Zum Rosenkreuzerspruch

Vermutlich handelt es sich hier um eine Niederschrift von Rudolf Steiner, für die jedoch kein Original vorliegt. Text nach einer handgeschriebenen Vorlage mit dem Vermerk «F.M.»

Aus der Gottheit ist der Mensch herausgeboren. Es wirkten erhabene geistige Wesenheiten an seinem Bau, kosmische Kräfte waren es, und so wurde er aus dem Kosmos heraus gebaut, wuchs er aus dem Kosmos hervor.

Der erste Zustand der Entwickelung, in dem hingedeutet werden kann auf die Einwirkung jener kosmischen Kräfte, war derjenige, welcher alter Saturn-Zustand genannt wird. Da fingen diese Kräfte an, im Raume und in der Zeit zu arbeiten, so daß im Raume der alte Saturn entstand und die Entwickelung des alten Saturn sich in der Zeit vollzog. Es gab damals noch kein Sonnensystem mit Planeten, es gab nur einen Wärmekörper, umringt von den zwölf Zeichen des Tierkreises, die ihre Kräfte ergossen in diesen Wärmekörper, wie aus dem Umkreis in einen gemeinsamen Mittelpunkt hinein. Von diesem Mittelpunkte aus wirkten andere Kräfte ihnen entgegen, doch waren die hineinwirkenden Kräfte stärker, und dadurch entstand die Neigung nach dem Zentripetalen in dieser Entwickelung. Wenn die heutigen Mineralien auf unserer Erde so betrachtet werden, wie sie sich geistig ausnehmen, so kann dieselbe Wirkung dabei gefunden werden, nur hat man es da mit der festen Erdenmaterie zu tun. Aus Weltenfernen herankommend von verschiedenen Seiten wirken geistige Kräfte ein auf einen gemeinsamen Punkt im Raume, und es entsteht in diesem Mittelpunkte der Stein oder das Mineral. Aus diesem Punkte kommen Kräfte dieser Wirkung entgegen, aber die einströmenden Kräfte sind am stärksten. So entstand damals durch die Einwirkung der zwölf Sternbilder aus der Umgebung auf einen Punkt im Raume die erste Verkörperung der heutigen Erde als Wärmekugel, als der alte Saturn. Weil diese nach dem Mittelpunkte zu wirkenden Kräfte überragend waren, entstand weitere Verdichtung und eine Art Zerteilung. Es bildeten sich mehrere Punkte in dem einen Mittelpunkte während der weiteren Entwickelung, und so bestand endlich der ganze Planet aus lauter solchen Kraftpunkten, welche durch die Wirkung der kosmischen Kräfte oder geistigen Wesen im Kosmos entstanden waren. In diesen Mittelpunkten selber wirkten wiederum geistige Wesen, sie belebten diese und bildeten sie so aus, daß sie in der Anlage dasjenige sein konnten, was später zum Menschen wurde. Da wurde schon der Mensch begabt mit den Kräften, welche in der Zukunft weiter wirkend ihm den physischen Leib geben konnten, den er heute als selbstbewußter Erdenmensch bewohnt. Da empfing er auch die Anlage zu dem, was er sich durch eigene Kraft später als Geistesmensch ausbilden wird. Es wurde damals auf dem alten Saturn der Keim gelegt zum Leben im Physischen und im Geiste, es wurde ein physischer und ein geistiger Mittelpunkt für das menschliche Wesen veranlagt. Als diese Entwickelung bis zu einem gewissen Punkte fortgeschritten war, da zogen sich die geistigen Kräfte in ihrer Wirkung zurück, es trat eine Art Planetennacht, ein Ruhezustand ein, und.als der nächste Tag da war, trat die Erde hervor in ihrer neuen Verkörperung als alte Sonne.

Es ging die Entwickelung weiter. Anknüpfend an den vorhergehenden Saturnzustand wiederholte sich alles unter andern Bedingungen, dann trat Neues hinzu. Die Mittelpunkte, welche damals auf dem alten Saturn entstanden waren, kamen in dem alten Sonnenzustand wieder heraus. Durch die immer noch wirkenden zentripetalen Kräfte war die alte Sonne als Himmelskörper mehr zusammengedrängt wie der alte Saturn. Sie hatte sich mehr verdichtet und war auch räumlich weniger ausgebreitet. Als physisches Zentrum brauchte sie ihre Kräfte nicht so in den Raum auszugießen, sie konnte sich mehr zusammennehmen und etwas für sich behalten als eigene innere Kraft ihres Wesens. Diese konnte sie so offenbaren, daß sie der Einwirkung des Tierkreises etwas entgegenschicken konnte, das aus ihr selber herauskam in dem Lichte, welches sie ausstrahlte in ihre Umgebung. Gerade durch die Verdichtung in bezug auf das Physische war die Möglichkeit da, etwas von sich abzugeben, das geistig wirkte. So war es auch mit den einzelnen Mittelpunkten auf der alten Sonne. Durch eigene Kraft konnten sie etwas von sich ausstrahlen, es wurde möglich eine Ausbreitung ihres Wesens in die Umgebung, welche als Wachstum im Lichte bezeichnet werden kann. In unserer heutigen Erdenentwickelung ist eine ähnliche Kraft wirksam im Pflanzenreiche, nur geht es da vor [sich] in dichter Erdenmaterie. So wie die heutigen Pflanzen aus ihren Samen herauswachsen dem Sonnenlichte entgegen, so entstand auf der alten Sonne ein Wachsen, ein Sichausbreiten und ein Hervorgehen im Lichte aus den Mittelpunkten in die Umwelt. Nicht nur wirkten auf der alten Sonne aus der Umgebung ein die Kräfte der zwölf Sternbilder, sondern sie selber sandte diesen Kräften etwas entgegen in dem ausstrahlenden Lichte. Und es wuchsen aus ihr heraus in der Anlage diejenigen Planeten, die wir heute unter anderen Bedingungen in unserem physischen Sonnensystem kennen. So wie sich aus dem weißen Lichte offenbaren können die sieben Farben durch eine Strahlenbrechung, so gliederten sich damals, in der Anlage, als strahlende Lichtpunkte in dem Sonnenlichte selber, diese Planeten heraus.

