Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924

GA 265a — 19 November 1913, Berlin

Gegen Die «Rindenkultur»

Aufzeichnungen A aus dem Nachlass von Elisabeth Vreede Erster Grad

Wenn wir in unserem heiligen Raum sind, haben wir uns zu üben in Selbstbesinnung. Und sehr stark haben wir zu empfinden das Karma, das uns an die Pforte dieses Tempels gebracht hat.

Die Seele des Menschen schreitet durch die verschiedenen Zeitalter und nimmt aus jedem etwas mit. Von Epoche zu Epoche wird das Seelenleben ein anderes, wenn auch die Menschen das nicht bemerken.

Wenn wir nicht unseren eigenen Körper erleben würden, könnten wir nicht unmittelbar wissen, ob wir gehen oder stille stehen; wir müssten dann an den Bäumen oder Telegrafenstangen wahrnehmen, ob wir gehen oder nicht. In einem Eisenbahnzug kann es ja auch bisweilen vorkommen, dass man es wirklich nicht weiß.

Die heutige Astronomie ist auf diesem Standpunkt; sie muss an den Ortsveränderungen der Sterne und so weiter wahrnehmen, dass die Erde sich bewegt und dass das ganze Sonnensystem sich bewegt. In alten Zeiten war das ganz anders. In der urpersischen Zeit zum Beispiel lebten die Menschen mit ihrer Seele noch das Leben der Erde mit; dadurch wussten sie, wie die Erde sich durch den Raum bewegt, und wenn sie es aufgezeichnet hätten, würden sie es so gezeichnet haben - was später zu dem Merkurstab geworden ist.

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Diese Fähigkeit schwand in späteren Zeiten dahin. Es war ein Sich-Freimachen des Menschen von dem Makrokosmos, sodass er diese Bewegung nicht mehr empfinden kann.

Nur bei den Bauern fand man noch vor einiger Zeit dieses Verbunden-Sein mit dem Makrokosmos. Sie gingen mit der Sonne schlafen und standen beim Sonnenaufgang auf. Wären wir noch so wie die alten Menschen, dann würden wir keine Abendversammlungen haben können; alle würden ein unüberwindliches Schlafbedürfnis empfinden.

Es waren die guten Götter, die den Menschen aus dem Makrokosmos loslösten, weil infolge der Paradieses-Versuchung der Mensch mit der Schöpfung Luzifers und Ahrimans verbunden war. Deshalb sagte Jahwe nach dem Sündenfall zu Luzifer: Du hast den Menschen die Freiheit in ihrem Innern geben wollen, sodass sie werden sollen wie die Götter, das Gute von Bösen unterscheidend, aber jetzt sollen sie auch von meiner Schöpfung frei werden, damit sie ihr später in Freiheit folgen und sie annehmen werden.

Dadurch ist der Mensch einsam geworden auf der Erde in seiner Seele. Und wenn wir uns ganz fühlen in unserer okkulten Bewegung darinnen stehend und uns in unserer Meditation ein großes Einsamkeitsgefühl überkommt, dann ist das ein gutes Zeichen des Fortschrittes. Nur durch dieses Einsamkeitsgefühl können die höheren Welten zu uns dringen.

In der Gegenwart ist der Mensch so weit, dass er ganz und gar kein Auge mehr hat für das, was unmittelbar um ihn herum ist. So hatte zum Beispiel Nietzsche einmal ein Gespräch mit seinem Freunde vom Gymnasium her, Deussen, der Schopenhauerianer war, während Nietzsche über Schopenhauer hinausgehen wollte. Deussen verteidigte die «Verneinung des Willens zum Leben», und als Nietzsche etwas dagegen einwenden wollte, sagte Deussen, dass das nur geschehen könne, wenn man noch nicht eingeschen hätte, was diese Verneinung wirklich bedeutet.

Aber wo ist diese Verneinung des Lebens wirklich vorhanden? Bei den Säufern und Vielfressern; die sind es, die die göttlichen Schöpferkräfte verneinen; bei all denjenigen, die in sinnlichen Leidenschaften oder Affekten leben.

