischen Traum-Hellseher-Bewußtsein. Der «Rausch» deutet darauf hin, daß dieses Ich wieder verloren wird innerhalb der halbbewußten Seelenkräfte, durch die es erworben ist. Hiram ist erst im Besitze eines real-menschlichen «Ich».)
Von diesem Zeitpunkte an ergreift den König Salomo eine heftige Eifersucht gegen seinen Baumeister. Es haben es daher drei verräterische Gesellen leicht, das Ohr des Königs für eine Tat zu finden, durch welche sie Hiram Abiff verderben wollen. Sie sind dessen Gegner, weil sie von ihm zurückgewiesen werden mußten, als sie den Meistergrad und das Meisterwort verlangten, für die sie nicht reif sind.
Diese drei verräterischen Gesellen beschließen nun, dem Hiram Abiff das Werk zu verderben, das er als die Krönung seines Wirkens am Hofe Salomos vollbringen soll. Es ist dies der Guß des «Ehernen Meeres». Das ist ein aus den sieben Grundmetallen (Blei, Kupfer, Zinn, Quecksilber, Eisen, Silber, Gold) in solchen Maßverhältnissen hergestellter künstlicher Guß, der völlig durchsichtig ist. Die Sache war vollendet, bis auf einen allerletzten Einschlag, der vor versammeltem Hof - auch vor der Königin von Saba - gemacht werden sollte, und durch welchen die noch trübe Substanz bis zur völligen Klarheit sich umbilden sollte. Nun mischten die drei verräterischen Gesellen etwas Unrechtes in den Guß, so daß, statt daß sich dieser klärte, Feuerfunken aus ihm sprühten. Hiram Abiff suchte das Feuer durch Wasser zu beruhigen. Das gelang nicht, sondern die Flammen schlugen nach allen Seiten. Die versammelten Leute eilten nach allen Seiten auseinander. Hiram Abiff aber hörte aus den Flammen und der glühenden Masse eine Stimme: «Stürze dich in das Flammenmeer; du bist unversehrbar.» Er stürzte sich in die Flammen und merkte bald, daß sein Weg nach dem Mittelpunkte der Erde zuginge. Auf halbem Wege traf er seinen Vorfahren Tubalkain. Dieser führte ihn nach dem Erdmittelpunkte, wo sich der große Vorfahre Kain befand, in dem Zustande, wie er vor der Sünde war. Hier erhielt Hiram Abiff von Kain die Erklärung, daß die energische Entfaltung der menschlichen Erdenkräfte zuletzt zu der Höhe der Initiation führe, und daß die auf diesem Wege erlangte Initiation im Erdenverlaufe an Stelle des Schauens der Abel-Seth-Söhne treten müsse, das verschwinden werde. Symbolisch wird die mutverleihende Kraft, welche Hiram Abiff von Kain erhält, dadurch ausgedrückt, daß gesagt wird, Hiram habe einen neuen Hammer von Kain erhalten, mit dem er an die Erdenoberfläche zurückkehrte, das Eherne Meer berührte und dadurch dessen völlige Durchsichtigkeit bewirken konnte. (Mit dieser Symbolik ist dasjenige gegeben, was in gehöriger Meditation die innere Wesenheit der Menschenentwickelung auf der Erde zur Imagination erhebt. Das Eherne Meer kann als Symbol dessen gelten, was der Mensch geworden wäre, wenn nicht die drei verräterischen Kräfte in der Seele Platz gegriffen hätten: Zweifel, Aberglaube, Illusion des persönlichen Selbstes. Durch diese Kräfte ist die Erden-Menschheitsentwickelung zur Feuerentfaltung in der lemurischen Zeit gekommen, welche durch die Wasserentwickelung der atlantischen Zeit nicht gedämpft werden kann. Es muß vielmehr eine solche Entwickelung der menschlichen Erdenkräfte stattfinden, daß in der Seele der ursprüngliche Zustand wieder hergestellt wird, der in Kain vor dem Brudermorde vorhanden war. Es können sich nicht die traumhaften Seelenkräfte der Kinder Abel-Seths gegen die Erdenkräfte halten, sondern nur die zur vollen realen Ich-Entwickelung kommenden Nachkommen Kains.)
Eine weitere Niederschrift der Tempellegende
Text nach Originalhandschrift Rudolf Steiners
[Der erste Teil fehlt]
Von dieser Zeit an entbrannte Salomo in Eifersucht gegen seinen Baumeister. Es fanden daher drei verräterische Gesellen an ihm Unterstützung, welche in ihrer Eitelkeit das Meisterwort und den Meistergrad von dem Baumeister verlangt hatten, die er ihnen nicht geben konnte, weil sie noch unreif dazu waren. Diese beschlossen, sich in der folgenden Art zu rächen.