Es wirkten wiederum in den Mittelpunkten geistige Wesen und bildeten diese so aus, daß sie die Anlage wurden zu dem, was der Mensch heute kennt als seinen Lebensleib oder Ätherleib. Es wurde dem Menschen auch die Anlage gegeben zu dem, was er später sich selber als Lebensgeist aneignen wird. Das Prinzip des Wachstums, der Ausbreitung, wurde sowohl in dem physischen wie im geistigen Mittelpunkt des menschlichen Wesens entwickelt während der alten Sonnenentwickelung, denn so wie der Ätherleib die Möglichkeit gibt des Wachstums für den physischen Leib, so ist mit dem Lebensgeist bezeichnet dasjenige, was der Umkreis, die Umgebung des geistigen Mittelpunktes des Geistesmenschen genannt werden kann, in der er sich offenbart.

Es wirkte die zentripetale Kraft, die in der Saturnentwickelung tätig war, in dem alten Sonnenzustand weiter fort. Dadurch entstand die Verdichtung, so daß die Wärmekugel zu einer Gaskugel geworden war. Durch diese Kraft zerteilten sich auch die Lebewesen und wurden verschieden voneinander. Durch die zentrifugale Kraft aber strahlte die Sonne aus und waren auch die Lebewesen imstande, aus ihrer bestimmten Form zu treten, zu wachsen.

Nachdem diese Entwickelung einige Zeit vorgegangen war, kam wiederum eine Ruhepause, indem die kosmischen Kräfte sich zurückzogen in ihrer Tätigkeit. Dann trat die Erde aus der Weltennacht hervor in ihrer neuen Verkörperung als alter Mond und es wiederholte sich dasjenige, was in den zwei vorhergehenden Entwickelungszuständen dagewesen war, unter anderen Bedingungen. Die Verfestigung, das Zusammenziehen des Weltenkörpers und der einzelnen Mittelpunkte oder Leiber der Lebewesen ging immer weiter, und dadurch wurde eine stärkere Offenbarung von inneren Kräften möglich. Die zentripetalen und die zentrifugalen Kräfte wirkten beide und suchten zu einem Vergleich zu kommen. Dadurch entstanden mächtige Schwingungen. An der einen Seite zeigte sich die Wirkung der zentripetalen Kraft in der Verdichtung des alten Mondes und in den immer mehr sich von der Umwelt abtrennenden einzelnen Mittelpunkten. An der anderen Seite fand die zentrifugale Kraft Ausdruck in der Möglichkeit, immer mehr geistige Kräfte von den Mittelpunkten heraus in die Umwelt zu offenbaren. Es wirkten diese beiden Kräfte so, daß sie während der Entwickelung des alten Mondes zu einer Krisis führten. Es trat im Weltenkörper eine Art Spaltung ein. Ein Teil des alten Mondes, in dem die zentrifugalen Kräfte insbesondere ihren Einfluß ausübten, trennte sich von dem andern Teil ab, in dem die zentripetalen Kräfte insbesondere tätig blieben. Es entstand dadurch ein Weltenkörper, der seine Kräfte insbesondere nach außen sandte und sich in der Umwelt offenbarte, in seiner geistigen Kraft als Licht ausstrahlend, als Sonne, und ein anderer Weltenkörper, der weiterer Verdichtung ausgesetzt war, und auf welchem sich die weitere Entwickelung derjenigen Lebewesen abspielte, die später zu Erdenmenschen wurden, als alter Mond.

