Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924
GA 265a — 16 December 1911, Berlin
Weisheit, Schönheit, Stärke Zeichen, Griff Und Wort
Aufzeichnungen (mit Ergänzungen aus den Zyklus-Vorträgen) aus dem Nachlass von Elisabeth Vreede
Wenn wir in einem okkulten Tempel beisammen sind, dann sollen wir uns bewusst sein, dass wir uns an einem besonderen Ort befinden, der uns gänzlich abschließt von der Außenwelt. Ein heiliger Ort ist es, wo jeder Gegenstand, der sich darin befindet, eine besondere und okkulte Bedeutung hat.
Man möge meinen, dass man es hier zu tun habe mit einer Einrichtung desjenigen, was man im Allgemeinen «Freimaurerei» nennt, aber es ist nicht so. Wie geheim auch die Freimaurerei in früheren Zeiten betrieben worden sein mag, sie ist dennoch zu allen Zeiten etwas Äußerliches gewesen. Denn tatsächlich ist die Freimaurerei ursprünglich in die Welt getreten durch einen Verrat aus den Mysterienschulen, und daher kommt es, dass man viele Symbole, die man in der Freimaurerei findet, auch hier antrifft. Aus den Mysterienschulen sind diese Symbole durch Schüler, die nicht genügend von deren Wert und Bedeutung durchdrungen waren, in für die Außenwelt zwar geheime Gesellschaften geraten, aber niemals haben jene Geheimgesellschaften, die man kennt unter dem allgemeinen Namen der Freimaurerei, die wahre Tiefe der Symbole begreifen und erklären können, weil die Heiligkeit der Symbole an sich es mit sich bringt, dass sie außerhalb des okkulten Tempels nicht richtig verstanden werden können.
Bis jetzt hat unsere okkulte Strömung für die Welt noch den Namen der Freimaurerei getragen, weil man aus okkultem Standpunkte immer an das Bestehende möglichst anknüpfen soll, aber von jetzt ab soll dieser Name für unseren Tempel in Wegfall kommen und sollen unsere Verrichtungen «Misraim-Dienst» genannt werden. Man möge dies, wenn man unseren okkulten Dienst andeuten will, mit den Buchstaben «M.D.» abkürzen. Die Bezeichnung «F.M.» soll jetzt endgültig verschwinden, und damit ist für die Außenwelt und für alle Einrichtungen auf freimaurerischer Grundlage eine Freimaurerei in unserer Bewegung nicht vorhanden. Wenn bei uns angefragt werden sollte, ob zu unserer Bewegung auch eine Freimaurerei gehört, kann man, ohne eine Unwahrheit auszusprechen, dies verneinen. Was hier verrichtet wird, ist ein okkulter Dienst, genannt Misraim-Dienst, was so viel sagen will wie: das Bewirken der Vereinigung des Irdischen mit dem Himmlischen, des Sichtbaren mit dem Unsichtbaren.
Misraim-Dienst war schon bekannt im alten Ägypten und gehörte zu dem am meisten okkulten Dienst in den Mysterienschulen. Dieser selbe Dienst wird auch jetzt in unseren Tempeln verrichtet unter Hinzufügung der Ergänzungen und Reformen, die Markus bewirkt hat. Der Markus, der hier gemeint ist, ist jener Schüler des Petrus, einer der zwölf Apostel, der das Markus-Evangelium geschrieben hat, als er als Bischof von Alexandrien in Ägypten weilte. Zusammen mit einem ägyptischen Eingeweihten hat er den okkulten Dienst (Kultus) neu geregelt, den wir jetzt kennen als Misraim-Dienst.
Jeder Gegenstand, der in einem vollständigen Tempel vorhanden ist, hat nicht nur seine besondere Bedeutung, sondern er muss auch da sein und hat den Zweck, dasjenige anzuregen und zu bewirken, was ermöglicht, den Strom jener Wesenheiten zu unserem Tempel zu ziehen, die wir die weisen Meister des Ostens nennen. Diesen Strom gießen sie dann auf uns aus, und so werden wir befähigt, jene spirituellen Lehren aufzunehmen, die für die Menschheitsentwicklung eben notwendig sind. Ohne eine solche Aufnahme könnte nichts für die spirituelle Entwicklung der Menschheit getan werden; von hier aus soll das Aufgenommene weiter zu den anderen Menschen strömen.
Die drei Lichter, die jetzt brennen, deuten als Symbol die drei höheren Prinzipien an, die in unserem höheren Wesen im Finstern leuchten. Sie stellen auch die Weisheit, Schönheit und Stärke dar, deren Worte (Namen) ausgesprochen wurden, als soeben die Lichter entzündet wurden auf den Altären des Ostens, Südens und Westens.
