Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924
GA 265a — 5 September 1912, Munich
Das Erste Gebet: «Brüder Der Vorzeit»
Aufzeichnungen von Alice Kinkel Erster Grad
Das erste Gebet unterscheidet uns von allen anderen derartigen Bestrebungen, die sich auf Dokumente oder auf ein überkommenes Weisheitsgut stützen. Wir berufen uns auf nichts dergleichen, wir knüpfen nur an die getane Arbeit an, an das wirklich Geleistete.
Man wird in der nächsten Zeit neben anderem, was man gegen uns unternehmen wird, auch unsere okkulte Bewegung versuchen zu verdächtigen und zu verunglimpfen, darum sollen wir wissen dieses, woran wir uns anschließen.
Im Geistigen besteht eine solche Gemeinschaft wie die Unsrige, sie hat aber dort nur so viel Berechtigung, als sich Seelen zu ihr, als zur Wahrheit, bekennen. Und wem etwas nicht recht ist daran, der braucht ja nicht dabei zu sein. Wir beanspruchen weder ein Orden noch eine Rosenkreuzer-Bewegung oder Ähnliches zu sein, sondern unser Streben geht dahin, die Wahrheit in der Weise zu vertreten, dass wir nicht die Weisheit als unser beanspruchen, sondern das Schaffen, das, was daraus geflossen ist als Weisheit, uns aneignen wollen.
Die Weisheit ist da, es gab ein Urweisheitsgut der Menschheit, wie es gezeigt wird im «Hüter der Schwelle» vom Generalgroßmeister. Und wie man sich dazu zu stellen hat, das heißt, wie man im okkulten Leben vorwärtskommt, das zeigt uns Maria in der zweiten Szene mit Thomasius. Bequemer wäre es ja, eine Vorschrift für alle zu geben, aber es musste schon einmal in unserer abendländischen Bewegung gezeigt werden, wie Personen von der besonderen Art eines Thomasius, Strader, Capesius und einer Maria den Einweihungsweg gehen.
«Zirkel und Richtmaß» heißt: Eure Gebräuche übernehmen wir. Solche Gebete enthalten in den Worten alles, was uns nottut, ebenso die Mysteriendramen Doktor Steiners. Jedes Wort ist da an seinem Platze und voll okkulter Bedeutung. Nichts, nichts ist aus einem anderen Grunde als wegen seiner geistigen Bedeutung und Kraft so gesetzt und gesagt, wie es eben ist.
Die Gegner des Spirituellen, wie zum Beispiel ein Haeckel, tragen das Spirituelle tief verborgen in sich und ihre Rage und Wut ist eigentlich gegen sich selbst gerichtet. Weil sie im Leben nicht an ihr unterstes Seelenleben herankönnen, zeigen sie sich nach dem Tode ganz anders gegenüber dem Spirituellen und sind am leichtesten [herbei] zu zitieren zum Beispiel in spiritistischen Sitzungen.
Nietzsche ist sehr interessant darin; er konnte sich schwer trennen von seinem materiellen Teil und darum bot er einen solch eigenartigen Anblick dem Seher schon in seiner Krankheit. Der Mensch Nietzsche, diese eigenartige Persönlichkeit, auf dem Sofa liegend und die Aura um ihn. Die Spaltung des Ich kommt bei solchen Persönlichkeiten zum Ausdruck; während das Bewusstsein materialistisch ist, ist das Unterbewusstsein spirituell.
«Brüder der Zukunft ...» - Wir haben auch keinen Namen, denn Luzifer steht Pate zu jeder äußeren Gründung einer Vereinigung oder Gesellschaft.
Bei der Aufnahme in den ersten Grad wird noch gesagt: Das Zeichen des ersten Grades wird in der Zukunft der Ausdruck sein für Selbsterkenntnis oder für das, was man unter dem «Erkenne dich selbst» versteht.