Durch dieses Zusammenziehen wurden die Leiber der Lebewesen immer dichter und mehr auf sich selber angewiesen und [es] entstand auch die Möglichkeit, stärkere innere Kräfte zu offenbaren. Dadurch konnte in den Lebewesen nachklingen dasjenige, was von außen auf sie einwirkte, sie konnten das in gewisser Weise beantworten. Es entstand dann ein Ton, der aus dem Innern der Wesen hervorklang und eine Wiederholung war des Tones, der aus der Umwelt an sie herankam. Der alte Mond war durch die weitere Verdichtung zu einer wässerigen Kugel geworden und die Leiber der Lebewesen hatten sich ebenso verdichtet. Von der Sonne aus strahlte dem Monde immerfort Licht zu, und diejenigen Kräfte, welche nach Vergeistigung und Verfeinerung der Materie strebten, waren darinnen enthalten. In dem feineren Teil des alten Mondes, der sich als Sonne herausgetrennt hatte, waren geistige [Kräfte] mitgegangen und sie ließen den gröberen Teil zurück. Von außen wirkte dieses Geistige auf den nach Verdichtung strebenden Teil und strahlte Licht und Leben hinein. Der gröbere Teil drehte sich als alter Mond um diese Lichtquelle herum. So war es auch mit den einzelnen Mittelpunkten auf dem alten Monde. Bei der Trennung war der Teil, der sich weiter vergeistigen sollte und insbesondere die zentrifugale Kraft in sich entwickelte, mit der Sonne gegangen, und der Teil, der sich weiter verdichten sollte und die zentripetale Kraft in sich ausbildete, blieb mit dem alten Monde und verdichtete sich zum wässerigen Zustande. Die Leiber der Lebewesen waren auf dem alten Monde, das Geistige, wodurch sie belebt wurden, befand sich außerhalb dieser Leiber auf der Sonne und strahlte sein Licht von da aus in diese Leiber hinein. Im Tierreiche, so wie es sich in der Erdenentwickelung heute offenbart, ist etwas zu finden, das dieser Wirkung entspricht, nur ist es den Erdenverhältnissen angepaßt. Beim Tiere ist das eigentlich Geistige, welches den physischen Körper des Tieres belebt, nicht im Tiere selber zu finden. Es gibt einen geistigen Mittelpunkt außerhalb der Tierformen, von dem heraus das Leben in die Tiere hineingestrahlt wird. Auf der heutigen Erde ist es so, daß eine ganze Tiergattung durch ein gemeinsames Geistiges belebt wird, auf die Weise, daß man sich dieses Geistige denken kann als Mittelpunkt und die Tiergattung als Umkreis, welcher diesen Punkt umgibt und von da aus Leben erhält. So umkreiste der alte Mond seine Sonne und wurde von diesem geistigen Mittelpunkte aus belebt. Dadurch, daß diese geistigen Kräfte sich von dem Monde getrennt hatten und von außen hereinwirkten, indem der Mond sich um die Sonne drehte, entstand während der Mondenentwickelung Bewegung und diese machte sich auch geltend für die einzelnen Mittelpunkte. Geistige Wesen bildeten diese wiederum so aus, daß sie fähig wurden, in Anlage dasjenige zu sein, das der Mensch heute als seinen Astralleib kennt. Im menschlichen Astralleibe sind in fortwährender Bewegung die Empfindungen und Gefühle, welche durch die Umwelt in ihm angeregt werden. Mit diesen Gefühlen und Empfindungen beantwortet er den Ton, der aus der Außenwelt zu ihm kommt. Es wurde auch während der Mondenentwickelung geistig in ihm veranlagt dasjenige Glied, wodurch möglich wird geistiges Verständnis, das Mittönen im Geiste mit der Weltenweisheit, so daß der Mensch sich mit dieser verbunden fühlt. So wie der Mensch den Strom der auf- und abwogenden Empfindungen durch seinen Astralleib fließen läßt, ihn in sich aufhält und etwas entgegenschickt, so daß er dadurch bewußt reagieren kann, so strömt das Licht der Weltenweisheit in sein Geistselbst hinein, und ist es ihm möglich, dieses Licht in sich aufzunehmen und bewußt zurückzustrahlen. Dadurch, daß der alte Mond sich als Weltenkörper gespaltet hatte, so daß es zwei Weltenkörper gab, die sich gegenseitig beeinflußten, entstand Bewegung und damit bewußtes Empfinden. Die Einwirkungen gingen von dem einen Weltenkörper zum andern. Die Wirkungen der Sonne auf den Mond wurden da empfunden als von außen herankommende Kräfte, und so war es auch mit den Mondenwirkungen, die nach der Sonne gingen. Da, wo die Sonnenkräfte sich mit den Mondenkräften trafen, wurde ein bewußtes Erleben hervorgerufen. Da trat eine Art Stauung ein, und es entstand eine Grenze, wo die einströmende Kraft sich mit der ihr entgegenkommenden Kraft traf. Da war für jedes Lebewesen auf dem Monde die Begrenzung des Feldes, in welchem es etwas bewußt erleben konnte, da hörte die Möglichkeit auf, seine Kräfte weiter nach außen zu offenbaren, da kam es den einströmenden Kräften entgegen mit seiner eigenen Kraft. Bewußtsein hatten die Lebewesen, welche später auf Erden zu Menschen wurden, während der alten Mondenentwickelung; Selbstbewußtsein hatten sie noch nicht, denn sie lebten noch ganz in der Umwelt mit. Sie hatten kein eigenes Erleben und konnten nur in sich nachklingen lassen dasjenige, was sich ihnen aus der Außenwelt offenbarte.

Als die Mondenentwickelung zu einer gewissen Reife gekommen war, zogen sich die geistigen Mächte, die das alles bewirkt hatten, zurück. Die Sonnen- und Mondenkräfte neutralisierten sich, die Sonne und der Mond hatten sich allmählich wieder vereinigt und es trat ein Ruhezustand ein. Dann ging die Erde als neuer Weltenkörper aus dieser Planetennacht hervor. Zunächst wiederholten sich die früheren Entwickelungszustände unter neuen Verhältnissen, es machte die Erde eine Zeit durch, wo sie in bezug auf das Physische ein Wärmekörper war wie damals der alte Saturn. Da bildeten sich wiederum die einzelnen Mittelpunkte allmählich heraus unter der Wirkung der zentripetalen Kraft. Dann kam eine Zeit, wo die Erde zur Gaskugel wurde und die zentrifugale Kraft Einfluß ausübte, wie damals auf der alten Sonne. Es fingen die Mittelpunkte wiederum an, von sich auszustrahlen; das war der Sonnenzustand auf Erden. Nachdem kam eine Wiederholung des Mondenzustandes auf Erden. Es trennte sich dann die Sonne von dem anderen Teil des Weltenkörpers ab und ließ die Erde, in welcher die Mondenkräfte geblieben waren, zurück. Es waren wiederum diejenigen Kräfte mit der Sonne gegangen, welche nach Vergeistigung strebten, sie strahlten von da aus Licht und Leben in den Weltenkörper hinein, der sich nun weiter verdichtete. Mit der Sonne gingen auch die Planeten, und es blieben nur die Mondenkräfte mit der Erde verbunden. In den einzelnen Mittelpunkten war es so, daß auch da ein nach Vergeistigung strebender Teil mit der Sonne gegangen war und von da aus seine Kraft ausstrahlte, indem der gröbere Teil auf Erden zurückblieb. Es trat dann ein Zustand ein, wo sich dasjenige wiederholte, was sich auf dem alten Monde abgespielt hatte. Immer mehr verdichteten sich die Erde und die Leiber der Lebewesen. Die zentripetalen Kräfte waren überragend. Dann aber trat eine neue Phase ein, welche dadurch entstand, daß in dieser Erdenentwickelung nicht bloß der alte Mond zurückgeblieben war, wie damals während der alten Mondenentwickelung, sondern daß eine neue Kraft, die eigentliche Erdenkraft hinzugekommen war. Diese Erdenkraft wirkte so, daß sie sich offenbarte als eine verbindende Kraft zwischen den Sonnen- und Mondenkräften, die sie beide in Harmonie und Gleichgewicht bringen konnte. Als die Verdichtung immer weiterging, weil bloß die Mondenkräfte noch mit der Erde verbunden waren, bewirkte diese Erdenkraft eine Art Ausgleich, indem sie sich von den Mondenkräften trennte. Mit diesen Kräften ließ die Erde den Mond zurück und blieb so für sich zwischen den beiden Kräften der Sonne und des Mondes, den nach Vergeistigung und den nach Verdichtung strebenden Impulsen. Von beiden wird sie beeinflußt, beide trägt sie in sich, durch ihre eigene Kraft hält sie sich die Waage. Es ist bei dem heutigen Erdenmenschen in seinem Ich eine ähnliche Kraft nachzuweisen, denn so wie die Erde der Vermittler ist zwischen Sonnen- und Mondenkräften, so ist das Ich im Menschen das Bindeglied zwischen dem Geistigen und dem Materiellen, wodurch beide sich in ihm vereinigen können. Die Erde ist auch so gestellt im Weltenraume, daß sich um sie bewegt der Mond mit seinem erstarrenden Einfluß, und die Sonne, aus welcher ihr das geistige Licht zuströmt. Wie von einer Hülle umschlossen ist die Erde durch die Mondenkräfte; die Sonnenkräfte kommen ihr zu aus einem ferneren Mittelpunkt, weit über dieser Hülle hinausliegend. So ist auch das menschliche Ich eingebettet in seinen Hüllen, von außen herein aber strahlt das geistige Licht aus Weltenfernen ihm zu.

