Mantrische Sprüche Für Anthroposophische Arbeitszusammenhänge
Für Bauten
Für Arbeitsgruppen und Zweige der Gesellschaft
Für Lehrer, Mediziner und Priester
Signatur der Rosenkreuzerschule
Ex Deo nascimur
In Christo morimur
Per Spiritum Sanctum reviviscimus
München, Mai 1907
Aus Gott bin ich geboren
In Christo sterbe ich
Durch den heiligen Geist auferstehe ich
Malsch, April 1909
Aus Gottessein erstand die Menschenseele
Sie kann in Wesensgründe sterbend tauchen
Sie wird dem Tod dereinst den Geist entbinden
München, August 1911
Aus dem Göttlichen weset die Menschheit
In dem Christus wird Leben der Tod
In des Geistes Weltgedanken erwachet die Seele
Dornach, Januar 1924
Die vier Sprüche der Säulenweisheit
J
Im reinen Gedanken findest du
Das Selbst, das sich halten kann.
Wandelst zum Bilde du den Gedanken
Erlebst du die schaffende Weisheit.
B
Verdichtest du das Gefühl zum Licht Offenbarst du die formende Kraft.
Verdinglichst du den Willen zum Wesen So schaffest du im Weltensein.
Münchner Kongreß
Mai 1907
Grundsteinlegung des Modellbaues Malsch
Euer Segen
Ihr großen
Brüder
Die ihr lebt in unseren Gedanken,
die ihr kraftet in unserem Fühlen,
die ihr durchpulst unseren Willen,
die ihr formt von Oben das Untere,
die ihr geistigt das Untere zum Oberen,
ihn erbeten unsere Seelen
für die theosophische Loge Malsch.
Umwebt mit eurem Leben den Stein,
den wir hier in die Erde senken, auf dass,
was über ihm gedacht, gefühlt, gewollt wird,
wachse aus eures Lebens Keim.
Gegeben und der Erde vertraut
für die Loge Malsch und deren treue Hüter
und der Familie Stockmeyer in Gegenwart
der Vertreter der theosophischen Logen:
Berlin, Düsseldorf, München, Stuttgart,
Nürnberg, Wiesbaden, Lugano, Karlsruhe,
Heidelberg, Bielefeld.
Dr. Rudolf Steiner
ca. 40 weitere Unterschriften
Grundsteinurkunde Malsch
5. April 1909.
Leuchten möge auf diesen Bau
Das Licht der Geister des Ostens;
Die Geister des Westens mögen es zurückstrahlen lassen;
Die Geister des Nordens mögen es verfestigen
Und die Geister des Südens es durchwärmen,
So dass die Geister des Ostens, Westens,
Nordens und Südens’den Bau durchströmen.
Aus der Ansprache zur Grundsteinlegung Malsch
5. April 1909
Einweihung des Zweighauses Stuttgart
Du Geist des Weltenalls, der Du dich verkündigst unserer wahren Selbsterkenntnis, Du hast gnädig das Wort gehalten, welches Du uns gegeben hast, da Du sahest unsere Arbeit, wie sie geleistet wurde seit Jahren von Deinen Dienern; und offenbar wird es heute in dieser Stunde. Zwar vermögen die weitesten Geistesräume Dich nicht zu fassen, großer Geist des Weltenalls, der Du mit Deinen Gedanken alle Deine Werke durchdringst, der Du wohnen willst in den Worten, die von unseren Lippen ertönen dürfen; wie viel weniger können Dich fassen diese Tempelmauern, die wir Dir erbaut haben. Siehe aber, Geist des Weltenalls, der Du Dich ankündigst in unserer wirklichen Selbsterkenntnis, auf den Willen zum Verstehen, auf die Sehnsucht nach Erkenntnis Deiner Diener! Siehe, Geist des Weltenalls, Durchdringer eines jeglichen Ichs, auf uns herab, und laß Deine Augen offen sein über diesem Bau, wo Du beschlossen hast zu wohnen! Erhöre unsere Gefühle, die danach drängen, durch unsere Arbeit des Einfließens Deines Geistes in die Räume, die wir Dir gewidmet haben, uns würdig zu zeigen!
V. 15. Oktober 1911
Wer eintritt, bringe Liebe diesem Heim,
Wer drinnen weilet, suche Erkenntnis an diesem Ort,
Wer austritt, nehme Frieden mit aus diesem Haus.