Das Licht der Weisheit werden wir finden, wenn wir immer nach Wahrheit in unserem Denken trachten, wenn wir erkennen lernen, dass eine neue Art des Denkens in uns auftreten soll, dass in unseren Gedanken Weltgedanken leben. Wir sollen uns dessen bewusst werden, dass es «in uns denkt», und dass, was in uns gedacht wird, Offenbarungen geistiger Wesenheiten sind, die uns die Weisheit bringen wollen. Von der Astralwelt aus fließt zu uns lebende, webende, sich bewegende Weisheit, und indem wir unser Denken von Wahrheit durchziehen [lassen], können wir die Weisheit jener geistigen Wesenheiten auffangen, und unsere Seele wird Weisheit erlangen.
Schönheit strömt in uns ein, wenn wir die wahre Frommheit erwerben. Wenn unsere Seele sich öffnen kann in Bewunderung und Hingabe an das Schöne, das um uns herum ist, so wird dieses Schöne 1911
für uns der Ausdruck geistiger Wesen, die damit ihre Sprache offenbaren und sich uns zu verstehen geben wollen. Nur inniges, wahres Frommsein kann uns die wahre Schönheit enthüllen. Denn es ist Ihnen allen bekannt, dass in der geistigen (astralen) Welt sich unter der Maske der Schönheit Teufel in Engelsgestalt zeigen können. Aber Sie wissen, dass dieses nur dann möglich ist, wenn in unserer Seele nicht jene Reinheit waltet, die sich mit inniger Frömmigkeit paart. Im niederen Devachan sind jene Wesenheiten zu finden, die ihre Schönheit auf uns herabsenden in wahrhaft schönen Bildern und Gestalten.
Kraft oder Stärke fließt aus dem höheren Devachan auf uns herab, und sie wird unser inneres Wesen stärken, wenn wir unsere Kraft verwandeln in Tugend, in tätige Tugend. Die wahre, tätige Tugend entsteht, wenn wir alle Eigenschaften, die sich in unserem niederen Wesen hervortun, verwandeln durch die Kraft unseres Willens, sodass sie Kräfte werden, die als spirituelle Kräfte in der Welt wirken können.
Zeichen, Griff und Wort sind nicht nur bloße Erkennungszeichen, sondern sie haben einen tief okkulten Wert. Das Zeichen, bei dem man den rechten Winkel bildet zwischen dem Daumen und der flachen Hand, hat zu tun mit der Hand als Erkenntnisorgan. Es wurde schon in dem letzten Zyklus darüber gesprochen, dass Hände und Füße Erkenntnisorgane sind, und zwar bessere als das Gehirn. Das physische Gehirn ist gleichsam herauskristallisiert aus dem Ätherleib, wie Eis aus Wasser. Man kann einen innigen Zusammenhang verspüren zwischen diesen beiden «Gehirnen» und wie das physische Gehirn eigentlich eine Art von Spiegelapparat ist für dasjenige, was im ätherischen Gehirn vor sich geht. Das erlebt man besonders dann, wenn man sich sehr anstrengt mit Dingen, die sich auf den physischen Plan beziehen, oder wenn man Erinnerungsvorstellungen in sich hervorrufen will: Es ist dann immer - ob man davon weiß oder nicht - der Ätherleib in Mitleidenschaft gezogen. [Aber besonders auch das physische Gehirn, das wie ein Klotz im Äthergehirn liegt und verhindert, dass man der Beweglichkeit des Äthergehirns folgen kann.] Man fühlt dann sehr deutlich, dass es nicht das Äthergehirn ist, das ermüdet; das könnte bis in alle Ewigkeit Gedanken und Erinnerungen hervorrufen, aber das physische Gehirn kommt nicht mit, wirkt wie ein Fremdkörper im Ätherleib. Dadurch spürt man die Ermüdung des physischen Gehirnes umso mehr, denn: Wenn man auch immer weiterdenken könnte mit dem Äthergehirn, man würde sich krank machen; der normale Zusammenhang würde durchbrochen werden, der physische Teil würde wie tot werden. Es ist unmöglich, den Parallelismus zwischen physischem und Äthergehirn in größerem Maße zu durchbrechen.
In unserem Gehirn haben wir also einen sehr getreuen Ausdruck des Äthergehirns in seinen Funktionen und Prozessen. Bei den Händen des menschlichen Ätherleibes ist der Zusammenhang mit den physischen Organen ein anderer. Ebenso wie beim Gehirn entsprechen auch den Händen gewisse Ätherprozesse des Ätherleibes, aber zwischen den physischen Händen und ihrer Aufgabe und demjenigen, was ihnen im Ätherleibe entspricht, ist ein weit größerer Unterschied als zwischen dem physischen Kopf und dem entsprechenden Ätherleib desselben. Was die Hände tun, ist vielmehr eine rein sinnliche Verrichtung, und was die Ätherorgane der Hände tun können, findet nur sehr wenig seine Offenbarung und seinen Ausdruck in demjenigen, was die physischen Hände tun. Diese Ätherhände sind in dem elementarischen oder Ätherleib wirkliche Geistorgane. Eine viel höhere, intuitivere spirituelle Handlung wird verrichtet gerade durch diejenigen Organe, die den Händen zugrunde liegen und in diesen nur einen mangelhaften Ausdruck finden. Die Organe, die im physischen Leib in den Händen zum Ausdruck gelangen, führen schon in die übersinnliche Welt und können in dieser Beobachtungen anstellen. Etwas paradox könnte man sagen: Das menschliche Gehirn ist das allerungeeignetste Wahrnehmungsorgan für die Welt; die Hände ätherisch genommen sind viel bedeutsamere und geschicktere Erkenntnisorgane als das Gehirn.