In den zwei Kräften, welche während der Mondenentwickelung aufeinander einwirkten, war eine dritte Kraft tätig geworden, welche sich so offenbarte, daß sie in senkrechter Richtung auf die beiden andern einwirkte. Dadurch entstand in der Bewegung im allgemeinen etwas Neues, das als Eigenbewegung bezeichnet werden kann. In der Erdenentwickelung kann der physische Ausdruck davon gefunden werden in der Rotation der Erde um ihre eigene Achse. Auf dem alten Monde riefen die beiden Kräfte, da wo sie sich trafen, eine Art Bewußtsein hervor durch die Stauung. Jetzt entstand durch ihr Zusammentreffen mit dieser dritten Kraft eine doppelte Stauung und dadurch wurde das allgemeine Bewußtsein beschränkt und abgeschlossen, so daß es auf sich selber angewiesen wird. Dadurch kann es sich vertiefen zum Selbstbewußtsein, indem es sich selber erfassen kann, so daß der Keim gelegt wird zum Ich-Bewußtsein. Dieselben Kräfte wirkten ein auf die Leiber der Lebewesen und es wurde dann ein jeder dieser Leiber mehr auf sich selber angewiesen. Sie bekamen eine Bewegung für sich, so wie die Erde sie hatte, und gerade durch diese Bewegung entstand weitere Verfestigung. Die Leiber wurden mehr in sich abgeschlossen, so daß ein eigenes Innenleben innerhalb dieser Leiber möglich wurde. Die weitere Verdichtung der Leiber wurde nicht mehr bloß durch die Mondenkräfte veranlaßt wie vorher, sondern durch Eigenbewegung, durch die Erdenkräfte selber, und diese Erdenkräfte waren die Summe von alledem, was vorangegangen war in den drei früheren Entwickelungsstadien und sich umgewandelt hatte in den vierten, den eigentlichen Erdenzustand.

Wiederum waren es geistige Wesenheiten, die dem Menschen dieses Selbstbewußtsein ermöglichten, indem sie während der Erdenentwickelung so wirkten, daß sie ihm die Anlage zum Ich-Bewußtsein geben konnten, auf daß der Mensch lernen konnte, zu sich «ich» zu sagen. Den physischen Mittelpunkt (oder Leib) auf Erden bewohnte der Mensch selber, und unter Führung der höheren Wesen wurde dieser allmählich ausgebildet zu dem physischen Menschenleib, so wie er sich heute ausnimmt. Die innere Kraft, welche die Anlage war zum Ich-Bewußtsein, konnte nur zur Entfaltung kommen in einem physischen Leibe, der, auf sich selbst stehend, abgetrennt war als Form von der Umwelt. Allmählich entwickelte sich der physische Menschenleib dahin; es wurde aber schon früher dem Menschen die Anlage zum Ich eingeprägt. Wie die Wärmekugel des alten Saturn sich verdichtete zur Gaskugel als alte Sonne, dann aber eigene geistige Kraft als Licht von sich ausstrahlen konnte im Weltenraume, und wie dann in der alten Mondenentwickelung weitere Verdichtung eintrat zum Wäßrigen, an der andern Seite auch Offenbarung der mehr inneren Kräfte möglich wurde in dem Tönen und in der Bewegung, so trat in der Erdenentwickelung auf eine weitere Verdichtung bis zum erdhaften Zustand und war dadurch möglich eine weitere Offenbarung von inneren Kräften, die sich zeigten als Leben, inneres eigenes Leben in dem Erdhaften. Auf dem alten Saturn war alles im dunkeln Wärmemeer enthalten, auf der alten Sonne strahlte alles im Lichte, auf dem alten Monde erbebte alles im Tönen und auf der Erde lebt alles ein eigenes inneres Leben.

Als die Wiederholung der früheren planetarischen Entwickelungszustände auftrat, da war die Erde zunächst in einem feurigen Zustande; der Mensch lebte in dem Elemente des Feuers und sein physischer Leib bestand ebenso aus diesem Elemente. Der Mensch entwickelte damals hauptsächlich seinen Willen und durch diesen konnte er jenes Element beeinflussen. Schon damals wurde ihm die Anlage zum Ich-Bewußtsein eingeprägt. Später umschwebte er die Erde im Elemente der Luft, da war sein Leib auch im gasförmigen Zustand; und es kam eine Zeit, wo er lebte im wasserdunstigen Nebel, da war auch sein Leib angemessen diesem Elemente des Wassers. Er bildete dazumal hauptsächlich die Gefühle aus und konnte so auf die Elemente einwirken. Während dieser Zeit lebte noch immer nicht das Ich des Menschen im physischen Leibe. Es befand sich außerhalb dieses Leibes, obwohl es damit verbunden war. Erst in der Zeit, welche die Nachatlantische genannt wird, war der physische Leib weiter verdichtet zum eigentlichen Erdenelemente und war es möglich geworden, daß das menschliche Ich im physischen Leibe wohnte. Erst da lebte der Mensch eigentlich auf der Erde. Dann konnte er hauptsächlich das Denken ausbilden und dadurch einwirken auf das Erdhafte selber.

