Zur Geschichte und aus den Inhalten der erkenntniskultischen Abteilung der Esoterischen Schule von 1904 bis 1914

GA 265

Drei esoterische Stunden mit Inhalten aus dem früheren erkenntniskultischen Arbeitszusammenhang

Gehalten in Dornach am 27. Mai 1923, 23. Oktober 1923, 3. Januar 1924 für die «Wachsmuth-Lerchenfeld-Gruppe»1

Text von Maria Röschl-Lehrs «aus der Erinnerunggleich nachher niedergeschrieben.»

I

Einleitend wurde gesagt, warum jetzt solch eine Gruppe wieder möglich ist. Klares Bewußtsein nötig. Man war früher mit zu geringem Bewußtsein, zu geringem spirituellen Bewußtsein herangetreten an die Einrichtungen der Anthroposophie.

Wenn das, was in jenen alten esoterischen Zusammenhängen gegeben worden war, veröffentlicht worden wäre, dann wären dadurch viele Kulte in der Welt entstanden. Weil es aber nicht veröffentlicht wurde, ergab sich Haß und Verrat der Sache.

Diese Menschen hier sind nicht von ihm zusammenberufen, sie sind selber zusammengetreten. Er hat es der geistigen Welt gegenüber abgelehnt, weiter noch selber solche Gruppen zu bilden. Nicht hochmütig sein! Es gibt mehr Menschen, die dafür in Betracht kämen, auch solche, die weiter sind! Hier sind eben nur die, die sich selber zusammengefunden haben. Vom Meditieren. Es ist nicht nur persönliche Angelegenheit, sondern hat Weltbedeutung. Der Kosmos ist interessiert daran, ob wir es tun oder nicht.

O Mensch ...2

Legende [Tempellegende] neuer Anhang zwei Richtungen - in Johannes die Mitte. Erkennen, was von den beiden Richtungen kommt. Brand, weil beide vereinigt gegen die Mitte. Haß gegen Fortsetzung dieser Mitte.

Wach werden! Wach gegenüber diesen zwei Richtungen, aber auch überhaupt. Wach werden durch richtiges Meditieren! Goethe war ganz wach, Schiller nur halb wach, Herder und Lessing schliefen ganz.

Vor dem Mysterium von Golgatha waren die Worte eines Eingeweihten: Salem. Jetzt Umkehrung: Melas ... Kreis schließt sich.

Nachtrag: Vorher Mach ben ach - Erdensohn des Leides oder das Physisch-Leibliche hat sich vom Seelisch-Geistigen getrennt.

Vokalübung - Pilgerschaft nach dem Ich3
O A J A O: Ich inmitten Licht und Raum
A J O J A: Raum für Ich und Licht
J O A O J: Licht durch Raum und mich
Ich bin

Jetzt erst das von den zwei Richtungen und dem Brand.4

Die Tempellegende

Der Wortlaut der Tempellegende aus der esoterischen Stunde vom 27. Mai 1923 wurde von verschiedenen Teilnehmern hinterher aus dem Gedächtnis und nach Texten aus dem früheren erkenntniskultischen Arbeitszusammenhang rekonstruiert. Die Bezeichnung «Neue Fassung, gegeben im Frühjahr 1923», unter der dieser Wortlaut weitergegeben wurde, trifft eigentlich nur für den letzten Schluß zu (in den Notizen von Maria Lehrs-Röschl als «Neuer Anhang» bezeichnet). Im ersten Teil entspricht der Legendentext wortwörtlich demjenigen der Niederschrift Rudolf Steiners aus dem Jahre 1906 (S. 365). Die daran anschließende Schilderung vom Guß des ehernen Meeres und Hirams Tod weist dagegen einige Varianten gegenüber den früheren Schilderungen auf. Die Schilderung in der Fassung von 1923, die nach dem Satz aus Rudolf Steiners Niederschrift (S. 367): «Hiram ist erst im Besitze eines real-menschlichen Ich» einsetzt, lautet wie folgt:

Von diesem Zeitpunkt an ergreift den König Salomo heftige Eifersucht gegen seinen Baumeister Hiram Abiff. Dieser hatte beim Tempelbau drei Gesellen, die den Meistergrad von ihm forderten. Sie hatten aber ihre Untüchtigkeit gezeigt, indem sie einen für den Tempelbau unersetzbaren mächtigen Balken zu kurz geschnitten hatten. Hiram hatte das Unglück gut gemacht dadurch, daß er durch seine besonderen Kräfte den Balken hatte in die richtige Länge dehnen können. Sie sind nun die Gegner Hiram Abiffs, weil sie von ihm zurückgewiesen werden mußten, als sie den Meistergrad und das Meisterwort von ihm verlangten, für das sie noch nicht reif waren. Die drei verräterischen Gesellen haben es leicht, das Ohr des Königs für die Tat zu finden, durch welche sie Hiram Abiff verderben wollen.

Die Vollendung des Tempelbaus sollte durch ein Werk gekrönt werden, in dem Hiram Abiff die Spannung und Feindschaft zwischen den Kain- und Abel-Söhnen zu versöhnen gedachte. Es war das eherne Meer, dessen Guß aus den sieben Grundmetallen (Blei, Zinn, Eisen, Gold, Kupfer, Quecksilber und Silber) und Wasser, dem Metall der Erde, so gemischt werden sollte, daß der fertige Guß völlig durchsichtig sein sollte. Die Sache war vollendet bis auf einen allerletzten Einschlag, der vor versammeltem Hof, auch vor der Königin von Saba, gemacht werden sollte und durch welchen die noch trübe Substanz bis zur völligen Klarheit umgewandelt werden sollte.

Nun mischten die drei verräterischen Gesellen, die die Aufgabe hatten, den letzten Bestandteil hinzuzufügen, das Wasser in falschem Verhältnis zu, und statt durchsichtig zu werden, versprühte der Guß in verheerenden Flammen. Hiram Abiff suchte das Feuer zu beruhigen, das gelang nicht, die Flammen schlugen nach allen Seiten auseinander.

Hiram Abiff aber hörte aus den Flammen und aus der glühenden Masse eine Stimme: Stürze dich hinein in das Feuermeer, du bist unversehrbar. Er stürzte sich in die Flammen und merkte, daß sein Weg nach dem Mittelpunkte der Erde führte. Auf halbem Wege traf er Tubal Kain, seinen Vorfahren. Dieser führte ihn zum Erdmittelpunkt, wo sich der große Vorfahr Kain befand in dem Zustande, wie er vor der Sünde, dem Abel-Mord, war. Dieser gab ihm das goldene Dreieck mit dem Meisterwort. Auf halbem Wege nach oben übergab ihm Tubal Kain einen Hammer und wies ihn an, damit den Guß des ehernen Meeres zu berühren. Es erhält Hiram Abiff von Kain die Erklärung, daß die energische Entfaltung der menschlichen Erdenkräfte zuletzt zu der Höhe der Initiation führe, und daß die auf diesem Wege erlangte Initiation im Erdenlaufe an Stelle des alten Schauens treten müsse, daß dieses verschwinden werde. Mit dem Hammer geht Hiram an die Erdoberfläche zurück; er berührt mit diesem das eherne Meer, der Guß gelingt, und er konnte dessen völlige Durchsichtigkeit bereiten.