Überall entwickelt sich eine «Rindenkultur», die wir zwar schr bewundern müssen, die wir aber unmittelbar als solche erkennen müssen. Wir haben die «Markkultur» neben der «Rindenkultur» zu pflegen. Besonders in Amerika blüht diese äußere Kultur. Da hat sich zum Beispiel entwickelt das «wissenschaftliche Betriebssystem». Das ist von derselben Art wie zum Beispiel die «wissenschaftliche Pädagogik», die auch aus Amerika stammt und sich als «letzte Weisheit» auch hier anfängt zu verbreiten. Da werden große Mengen Kinder beobachtet, um zu erfahren, wie lange sie ihre Aufmerksamkeit auf etwas richten können und so weiter; dann werden «Ermüdungskoeffizienten» aufgestellt und dergleichen mehr. So hat man auch die Tätigkeit der Arbeiter studiert, zum Beispiel beim Steinelegen; man hat untersucht, wie man die Menschen so gebrauchen kann, dass ohne dass sie einen Gedanken zu entwickeln brauchen - die Steine in der schnellsten Art hinaufbefördert und gelegt werden können. Der Mensch wird zu einer Maschine gemacht. Das wird in der Zukunft immer schlimmer werden.

Alles wird mechanisiert werden; es wird keine Handschrift mehr geben, sondern die Kinder werden sogleich lernen, auf der Schreibmaschine zu schreiben. Mechanisierung des Lebens wird die Zukunft beherrschen. Das hat angefangen mit der Entdeckung der Dampfmaschine, und in der Zukunft wird man auf diese Entdeckung — oder Erfindung - zurückschauen als auf einen Sieg Ahrimans, so wie wir zurückschauen auf den Sündenfall als auf einen Sieg des Luzifer. Denn als am Ende des achtzehnten Jahrhunderts die Dampfmaschine entdeckt wurde, da haben die Götter die materielle Erdenentwicklung dem Ahriman übergeben. Der Rest der Erdenentwicklung mit ihren Maschinen und der Mechanisierung des Lebens gehört dem Ahriman. Ihn haben die Götter diese gelassen. Das ist das, was wie eine Bombe in unsere Seelen einschlagen soll.

Aber wir sollen trotzdem bei diesen Dingen nicht wollen das Gewicht fortnehmen aus der Schale, die heruntergedrückt wird, sondern wir sollen durch unsere Entwicklung das Gewicht des geistigen Lebens auf die andere Schale legen. Das Mysterium von Golgatha ist eben das gewesen, das der Schwerpunkt der Erdenentwicklung war, und für das Herstellen des Gleichgewichtes haben wir zu sorgen.

Schon recht bald werden die schrecklichen Folgen eintreten von solchen Dingen wie das «wissenschaftliche Betriebssystem» (Taylorsystem). Es wird zur Folge haben, dass die Menschenseelen, wenn sie dreißig, dreiunddreißig Jahre in dem Leibe gelebt haben, sich nicht mehr werden zurechtfinden können auf der Erde; tot und dürr werden sie sich in der Seele erleben. Dann wird es sein an denjenigen von uns, die sich dazu reif gemacht haben werden und die dann zwischen dem Tode und einer neuen Geburt in der geistigen Welt leben werden, von dort aus die Seelen zu durchwärmen und zu durchsonnen, sodass sie fühlen werden: Erst war ich tot in meinem Innern, aber jetzt beginnt etwas in mir zu leben wie eine Inspiration aus höheren Welten, etwas, was mich wieder voll-lebendig und warm macht; jetzt beginnt wieder geistiges Leben in mich zu kommen!

Das ist es, was gesagt werden muss als Ergebnis eines Gespräches mit dem führenden Geist unserer Entwicklung. Und wenn man fragen sollte: Wie kann ich wissen, dass dasjenige, was hier gesagt worden ist, wirklich das Ergebnis eines solchen Gespräches ist? -, dann kann nur die Antwort gegeben werden: Es muss gesagt werden, was heute gesagt wurde, und es wird seine Aufgabe erfüllt haben, wenn es wie eine Bombe in Eure Herzen einschlagen wird.