So hat sich der Mensch entwickelt zu dem, was er heute ist. Aus der Gottheit ist er herausgeboren, im großen Weltengewebe ist er eingesponnen und alle Kräfte arbeiten dahin, daß er herausgebaut wurde aus dem großen Kosmos. Seinetwegen hat sich das ganze Sonnensystem geformt, hat es sich umgewandelt in die vier Phasen, die wir Verkörperungen der Erde nennen: als alter Saturn, alte Sonne, alter Mond und als Erde selber. Zahlreiche Wesen haben sich opfern müssen, auf daß er werden konnte. Der Mensch sieht einige dieser Wesen um sich herum verkörpert in den niederen Naturreichen auf Erden, andere empfindet er als Kräfte, die in seinem Innern wirken. Es mußten Wesen da sein, die durch die drei vorhergehenden Verkörperungen der Erde und auf der Erde selber immer noch die Saturnstufe wiederholten, andere Wesen mußte es geben, die während der Erdenentwickelung die Sonnenstufe, andere, die die Mondenstufe wiederholten, so daß sie wirken und leben können in dem Mineralreiche, dem Pflanzenreiche und dem Tierreiche auf Erden. So gibt es Wesen, die im menschlichen Innern wirken wie auf dem alten Monde, der alten Sonne und dem alten Saturn zurückgebliebene Wesen. Ebensowenig wie der Mensch auf der Erde physisch leben und sein könnte ohne die drei niederen Naturreiche, kann er sich als selbstbewußtes Ichwesen entwickeln ohne diese zurückgebliebenen Kräfte oder Wesen in seinem Innern. Der Mensch empfindet die Wirkung derjenigen Wesen, welche auf der Mondenstufe zurückblieben, in seinem Astralleibe als hemmende Kräfte, die sich äußern in Begierden und Affekten, welche niedriger Art sind und die auch im Tierreiche wirken. Die Wesen, welche auf der Sonnenstufe zurückblieben, wirken in seinem Ätherleibe als hemmende Kräfte, die ihn binden an Gewohnheiten und angeeignete Denkungsarten. In dieser Wirkung ist etwas von der pflanzlichen Art enthalten. Denn so wie die Pflanze in ihrem Wachsen immer neue Blätter ansetzt, immer dasselbe wiederholt bis da, wo durch das Astralische eine Änderung herbeigeführt wird in der Blüte, so wirken die Gewohnheiten und angenommenen Denkungsarten in einer fortwährenden Wiederholung immer weiter im Menschen fort, und etwas Neues muß auch da durch die Kräfte des Astralleibes, durch Gefühle und Empfindungen hervorgerufen werden. Die Wesen, welche auf der Saturnstufe zurückblieben und im menschlichen Innern wirken, ergießen ihre Kräfte in den physischen Leib als hemmende Kräfte, die Abtrennung von der Umwelt, ein Gefühl des für sich und auf sich selber Stehens bewirken. Dadurch wird der Mensch veranlaßt dazu, sich als einen persönlichen Mittelpunkt zu empfinden und angeregt, bloß für sich zu wollen, zu denken und zu fühlen, indem er seine Umwelt als Zweck dazu benützt. Eine Ähnlichkeit liegt da vor mit derjenigen Kraft, welche im Mineralreiche wirkt nach dem Mittelpunkte zu, wo sich dann durch Verfestigung das physische Mineral formt, denn es entsteht durch diese Kraft auch eine Verfestigung und Abgeschlossenheit im Menschen, indem sie ihn auf sich selbst zurückschleudert. So wie diese Kräfte damals wirkten auf dem alten Saturn, der alten Sonne und dem alten Mond, so wirken sie jetzt im Innern des Menschen und er trägt sie in sich als hemmende und zugleich fördernde Kräfte, wie sie auch die Erde in sich trägt.

Wenn der Mensch in der nachatlantischen Zeit anfängt, auf der Erde in seinem physischen Leibe zu leben mit seinem Ichbewußtsein, dann geht er von dem Zeitpunkte an bis in unsere Zeit hinein durch verschiedene Kulturperioden und in jeder dieser Kulturperioden macht er eine gewisse Entwickelung durch. So wird in der ersten Kultur, der altindischen, insbesondere gearbeitet am Ätherleibe, in der zweiten, der altpersischen Kultur, an dem Empfindungs- oder Astralleibe, in der dritten, der ägyptisch-chaldäischen Kultur, an der Empfindungsseele, und in der vierten, der griechisch-lateinischen Kultur, an der Verstandesseele des Menschen. Während dieser vierten Kulturperiode, als der Mensch am tiefsten in die Materie hinuntergesunken war, so daß sein Blick für die geistige Welt ganz verschlossen war, trat etwas ganz Besonderes auf, das bezeichnet werden muß als das größte, wichtigste Ereignis in der Erdenentwickelung.

Als die Sonne sich aus der Erde und dem Monde heraustrennte, da gingen mit ihr die nach Vergeistigung strebenden Kräfte [mit] und strahlten von da aus Licht und Leben in die Erde hinein. Es wurde dadurch aber der Erde etwas genommen, das zuerst mit ihr verbunden war. Die Entwickelung der Erde konnte ohne diese Kräfte und gerade weil diese von außen Licht und Leben hineinstrahlten bis zu einem gewissen Punkte vorgehen. So war es auch mit den Wesen, die auf Erden als Menschen lebten. Ein eigenes Innenleben konnten sie bis zu einem gewissen Grad in sich ausbilden, aber auch ihnen war ein Geistiges verlorengegangen mit der Sonnentrennung. Als der Mensch sich ausgebildet hatte zu dem, was er als Erdenmensch werden konnte, als er mit Hilfe der höheren Wesen seinen physischen Leib so aufgebaut hatte, daß er der Tempel werden konnte zu einem Göttlich-Geistigen, da stieg auch der Gott hernieder und bewohnte diesen Tempel. Die geistigen Kräfte der Sonne vereinigten sich wiederum mit der Erde und dadurch wurde auch der Menschheit die Möglichkeit gegeben zu einer weiteren Entwickelung im Geiste. Zahlreiche göttlich-geistige Wesen hatten sich geopfert, auf daß der Mensch werden konnte und sich entwickeln; es hatten viele kosmische Kräfte an ihm gebaut. Nun war der Zeitpunkt da, wo der Menschheit das größte Opfer gebracht werden sollte, wo das höchste geistige Wesen, der Gott selber, der sein geistiges Leben in den Sonnenkräften spiegelte, auf die Erde herniederstieg, um da in einem menschlichen Leibe zu leben und seine Kräfte in die Erde fließen zu lassen. Da wurden der Erde gegeben die Sonnenkräfte und allem, was auf Erden lebte, wurde ein Geistiges eingeprägt. Von einem selbstbewußten Erdenmenschen konnte der Mensch sich jetzt erheben zu einem selbstbewußten geistigen Wesen. Sein sterbliches Ich wurde zu einem unsterblichen Kern, welcher lebt im geistigen Sonnenlicht.

