Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924
GA 265a — 31 December 1911, Hanover
Wahrheit Im Denken, Wahre Frömmigkeit, Tätige Tugend
Aufzeichnung A
Es ist schon darauf hingewiesen worden, dass in den Tagen vom 24. Dezember bis 6. Januar keine okkulten Versammlungen Platz finden können, bei denen das Ritual angewendet wird. In den bedeutungsvollen dreizehn Tagen, die mit der Geistgeburt des Christus schließen, ziehen sich die weisen Meister aus dem Osten zurück, um die Kräfte zu schöpfen, die sie im übrigen Teil des Jahres über die Menschheit ausströmen lassen und die für uns die Weisheit sind, nach der wir uns zu richten haben.
Auch ist schon öfter gesagt worden, dass die Symbole, die ihr in unserem Tempel scht, und die Rituale, die darin ausgeführt werden, nicht aus der Willkür entsprungen sind, sondern dass sie einen tiefen Zusammenhang haben mit kosmischen Konstellationen und geregelt sind nach Gesetzen, die später noch weiter enthüllt werden sollen. Sie sind uns von Jahrhundert zu Jahrhundert überliefert worden aus den Mysterien der älteren Zeiten, damit sie die richtigen Kanäle bilden können für die spirituellen Strömungen, die die Meister des Ostens auf uns herabsenden. Sie können daher überhaupt nicht auf exoterischem Wege erklärt oder verstanden werden. Die weisen Meister des Ostens sind Wesenheiten, die den drei höheren Welten angehören und die gleichsam in der Vergangenheit, in der Gegenwart und in der Zukunft wirken und die wir uns beim Aussprechen unseres Gebetes als über uns befindlich vorstellen. - Es folgt das Gebet: «Brüder der Vorzeit ...»
Eines der wichtigsten Symbole stellen die drei Flammen dar, die auf den Altären des Ostens, des Westens und des Südens stehen und auf die unsere Aufmerksamkeit zuerst hingelenkt sein soll. In ihnen sollen wir sehen die Symbole der Weisheit, der Schönheit und der Stärke, aber darunter sollen wir nicht verstehen die weltliche Weisheit, die weltliche Schönheit und weltliche Kraft. Weisheit ist nicht zu finden auf dem physischen Plan, und ein jeder, der im okkulten Leben steht, soll sich vornehmen, niemals das Wort «Weisheit» auszusprechen und dabei zu denken, dass es die weltliche Weisheit sei, die uns zum Beispiel in den äußeren Wissenschaften entgegentritt oder die man auf Gelchrsamkeit überhaupt bezieht. Ein gelehrter Mensch ist nicht weise; ein weiser Mensch braucht kein Gelehrter zu sein, kann sogar ein sehr naiver Mensch sein, aber ein weiser Mensch ist derjenige, der die Weisheit in seinem Herzen bewahrt, der gleichsam aus seinem Herzen heraus spricht und empfindet: Ich sehe meinen Gott wirken in jedem Blütenblatt - ein Mensch, der seinen Gott in der ganzen Schöpfung empfindet und wahrnimmt und sich selbst mit der Schöpfung und der Gottheit verbunden fühlt. Man bedenke aber, dass damit nicht gesagt ist, dass man dazu Pantheist sein soll; man muss sich einen viel innigeren Zusammenhang bei einem solchen Weisen vorstellen, ein unaussprechliches Gefühl des Geborgenseins in der Gottheit der Welt, das ihm die Ruhe und Seligkeit in seinem Wesen verschafft.
Solch eine Weisheit müssen wir uns aneignen, sie muss in unser ganzes Wesen so stark einziehen, dass es uns nicht mehr möglich ist, zu denken, dass wir nicht immer und fortwährend von dem Weltengeist umgeben und umhegt sind, sodass innere Ruhe und Sicherheit uns nicht mehr verlassen können.
Solche Empfindungen und Gefühle werden in uns fließen aus der Astralwelt heraus, die aus lebender, fließender, beweglicher Weisheit besteht, die den Hintergrund, die Quelle bildet der uns umringenden Natur, und die die ganze physische Welt durchzieht. Von dorther müssen wir die Kraft schöpfen, weise zu werden. In der physischen Welt selber ist sie nicht zu finden.
