Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924

GA 265a — 4 December 1914, Dornach

Mantram: «Ich trat in diese Sinneswelt.»

Auszüge von Aufzeichnungen von Nanna Thorne aus einer von Rudolf Steiner gehaltenen Stunde vom 4. Dezember 1921 in Kristiania (Oslo) in der Übersetzung durch Agnes Steineger und Karl Engqvist in einem Brief vom 27, November 1966 von Karl Enggvist (Järna) an Edwin Froböse (Dornach)

Lieber Herr Froböse! Leider schreibe ich im Bette. Wurde gestern plötzlich ziemlich krank. Vielen Dank für Ihre lieben Zeilen. Ich möchte nun doch einiges hinzufügen, was in die Übersetzung nicht mit hereingenommen wurde von mir, weil es von Fräulein Nanna Thorne herrührt wenigstens überwiegend. Die Überschrift lautet: «Ich trat in diese Sinnenwelt», Oslo, 21. Mai 1923. Dann setzt es so fort: «Als Doktor Steiner in 1921 in Oslo zum ersten Male war, sprach er über das Mantram: «Ich trat in diese Sinnenwelv, und gleichfalls das letzte Mal, als er hier oben war, im Mai 1923. Heute soll ein Referat von diesem letzten Vortrag gegeben werden. Es war also das letzte, was er den Esoterikern hier in Norwegen ans Herz gelegt hat.» Hier hat wohl Fräulein Steineger unrichtig übersetzt im ersten Satz. Sollte wohl heißen: «... sprach er zum ersten Mal über das Mantram ...». - Die Überschrift ist sicher von Nanna Thorne dahingesetzt. - Außerdem steht es zuoberst, in Klammern: «(Wird das Mantram gelesen?)» Vor den zwei Vorträgen stehen auf einer Linksseite im Buche die drei Mantra: «Ich trat in diese Sinneswelt», «Erkenne erst den ernsten Hüter», «O Mensch, erkenne dich selbst». Der Vortrag von 1921 fängt so an:

Jeder möge darüber im Klaren sein, dass er ein Geist ist, aus den geistigen Welten stammt und nur für eine kurze Zeit hier unten ist.

Weshalb muss der Menschengeist hierher zur Erde, wo er so vieles durchmachen muss? ...

Eine unendliche Begierde nach dem Erdenleben, um neue Lebenskeime zu holen, erfüllt den Menschengeist. Deshalb steigt er wieder und wieder herunter ...

Der Mensch schafft sein Karma durch sein Gedankenleben ...

Es gibt auch ein anderes Erbe, das der Mensch mit ins Erdenleben nehmen muss: die Erbsünde ... Luzifer ... Ahriman, der Herr des Todes. ...

Eine andere Folge von dem vertrockneten, tötenden Denken des Menschen ist der Standpunkt der Wissenschaft zu den Naturgesetzen ... Gedanken und Vorstellungen drehen sich wesentlich um Maschinen, Mechanik und dergleichen. Erdgebunden arm und vertrocknet ist das Gedankenleben geworden; Ahriman, der Tod, hat jetzt die Macht, und das in einem solchen Grade, dass nicht nur die Menschenseele zugrunde geht, sondern auch der physische Menschen-Organismus Schaden nimmt, er wird gelähmt und wird getötet, der Stoff stirbt. ...

Und nicht nur der Mensch wird versteifen und dem Tode entgegengehen, sondern die ganze Natur. ...

Und wie die Natur hier auf der Erde dem Tode entgegengeht, so auch das Weltenall ... Es reicht nicht, von der neuen Lebenskraft Xri zu wissen, wird sie nicht durch den Willen in den Menschen hereingearbeitet, geht man trotzdem dem geistigen Tode entgegen. ... diese neue Lebenskraft, die dem Menschen durch Gnade gegeben ist ...

... Ex Deo Nascimur

Soll der Esoteriker in die geistigen Welten hineinschauen, muss er zuerst dem «Hüter der Schwelle» begegnen ... Ehe er den Esoteriker hereinlässt, nimmt er ihm den Gebrauch der physischen Sinne; deshalb muss der Esoteriker okkulte Organe im Voraus entwickelt haben, die diese [ersetzen].