Hiram Abiff sollte als die Krönung seiner Arbeiten am Hofe Salomos das sogenannte Eherne Meer aufführen. Es sollte sein ein wundervoller Metallguß, in den hineingegossen waren alle Metalle der Erde in solcher Zusammenstimmung, daß ein herrliches harmonisches Ganze sich ergab. Alles daran war durch Hiram Abiff fertiggestellt, bis auf den letzten Handgriff. Dieser sollte bei einem besonderen Fest vollzogen werden. Der ganze Hof war dazu versammelt, auch die Königin von Saba. Die drei verräterischen Gesellen mengten im entscheidenden Augenblicke einen unrechten Einschlag in den Guß; und statt, daß sich das Ganze zum harmonischen Abschluß brachte, sprühten Funken aus dem Guß heraus. Hiram Abiff suchte durch beigemengtes Wasser die Flammen zu beruhigen. Da aber entstiegen furchtbare Flammenmassen dem Guß. Alles stieb auseinander, was von Menschen versammelt war. Hiram Abiff aber hörte eine Stimme aus dem Feuer, die ihm sagte: fürchte dich nicht, stürze dich in die Flammen; du bist unversehrbar. Er stürzte sich in das Flammenmeer. Er merkte bald, daß sein Flug zum Erdmittelpunkte gehe. In der Mitte des Weges traf er Tubalkain, der ihn zu seinem Ahnherrn Kain in den Mittelpunkt der Erde führte. Kain war in der Gestalt vor der Sündenbegehung. Er gab Hiram Abiff ein neues T-Zeichen und sagte ihm, damit werde er, zur Oberfläche der Erde zurückgekehrt, den Guß wiederherstellen. Und von ihm werde ein Geschlecht ausgehen, das Adams Kinder auf der Erde besiegen und den großen Dienst des Feuers wieder einführen, sowie die Menschheit zum göttlichen Schöpferworte zurückführen werde.
Auch in diesem Teil der Legende liegt tiefer Sinn. Bevor der Mensch herabgestiegen ist aus dem Schoße der Gottheit in irdische Verkörperungen, war er in geistiger Umgebung, die er wahrnehmen konnte. Er hörte das göttliche Schöpferwort. Er verkörperte sich in den Metallmassen, die damals noch im Feuer flüssig waren. Bevor dies geschah, konnten drei Gesellen nichts ihm anhaben: Zweifel, Aberglaube und die Illusion des persönlichen Selbst. Zweifel konnte er nicht haben an der geistigen Welt, denn sie war ja um ihn. Aberglaube konnte ihn nicht befallen, denn er sah das Geistige in seiner wahren Gestalt. Der Aberglaube besteht aber in der Vorstellung des Geistigen unter falscher Gestalt. Die Illusion des persönlichen Selbst konnte ihn nicht befallen, denn er wußte sich in der allgemeinen Geistigkeit; er war durch das Eingeschlossensein in seinen Körper noch nicht herausgetrennt aus dieser allgemeinen Geistigkeit. Hätten sich diese drei verräterischen Gesellen nicht an seine Fersen geheftet, es wäre sein Leib ein reiner harmonischer Zusammenhang der Stoffe geworden. Sie mischten den Einschlag hinein, der ihn das göttlich-geistige Schöpferwort vergessen machte. Der Guß wurde dadurch zerstört. Es stellt dann die Fahrt des Hiram Abiff zum Erdmittelpunkte das Vordringen des Menschen auf dem okkulten Pfade vor. Dadurch gelangt die Menschheit wieder in den Besitz des T, des göttlichen Schöpferwortes, lernt die Menschennatur (Kain) kennen, wie sie vor dem Falle war und wie sie in Reinheit schaffen kann.

Eine andere Imagination ist das Folgende:
Das Auge ist das göttliche Kraftauge hinter aller vergänglichen Wesenheit, ja noch hinter der siebengliedrigen Menschennatur. Man erlangt davon eine Vorstellung, wenn man sich erinnert an des Augustinus’ Worte:
«Der Mensch sieht die Dinge, wie sie sind.
Sie sind, wie Gott sie sieht.»
Das menschliche Sehen ist passiv, die Dinge müssen da sein, damit der Mensch sie sehen könne. Gottes Schauen schafft im Hinschauen die Dinge. Das Dreieck um das Auge ist
Geistselbst (Manas)
Lebensgeist (Budhi)
Geistesmensch (Atma)
Die Strahlen sind das «Ich» - es scheint die obere Dreiheit durch das Ich in die unteren Glieder der Menschennatur.
Diese sind symbolisiert:
- durch den beleuchteten Teil der Wolken: der Astralleib
- durch den unbeleuchteten Teil der Wolken: der Ätherleib
- durch die darumliegende Finsternis: der physische Leib.
Tempellegende und dieses Strahlenauge sollen für den .*. bilden einen fortdauernden Meditationsstoff. Er soll sich immer wieder an diese erinnern; sie als Bilder (Imaginationen) im Geiste schauen. Dann wird er, wenn er die nötige Energie und Geduld darauf wendet, gewahr werden, daß sie Kräfte und Fähigkeiten wecken, die in ihm schlummerten, und durch deren Erweckung er in die höheren Welten hineinschauen kann. Denn nicht durch tumultuarische, äußerliche Mittel gelangt der Mensch zu den übersinnlichen Wahrnehmungsorganen, sondern durch solche intime Mittel wie die genannten, die in innerer, ruhiger Seelenarbeit innerlich rastlos und energisch angewendet werden.
Sich aneignen Ausdrücke
für: rechter Winkel
Richtung (direction) abbiegen
wechselweise Buchstaben sprechen
heil. Wort
Paßwort
Schürze
Kelle und Kellenband.