Die Schönheit, die durch die zweite Flamme symbolisiert wird, hat ebenfalls keine Gemeinsamkeit mit der Schönheit in der Welt; sie bezieht sich auf keinen einzigen weltlichen Gegenstand. Um etwas von dieser Schönheit zu ahnen, müssen wir unseren Blick auf den nächtlichen Sternenhimmel richten und uns mit unserm Innern ganz. in ihn vertiefen, sodass wir gleichsam fühlen, dass hinter ihm geistige Wesen herrschen. Eine tiefe, innige Frommheit soll uns dabei erfüllen. Oder aber, wenn wir einen Sonnenuntergang erleben und dabei empfinden, wie die strahlende Kugel in Purpurglut langsam unter den Horizont hinuntersinkt, sodass die Schatten immer länger und länger werden und schließlich die Natur rings herum ganz in Dunkelheit gehüllt wird, dann soll wiederum eine tiefe, innige Frömmigkeit unser Wesen durchziehen und so stark in unserer Seele sich mit der göttlichen Kraft identifizieren, dass dann in unserer Seele die innerliche Sonne leuchten und scheinen wird - wie bei dem Geheimschüler die Mitternachtssonne in die dunklen Weihnachtstage hereinscheinen kann und die geistigen Wesen in ihrer erhabenen Schönheit, in ihrer ganzen Majestät geschaut werden. In diesem Sinne müssen wir denken, wenn wir über Schönheit denken und sprechen, und diese Gedanken sollen, wie hier auseinandergesetzt worden ist, den Begriff der Schönheit verwandeln.
Die Schönheit ist im niederen Devachan zu finden, und da strömt sie aus den Wesenheiten auf uns herab in schönen Bildern und Gestalten. Aber auf diesem Plane findet man auch noch das Hässliche, und zwar gerade in demjenigen, was auf der Erde oft «schön» genannt wird. Jede Lüge finden wir dort wie etwas Hässliches, und sogar können wir in dieser Welt ein Schönes finden, das nur auf Illusion und Wahn beruht. Wir finden dort zum Beispiel wunderschöne Gestalten und Formen, sogar Engelsgestalten, welche durch schwarze Magier geschaffen worden sind, womit diese sich wie mit einem Schleier umhüllen, um damit ihre eigenen selbstsüchtigen Ziele zu verbergen. Man kann es schon ziemlich weit im esoterischen Leben gebracht haben und in einem bestimmten Leben sich mit magischen Künsten oder schwarzer Magie beschäftigen; dann können solche Menschen sich auf dem niederen Devachanplan in solchen Engelsgestalten zeigen, in einen Schleier von schönen Gewändern gehüllt. Es herrscht also auf diesem Gebiete keine absolute, wahre Schönheit, und nur echte, innige Frömmigkeit kann die wahre devachanische Schönheit vor uns enthüllen.
Die dritte Flamme symbolisiert die Kraft - wiederum nicht dasjenige, was wir als Kraft in der physischen Welt kennen, aber diese Kraft soll aus dem höheren Devachan in die physische Welt hineinfließen und sich dort im Menschen entfalten als «tätige Tugend». Das ist die Tugend, die darin besteht, dass wir fortwährend unsere Persönlichkeit zurücktreten lassen, dass wir unseren Ehrgeiz bekämpfen, insbesondere wenn dieser sich darin äußert, dass wir mit unseren Gaben glänzen wollen. Diese Tugend soll es sein, die uns bewusst werden lässt, dass wir in der Gottheit ruhen, dass wir nur ein nichtiger Teil der wahren, großen Vollkommenheit sind, sodass wir so recht empfinden, wie alle Eitelkeit und Hochmut etwas Irreales sind, sodass es eine Dummheit wäre, auf etwas stolz sein zu wollen.
Insbesondere im Anfang ihrer okkulten Laufbahn werden die Menschen oft hochmütig oder eitel und stolz; zum Beispiel wenn sie anfangen, kleine Erfolge an sich zu bemerken, fühlen sie sich bald über andere erhaben. Das ist aber nicht der Weg, um zur tätigen Tugend zu gelangen. Auch derjenige wird den Weg nicht finden, der danach trachtet, seine Kenntnisse oder Kräfte anderen mitzuteilen, wenn er dasjenige unterrichten will, was er an höheren Lehren selber empfangen hat, und wenn er sich dann verehren lässt durch diejenigen, denen er etwas mitteilt. Diese Untugenden sind große Hindernisse, die der Mensch sich selber in den Weg legt. Aber auch die anderen, welche in solcher Weise Verehrung entgegenbringen, legen diese Hemmnisse dem Esoteriker in den Weg. Indem wir diese Untugenden in der physischen Welt bekämpfen und uns fortwährend davor hüten, ihnen zu verfallen, indem wir die «tätige Tugend» üben, wird die Kraft, die in dem höheren Devachan als eine Summe von hohen geistigen Wesenheiten zu finden ist, als geistige Kraft in uns einfließen und unser inneres Wesen verstärken.