Hiram wollte sein Werk, den Tempel, zum letzten Male sehen und begab sich nachts dahin. Da lauerten ihm die falschen Gesellen auf. Der erste versetze ihm an dem einen Tore einen Schlag auf die linke Schläfe, daß das Blut herunterfloß bis auf die Schulter. Hiram Abiff wandte sich zum zweiten Tor, um den Tempel zu verlassen. Da versetzte ihm der zweite Geselle einen Schlag auf die rechte Schläfe, daß das Blut bis auf die Schulter floß. Er wandte sich zum dritten Tor. Da traf ihn der Schlag des dritten Gesellen auf die Stirn, so daß er zusammenbrach. Er schleppte sich noch hinaus bis zu einem Brunnen, in den er das goldene Dreieck versenkte. Die drei Gesellen verscharrten seine Leiche. Vor seinem Tod konnte Hiram noch das goldene Dreieck mit dem Meisterwort versenken in einen tiefen Brunnen. Auf seinem Grabe wuchs ein Kassia-Baum, eine Akazie. Den Wissenden war bekannt, daß aus dem Grabe eines Eingeweihten ein Kassia-Baum herauswächst. Als man seinen Leichnam fand, ertönte das neue Meisterwort: «Mach ben ach».5 Das bedeutet: Das Geistig-Seelische hat sich vom Physisch-Leiblichen getrennt oder: Anderssein des Leibes.6 Man suchte dann das goldene Dreieck und fand es in dem Brunnen. Es wurde auf das Dreieck ein kubischer Stein gelegt mit den zehn Geboten und so wurde es verborgen im Tempel eingemauert.

Mit dieser Symbolik ist dasjenige gegeben, was in Meditation die innere Wesenheit der menschlichen Entwicklung auf der Erde zur Imagination erhöhte. Das eherne Meer kann als Symbol dessen gelten, was der Mensch geworden wäre, wenn nicht die drei verräterischen Kräfte in der Seele Platz gefunden hätten. Diese drei verräterischen Kräfte sind: Zweifel, Aberglaube, Illusion des persönlichen Selbst.

Hiram Abiff wurde wiedergeboren als Lazarus und war so derjenige, der als erster von Christus eingeweiht wurde. Mit ihm setzte ein die (Versöhnung der Differenz), die zwischen der Kain- und Abelströmung stand.

Nach einer anderen Aufzeichnung lautet der «neue Anhang»:

Hiram Abiff wurde wiedergeboren als Lazarus und wurde so derjenige, der als erster von Christus eingeweiht wurde. Mit ihm setzte ein die Strömung der Mitte, die zwischen der Kain- und Abelströmung stand. Die Kain-Strömung fand im Laufe der Zeiten ihre Hauptvertreter in der F. (Freimaurerei-Strömung), während das Abelitentum seinen Ausdruck fand in der Priesterströmung der (katholischen ?) Kirche. Beide Menschheitsströmungen blieben einander streng feindlich. Nur einmal vereinten sie sich in Eintracht: in ihrem Haß gegen die Strömung der Mitte. Das Ergebnis dieser einträchtigen Vereinigung beider sonst feindlicher Richtungen war die Vernichtung des Johannesbaues (Goetheanums).

II

Zuerst wurde zum ersten Mal das indische Mantram gegeben, zum ersten Mal die Übersetzung. Nach diesem indischen Mantram wurde die regelmäßige Anrufung gemacht: «Brüder der ...»

Wahre Esoterik ist zunächst unverständlich. Als Beispiel stelle man sich einen lebenden Menschen vor, wie er nach außen hin absolut kein Geistesleben äußert. Sein Geistesleben ist ganz nach innen gerichtet. Dennoch intensives Innenleben.

Über die Vokale: Hierarchien sind daran beteiligt.
I A O Seraphim, Cherubim und teilweise Throne beteiligt.
U Kyriotetes, Exusiai, Dynamis
E _ Archai, Archangeloi, Angeloi.

