Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924
GA 265a — 28 September 1912, Basel
Selbsterkenntnis
Aufzeichnungen A aus dem Nachlass von Elisabeth Vreede, Dritter Grad
Der Grund, warum es so schwer ist, in die geistige Welt einzudringen, ist der, dass die Liebe zu unserer Persönlichkeit eine so große ist. Durch das esoterische Leben erleidet diese Liebe zu der Persönlichkeit eine Verwandlung, sodass eine größere Selbsterkenntnis zustande kommt. Wir fangen an zu bemerken, dass wir sehr unvollkommen und sehr beschränkt sind in unseren Fähigkeiten. Wir fühlen, dass wir gewisse Grenzen unserer Natur nicht überschreiten können und dass wir uns zufriedengeben müssen mit uns selber, wie wir uns in dieser Inkarnation zeigen. Dadurch geben wir uns selber mehr frei und lenken die Aufmerksamkeit mehr von uns selber ab, was eine unbedingte Notwendigkeit ist, wenn wir in die geistige Welt eintreten wollen. Wir sollen danach streben, uns selbst so zu betrachten, wie wir es tun, wenn wir nach dem Tode in das Kamaloka eintreten und unser Leben auf Erden wie eine Rückerinnerung erleben.
Im Devachan fangen wir tatsächlich mit dem Zusammenstellen der Möglichkeiten für unsere nächste Verkörperung an. Wir suchen den Körper, die Eltern, das Volk aus, wo wir die nächste Inkarnation verbringen wollen. Ja, wir arbeiten sogar von dort aus an der Zusammensetzung unseres künftigen Hauptes, Rumpfes und der Gliedmaßen, und das Gehirn wird in solcher Weise zum Voraus gebildet, dass es davon abhängen wird, ob wir Mann oder Frau werden. Wollen wir, was man nennt eine echt weibliche Person werden, dann gestalten wir unser Gehirn größer als nach dem gewöhnlichen Maß; nehmen wir ein kleineres Gehirn, dann werden wir eine Frau, die mit männlichen Eigenschaften verbunden ist. So kommen wir mit bestimmten Möglichkeiten in das Leben hinein, und man empfindet, dass man während des Lebens daran wenig ändern kann.
Es ist schon öfter gesagt worden, dass wir jetzt das ägyptisch-chaldäische Zeitalter wiederholen. Die Menschen jener Zeit konnten nicht all dasjenige in ihrem Innern erleben, was der heutige Mensch empfindet. Alles, was er im Alltagsleben tat, geschah mehr durch die Empfindungsnatur. Instinktiv empfand er dasjenige, was er zu tun hatte; er hätte dabei nichts denken können. Für ihn war das Denken nichts in ihm selber, sondern er nahm wahr, was die Götter für ihn dachten. Am Sternenhimmel lasen sie wie lebende Gedanken, wie Schriftzeichen dasjenige ab, was ihnen durch die Sternbilder und Konstellationen offenbart wurde. Die Götter sonderten etwas von ihrem eigenen Wesen ab, damit die Menschen es würden aufnehmen und verstehen können. Es war schon etwas Materielles, die Sterne am Himmel; daher wird von den Sternen gesagt, dass sie gestorbene oder sterbende Götterleiber sind. Man hatte damals bestimmte Zeiten, wo man etwas von der Sternenwelt empfinden konnte, und namentlich, wenn die Sterne eben erst am Erscheinen waren, wurden sie zu einer bedeutungsvollen Schrift für die Ägypter. In dieser Weise waren die alten Ägypter in Berührung mit der geistigen Welt.
Heute sind wir noch tiefer in die materielle Welt herabgesunken, und der Sternenhimmel hat keine Bedeutung mehr für uns. Heute denken wir sehr viel. Aber woher kommen all diese Gedanken, die gleichsam aus dem Untergrunde unseres Wesens heraufbrodeln? Erinnerungen sind es an dasjenige, was die Sterne den Menschen offenbarten in jener altägyptischen Zeit, die jetzt chaotisch in uns heraufsteigen und in unser Bewusstsein ausfließen. Was früher als Denken außer dem Menschen war und sich am Sternenhimmel abzeichnete, ist jetzt in uns. Alles, sogar die komplizierteste Erfindung ist ein Ergebnis jener alten Zeit, in der der Mensch noch nicht gedacht hat, sondern die Arbeiten auf der Erde so verrichtete, wie jetzt die Wespe. Wundervolle Bauten wurden ja auch damals errichtet, und was jetzt gebaut wird oder von der Wissenschaft als Erkenntnis geliefert wird, ist nur die Abschattung jener alten Zeit. Alles aber, was in der materiellen Welt zustande kommt, hat keine Bedeutung, nichts Bleibendes für die Zukunft, kann nicht auf den Jupiter hinübergebracht werden; und das Einzige, wodurch wir das aufheben können, ist das Studium der Geisteswissenschaft.