Aufzeichnungen B von Unbekannt
Der Grund, warum in den Tagen vom 24. Dezember bis 6. Januar (dem Erscheinungstag) bei den Versammlungen unserer okkulten Bruderschaft kein Zeremoniell stattfindet, ist der, dass diejenigen, die wir nennen die weisen Meister des Ostens, sich in dieser Zeit zurückziehen in das Heiligtum, um dort Kräfte zu sammeln, welche der gesamten Menschheit sowohl als auch unserer okkulten Verbrüderung dann in neuer Stärke gegeben werden.
Wenn wir uns umgeben sehen von all den Symbolen, die uns in unserem freimaurerischen Tempel entgegentreten, so sollen wir stets daran denken, dass wir es da nicht zu tun haben mit imaginativen Dingen, sondern mit etwas ganz Realem. Wir sollen daran denken, dass uns durch diese Symbole einströmen die Kräfte der weisen Meister des Ostens.
Wenn wir aufblicken zu denen, die uns gelenkt haben vom Urbeginne der Welt an durch die Saturn-, Sonnen- und Mondenzeit, so wenden wir uns an die, die wir nennen die Brüder der Vorzeit und beten also: «Brüder der Vorzeit».
Damals blickten wir auf zu denen, die unsere gegenwärtige Entwicklung leiten, und rufen sie also an: «Brüder der Gegenwart».
Und diejenigen, welche in zukünftigen Zeiten Lenker und Leiter der Menschheit sein werden, sprechen wir an als Brüder der Zukunft und beten also: «Brüder der Zukunft».
Während wir nun so unser Gebet verrichten und auch schon vorher, richten wir unseren Blick auf die drei Lichter, welche auf den drei Altären angezündet sind: auf dem Altar des Ostens, von welchem uns die Weisheit, auf dem Altar des Südens, von welchem uns die Schönheit, und auf dem Altar des Westens, von welchem uns die Stärke kommen soll. Wir wollen uns nun jetzt einmal die drei Worte «Weisheit, Schönheit und Stärke» in ihrer eigentlichen Bedeutung klarmachen. In allen Mysterien kannte man diese drei Worte und wusste, dass auf ihnen aller Fortschritt beruht, aber der, welcher sie aussprach, wusste, dass sie in ihrer wahren Bedeutung nicht zu finden sind auf dem physischen Plan. Das, was wir hier von ihnen empfinden, sind nur Spiegelbilder, die uns zurückgestrahlt werden aus der geistigen Welt. Die Weisheit ist nur zu finden auf dem astralen Plan, die Schönheit auf dem niederen Devachanplan, die Stärke auf dem höheren Devachanplan.
Was wir als Weisheit finden auf dem astralen Plan, spiegelt sich wieder für uns als Wahrheit; die Schönheit, die nur zu finden ist in dem niederen Devachan, als wahre Frömmigkeit und die Stärke in dem höheren Devachan als tätige Tugend. Wir sollen uns daher angewöhnen, das Wort Weisheit nur in dessen wirklicher Bedeutung auszusprechen, als Wahrheit des Denkens; das, was man gewöhnlich in Bezug auf äußeres Wissen Weisheit nennt, ist keine Weisheit. Weise ist der, der hinblickt in die Welt und in jeder Pflanze, jedem Blumenblatt den Gott empfindet, nicht in pantheistischem Sinne, sondern der empfindet das Walten und Wirken des Weltengeistes. Das kann auch das naivste Gemüt, und nur der Mensch, der so empfindet, nur der ist wahrhaft weise zu nennen.
Wenn wir uns nun vor Augen halten, dass wir stets umgeben sind von diesem Weltengeiste, dann wissen wir auch, dass wir vor diesem Weltengeiste dastehen, wie wir wirklich sind, nicht wie wir vor der Welt erscheinen wollen durch Unaufrichtigkeit und Unwahrhaftigkeit. In den höheren Welten ist nichts da, was uns über unsere Untugenden hinwegtäuschen kann. Da stehen wir ganz verlassen da von allem, womit wir uns hier als Täuschung umgeben haben; Lüge und Unaufrichtigkeit haben keinen Zutritt zu den höheren Welten. Diese Worte gibt es da gar nicht, weil die Eigenschaften eben nicht vorhanden sind.