Das Ganze zusammen bedeutet das uralt-heilige Jahve-Wort an Stelle des Ich-bin. Dieses Jahve-Wort aus den Hierarchien heraus zu schaffen, bedeutet eine Tat. Die Ausführung dieser Tat auf Erden: die Falter-Meditation:

Fange den Falter
Sende ihn in eisige Höhen
Wo die Weltenträume walten.
Wird er dir zum Vogel
Dann hast du der Arbeit
Hälfte vollbracht.
Den Vogel tauche
In Meerestiefen - - - - - JAOUE
Wo der Weltenwille wirket.
Ertrinkt der Vogel,
Dann bleibt dir noch zu tun,
Die Vogelleiche
Im Feuer läuternd zu verbrennen.
Dann verzehr' die Asche
Und du bist
Das Licht im Weltendunkel.

Die Imagination dieser Falter-Meditation hat eine ätherische Wirkung. Nur einfache Deutung. Suchen in der Erinnerung mit den dreieinhalb Jahren im Anschluß an die Falter-Meditation. Mit deren ätherischer Wirkung ist verbunden, daß sie bewirkt eine Beschäftigung mit dem eigenen Wollen, und in der rückschauenden Prüfung des eigenen Wollens kann man einen Punkt in seinem Leben finden, wo dieses Wollen einen ganz bestimmten Impuls gehabt hat zu bestimmten Aufgaben. Es ist häufig zu finden, daß bei dem Suchen nach solchen Wollensmomenten, deren Nichtausführung Unbefriedigung erzeugt haben, man zu einem Punkt kommt, der etwa dreieinhalb Jahre zurückliegt. (Verhinderung durch äußere Umstände, zum Beispiel Dreigliederung.)

Ist dieser Punkt gefunden, dann handelt es sich darum, den Inhalt dieser Sehnsucht zu pflegen, nicht etwa daß man nun jene Tat auszuführen sucht, nur den Inhalt möglichst pflegen, in der höchsten Weise. Dann wird die Realisierungsmöglichkeit, von dem Zeitpunkt des Bewußtwerdens an gerechnet, nach dreieinhalb Jahren nochmals gegeben werden. Und dann wird es sich darum handeln, eine selbstlose Tat zu vollbringen, die nichts zu tun hat mit dem Ausgangspunkt vor 7 Jahren. Das kann auch eine ganz unscheinbare Tat nach außen hin sein.

Zeitschilderung, Zeitlage. Die gegenwärtigen Vorträge und diese Stunde sind im Vergleich zu dem herrschenden Fanatismus auf dem Höhepunkt der Demokratie draußen gerade der Gegensatz dazu; sie bedeuten den Höhepunkt der Aristokratie und Hierarchie. Ungeheurer Abgrund, über den die Entwickelung springen muß, um diese Gegensätze zu überwinden. Schilderungen dieses Abgrundes, über den die einen mutig springen, andere geschleift, andere gerissen werden. Das Ganze ist eine heroische Tragödie in der Geschichte der Menschheit.

Falter-Meditation
Anrufung
Indisches Mantram

III

Brüder der ... Indisches Mantram

Hinweis auf die neue Gesellschaft, daß die Begründung erfolgte, ohne den esoterischen Grund zu nennen. (Er hatte vorher gesagt, daß die Begründung esoterische Hintergründe habe.) Esoterik verträgt keine Spielerei, alles Bisherige sei spielerisch gewesen [genommen worden]. Jetzt muß offen und ernst Esoterik hineingetragen werden ins Leben, von Dornach aus, als dem Zentrum. Nun dürfe man aber wirklich nicht mehr spielen mit Esoterik. Dazu ist Bescheidenheit nötig, vor allem Bescheidenheit vor dem Ich.

Darum Aufwachen! Bewußt werden, daß wir schlafen! Mit jedem Aufwachen kommen wir in eine neue Weltensphäre hinein, denn wir leben ganz umgeben von Weltensphären, bloß schlafen wir und wissen nicht von ihnen. Bisher geschieht jaalles beim Menschen nurträumend. Wichtigkeit der Falter-Meditation (von der er das vorige Mal gesagt hatte, daß alles, was er sage über die Wirkung dieser Meditation und ihren Zusammenhang mit den zweimal dreieinhalb Jahren nur für Menschen gelte, die über 28 sind). Vorlesen derselben — J A O U E.

