Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914
GA 265
Das Dreieck mit dem Auge
Instruktionsstunde Berlin, 2. Oktober 1910
Durch Ahriman können wir gar nicht anders sehen, als wir heute sehen. Zum Beispiel sehen wir an den Pflanzen nur das Äußere, die Blätter, die Zellen und so weiter, nicht aber die Lebenskraft drinnen. Diesen Schleier Ahrimans zu überwinden, soll das, was in der Loge gegeben wird, Erleichterung verschaffen.
Es gibt keinen Punkt im Weltenraum, in dem nicht Kräfte wären, die im Menschen wirken. Jetzt muß etwas Groteskes gesagt werden, das nur in einer solchen Gemeinschaft wie dieser hier gesagt werden kann, wo alles als etwas Heiliges aufgefaßt wird: Es gibt nichts, was bei den einzelnen Menschen so verschieden ist wie das Gehirn. Man spricht davon, daß es an einem Baum nicht zwei Blätter gibt, die sich gleich sind. Noch viel verschiedener unter sich sind die Gehirne der Menschen. Hellseherisch betrachtet, sind im Äthergehirn viele, viele leuchtende Punkte, und die sind bei allen Menschen verschieden. Wenn man diese leuchtenden Punkte photographieren könnte, was ja natürlich nicht möglich ist, da sie im Ätherischen sind, so würde man auf diesem so gewonnenen Bilde den Sternenhimmel - ohne die Planeten - wiedererkennen. Wie eine Halbkugel ist das Gehirn. Wenn man weit genug herankäme, würde man jede dieser Konstellationen der leuchtenden Punkte bei den verschiedenen Menschen einmal am Sternenhimmel wiederfinden.
Das Gehirn des Menschen ist dessen vornehmster Teil. Es ist verbunden durch geistige Kräfte mit der obersten Partie sozusagen des Weltalls. Weiter herunter kommen wir zu den Tierkreiszeichen. Diese sind verbunden mit den 12 Nervensträngen der Sinnesorgane. Je höher die Kräfte herstammen, um so verschiedener ist ihre Wirkung; je näher der Erde sie ihren Ausgangspunkt haben, um so gleichmäßiger ist die Wirkung. Bei der Sonne kommt es bei uns nicht darauf an, ob sie feststeht oder ob sie sich bewegt, für uns Menschen kommt es darauf an, daß sie uns ihre Kräfte aus dem Osten, dann aus Süden, und dann aus Westen zusendet. Und wie sie auf uns wirkt, haben wir gestern gesehen bei Besprechung der Altäre. Aus Osten: Weisheit, die uns geschaffen hat; aus Süden: Schönheit, in der sich alles offenbart; aus Westen: die Kraft, die Stärke, mit der wir nun weiter wirken sollen im Leben.
Alle Teile unseres physischen Leibes sind aus den höheren Kräften heraus gestaltet. Einer der wunderbarsten Teile ist das menschliche Auge (das Auge wird an die Tafel gezeichnet). Atma, Budhi, Manas haben daran gewirkt. Wir müssen wissen, daß deren Kräfte verborgen liegen in dem Auge. (Diese drei Kräfte werden wiedergegeben in dem Dreieck.) Was können wir mit dem Auge? Wir können es bewegen nach rechts, nach links, oben, unten. Mit unserem Ich können wir das. Es wirkt von außen auf das Auge. Das soll in diesen Strahlen, die von dem Dreieck nach außen gehen, angedeutet werden. Aber worauf fällt es? Auf den Schleier, den Ahriman über alles gebreitet hat. Wiederzugeben in den Wolkenlinien. Auf dem Monde haben wir den Astralleib eingegliedert bekommen, dahinter wirkt Ahriman. So bedeuten diese Wolkenlinien den Astralleib. In den Ätherleib hinein ist schon auf der Sonne so gewirkt worden, daß das Auge einstmals ein solches Werkzeug werden könnte. Je weiter vom Geistigen entfernt, umso dichter der Leib. In den dichten Wolken ist angedeutet der Ätherleib. Und auch im physischen Leib ist auf dem Saturn schon darauf hingewirkt worden, daß einstmals ein solches Auges werden sollte. Der physische Leib ist das Dichteste, Dunkelste am Menschen, hier bei der Zeichnung das dunkle Schwarz der Tafel.
Wenn man sich dieses Bild recht oft vor die Seele stellt, so wird es Seelenkräfte wecken. So wie diese Zeichnung (Auge mit dem Dreieck) sieht das menschliche Auge eigentlich aus. Es ist durch das Knochengerüst nur etwas anders geworden. Die Form ist etwas verwachsen.
Wirken lassen sollen wir alles das, was wir in der Loge an Symbolen und Lehren bekommen, auf unsere Seele. Wir können das aber nicht, wenn wir nicht fühlen, daß wir durch Aufnahme in den Tempel ein anderer Mensch geworden sind. Anders müssen wir dem Leben gegenüberstehen. Dieses Bild, das Dreieck mit dem Auge, wirkt auf uns in der Nacht, aber auch alles das, was wir im bunten Chaos um uns herum sehen, zum Beispiel all die Gegenstände in einem Warenhaus, die scheußlichen Plakate an den Anschlagsäulen und so weiter. Und lassen wir all das ebenso in uns wirken wie bisher, so geht die Wirkung der Symbole einfach verloren.
Wenn wir hier mit Begeisterung all das aufnehmen an Symbolen und Lehren, so spricht das Beste in uns. Kommen wir zum Außenleben zurück und lassen wir das Chaos von Eindrücken ebenso in uns einstürmen wie bisher, dann kommt ein Zwiespalt in uns. Es will uns dann scheinen, als wäre es blinder Autoritätsglaube gewesen, dem wir uns im Tempel unterworfen hätten, während es doch das Beste in uns war, das da empfand - wir wissen dann das nur nicht. Und so entstehen die Konflikte, denen so mancher unterworfen ist.
Die Dame der Welt soll nicht in demselben Sinne Dame der Welt bleiben. Hat sie wegen sozialer Stellung oder aus sonstigen Gründen dieses ganze Leben einer Dame mitzumachen, so muß sie es tun. Sie soll es aber nicht in demselben Sinne, mit denselben Gefühlen tun. Muß sie Kaffeeklatsch mitmachen, so soll sie es aus Überzeugung der Verpflichtung heraus natürlich tun. Theosophie soll uns ja nicht vom Leben abwenden, sondern geeignet dafür machen, - aber mit anderen Empfindungen soll sie es tun.
Es soll hier keine Moralpauke gehalten werden, sondern das, worauf ich hinauswill, ist: Es muß jeder sich zur Pflicht machen, auf solchem Kaffeeklatsch und so weiter, und so weiter, nicht von Theosophie zu reden. Nicht beim Essen, nicht bei gewöhnlichen Gelegenheiten - und Essen ist eine gewöhnliche Beschäftigung - von Theosophie reden. Mit einem Wort: Nicht überall über Theosophie schwatzen, wo man sich gelegentlich trifft, denn dann wird es ein Schwatzen. Will man darüber reden, dann nur, wenn man extra dazu zusammenkommt. Eine heilige Sache soll uns die Theosophie sein, und so soll sie behandelt werden und nicht so nebenbei.
Die Zeremonien, die bis jetzt vorgenommen wurden, können, mit Ausnahme der zwei Säulen, vom ersten Grad verstanden werden. Was jetzt folgt, der Schluß, ist erst nach langer Zeit zu verstehen.