Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924

GA 265a — 3 January 1924, Dornach

Esoteric Hour for the “Wachsmuth-Lerchenfeld Group” III

«Brüder der Vorzeit: Euer Schaffen werde unsere
Weisheit, wir nehmen den Umkreis und das
Lot der Höhe aus Euren Händen; Euere
Getane Arbeit sei Kraft unserer Seele, sei
Kraft unserer Hände. Brüder der Gegenwart: So Ihr weiser seid als
Wir, lasset leuchten Euere Weisheit in unsere
Seelen, auf dass wir Offenbarer werden
Euerer Gottesgedanken. Brüder der Zukunft: So Ihr des Welten-Baues Plan
In Euerem Willen traget, lasset strömen Euere
Kraft in unsere Glieder, auf dass wir
Leib werden den Großen Seelen. — »

Indisches Mantram

Hinweis auf die neue Gesellschaft, dass die Begründung erfolgte, ohne den esoterischen Grund zu nennen. (Er hatte vorher gesagt, dass die Begründung esoterische Hintergründe habe.) Esoterik verträgt keine Spielerei, alles Bisherige sei spielerisch gewesen. Jetzt muss offen und ernst Esoterik hineingetragen werden ins Leben, von Dornach aus, als dem Zentrum. Nun dürfe man aber wirklich nicht mehr spielen mit Esoterik. Dazu ist Bescheidenheit nötig, vor allem Bescheidenheit vor dem Ich.

Darum aufwachen! Bewusst werden, dass wir schlafen! Mit jedem Aufwachen kommen wir in eine neue Weltensphäre hinein, denn wir leben ganz umgeben von Weltensphären, bloß schlafen wir und wissen nicht von ihnen. Bisher geschieht ja alles beim Menschen nur träumend. Wichtigkeit der Falter-Meditation (von der er das vorige Mal gesagt hatte, dass alles, was er sage über die Wirkung dieser Meditation und ihren Zusammenhang mit den zweimal dreieinhalb Jahren nur für Menschen gelte, die über 28 sind).

Vorlesen derselben -IAOUE.

Es soll etwas gegeben werden, was diese Falter-Meditation in ihrer Wirkung verstärkt: Vier Stufen des Schlafens: im Denken, Fühlen, Wollen, im Ich. Vier Stufen des Aufwachens: im Denken, Fühlen, Wollen, im Ich.

Denken: Das Haupt ist wie eine Frucht, das Herz wie ein leuchtender Kelch. Wir sollen unser Haupt bis ans Herz als selbst leuchtend erleben. Wir sollen unser Denken erleben als Ätherorgan, das sich herantastet an alles, was es erfassen soll. Der Okkultist unterscheidet sich vom Nicht-Okkultisten dadurch, dass er sich dieses Organs als ausstrahlend im Ätherischen bewusst ist. Wir sollen uns erleben wie eine Schnecke, die ihre Fühlhörner ausstreckt. Das Denken muss ein Tasten werden! Dazu Hilfe:

Im Denken erwache: du bist im Geisteslichte der Welt.
Erlebe dich als leuchtend, das Leuchtende tastend.

Durch solch ein Denken wird die ganze Natur leuchtend. Stein und Pflanze leuchten auf im Irdischen, als Tier und Mensch im Moralischen. Durch das Erleben des Denkens als Tasten entwickeln wir etwas wie ein Berührungs-Bewusstsein: Wir sehen eine Löwenzahnblüte und erleben sie wie Sand; wir sehen eine Zichorie und erleben sie wie Seide, eine Sonnenblume wie ein stacheliges Tier ...

Fühlen: Dieses ist noch ein tiefer Traum. Wir sollen unser Herz erleben als leuchtend, aber so, dass es Licht aus der ganzen Umwelt aufnimmt und mondenhaft zurückstrahlt nach außen. Durch unser erwachendes Fühlen müssen wir die Welt ganz anders erleben; die Erde als fühlendes Wesen, das lacht und weint. Im Wetter des Herbstes ist wie ein Weinen der Natur, aber Freude der ahrimanischen Wesen, im Frühling Freude der luziferischen Wesen. Naturvorgänge als Taten geistiger Wesenheiten! Bäume - im Winter sind sie nur physischer Leib, das Ätherische ist draußen. Man kann dazu kommen zu sehen, wie die Bäume im Ätherischen Aufgaben lösen. Wenn man im Denken erwacht, dehnt man sich ins Unendliche. Erwacht man im Fühlen, so setzt man sich in Bewegung, verlässt sich.