(Dieser letzte Teil wurde zuerst gegeben in Kristiania, Oktober 1913, während des Zyklus «Das fünfte Evangelium»)

Aufzeichnungen B von Unbekannt

Die Stunden, welche wir zwischen den drei Altären und unseren drei Lichtern verbringen, sollen zur Selbstbesinnung dienen. Wir sollen lernen, die Welt richtig zu verstehen. Die heutigen Menschen halten sich an äußere Dokumente und sagen gegenüber den früheren Perioden: Wie haben wir es so herrlich weit gebracht! — So stehen sie unter Ahriman und Luzifer.

Nehmen wir an, der Mensch wäre so organisiert, dass er nicht wüsste, ob er gehe oder stehe. In dieser Lage befindet sich der Mensch der Erde gegenüber. Nur an den Gestirnen berechnet und erkennt die Wissenschaft, dass und wie sich die Erde bewegt. So war es nicht immer.

Wir gehen von Inkarnation zu Inkarnation. Das Seelenleben wird immer anders: Als unsere Seelen in der persischen Kultur inkarniert waren, empfand sich der Mensch noch viel mehr mit der Erde verbunden. Da fühlte er die Bewegungen der Erde im Kosmos mit. Als dies Bewusstsein dann verloren gegangen war, [las] der Mensch von den Sternen ab, dass die Erde sich bewegt. Kopernikus’ Lehre ist nicht richtig. Die Erde bewegt sich ungefähr in den Linien eines Merkurstabes. Der Mensch hat also eine große Fähigkeit verloren. (Erst die Fähigkeit zum innerlichen Wahrnehmen der Erdbewegung ermöglicht auch das Verständnis für die Lehre und Gestalt Zarathustras.) Daher ist er aber freier geworden. Herausgesetzt ist der Mensch von der geistigen Welt auf die Erde, und er weiß noch nicht einmal, ob sie sich bewegt. Als Luzifer einst versuchend an die Menschen trat und sagte, ich mache euch frei, ihr werdet selbst erkennen, wie die Götter, was gut und was schlecht sei, da tönte hinter ihm die strenge Stimme Jahves: Du führst die Menschen auf die Erde, du musst sie auch auf ihr zur eigenen Selbstständigkeit führen.

Unsere ganze Kultur wäre nicht möglich, wenn der Mensch diese Selbstständigkeit nicht errungen hätte. Denn der Mensch wäre auch an die großen makrokosmischen Verhältnisse gebunden: abends Müdigkeit; Leben des Bauers mit der Natur. Der Fortschritt muss anerkannt werden, zum Beispiel der Scharfsinn, der zum Bauen einer (Maschine) verwendet wurde, auch wenn diese Maschine keinen guten Zweck hat. Maschinenkultur.

Die Erde ist der Herrschaft des Ahriman übergeben, um sie zu mechanisieren. Das lehren die Archangeloi. Diese lehren als Gegengewicht die Menschen, die Spiritualität zu entwickeln, Weisheit, Tugendhaftigkeit und moralische Kraft (Weisheit, Schönheit, Stärke). - Von Amerika, dem Lande der Rindenkultur, kommt jetzt herüber eine Betriebswissenschaft. Der Mensch wird ganz zur Maschine (Taylor-System). Experimente an Kindern wegen Ermüdung. Arbeit soll ganz mechanisch gemacht werden, um Zeit zu gewinnen. Die Kinder werden mit der Maschine schreiben lernen, nicht mehr mit der Hand. Die freie Zeit soll verwendet werden zum Genuss der Schönheit. Blindeste der Blinden. Die Schönheiten werden nicht da sein. Die Sachen gehören zusammen ...

Seelen werden vom dreißigsten Jahr an nicht mehr mit sich fertig werden. Unsere Arbeit und Aufgabe, ihnen zu helfen. Das ist das richtige Streben, wenn wir nicht für uns streben, sondern für den Dienst um die Menschen. Wie Bomben sollten diese Verkündigungen in unser seelisches Leben einschlagen.

German original of Against Superficial Culture · ← Previous · Next →