Gleichfalls nimmt ihm der Hüter alles, was er durch den Verstand aufgenommen hat. ... Dies, dass man die Sinneswelt für Wirklichkeit nimmt, macht, dass man auch nicht über sich selber Klarheit bekommen kann, dass man nicht sein eigenes Wesen kennenlernen kann.

Alles, was im Raume gesehen wird, ist tot. Einmal haben es die Götter geschaffen. Jetzt ist es von ihnen verlassen, sie sind weggezogen. Es ist das Werk der Götter, aber sie sind selber weg; die Materie ist tot, sie ist von Ahriman durchdrungen, und hier in diesem Toten findet der Mensch sein wahres Wesen nicht. Auch findet man sein wahres Wesen nicht, solange man sich von den Zeitengeistern trügen lässt. ... Es gilt, die Fehler der eigenen Zeit (das heißt Zeitepoche, Karl Enggvist) zu sehen, über sie hinauszugelangen und dann versuchen, in der Zeit, mit der Zeit und für die Zeit zu leben.

In Christo morimur.

In diesem Kampf, um zu seinem wahren Wesen zu gelangen, werden diese Worte tönen:

O Mensch, erkenne dich selbst.

Es ist Xri (Verkürzung von Karl Enggvist), das Weltenwort, das diese Worte tönen lässt durch alles, was das Erdenleben zu geben hat.

Man findet nicht sein eigenes Wesen nur durch das bloße Hereinschauen in sich selber, aber dadurch, dass man alles, was im Kosmos ist, sieht, alles, was um uns im Raume ist. Da ist das Bild des eigenen Ich ausgebreitet. ...

Nicht nur im Raume lernt man sein höheres Ich kennen. Der Raum gehört der physischen Welt. Aber hinter dem Raum wirkt die Zeit durch alles, was in der Zeit lebt. Dort muss man auch sein Ich finden (das durch Xri[s] (Verkürzung durch Karl Enggvist) Tod zum bewussten Leben im Menschen geweckt wurde), verstehen lernen, wie dies höhere Ich sich herausgekämpft hat ... durch das, was in der Zeit geschieht. Man muss sein Augenmerk darauf richten, dass die Zeit ein schaffendes Wesen ist, das unablässig seine Impulse unter die Menschen hereinsendet, damit sie hier auf der Erde ihr Ich entwickeln sollen, ihr Ich finden sollen. ...

Erkennt der Mensch sein Ich als das, was hinter den Dingen im Raume steht, und hinter dem, was er in der Zeit erlebt hat, und sieht man den Sinn des Ganzen, da wird das Ich in ihm bewusst geboren, und dann wird er selber einmal ein schaffendes Weltenwort werden ... Aber das /ch lebt, lebt vollbewusst als ein Geist unter den göttlichen Wesen.

Per Spiritum Sanctum Reviviscimus

Der Vortrag ist 19 Seiten lang in Fräulein Steinegers Schrift. Der vom 21. Mai 1923 ist 21 Seiten lang. Da es also die Klasse vor der Weihnachtstagung gab, folgt daraus - finde ich -, dass die Einrichtungen und die Abkommen, die vor der Weihnachtstagung vorhanden waren, nicht durch die Weihnachtstagung zunichtegemacht worden sind, also auch nicht das Testament Rudolf Steiners an Frau Marie Steiner. Ich fühle es ungeheuer beschwingend und begeisternd, an einem Eckchen zur Erkraftung und Durchhellung dieser Tatsache [mitgewirkt haben zu dürfen]. Sehr herzliche Grüsse, auch von meiner Frau, Ihr Karl Engqvist Die Vidargruppe versuchte, nach Fräulein Steinegers Tod ihren Nachlass zu bekommen, aber meine Freunde klärten sie auf, dass sie mir testamentarisch Vollmacht gegeben hätte, darüber zu verfügen. Was für ein Glück!

German original of Mantram: I Entered this World of the Senses · ← Previous · Next →