Es soll etwas gegeben werden, was diese Falter-Meditation in ihrer Wirkung verstärkt:

4 Stufen des Schlafens: im Denken, Fühlen, Wollen, im Ich
4 Stufen des Aufwachens: im Denken, Fühlen, Wollen, im Ich

Denken:

Das Haupt ist wie eine Frucht, das Herz wie ein leuchtender Kelch. Wir sollen unser Haupt bis ans Herz als selbstleuchtend erleben. Wir sollen unser Denken erleben als Ätherorgan, das sich herantastet an alles, was es erfassen soll. Der Okkultist unterscheidet sich vom Nicht-Okkultisten dadurch, daß er sich dieses Organs als ausstrahlend im Ätherischen bewußt ist. Wir sollen uns erleben wie eine Schnecke, die ihre Fühlhörner ausstreckt. Das Denken muß ein Tasten werden! Dazu Hilfe:

Im Denken erwache: du bist im Geisteslichte der Welt.

Erlebe dich als leuchtend, das Leuchtende tastend.

Durch solch ein Denken wird die ganze Natur leuchtend. Stein und Pflanze leuchten auf im Irdischen, ... als Tier und Mensch ... im Moralischen. Durch das Erleben des Denkens als Tasten entwikkeln wir etwas wie ein Berührungs-Bewußtsein: wir sehen eine Löwenzahnblüte und erleben sie wie Sand; wir sehen eine Cichorie und erleben sie wie Seide, eine Sonnenblume wie ein stacheliges Tier ...

Fühlen:

Dieses ist noch ein tiefer Traum. Wir sollen unser Herz erleben als leuchtend, aber so, daß es Licht aus der ganzen Umwelt aufnimmt und mondenhaft zurückstrahlt nach außen. Durch unser erwachendes Fühlen müssen wir die Welt ganz anders erleben; die Erde als fühlendes Wesen, das lacht und weint. Im Welken des Herbstes ist wie ein Weinen in der Natur, aber Freude der ahrimanischen Wesen, im Frühling Freude der luziferischen Wesen. Naturvorgänge als Taten geistiger Wesenheiten! Bäume - im Winter sind sie nur physischer Leib, das Ätherische ist draußen. Man kann dazu kommen zu sehen, wie die Bäume im Ätherischen Aufgaben lösen.

Wenn man im Denken erwacht, dehnt man sich ins Unendliche. Erwacht man im Fühlen, so setzt man sich in Bewegung, verläßt sich.

Im Fühlen erwache: du bist in den Geistes-Taten der Welt.

Erlebe dich, die Geistes-Taten fühlend.

Wollen:

Da herrscht beim Menschen der Gegenwart noch Tiefschlaf. Im Wollen aber ist der Mensch ganz auf sich gestellt. Sein Denken hat er nur in dieser Verkörperung, nimmt nichts davon mit ins nachtodliche Leben. Unser Denken brauchen die Götter, unser Fühlen und Wollen brauchen sie nicht. - Ein Mensch ist vielleicht genial - aber nur, weil die Götter es so brauchen. Genies sind die Lampen, die die Götter brauchen. Unsere Denkfähigkeiten kehren nach dem Tode zu den Göttern zurück.