Im Fühlen erwache: du bist in den Geistes-Taten der Welt.

Erlebe dich, die Geistes-Taten fühlend.

Wollen: Da herrscht beim Menschen der Gegenwart noch Tiefschlaf. Im Wollen aber ist der Mensch ganz auf sich gestellt. Sein Denken hat er nur in dieser Verkörperung, nimmt nichts davon mit ins nachtodliche Leben. Unser Denken brauchen die Götter, unser Fühlen und Wollen brauchen sie nicht. - Ein Mensch ist vielleicht genial - aber nur, weil die Götter cs so brauchen. Genies sind die Lampen, die die Götter brauchen. Unsere Denkfähigkeiten kehren nach dem Tode zu den Göttern zurück. (Mein Einfall hierzu: Die Legende von Albertus Magnus, dass er unbegabt war als Knabe, aber von der Madonna eines Tages inspiriert wurde zu großer Begabung. Als er schon als Greis im großen Schülerkreis unterrichtete, erlebte er sie, wie sie ihre Gabe zurücknehmen kam. Er brach mitten im Vortrag ab und zog sich zurück und verlebte den Rest seines Lebens in kindlicher Senilität - wie die Menschen es nennen.)

Unser Wollen dagegen geht mit uns durch unsere Verkörperungen, es ist ein Ergebnis unserer Verkörperungen, wir arbeiten durch die Erdenleben daran. Bei unserer Mitarbeit an der Weltgestaltung ist unser Wollen das wesentlich Charakteristische. Das Wollen ist des Menschen Eigentum, während das Denken des Menschen den Göttern gehört.

— Neid der Götter! Im Wollen haben wir Eigenleben. Doch die Menschen schlafen noch im Wollen. Sie lieben ihr Wollen, weil sie immer glauben, was sie wollen, sei schon das Richtige. Aber mit unserem Wollen wirken wir mit an der Weltgestaltung. Wir wachen im Wollen auf, indem wir uns bewusst werden, dass wir nicht für uns allein sind, sondern verantwortlich für die Taten der anderen. Zum Beispiel Kully: Was er tut, gerade was uns am meisten aufregt, daran sind wir schuld, wir tun eigentlich mit; Goesch-Affäre [!] = Maya / [na ja ...]. Wenn wir uns nicht mehr getrennt empfinden als einzelne Wesen, sondern so verbunden in dem allgemeinen Tun, dann erwachen wir im Wollen, dann erst kommen wir zum lebendigen Wollen, dann denken wir die Geisteswesen.

Im Wollen erwache: du bist in den Geistes-Wesen der Welt.

Erleben dich die Geisteswesen denkend.

Erwachen im Ich: Wir schlafen im Ich. Wir gebrauchen das Wort «Ich» nur, weil die Götter es einst für uns sprachen - unsere Angeloi - und nachahmend sprechen es nun die Menschen. Aber wir müssen aufwachen im Ich! Imagination dazu: Altar, darüber Sonne. Wir nahen uns dem Altar und erleben uns ganz als Schatten, ganz als wesenlos. Bisher sagten wir: Ich bin. Jetzt sagen wir bewusst: Ich bin nicht. - Da steigt aus der Sonne über dem Altar eine Gottheit heraus und belebt den Schatten. Wir sind wie eine Schale, die das Licht der Gottheit, die aus der Sonne steigt, empfängt. - Aus Gnade empfangen wir diese Gottheit, sie schenkt sich uns. - Das erlebte Fichte, doch ganz schattenhaft. Daher ist völlig abstrakt, was er darüber sagt.

[Im Ich erwache: du bist in deinem eignen Geistes-Wesen.
Erlebe dich sein von Göttern empfangend und dir selbst gebend.

Dann wurde gesprochen:

Die Steine sind stumm...
Brüder der ...
Indischer Spruch.

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