Im alten Persien brauchten die Menschen nicht an die Götter erinnert zu werden mit Hilfe des Sternenhimmels, man brauchte sie nur hinzuweisen auf das Geistige hinter der Sonne. Sie konnten dann noch hellsehend die geistigen Wesenheiten schauen, besonders in den Zwischenzuständen zwischen Schlafen und Wachen.
Der vierte Zeitraum, der griechisch-lateinische, steht für sich da; er geht da nicht wie beim dritten in den fünften über, sondern dieser auf sich selbst gestellte Zeitraum war so, dass sein zweiter Teil sich abspiegelte aus dem ersten Teil heraus. Die Menschen, die in jenem zweiten Teil des vierten nachatlantischen Zeitraumes verkörpert waren, hatten noch eine Erinnerung aus ihrem Leben im ersten Teil, sodass Homer sich selbst beschreiben konnte als den früher inkarnierten Odysseus. In jener für sich bestehenden Zeit inkarnierten sich die Seelen in rascher Aufeinanderfolge und brachten ihre vorigen Erdenleben noch als Erinnerung mit.
Der zweite Zeitraum wird sich im sechsten spiegeln und auch der erste im siebenten. Aber diejenigen Menschen, die jetzt den Christusimpuls nicht aufnehmen, der allein die wahre Erinnerung auferwecken kann an das spirituelle Dasein, werden im sechsten Zeitraum die innerliche Furcht erleben, das drückende Gefühl von etwas, das zwar da ist, das sie aber nicht begreifen können. Und im siebenten Zeitraum wird dieses die Ursache abgeben für eine gänzliche Zerstörung im Denk- und Gefühlsleben, die sich bis in den physischen Körperbau hinein zeigen wird.
Aufzeichnungen B von Alice Kinkel
Es wird gesprochen darüber, dass Christus gestorben ist; dann über Kepler, Odysseus, Homer, ferner über die Wucht der ersten Eindrücke in der geistigen Welt. - Odysseus und Homer ist dieselbe Individualität. Er erzählt in der zweiten Periode des vierten Zeitraumes, also als Homer, dasjenige, was er in der ersten Periode des zweiten Zeitraumes als Odysseus erlebt hat.
Tag und Nacht war der Mensch noch im Verkehr mit den Göttern und umgeben von den lebendigen Göttern in diesen Zeiten. Die erste Periode, von der wir gesprochen haben, wird dann wieder erscheinen im siebenten Zeitraum; die Weisheit der alten Rishis.
Die Masse der Menschen aber, die da das spirituelle Leben ablehnen wird, diese Menschen werden dann für alles Geistige in diesem letzten Zeitraum das große Grab graben, und über das große Leichenfeld wird dann schreiten das kleine Häuflein, das da muss hinüberretten das geistige Leben in eine neue Kultur. Die anderen Menschen aber, die werden sein wie Automaten; solche Leiber werden auf der Erde herumlaufen; dann kommt die neue Zeit. 5500 Jahre müssen vorher vergangen sein.
Eine ungeheure Depression, das ist der erste Eindruck, den man hat in der geistigen Welt, wenn man außerhalb seines Leibes ist. Man sicht nun, wenn der Leib abgelegt ist, alle Schwächen, die einem anhaften, und alle Möglichkeiten des Andersmachens dessen, was man im Leben ausgeführt hat und was man im Leibe nicht getan hat. Und schwer wird dem Menschen die Einsicht: Das alles muss jetzt schon so bleiben bis zur nächsten Inkarnation; denn ändern können wir zwischen Tod und neuer Geburt nichts mehr, nur erkennen können wir die Fehler.
Und das ist der Sinn des Rituals des dritten Grades.