Es spielt sich bei der Entwickelung des einzelnen Menschen und der ganzen Menschheit etwas Ähnliches ab wie in der Erdenentwikkelung. Der Mensch geht nach der physischen Geburt durch eine Geburt seines Ätherleibes und seines Astralleibes, dann erst ist er unabhängig von seiner Umgebung und kann er das Ich weiter in sich entwickeln. Er bildet dann aus seine Empfindungsseele, seine Verstandesseele, in welcher das Ich insbesondere zum Ausdruck kommt, und seine Bewußtseinsseele, in der das Ich sich erhebt über sich selbst hinaus, das Geistselbst zu entwickeln. Gerade in der Zeit, wo die Menschheit die Verstandesseele ausbildet, in der griechisch-lateinischen Kulturperiode, jenes Glied, in welchem das Ich sich insbesondere ausleben kann, da erhält dieses Menschheits-Ich einen neuen geistigen Impuls, indem der Gott auf die Erde heruntersteigt und in der Mitte der Menschheit lebt. Dann erst konnte die Menschheit sich hinaufschwingen zum höheren geistigen Leben. Die Erdenmenschheit konnte sich über sich selbst erheben, es wurde dem Menschheits-Ich die Möglichkeit gegeben, sich zu einem göttlichen Ich zu entwickeln.

Wie der einzelne Mensch zunächst in bezug auf seinen physischen Leib geboren wird, später in bezug auf seinen Ätherleib und Astralleib und wie dann erst das Ich in ihm zur Geltung kommt, so wurde die Erde zunächst in bezug auf das Physische aus dem Kosmos heraus geboren als alter Saturn, dann ätherisch als alte Sonne, dann astralisch als alter Mond, und erst in dem Erdenzustand, da konnte die Ich-Entwickelung vor sich gehen. So kann gedacht werden der alte Saturn als Ausdruck der Geburt des kosmischen Menschen, des Makrokosmos auf dem physischen Plan, die Sonnenentwickelung als die Periode, während der im Makrokosmos der Ätherleib ausgebildet wird, die Mondenentwickelung als die Ausbildung des Astralleibes, und die Erde als die Entwickelungsperiode des gewaltigen, mächtigen Welten-Ich. In der Mitte dieser Entwickelung steigt das kosmische höhere Ich aus geistigen Sphären hernieder und verbindet sich mit der weiteren Erdenentwickelung. Es senkt sich der Geist des Makrokosmos hernieder in das Welten-Ich.

So wird die kosmische Entwickelung im Menschen gespiegelt und findet in ihm ihren Ausdruck. Erst auf Erden ist er aus dem Kosmos herausgeboren als selbstbewußtes Wesen und es liegt in seiner weiteren Entwickelung, daß er den geistigen Impuls verstehen lerne, welcher ihm gegeben ist, auf daß er in seinem Innern nachleben könne, was der Weltengeist der Menschheit vorgelebt hat auf Erden.