Und wenn ein Mensch wirklich so schlecht wäre, dass er keine einzige gute Eigenschaft aus dem vergangenen Erdenleben mitbrächte, so käme er nicht einmal in das niedere Devachan hinein, sondern müsste sich so schnell wie möglich wieder verkörpern.
Deshalb muss der Mensch, ehe er in die höheren Welten gelangen kann, alle seine Untugenden bei dem Durchgehen durch das Kamaloka ablegen. Da muss er abstreifen alles, was Lüge, Unaufrichtigkeit und so weiter ist; alles das kann er nicht mitnehmen, denn in den höheren Welten wird nur das Gute aufgenommen, weil es dort kein Böses gibt. Wenn er zu einer neuen Inkarnation zurückkehrt, nimmt er alle seine Leidenschaften und Fehler wieder auf als sein Karma, das er in einer neuen Inkarnation abtragen muss.
Schönheit ist das, was herunterstrahlt auf den physischen Plan als wahre Frömmigkeit. Wenn wir hinausblicken in den Himmelsraum, hinauf zu dem Sternenhimmel, da sollen wir nicht nur die Gestirne als solche anblicken, sondern wir sollen in ihnen empfinden die göttlich-geistigen Wesenheiten, die sich dahinter verbergen. Ein Gefühl der tiefsten Frömmigkeit soll uns dabei durchdringen. Und wenn wir einen Sonnenuntergang ansehen, da sollen wir bei dem Untergehen der Sonne denken, dass jetzt die Sonne heruntersinkt und Dunkelheit sich verbreitet, aber dass in dieser Dunkelheit aufgehen kann eine andere Sonne, eine geistige Sonne - die heller strahlt und leuchtet als die physische Sonne, die eben vor unseren Augen verschwunden ist, die Mitternachtssonne.
So müssen wir fühlen und empfinden in jedem Augenblick. Das ist das, was herausstrahlt aus der geistigen Welt als wahre Frömmigkeit, die dort oben als Schönheit lebt. Diese Schönheit ist wie durch einen Schleier für uns verborgen, wir sehen sie nicht eher, als bis wir dazu vorbereitet sind, bis wir abgelegt haben unsere Untugenden. Zum Beispiel Lüge würde hier erscheinen als Hässlichkeit, und alles, was wir als Schönheit empfinden oder zu sehen glauben, bevor wir ganz würdig sind, einzutreten in die Sphäre der Schönheit, was wir als Engelsgestalten, als schöne erhabene Bilder sehen, das alles ist Täuschung. Zu der wahren Schönheit kommen wir nur durch wahre Frömmigkeit.
Nun kann es aber vorkommen, dass ein Mensch in einem Leben zwischen Tod und neuer Geburt durch besondere Umstände teilhaftig geworden ist des Anblicks dieser Schönheit, auch wenn er selbst nicht rein war. Dadurch hat er starke Kräfte erhalten, so stark, dass es ihm möglich ist, in einer neuen Verkörperung sich selbst ein Kleid zu weben, das ihn mit strahlender Schönheit umgibt. Das kann er, aber es ist nicht wahr, es ist erlogen. Vor den Augen der Welt erscheint er dann in diesem strahlenden Kleid, aber wer dahinter sehen kann, der weiß, dass es Teufelswerk ist. Das kommt wirklich vor, und es gibt viele solcher Menschen.
Das, was als Stärke herunterstrahlt auf den physischen Plan, wird dort begriffen unter dem, was man Moral und Tugend nennt. Nur der, welcher diese Eigenschaften entwickelt hat, kann hoffen, hinaufzudringen in das höhere Devachan. Die höheren Welten weisen alles zurück, was nicht hineingehört. Alles, was wir mitbringen an Egoismus, Ehrgeiz, Eitelkeit, Ängstlichkeit und Furchtsamkeit, kann nicht dort hinein, und der Mensch muss einsehen lernen, dass diese Eigenschaften auf den höheren Plänen eine große Dummheit bedeuten.
Trotzdem besteht eine gewisse Schwierigkeit für den, der schon etwas weiterentwickelt ist, sodass er okkulte Wahrheiten empfängt und sie seinen Mitmenschen mitteilen kann und darf. Sehr leicht entsteht für diese Persönlichkeiten ein Gefühl persönlicher Verehrung und Anbetung unter ihren Zuhörern, und das kann dazu führen, dass in ihnen trotz ihrer früheren höheren Stufe diese Eigenschaften, die sie abgelegt zu haben glaubten, aufs Neue erwachen. Davon muss sich jeder ganz frei machen, dann wird die Anerkennung aus den früheren Welten herniederstrahlen als Stärke.
