Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924
GA 265a
Brief Von Adolf Messmer An Marie Von Sivers
Hochgechrtes Fräulein von Sivers!
Bei ruhigem Überlegen alles dessen, was ich in den letzten zwei Ta gen erlebt habe, drängt sich mir die Frage auf: «Wie kommt das alles so?» Ohne mein Zutun erhalte ich telefonische und schriftliche Einladung zum Beiwohnen und Teilnehmen an einem Akte, von dem ich nichts wusste, aber ahnte, dass es sich hier um etwas sehr Hohes, Erhabenes handelt, und das ich im Grunde meiner Seele wünschte.
Die Einladung macht auf mich den Eindruck, als sei sie wirklich an mich, Adolf Messmer gerichtet und sei ein Irrtum ausgeschlossen.
Von dem im beiliegenden Briefe der Frau Doktor Grosheintz erwähnten Schreiben, respektive dessen Inhalt, das von Fräulein von Sivers an mich nach Rorschach gesandt wurde, habe ich, weil noch nicht erhalten, keine Kenntnis.
Wohl ahnend, aber ohne zu wissen, was sich jetzt zutragen werde, empfängt man mich im Lokale wie einen Eingeladenen, also bin ich nicht im Irrtum gewesen.
Von einer intimeren Verbindung als «E.S.» hatte ich keine Ahnung, und die «M.E.» ist für mich neu.
Die uns Aufnahmesuchenden, wenn ich mich wirklich zu diesen zählen darf, von unserem hochgeschätzten Lehrer und Meister gestellten drei Fragen beantworte ich so gut ich kann folgendermaßen:
I. Ich glaube von ganzem Herzen an Gott den Vater, an Gott den Sohn und an Gott den Heiligen Geist.
II. Ich erwarte von den Meistern und Wissenden, dass sie mir nach Erkenntnis und Wahrheit-Verlangendem, so viel davon zukommen und erfahren lassen, als ich nach dem Grade meiner Entwicklung fassen kann, aber auch nur soviel, als ich nach dem Grade meines Charakters zum Wohle meiner Mitmenschen und mir selber verwende. Dadurch hoffe ich, ein kleines Werkzeug zu werden, durch welches mitgeholfen wird, Weltgedanken in Weltentaten umzusetzen.
III. Ich halte die Tatsache, dass mir eine solche Zukunft bevorsteht und dass ich Gelegenheit habe, in intimste Verbindung mit solchen Menschen zu kommen, für eine große Gnade und unverdientes, unaussprechliches Glück.
Demgemäß will ich alles mir Anvertraute so gut ich kann, wie es von mir erwartet wird, in Verschwiegenheit bewahren und mit meinen heiligsten Gefühlen umgeben. Ich will trachten, mit Hilfe der mir entgegengehaltenen Hand höher zu steigen und mein ganzes Tun und Denken wahrhaftig und ohne Falsch zu üben. Ich muss leider zugeben, dass ich mich noch sehr oft in Unwahrhaftigkeit ertappe, aber ich habe den ehrlichen Willen, wahr zu werden.
Ich habe mich nicht herzugedrängt. Ohne zu wissen wie, führte mich mein Schicksal in die gestrige Aufklärung für die Aufnahme-Begehrenden.
So Sie mich würdig und reif genug finden in die M.E. aufgenommen zu werden, so wird mich dies ungemein freuen, ist das Umgekehrte der Fall, so will ich gern bescheiden warten und arbeiten, dass ich doch einmal reif und würdig werde.
Im Gefühle aufrichtigster Dankbarkeit.
Adolf Messmer