Wie die Blüte aus der Menschheitspflanze öffnete sich eine menschliche Individualität dem geistigen Sonnenlichte, lange bevor diese Sonnenkräfte sich wiederum mit der Erde verbunden hatten. Sie wußte dadurch, welch großes Ereignis der Erdenentwickelung bevorstand und wie es herbeigeführt werden sollte durch einen Vermittler, der, aus der Menschheit herausgewachsen, sich hingeben würde dem Sonnenlichte mit seinem ganzen Wesen, so daß es ihn völlig ergreifen konnte. Sein eigenes Wesen sollte er hinopfern, auf daß das erhabene Sonnenwesen sich in ihm offenbare auf Erden. Als Samen barg jene Individualität dieses Wissen in seinem Innern. Und als die Zeit gekommen war, da wuchs aus der Menschheit heraus dem Sonnengeiste entgegen, wie eine lebendige Blüte, ein menschliches Wesen. Es konnte in sich aufnehmen die geistigen Sonnenkräfte, indem es seine drei Leibeshüllen dem großen Geiste opferte, so daß er sich hinuntersenken konnte und in einem Menschenleibe leben auf der Erde. Wie die Pflanze nach der Befruchtung anfängt abzusterben, so war jener Leib dem Tode gewidmet, als sich dieses Ereignis vollzog. Und als auf Golgatha das Blut floß aus den Wunden dieses Leibes, da senkte sich der Samen jener Blüte in die Erde hinein als ein neuer Impuls zum geistigen Leben, der sich weiter in der Menschheit entwickeln sollte. So wurde in jeden Menschen dieser Impuls gelegt wie ein geistiger Keim, welcher in ihm weiter zur Entfaltung kommt, wenn die menschliche Seele angeregt wird, durch neue Empfindungen und Gefühle aus sich heraus eine Blüte hervorwachsen zu lassen, welche befruchtet werden kann von dem geistigen Sonnenlichte. Es vollzieht sich geistig derselbe Prozeß in der Seele, welcher mit der physischen Pflanzenform vor sich geht, wenn die Pflanze in einer Art Schamgefühl sich in sich selber zurückzieht und anfängt zu welken. So empfindet auch die menschliche Seele, in die sich das Geisteslicht gesenkt hat, in tiefem Schamgefühl ihre eigene Unvollkommenheit, und diese Empfindung gibt ihr die Veranlassung dazu, in das eigene Innere einzukehren. Wenn der Mensch einmal dieses Geisteslicht in seiner Seele empfunden hat, so leuchtet es in sein Inneres hinein und er lernt sich dadurch schauen, so wie er in Wirklichkeit ist. Dann geht er den Weg, den er sonst gehen muß, wenn er seine Leibeshüllen beim Tode verläßt. Er taucht unter in diese Hüllen, als persönlicher Mensch fängt er an, abzusterben. Der Mensch stirbt als einzelne Persönlichkeit und lebt sich allmählich hinein in das große Weltenwesen. So kann er sagen: «In dem Christus sterbe ich». Mit dem neuen geistigen Impuls steigt der Mensch zunächst hinein in seinen Astralleib. Da kommen ihm entgegen diejenigen Wesen, welche da wirken als auf der Mondenstufe zurückgebliebene Wesen, sie zeigen sich in allen Gefühlen, Impulsen und Empfindungen, welche niederer Art sind. Sie stehen eine Stufe unter der Ich-Entwickelung, indem sie der Mondenentwickelung angehören. Daher sind sie auch nicht durchdrungen von der bewußten Ich-Kraft und sind tierischer Art. Alles, was im menschlichen Astralleibe wirkt als unterbewußte, ungezügelte Gefühle und Empfindungen, findet er da als eine Welt, die sich ihm wie eine Außenwelt darstellt. Indem er sich so seiner eigenen Innenwelt bewußt gegenüberstellt, erlangt er die Macht, diese Wesen zu überwinden, sie aus seinem Innern zu erlösen und allmählich umzugestalten. Tiefer noch steigt der Mensch in sein Inneres, in den Ätherleib hinein. Da findet er vor eine Welt, die er sich gebildet hat durch seine Denkungsart in bezug auf dasjenige, was er sich angeeignet hat aus seiner Umgebung an Traditionen und Gewohnheiten. Da wirken im Ätherleibe Wesen, die auf der Sonnenstufe zurückgeblieben sind, sie hemmen seine Entwickelung in bezug auf bewußtes freies und selbständiges Denken. Auch diese wird er allmählich erlösen und umgestalten zu weisheitsvollen Lichtwesen durch den geistigen Impuls, welchen er bekommen hat. Steigt der Mensch dann weiter hinein in seinen physischen Leib, so findet er vor eine ganze Welt von Kräften, die da wirken in seinem Wollen als auf der Saturnstufe zurückgebliebene Wesen. Sie verfestigen seinen Willen in bezug auf das Persönliche und lenken diesen nach dem persönlichen Mittelpunkt zu. Auch diese Wesen kann er erlösen durch das Geisteslicht, welches in sein Inneres einströmt aus einem Mittelpunkte, der außerhalb seiner Persönlichkeit liegt und mit dem er sich doch innig verbunden fühlt. So erlebt sich der Mensch in seinen Leibeshüllen zunächst als dasjenige Wesen, zu dem er sich bis dahin entwickelt hat. Ein neuer Mittelpunkt ist für ihn entstanden, von dem heraus er sich selber anschauen kann. Er weiß, daß die Entwickelung jener drei Leibeshüllen, in die er hinuntersteigen mußte, früheren Entwickelungszuständen der Erde angehört, und daß er deshalb in seiner Seele auch diejenige Kraft vorfinden muß, welche während der Erdenentwickelung insbesondere ausgebildet werden soll und in der Seele veranlagt wurde. Diese Kraft ist es, welche ihn zu einem selbstbewußten Ich-Wesen macht, so daß er in sich selber bewußt hinuntersteigen kann. Es entwickelt sich der Pflanzensamen allmählich in der Pflanzenform und reift heran zu einem selbständigen eigenen Sein innerhalb dieser Form. Der Mensch schreitet bei lebendigem Leibe durch die Pforte des Todes, indem er sich unabhängig macht von seinen Leibeshüllen. Dann findet er in seinem Innern den geistigen Keim, welcher durch den Christus-Impuls in seine Seele gelegt worden ist. Es leuchtet ihm aus seiner eigenen Wesenheit das Christus-Licht entgegen, und wie das reife Samenkorn sich in die Erde hineinversenkt, nachdem die Pflanze abgestorben ist, so fällt dieser geistige Keim aus der engen Persönlichkeit heraus und versenkt sich in das große Weltenlicht. Dann leuchtet aus dem Innern der Erde heraus dem Menschen entgegen dasjenige Licht, das seit dem Ereignis auf Golgatha sich mit der Erde verbunden hat. Dann kann er sich sagen: In dem Christus sterbe ich, wiedergeboren aber werde ich zum umfassenderen Dasein. - Und er empfindet und erlebt in sich die Bedeutung der Worte: Wer das Leben verlieren wird um meinetwillen, der wird es behalten.

So wie der Mensch aus dem Makrokosmos herausgeboren ist als Mikrokosmos, als selbstbewußtes Ich-Wesen, so geht er den Weg wiederum zurück, indem er sich mit seinem Ich-Bewußtsein allmählich wieder in den Makrokosmos hineinlebt. Die geistigen Mächte haben sich allmählich vom Menschen zurückgezogen, nachdem sie ihm alle ihre Opfergaben gebracht hatten, auf daß er nun selber seinen Weg finde zum geistigen Aufstieg, so daß er sich bewußt und freiwillig wiederum in das Geistige einleben soll.

Der Mensch erlebt diese geistigen Wesen zunächst, indem er sich innig verbunden fühlt mit der großen Erdenmutter, aus der er herausgeboren ist als einzelner Mensch, der er aber angehört und mit der er viel inniger verbunden war während der früheren Entwickelungszustände. Diese Zustände erlebt er als die Entwickelung des alten Saturn, der alten Sonne und des alten Mondes. Der Mensch steigt in sein eigenes Inneres hinunter und erlebt da die Wesen, welche wirken in seinen drei Hüllen: in seinem Astralleibe, Ätherleibe und physischem Leibe, dann findet er den eigentlichen Mittelpunkt seines eigenen Wesens, da strahlt ihm das Christus-Licht entgegen. Dann auch steigt er hinein in diejenigen Zustände der Erdenentwickelung, wo ausgebildet wurden die drei Hüllen, welche sind der Astralleib, Ätherleib und physische Leib der Erde und erlebt da die geistigen Wesen, welche mit dieser Entwickelung zusammenhängen und ihre Kräfte da hineinströmen. Dann schreitet die menschliche Seele weiter fort und erlebt diejenige geistige Kraft, welche sich hineinversenkt hat während der Erdenentwickelung in die Erde als das Christus-Licht.