V. 15. Oktober 1911

Der Säulen Worte
DAS ES
AN ES
IN ES
ICH
VOM ICH
AUS MIR
ICH INS ES
Inschriften der 7 Säulen auf einer Skizze
für den großen Kuppelraum
des Johannes-Bau-Projekts
München 1911/12

Transkription der nebenstehenden Vorlage für die Grundsteinurkunde für den Dornacher Bau
Im Namen
Seraphim
Cherubim
Throne
Weisheiten
Beweger
Former
Persönlichkeiten
Archangeloi
Angeloi
Anthropos
Ex Deo Nascimur
In --- Morimur
Per Spiritum Sanctum Reviviscimus
Als Eckstein
unseres im Geist sich suchenden Willens,
in der Weltenseele sich fühlenden Seins,
im Welten-Ich sich ahnenden Menschen
senken wir in der verdichteten Elemente Reich
Dich Sinnbild der Kraft, nach der wir strebend uns bemühen durch
3 5 7 12
Gelegt vom Johannesbau-Verein für die Anthroposophische Arbeit am 20ten Tage des Septembermonats 1880 nach dem Mysterium von Golgatha, das ist 1913 nach Christi Geburt, da Merkurius als Abendstern in der Waage stand.
- September 1913 250
Amen
Durch die Welten wirkende
Weisheiten
Erreger
Formen
senden mußtet ihr die Übel
ob des Menschen Fall in der Versucher Netz
weil er genommen den Wesen und sich gegeben
so bedarf er des täglichen Brotes
Weil andrer Wille waltet auf Erden als in den Himmeln
Und der Mensch sich schied von deinem Reich
Und vergaß den Namen
Der Väter in den Himmeln.
Entwurf
Notizblatt
Das makrokosmische Vaterunser
Amen
Es walten die Übel
Zeugen sich lösender Ichheit
Von Andern erschuldete Selbstheitschuld
Erlebet im täglichen Brote
In dem nicht waltet der Himmel Wille
In dem der Mensch sich schied von Eurem Reich
Und vergaß Euren Namen
Ihr Väter in den Himmeln.
Aus der Ansprache zur Grundsteinlegung
des Dornacher Baues
20. September 1913
Siehe Seite 344ff
Worte zu den Goetheanum-Fenster Motiven
Ich schaue Es offenbart | Es hat geoffenbart
Westen: rot
Die Welt erwirkt den Willen
Es gebiert sich der Wille | Es ist der Wille geboren
Norden: grün
Die Liebe der Welt wirkt
Und Menschenliebe entsteht | Und Menschenliebe ergreift ihn
Süden: grün
Die Welt gibt ihm das Sehen
Und er sieht | Und er macht sich sehend
Norden: blau
Die Außenwelt im Entschluß
Sich entschließend | Er hat gewollt
Süden: blau
Es ist gewesen
Es war geworden | Es war
Norden: lila
Es entsteht
Es wird sein | Es ist
Süden: lila
Die Welt weht Frommsein
So wird er fromm | Die Frommheit wirkt
Norden: rosa
Die Welt baut
Ich schaue den Bau | Und der Bau wird Mensch
Süden: rosa
Dornach, 1919/1920
Zu zwei Skizzen für die Mittelmotive der grünen Goetheanum-Fenster
Und der Geist der Schwere
sammelte den Widerspruch
Und der ward
In des Menschen Willen
Widerstand.
Norden
Und das Licht
der Geister
Es ward das Licht
des Menschen.
Süden
1913/14
Zur Eröffnungsfeier der ersten Veranstaltung im noch unvollendeten Goetheanum-Bau
In jenes Geistes Namen, der den Seelen
In unsrem Strebensorte sich verkündet,
Erscheine ich in diesem Augenblicke
Vor Menschen, die von jetzt an hören wollen
Das Wort, das hier den Seelen ernst erklingt.
Nicht frühern Zeiten konnten jene Mächte,
Die unsres Erdenwerdens Ziele lenken,
In vollbewusster Art sich offenbaren.
Denn wie im Kinderleibe erst allmählich
Die Kräfte reifen müssen und erstarken,
Die zu des Wissens Trägern sind bestimmt,
So musste sich als Ganzes auch entfalten
Das Menschentum in seinem Erdenlauf.
In Dumpfheit lebten erst die Seelentriebe,
Die später würdig sich erweisen sollten,
Aus hohen Welten Geisteslicht zu schauen.
Doch wurden als der Menschen weise Führer
Im Erdbeginn dem Geist ergebne Seelen
Von höhren Daseinsmächten auserwählt.
Sie pflegten in des Wissens Strebeorten
Die Geisteskräfte, die Erkenntnisstrahlen
In Seelen sandten, die nur dumpf bewusst
Von ihrem Schauen sich durchdringen konnten.
Erst später konnten aus der Menschen Reihen
Die Geistesforscher sich die Schüler holen,
Die durch das willensstarke Prüfungsleben
Sich reif erwiesen, in Bewusstheits Helle
Zum Geisteswissen zielvoll hinzustreben.
Und als der ersten Führer Schüler später
Das edle Gut in Würde pflegen konnten,
Verschwand die unbewusste Führerschaft,
Dass freie Seelen wissend streben durften.