Auf dem Wege zur Einweihung lernt man nicht besonders viel, wenn man lernt, von dem Gebrauch des physischen Gehirns überzugehen zu dem des Äthergehirns. Was die Hände zu verrichten haben, findet man im Zusammenhang mit den Lotusblättern in der Herzgegend, die ihre Kräfte so ausstrahlen, dass sie von dem Herzen in die Hände gehen und so die Ätherhand zum geistigen Erkenntnisorgan machen. Diese Unterschiede verstehen zu lernen, gibt einen Begriff von dem Sich-Einleben in die Initiation. Nicht das ist wichtig, dass man empfindet, wie das physische Gehirn das Äthergehirn ausfüllt, sondern dass man empfindet, wie ganz andere Organe in dem Menschen entstehen können. Was zuerst veranlagt war in dem sinnlich-physischen Menschen - so wie die Hände -, verwandelt sich in den inneren Menschen, sodass er anderes damit erleben kann.
Wenn wir die Hand an den Kehlkopf legen, sodass der Daumen der rechten Hand beim Ohr liegt und die flache Hand unter dem Kinn in der Höhe des Kehlkopfes, dann schließen wir die Ätherströmungen des Hauptes aus und gestalten den übrigen Organismus zum Erkenntnisorgan. In solcher Weise wird die Erkenntnis spiritualisiert, und wenn man in dieser Stellung aufrecht steht, ist es ein Hilfsmittel, um Erkenntnisse in spiritueller Art aufnehmen zu können. Der Kehlkopf steht im Zusammenhang mit dem Denken, das der Mensch während des Mondenzustandes entwickelte. Das Gehirndenken ist ein Erdenprodukt und kann nur die Welt der Sinne berühren, nicht die Welt des Geistes.
Mit dem Griff, indem wir mit dem Daumen einen rechten Winkel bilden, verrichten wir ebenfalls etwas sehr Bedeutsames. Es wird dadurch in dem Verhältnis von Mensch zu Mensch etwas ausgeschaltet, was in unserer materialistischen Zeit in der brutalsten Art geschieht. Wir machen nämlich die Strömungen feiner und verwandeln damit unsere Verhältnisse zur Außenwelt. Wenn wir eine bestimmte Stelle der Oberhand berühren mit dem so gebogenen Daumen, vereinigen sich die beiden Strömungen miteinander, und dadurch können wir einen wohltätigen, weitreichenden Einfluss zum Guten bewirken.
In der sinnlichen Welt sind keine Ursachen, diese leben nur in der übersinnlichen Welt. Hier gibt es nur Zeichen. Diese sollen wir in unserem Tempel kennenlernen, damit wir sie in gutem Sinne anwenden und gebrauchen lernen. Die dumme Anatomie - so töricht das klingen mag: Es ist doch richtig, wenn auch in unserer Zeit der Anatomie ihr Daseinsrecht anerkannt werden muss — meint, dass das Herz das Blut pumpt, aber das Blut wird in Wirklichkeit getrieben durch Strömungen im Ätherleib. Das Herz ist nur das Zeichen, dass an der Stelle die Ätherströme zusammenkommen. So sind zum Beispiel unsere Muskeln Zeichen für die Bewegung, die tatsächlich im Astralleibe als Ton entsteht. Ohne die Muskeln könnten wir von der Bewegung nicht wissen, sie spiegeln uns die Bewegung. Unser ganzer Körper ist ein Spiegelungsapparat in jedem seiner Teile.
Das heilige Wort [JACHIN] wird nicht ausgesprochen, sondern buchstabiert, wie bei der Aufnahme auseinandergesetzt worden ist. Es ist ein Wort aus der Ursprache, und wer es in Gedanken mit einem anderen Menschen austauscht, kann damit heilsame Kräfte von dem einen auf den andern Menschen übertragen. Wenn jemand von Leid übermannt ist, oder wenn wir jemandem begegnen, der mit einem heftigen Unwohlsein oder Kranksein zu kämpfen hat, so stellt man innerlich die Frage: Kennst du das heilige Wort?, richtet sie in Gedanken an den andern, während man sich vorstellt, dass der andere die Antwort gibt natürlich alles in Gedanken, und so tauscht man die Buchstaben und die beiden Silben mit ihm aus. Damit geht der Strom von dem einen Kehlkopf auf den andern über und [damit] kann man Menschen in der günstigsten Art beeinflussen, ohne dass ihre Freiheit beeinträchtigt würde.
Das Zeichen regelt das Verhältnis des Menschen zur Außenwelt; der Griff regelt das Verhältnis von Mensch zu Mensch; und das Wort wirkt heilbringend, heilend auf unsern Mitmenschen.