Lessons for the Participants of Cognitive-Cultic Work 1906–1924

GA 265a

Brief Von Alexander Strakosch An Em. Bock

Strakosch Sanatorium Wiesneck 15.2.57

Buchenbach im Breisgau

Verehrter, lieber Herr Bock!

Aus der Tatsache, dass ich von Wiesneck aus schreibe, werden Sie schon schließen können, dass sich so manches ganz anders gefügt hat, als wir es erwartet haben. Wir sind am 31. Juli hierhergefahren, wohnten im sogenannten Landhaus, das für Reconvalescente eingerichtet ist, und hofften, uns bis Michaeli so weit zu kräftigen, dass wir dann unser normales Leben in Dornach würden wieder aufnehmen können. Doch noch im August hat Frau Strakosch einen gefährlichen Rückfall erlitten. Wir mussten plötzlich in das eigentliche Sanatorium übersiedeln, wo wir noch heute sind, dann auf Zeiten der Besserung folgten mehrmals Rückschläge. So konnte ich auch meinen beabsichtigten Besuch bei Ihnen in Stuttgart nicht ausführen. Im Dezember und Anfang Januar ging cs wieder wenig gut, doch gottlob wird Frau Strakosch in den letzten Wochen etwas kräftiger. Wir werden aber wohl noch einige Zeit hier bleiben müssen. Dass ich angesichts dieser Tatsachen noch etwas hergenommen bin, können Sie sich wohl vorstellen. - Wir hoffen, dass Sie sich damals im Schwarzwald richtig erholt haben und wünschen - wenn auch leider verspätet, doch dafür umso herzlicher - das Allerbeste für Ihre Gesundheit und Ihre Arbeit. Angesichts der tragischen Vorgänge in der Gesellschaft ist diese Ihre Arbeit jetzt von umso größerer Wichtigkeit. Ob die Freunde in Deutschland jetzt endlich erwachen und zu positiver Tat schreiten?

Und nun zum Thema der F.M. beziehungsweise M.Ac. - Dabei möchte ich in der Reihenfolge Ihres Briefes vorgehen.

Der 5. Grad war der der «Ritter vom Rosenkreuz». - Michael Bauer habe ich immer nur im vierten Grade geschen. In der M.Ae. gab es von Anfang an 9 (neun) Grade. Die Zahl von 33 Graden beruht — wie Rudolf Steiner mir sagte — darauf, dass die F. M. nicht occult richtig lesen konnten. Denn zwei Dreier 3 3 muss gelesen werden 3x3 = 9! Dadurch vereinfacht sich diese Frage. In der M.Ae. hießen die drei ersten Grade - symbolische Grade - (sie entsprachen meiner Anschauung nach) die «II. Klasse». - Bei der Aufnahme in diese Grade wurde auf die Frage des Schwellenhüters «Sind alle Bedingungen erfüllt?» aus dem Inneren geantwortet: «Der Groß-Meister hat Dispens erteilt.» - Vom 4. Grad aufwärts wussten wir, dass schon okkulte Fähigkeiten da sein mussten. Daher gab es nur wenige Angehörige dieser Grade. - Der 5. Grad hatte etwa 12; im 6. Grad war nur Marie Steiner. Es hieß Kadosch- oder Rächer-Grad.

Was Sie mit dem Übergang vom Schwarz zum Rot im Zusammenhang mit dem 5. Grad meinen, ist mir nicht klar. Ich habe nur bei jeder Ausübung des Rituales erlebt, wie bei einem bestimmten Wort des sogenannten «Rosenkreuzer-Schlusses» die schwarzen Vorhänge fielen und die Wände in Rot aufleuchteten.

Von einer Entsprechung der Grade der M.Ac. Mit denen der äußeren F. M. habe ich nie gehört, es dürfte auch nie die Rede davon gewesen sein, denn schon bald sagte Rudolf Steiner, nun stünden wir ganz auf eigenem Boden. (Dem Sinne nach, den Wortlaut erinnere ich nicht mehr.) Die Grade der FM. galten nicht in der M.Ac. Ich kannte Persönlichkeiten, die in der F. M. hohe Grade erreicht hatten, sie mussten in der M.Ae. von unten neu anfangen. Wir durften uns auch nicht gegenüber der F. M. als «Freimaurer» bezeichnen oder zu erkennen geben.

Es gab bei uns nur drei Altäre. Am Altar des Ostens stand immer Rudolf Steiner als «Meister»; zu seiner Linken auch immer Marie von Sivers. Die anderen Altäre waren mit Persönlichkeiten der jeweiligen Städte besetzt.

Von einem Übergang von Zirkel zu Richtmaß war bei mir nicht die Rede. Ich weiß nur, dass in der Formel, die vom 1. Grad an im Ritual gesprochen worden ist, nur die von den Brüdern der Vorzeit, der Gegenwart und der Zukunft handelt, es von dem Ersteren heißt: «Wir nehmen Zirkel und Richtmaß in unsere Hände ...»

Ich will die Hoffnung nicht aufgeben, dass ich doch einmal mit Ihnen über diese und andere Dinge werde sprechen können. In merkwürdiger Weise überschneiden sich in Frau Strakoschs und meinem Leben zwei Rhythmen. Wie Sie aus dem I. Band meiner «Lebenswege» ($. 35) wissen, hat mich Rudolf Steiner im März 1908 aufgefordert, für die Anthroposophie zu arbeiten, das sind 49 = 7 x 7 Jahre, und seit 33 Jahren vollzicht sich diese Arbeit innerhalb der Form, welche ihr Rudolf Steiner in der Weihnachtstagung gegeben hat.

Frau Strakosch und ich danken vielmals für Ihre lieben Wünsche und grüßen Sie allerherzlichst, stets Ihr

Alexander Strakosch

German original of Letter from Alexander Strakosch to Emil Bock · ← Previous · Next →