Und freie Seelen wählten sich dann Menschen,
Die ihnen folgen durften in der Pflege
Des Geistesschatzes; und so ging es weiter
Von einem Menschenalter hin zum andern.
Es sind bis jetzt ja alle Wissensstätten,
Die dies in Wahrheit sind, gerecht entsprungen
Der höchsten, die in Geistessphären steht.
In ernstem Suchen streben wir allhier
Nach wahrem Geistes-Menschenerbe hin.
Wir werden niemals von Erkenntnis sprechen,
Die nicht des Geistes eignes Siegel trägt;
Allein vom Lichte aus den Geisteswelten,
Das schauend Menschen sich erschließen kann,
Die sich ihm strebend anvertrauen wollen,
Um ihrer Seele Tiefen zu ergründen.
Zu diesem Lichte würdig hinzustreben,
Das weiset uns der Zeitenwende Ernst
Und ihre Not; die Zeichen sind fürwahr
Bedeutungsschwer, die sich im Weltenplane
Jetzt Geistesaugen deutlich offenbaren. —
Für die Eröffnungfeier
des ersten Anthroposophischen Hochschul-Kurses
Menschen mögen es hören.
Dornach, 26. September 1920
Schlußwort der Ansprache bei der Eröffnungsfeier
Zum Lichte uns zu wenden
In dunkler Zeiten Not, —
Zum Geistesmorgenrot
Die Seelenblicke senden, —
Menschen-Wollen sei es hier
Und bleib’ es für und für.
V. Dornach, 26. September 1920
Denken wahre Kommunion des Menschen
Es nahen mir im Erdenwirken
In Stoffes Abbild mir gegeben
Der Sterne Himmelstaten
Die ich im Fühlen weise wandle.
Ich erlebe mich mit der Welt
Es dringt in mich im Wasserwirken
In Stoffes Kraftgehalt mich fassend
Der Sterne bildend Himmelswesen
Das ich im Wollen liebend schaffe.
Ich bin mit der Welt
Entwurf
Geistige Kommunion
Es nahet mir im Erdenwirken
In Stoffes Abbild mir gegeben
Der Sterne Himmelswesen
Ich seh’ im Wollen sie sich liebend wandeln.
Ich erlebe mich als Seele
Es dringen in mich im Wasserleben
In Stoffes Kraftgewalt mich bildend
Der Sterne Himmelstaten
Ich seh' im Fühlen sie sich weise wandeln.
Ich erlebe mich als Geist.
Für den im Goetheanum-Bau unmittelbar vor dem
Ausbruch des Brandes gehaltenen Vortrag
Dornach, 31. Dezember 1922
Hinfühlen auf die Atmung - leises Fühlen
In mir woget Weltenwellenkraft
Auf den Wogen lebet Götterwille
Götterwille, du erfüllest mich
Ich belebe dich zu Menschenwillen
In dem Menschenwillen wird mein Wesen
Selber krafterschaffendes Leben
Ich wirke aus dem Ich zur Welt.
Hinfühlen auf den Blutkreislauf - leises Hören
In mir beruhigt sich Menschenwillensmacht
In der Ruhe lebet Menschendenken
Menschendenken, du erleuchtest mich;
Ich erfasse dich als Gottgedanken
In den Gottgedanken ist mein Urbildsein
Und Urbildsein wird lichterschaffend in mir
Ich denke von dem Gott zum Ich.
Dezember 1922
Notizbuch
Nach dem Brand des Goetheanum
Gedanke ward an Gedanken gewunden
Im Schaffen freudig die Seele verbraucht
In Formen die Empfindung gehaucht
Und so der Geist der Kunst verbunden
Willst du die Schmerzen wohl erkunden
In die das Schicksal uns getaucht
Gefühl ist in Flammen verraucht
Schaffensglück hat ein Ende gefunden
In Trümmer schaut das Auge
Notizblatt 1923
Es wollte im Sinnenstoffe
Das Goetheanum vom Ewigen
In Formen zum Auge sprechen
Die Flammen konnten den Stoff verzehren
Es soll die Anthroposophie
Aus Geistigem ihren Bau
Zur Seele sprechen lassen
Die Flammen des Geistes
Sie werden sie erhärten.
April 1923
Notizbuch
Schaue den Logos
Im sengenden Feuer;
Finde die Lösung
In Dianens Haus.
V. Dornach, 2. Dezember 1923
Die ideell-geistige Grundsteinlegung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft durch Rudolf Steiner am 25. Dezember 1923, 10 Uhr vormittags
Menschenseele!
Du lebest in den Gliedern
Die dich durch die Raumeswelt
Im Geistesmeereswesen tragen:
Übe Geist-Erinnern
In Seelentiefen
Wo in waltendem
Weltenschöpfer-Sein
Das eigne Ich
In Gottes - Ich
Erweset
Und du wirst wahrhaft leben
Im Menschen-Welten-Wesen.