Wenn wir also die drei Worte «Weisheit, Schönheit, Stärke» aussprechen, so müssen wir uns angewöhnen, dass wir sie dabei empfinden als Kräfte, die aus höheren Plänen herunterstrahlen und sich spiegeln auf dem physischen Plan. Und wir müssen uns hinaufentwickeln durch Wahrheit und Frömmigkeit und Tugend, dann finden wir in den geistigen Welten diese wieder als Weisheit, Schönheit und Stärke.
Wenn der Schüler in den Mysterien diese drei Worte aussprach, so sprach er damit sein Glaubensbekenntnis aus, das so lautete: Ich weiß, dass hinter der physischen Welt eine geistige steht, aber dass die Weisheit nur zu finden ist auf dem astralen Plane. Ich weiß, dass hinter der physischen Welt eine geistige steht, aber dass die Schönheit nur zu finden ist auf dem niederen Devachan. Ich weiß, dass hinter der physischen Welt eine geistige steht, aber dass die Stärke nur zu finden ist auf dem höheren Devachanplan.
So bitten wir nun die, welche wir ansprechen als die Brüder der Vorzeit, der Gegenwart und der Zukunft, dass sie die Lichter ihrer Weisheit, Schönheit und Stärke in uns entzünden mögen und rufen sie also an:
Brüder der Vorzeit ...
Brüder der Gegenwart ...
Brüder der Zukunft ...
Aufzeichnungen C aus dem Nachlass von Elisabeth Vreede
Gehen wir jetzt von der Form dieser Symbole auf ihre Bedeutung über, die sie für unser inneres Wesen haben, dann müssen wir bei den Worten «Weisheit», «Schönheit«, «Stärke» nicht an weltliche Weisheit, an weltliche Schönheit, noch an weltliche Stärke denken.
Weisheit ist auf dem physischen Plane nicht zu finden. Hier ist alles Maja, und der Mensch sieht hier in Wirklichkeit alles verkehrt. Wenn man glauben würde, irgendwo Weisheit auf dem physischen Plan zu finden, so sollte man sich immer dessen bewusst bleiben, dass es nur äußerlich Weisheit zu sein scheint, in Wirklichkeit aber keine Weisheit ist. Wo wir vermeinen, Leben zu schauen, ist Vergehen vorhanden; wo etwas Vergehen zu sein scheint, liegt gerade das neue Leben verborgen. Und so können wir niemals der Weisheit begegnen in demjenigen, was sich uns auf dem physischen Plane zeigt. Ein jeder, der im okkulten Leben drinnensteht, sollte sich vornehmen, niemals im gewöhnlichen Leben das Wort «Weisheit» auszusprechen, ohne dabei zu bedenken, dass er nur die weltliche Weisheit darunter versteht, jene Weisheit zum Beispiel, die uns in der Wissenschaft entgegentritt oder die man auf Gelehrsamkeit überhaupt bezicht. Ein gelehrter Mensch ist deshalb nicht weise; ein Weiser braucht kein Gelehrter zu sein, kann sogar ein recht naiver Mensch sein, der jeder Gelehrsamkeit ferne steht. Ein weiser Mensch ist derjenige, der die Weisheit in seinem Herzen trägt, der in allem, was er um sich herumschaut, die waltende Weisheit erkennt.
Wir können uns vorstellen, dass ein solcher Mensch ein grünes, saftiges Pflanzenblatt betrachtet; dann würde er in dem Moment, wo er es betrachtet, die Empfindung haben, dass es über sich selbst hinauswachse, dass es die Möglichkeit (Fähigkeit?) in sich hat, etwas ganz anderes zu werden. Aus dem grünen Pflanzenblatt wird später das farbige Blumenblatt; er schaut in ihm das sprießende, sprossende Leben, das über sich selbst hinauswill, und dann fühlt er zugleich in sich selbst auch sprossendes Leben. Aber nehmen wir an, er sche eine dürre Baumrinde, dann würde er mit dieser nur zusammenwachsen können, indem ihn etwas wie eine Todesstimmung überkommt. Ein gelehrter Mensch würde diese Rinde bewundern können; ein weiser Mensch schaut das Absterben des Baumes in der Rinde. Überall schaut der Weise Entstehen und Vergehen, und in seinem Herzen trägt er das Gefühl, das ihm sagt: Ich sehe meinen Gott waltend in jedem Blumenblatt, ich erlebe meinen Gott in der ganzen Schöpfung, und ich fühle mich unzertrennbar mit diesem Gotte verbunden. Man soll nicht denken, dass solch ein Weiser ein Pantheist sein müsse, man soll sich einen viel innigeren Zusammenhang bei diesem Weisen mit seinem Gott vorstellen, ein unaussprechliches Gefühl des Geborgenseins in der Gottheit der Welt, ein Gefühl, das ihm die Ruhe und Seligkeit in seinem Wesen verschafft. (Offenkundig ist das Urbild des Felix Balde beschrieben.)