Unser Wollen dagegen geht mit uns durch unsere Verkörperungen, es ist ein Ergebnis unserer Verkörperungen, wir arbeiten durch die Erdenleben daran. Bei unserer Mitarbeit an der Weltgestaltung ist unser Wollen das wesentlich Charakteristische. Das Wollen ist des Menschen Eigentum, während das Denken des Menschen den Göttern gehört. Neid der Götter! Im Wollen haben wir Eigenleben. Doch die Menschen schlafen noch im Wollen. Sie lieben ihr Wollen, weil sie immer glauben, was sie wollen, sei schon das Richtige. Aber mit unserem Wollen wirken wir mit an der Weltgestaltung. Wir wachen im Wollen auf, indem wir uns bewußt werden, daß wir nicht für uns allein sind, sondern verantwortlich für die Taten der andern. Zum Beispiel Kully: Was er tut, gerade was uns am meisten aufregt, daran sind wir schuld, wir tun eigentlich mit; Goesch-Affäre = Maya.7 Wenn wir uns nicht mehr getrennt empfinden als einzelne Wesen, sondern so verbunden in dem allgemeinen Tun, dann erwachen wir im Wollen, dann erst kommen wir zum lebendigen Wollen, dann denken wir die Geisteswesen: Im Wollen erwache: du bist in den Geistes-Wesen der Welt. Erleben dich die Geisteswesen denkend.

Erwachen im Ich:

Wir schlafen im Ich. Wir gebrauchen das Wort «Ich» nur, weil die Götter es einst für uns sprachen - unsere Angeloi - und nachahmend sprechen es nun die Menschen. Aber wir müssen aufwachen im Ich! Imagination dazu: Altar, darüber Sonne. Wir nahen uns dem Altar und erleben uns ganz als Schatten, ganz als wesenlos. Bisher sagten wir: Ich bin. Jetzt sagen wir bewußt: Ich bin nicht. - Da steigt aus der Sonne über dem Altar eine Gottheit heraus und belebt den Schatten. Wir sind wie eine Schale, die das Licht der Gottheit, die aus der Sonne steigt, empfängt. - Aus Gnade empfangen wir diese Gottheit, sie schenkt sich uns. - Das erlebte Fichte, doch ganz schattenhaft. Daher ist völlig abstrakt, was er darüber sagt.

Im Ich erwache: du bist in deinem eignen Geistes-Wesen.

Erlebe dich sein von Göttern empfangend und dir selbst gebend.8

Dann wurde gesprochen:
Die Steine sind stumm ...
Brüder der ...
Indischer Spruch



  1. Von Rudolf Steiner so genannt (s. Seite 466), weil die Initiative von den beiden Brüdern Wachsmuth, Graf Lerchenfeld und Harriet von Vacano ausgegangen war. Als Teilnehmer sind namentlich überliefert: Marie Steiner, Dr. Ita Wegman, Dr. Elisabeth Vreede, Albert Steffen, Dr. Günther Wachsmuth, Wolfgang Wachsmuth und Frau, Dr. Kurt Piper, Dr. Otto Palmer, Dr. von Baravalle, Dr. Maria Röschl, Graf Lerchenfeld, Harriet von Vacano, Jürgen von Grone, Margarita Woloschin. ↩

  2. Dieses Mantram wurde später den Mantren der ersten Klasse der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft eingegliedert. ↩

  3. Siehe Originalaufzeichnung auf Seite 473. ↩

  4. Hierzu Anmerkung von Maria Röschl-Lehrs: «Hier nur sehr spärliche Notizen. Reihenfolge nicht klar.» ↩

  5. Hier fehlt nach den üblichen Überlieferungen das Zwischenglied: Salomo gab Auftrag, Hirams Leiche zu suchen. Da man glaubte, daß die Mörder Hiram das Meisterwort abgenötige hätten, wurde vereinbart, bei der Suche zu schweigen. Das erste Wort, das einer der Meister bei der Ausgrabung der Leiche unbeabsichtigt spreche, sollte als neues Meisterwort gelten. Als man nach langem Bemühen den Leichnam fand, entrang sich in diesem Augenblicke einem unter ihnen das Wort «Mach ben ach». Dieses wurde als neues Meisterwort angenommen. ↩

  6. Eine andere Aufzeichnung hat hier: «Erdensohn des Leides». ↩

  7. Kully und Goesch: zwei damals aktiv auftretende Gegner. ↩

  8. Vgl. die Handschrift auf Seite 477. ↩

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