Wie ein gewaltiges Tableau nimmt sich aus diese ganze kosmische Entwickelung, in die der Mensch mit einverwoben ist. Es spielt sich alles um ihn ab, es lebt und webt in ihm selber diese ganze Entwickelung. Wie ein Brennpunkt, in dem sich die Wesen und Kräfte treffen, welche in jener Entwickelung tätig sind, kommt er sich selber vor. Die Kräfte strömen in ihn ein und aus, er selber ist das Produkt jener Kräfte. In diesen Wirkungen findet er ein festes Zentrum, wie einen innerlichen Mittelpunkt, um den sich alles gruppiert, und dieser Mittelpunkt ist die Christus-Wesenheit, das Zentrum der makrokosmischen und mikrokosmischen Entwickelung. Wie ein neuer Mittelpunkt, von dem alles ausfließt, zu dem alles hinströmt, strahlt ihm entgegen der Quell alles Lebens, aller Entwickelung, als der göttliche Geist, der hinter allen Dingen steht, der da wirkte, bevor die Dinge waren. Und so wie er sich als Erdenmensch eingebettet fühlt in der Erdenentwickelung, so erkennt er sich als geistiges Wesen in diesem göttlichen Urquell alles Lebens. Im Innern der Seele lebt die Christus-Kraft, in dem selbstbewußten geistigen Kern in der Ich-Kraft. Über die Leibeshüllen hinaus lebt sie sich dar als der Geist aller Dinge, der Heilige Geist, als eine höhere Ich-Kraft, die das wahre unvergängliche Zentrum alles Seins ist.

Wenn der Mensch sich so erkennt als ein geistiges Wesen in diesem Allgeist, so kann er empfinden die Bedeutung der Worte aus dem Rosenkreuzerspruch: «In dem Heiligen Geist werde ich wiedergeboren», denn als neues Wesen steht er da seinem früheren Menschen gegenüber, ein Wesen, das zunächst sich aneignen muß die Eigenschaften und Fähigkeiten, welche es braucht in diesem geistigen Leben, so wie ein Kind lernen muß, seine leiblichen Organe zu benützen in der physischen Welt. Und wiederum muß dieses geistige Wesen in sich erleben die drei geistigen Kräfte, die sich in der kosmischen Entwickelung offenbaren als Fühlen, Denken, Wollen, als Liebe, Weisheit, Kraft. Denn wie das Kind zunächst lernt zu stehen und zu gehen, so muß der Mensch lernen, Richtung und Weg zu finden in der geistigen Welt. Dieses kann nur angeeignet werden mit dem Gefühl, indem er sich allem liebevoll gegenüberstellt. Dann muß er lernen, die Wahrheit zu erkennen, dadurch, daß er die Weltenweisheit, die in ihm ertönt, verstehen lernt, die Laute aus der geistigen Welt in sich erklingen läßt und ihre Bedeutung ahnt, so wie das Kind die Sprache verstehen lernt. Dann lernt er allmählich erkennen das wahre Leben im Geiste, indem er in sich selber ein Zentrum erlebt, von dem seine eigenen Willens- und Lebensimpulse ausgehen, so daß er selber sich offenbaren kann in dem Sprechen und in seinem Wesen. Daher spricht der Christus Jesus die Worte: «Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben. Niemand kommt zum Vater denn durch mich.» Niemand kann durchdringen zu dem wahren geistigen Ursprung alles Seins, zu dem Vater, wenn er nicht diese drei Kräfte sich in seinem Geiste ausgebildet hat und sie in der richtigen Art verbindet.

Es stellt sich die Entwickelung des Menschen in demjenigen Symbolum dar, welches gehört zu dem tief bedeutsamen Rosenkreuzerspruch, in dem schwarzen Kreuz mit den roten Rosen. Es empfindet der Mensch dieses Symbolum als etwas Lebendiges, in welchem leben und weben die geistigen Kräfte, die ihn aufgebaut haben so, wie er aus der Gottheit herausgeboren ist. Dann aber weiß er, daß weitere Entwickelung seiner Seele möglich ist durch Anstrengung seiner eigenen Kräfte. Er weiß, daß nicht nur sein Blut rein werden soll wie der rote Pflanzensaft der Rosen, daß auch das schwarze Kreuz sich umwandeln muß, indem er seine Hüllennatur läutert und über das bloß Persönliche hinauswächst, wenn er sich hingibt an etwas unendlich Größeres. Dann stirbt er in dem Christus, und vor seiner Seele verwandelt sich das dunkle, schwarze Kreuz in ein leuchtendes, strahlendes Kreuz. Die roten Rosen erweitern sich zu einem unendlichen Kreise, wenn die Seele sich immer mehr in den Makrokosmos einlebt, bis sie sich selber als dieser Kreis empfindet. Im allumfassenden Makrokosmos erlebt sich dann der Mensch in einem neuen Dasein.

Dann, auf geheimnisvolle Weise, verwandeln sich die Farben des Symbolums, die Rosen zeigen sich grün, das Kreuz weiß. Ahnen kann die Seele nur die volle Bedeutung, indem sie empfindet die Kraft, welche ihr entgegenströmt. Wie aus höheren Geistessphären ihr entgegenstrahlend schaut und erkennt die Seele dieses heilige Symbol. Streng und kraftvoll zeigt es sich als eine Aufforderung zur stetigen Arbeit, damit einmal erreicht werde das große Ideal, welches ein jeder einzelne Mensch verwirklichen kann, wenn er wiedergeboren wird in dem heiligen Geist.

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