Das ist die Weisheit, die wir uns aneignen sollen, die unser ganzes Wesen so durchziehen soll, dass es uns unmöglich wird, uns auch nur einen Augenblick außerhalb des Weltengeistes zu denken, sondern wir sind uns dann bewusst, von dem Weltengeist umgeben und beschützt zu sein. Innere Ruhe, innere Sicherheit können dann nicht mehr von uns weichen. Wir fühlen uns für immer darinnen stehend.
Solche Empfindungen sollen in uns einfließen aus der astralen Welt, denn dort findet man die lebende, waltende Weisheit, die den Boden und den Quell bildet der uns umgebenden Natur und die ganze sinnliche Welt durchdringt.
Wer darnach strebt, wahr zu werden im Denken, wer sich bei allem, was er tut oder will, erhebt zu der waltenden, wirkenden Weisheit, um aus dieser die Wahrheit zu schöpfen, der wird die Kraft erhalten aus der astralischen Welt und weise werden.
Die Schönheit, die durch die zweite Flamme symbolisiert wird, hat ebenso wenig etwas gemein mit der weltlichen Schönheit wie die Weisheit mit der Weisheit der Welt. Auch diese bezieht sich auf kein weltliches Objekt.
Fortsetzung der Nachschrift:
Besonders im Beginn ihrer esoterischen Laufbahn werden die Menschen oft hochmütig und eitel, zum Beispiel, wenn sie anfangen, kleine Erfolge bei ihren Übungen zu bemerken, wenn sich Bilder beginnen einzustellen aus der imaginativen Welt heraus. Dann glauben sie sich schon bald über andere erhaben, und sie werden geneigt, mit anderen darüber zu reden. Aber nichts kann uns so schr hemmen in unserem Fortschritt als die Abwesenheit der Fähigkeit, schweigen zu können. Nicht schweigen zu können über seine Übungen, dort, wo es nicht angebracht ist, darüber zu reden - nicht schweigen zu können über Geheimnisse, die uns mitgeteilt worden sind, heißt etwas töten in unserem Ätherleibe. Wir töten damit jene Kräfte, mit denen gerechnet war, um uns weiterzubringen, und wir müssen dann auf den weiteren Fortschritt verzichten.
Das ist aber nicht der Weg, um zu der «tätigen Tugend» zu gelangen, wenn man beginnt, sein Wissen anderen mitzuteilen. Wenn einer anfängt zu lehren, was er selber an höherem Wissen erhalten hat, und er lässt an sich herankommen die Verehrung, die andere ihm entgegenbringen, dann würde die tätige Tugend sich in Untugend verwandeln und seinen Fortschritt hindern. Aber auch diejenigen, die die Verehrung entgegenbringen, die so bald geneigt sind, Menschen auf einen Sockel zu stellen, oder die glauben, dass sie durch die Ausübung dieser oder jener Tätigkeit einen Ehrenplatz einnehmen, auch diese sind Steine auf dem Wege des Fortschrittes für den wahren Esoteriker. Solchen Untugenden soll fortwährend von uns allen ins Auge geschaut werden; fortwährend sollen wir auf der Hut sein dagegen, indem wir die tätige Tugend üben und uns mit ihr durchdringen. Dann können die Kräfte, die im höheren Devachan als die hohen geistigen Wesen zu finden sind, zu uns herniederströmen, und unser inneres Wesen kann sich erkraften.
In der Astralwelt finden wir die Weisheit, wenn wir uns Wahrheit im Denken aneignen. Im niederen Devachan tritt uns die Schönheit entgegen. Und im höheren Devachan finden wir die erhabenen Wesen, die uns die Stärke schenken werden, um die tätige Tugend auf dem physischen Plane zu verwirklichen.