Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924
GA 265a — 11 November 1913, Nuremberg
Gegen Die Ratlosigkeit
Aufzeichnungen aus dem Besitz von Margareta Morgenstern
Mehr und mehr wird unsere Kultur in Ratlosigkeit versinken. So werden es zum Beispiel Juristen schwer haben, sich aus dem entstandenen Chaos herauszufinden. Die Menschen werden mit dreißig, dreiunddreißig Jahren dürr werden an Leib und Seele und kahlköpfig; sie werden immer mehr innerlich veröden. Von Amerika herüber kommt die Methode des allgemeinen Zeitsparens. Man wendet keine Gedanken mehr an auf die Arbeit, weil die Maschine einem alle Handgriffe abnimmt, zum Beispiel beim Weitergeben von Ziegelsteinen und so weiter, und so weiter.
Betrachten wir die Hirten auf dem Felde in früheren Zeiten, wenn sie im Freien schliefen, sei es in einer Hütte oder auf freiem Feld. Da hatten sie über sich den leuchtenden Sternenhimmel, und sie wussten noch etwas von den kosmischen Zusammenhängen. Nicht sahen sie nur dieses oder jenes Sternbild, wie heute die Menschen, sondern sie sahen dort noch geistige Wesenheiten. Mit ihnen wussten sie sich vereint, wenn sie schliefen. Die wirkten in sie hinein aus dem Kosmos. Die Materie ist nämlich kein Hindernis für geistige Wesenheiten, sie zu durchdringen. Daher ist es unsinnig, wenn zuweilen gesagt wird, die Logenräume sollten nicht gelüftet werden, «weil sonst Dämonen eindringen könnten». Ein junges Mitglied hat daher einmal gefragt: «Ja, kommen die denn nicht auch durch geschlossene Türen und Fenster?»
Wenn wir schlafen, geht es uns auch heute noch genauso wie den Hirten auf dem Felde früher, nur dass wir meist nichts davon wissen: Die geistigen Wesen wirken in uns hinein.
Wer von uns Alten einmal in seiner Jugendzeit einem richtigen Bauern begegnete und mit ihm ins Gespräch kam - aber natürlich empfand es nicht jeder Bauer, dies Hereinwirken, und nicht leicht schloss sich einer, der darum wusste, einem anderen auf -, wenn es aber dazu kam und dazumal konnte einem das doch noch öfter passieren, dann sagte solch ein Bauer: «Ich muss mir den Schlaf aus den Augen reiben, damit die Sonne in mich hinein kann, damit ich aufwachen kann, sonst werde ich nicht wach.» Wenn es Abend wurde, die Sonne unterging und zuerst Vesper geläutet wurde, dann wurden sie schläfrig, müde.
Und auch die Jahreszeiten, ihren Wechsel empfand man früher ganz anders als heute. Man lebte eben mit der Sonne, denn man hatte noch ein Bewusstsein davon, dass wir der Sonne unsere Ichkräfte verdanken. Wenn wir diese Ichkräfte nicht haben, dann schlafen wir ein.
Mehr und mehr aber soll der Mensch sich freimachen von solcher Gebundenheit.
Vom Kopernikanischen Weltensystem. Wie wenn Ihr die Straße zu diesem Raume entlanggeht, und es kommt jemand und fragt Euch: «Gehst du?» - und Ihr antwortet: «Das weiß ich nicht, ich muss erst beobachten, ob ich zu anderen Häusern komme.» - und Ihr die Zeit und die Häuserreihen verglichet und prüftet, ob Ihr geht oder nicht. Geradeso ist es mit dem Kopernikanischen Weltsystem; einen Stützpunkt sucht das im Weltenall.
Nach hundert Jahren werden viele von Euch, die hier sitzen, wenn auch nicht verkörpert, Helfer werden jenen verworrenen Seelen, die heute an keine geistige Welt und ihre Wirkungen glauben.
... Darum wird es gesagt, weil ich in diesen Stunden Euch das Beste geben will, was ich zu sagen habe aus den geistigen Welten heraus. Kraft für das äußere Leben sollen wir uns aus diesen Zusammenkünften holen. Beim bloßen Gedanken daran schon soll uns Kraft werden für das äußere Leben, Kraft für unser Denken, Reinigung für unser Fühlen, Stärke für unser Wollen.
Ganz gleichgültig, was die Menschen der Gegenwart treiben: Sie werden, wenn sie wiedergeboren werden, eine starke Anlage und Sehnsucht haben nach der vorhergehenden Inkarnation. Sie werden von dieser etwas erfahren, etwas wissen wollen, gleichgültig, ob sie jetzt spirituell oder materialistisch streben. Wir stehen gerade an einer solchen Zeitenwende, welche die Menschen führt von einer solchen Inkarnation, in der sie am allerwenigsten wissen wollen von Reinkarnation und Karma, zu einer Inkarnation, in der in ihnen die lebendigste Empfindung sein wird dieser Art: Das ganze Leben, das ich jetzt führe, hängt für mich in der Luft, wenn ich nicht irgendetwas wissen kann über meine letzte Inkarnation.
Und die Menschen, welche jetzt am allermeisten schimpfen über Reinkarnation und Karma, sie werden sich geradezu winden unter der Qual des nächsten Lebens, weil sie sich nicht erklären können, wie das Leben so hat werden können, das sie jetzt leben. Nicht, um sich eine gewisse Rücksehnsucht anzueignen nach dem vorhergehenden Leben, wird Theosophie getrieben, sondern um Verständnis zu erwecken für das, was für die gesamte Menschheit einmal eintreten wird, wenn die Menschen, die heut leben, wieder da sein werden. Die Menschen, die heute Theosophen sind, werden die Anlage mit den anderen teilen, dass sie sich wieder zurückerinnern wollen; aber sie werden andere Erkenntnisse haben und dadurch innere Harmonie in Bezug auf ihr Seelenleben. Diejenigen, die heute Theosophie abweisen, sie werden davon wissen wollen, und sie werden etwas empfinden, wie eine innere Qual nach etwas, was sie nicht verstehen, doch werden sie nichts von dem begreifen, was sie dann quält; sie werden ratlos, innerlich disharmonisch sein. Und es wird ihnen gesagt werden müssen im nächsten Leben: Du lernst erst erkennen, was die Qualen verursacht, wenn du dir vorstellst, dass du eigentlich gewollt haben könntest diese Qual.
Natürlich wird niemand diese Qual wünschen, dann durchzumachen. Aber die, welche heute Materialisten sind, werden im nächsten Leben anfangen, ihre Öde, ihre innere Zerknirschtheit, ihre Qual zu begreifen, wenn sie den Rat der Wissenden befolgen, die ihnen sagen werden: Stellt euch vor, dies Leben, das ihr am liebsten jetzt fliehen möchtet, das hättet ihr selbst gewollt. Weil ihr früher gemeint habt, der Glaube an ein nachfolgendes Leben sei nichtig, sei unsinnig, dadurch ist es nichtig, unsinnig und qualvoll geworden. Gerade den Gedanken habt ihr in euch eingepflanzt, welcher dies neue Leben so öde und so leer für euch macht. So wird sich der Materialismus im nächsten Leben karmisch auswirken. Gedanken also, welche eine Wiederverkörperung heute leugnen, verwandeln sich in innere Nichtigkeit, in innere Leerheit im nächsten Leben.