Menschenseele!
Du lebest in dem Herzens-Lungen-Schlage
Der dich durch den Zeitenrhythmus
Ins eigne Seelenwesensfühlen leitet:
Übe Geist-Besinnen
Im Seelengleichgewichte
Wo die wogenden
Welten-Werde-Taten
Zur Reihenfolge siehe Hinweis S. 367.
Das eigne Ich
Dem Welten-Ich
Vereinen
Und du wirst wahrhaft fühlen
Im Menschen-Seelen-Wirken.
Menschenseele!
Du lebest im ruhenden Haupte
Das dir aus Ewigkeitsgründen
Die Weltgedanken erschließet:
Übe Geist-Erschauen
In Gedanken-Ruhe
Wo die ew'gen Götterziele
Welten-Wesens-Licht
Dem eignen Ich
Zu freiem Wollen
Schenken
Und du wirst wahrhaft denken
In Menschen-Geistes-Gründen.
In der Zeitenwende
Trat das Welten-Geistes-Licht
In den irdischen Wesensstrom;
achtdunkel hatte ausgewaltet
Taghelles Licht
Erstrahlte in Menschenseelen
Licht, das erwärmet
Die armen Hirtenherzen
Licht, das erleuchtet
Die weisen Könighäupter —
Göttliches Licht
Christus Sonne
Erwärme unsre Herzen
Erleuchte unsre Häupter
Dass gut werde
Was wir aus Herzen
Gründen
Aus Häuptern
Zielvoll führen wollen.
(Wiederholung von: Menschenseele! Du lebest in den Gliedern ...
Denn es waltet der Vater-Geist der Höhen
In den Weltentiefen Sein-erzeugend
Seraphim Cherubim Throne
Lasset aus den Höhen erklingen
Was in den Tiefen das Echo findet:
Das spricht:
Ex Deo nascimur.
Das hören die Elementengeister
im Osten, Westen, Norden, Süden
Menschen mögen es hören.
(Wiederholung von: Menschenseele! Du lebest im Herzens-Lungen-Schlage ...
Denn es waltet der Christus-Wille im Umkreis
In den Weltenrhythmen Seelen-begnadend
Kyriotetes Dynamis Exusiai
Lasset vom Osten befeuern
Was durch den Westen sich gestaltet:
Das spricht:
In Christo morimur.
Das hören ...
(Wiederholung von: Menschenscele! Du lebest im ruhenden Haupte ...
Denn es walten des Geistes - Weltgedanken
Im Weltenwesen Licht-erflehend
Archai Archangeloi Angeloi
Lasset aus den Tiefen erbitten
Was in den Höhen erhöret wird:
Das spricht:
Per Spiritum Sanctum reviviscimus.
Das hören ...
V. Dornach, 25. Dezember 1923
Zweite Fassung
für den Druck in «Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht.
Nachrichten für deren Mitglieder», Nr. 1 vom 13. Januar 1924
Menschenseele!
Du lebest in den Gliedern,
Die dich durch die Raumeswelt
In das Geistesmeereswesen tragen:
Übe Geist-Erinnern
In Seelentiefen
Wo in waltendem
Weltenschöpfer-Sein
Das eigne Ich
Im Gottes-Ich
Erweset;
Und du wirst wahrhaft leben
Im Menschen-Welten-Wesen.
Denn es waltet der Vater-Geist der Höhen
In den Weltentiefen Sein-erzeugend:
Ihr Kräfte-Geister
Lasset aus den Höhen erklingen,
Was in den Tiefen das Echo findet;
Dieses spricht:
Aus dem Göttlichen weset die Menschheit.
Das hören die Geister in Ost, West, Nord, Süd:
Menschen mögen es hören.
Menschenseele!
Du lebest in dem Herzens-Lungen-Schlage,
Der dich durch den Zeitenrhythmus
In's eigne Seelenwesensfühlen leitet:
Übe Geist-Besinnen
Im Seelengleichgewichte,
Wo die wogenden Welten-Werde-Taten
Das eigne Ich
Dem Welten-Ich
Vereinen;
Und du wirst wahrhaft fühlen
Im Menschen-Seelen-Wirken.
Denn es waltet der Christus-Wille im Umkreis
In den Weltenrhythmen Seelen-begnadend:
Ihr Lichtes-Geister
Lasset vom Osten befeuern,
Was durch den Westen sich formet;
Dieses spricht:
In dem Christus wird Leben der Tod.
Das hören die Geister in Ost, West, Nord, Süd:
Menschen mögen es hören.
Menschenseele!
Du lebest im ruhenden Haupte,
Das dir aus Ewigkeitsgründen
Die Weltgedanken erschließet:
Übe Geist-Erschauen
In Gedanken-Ruhe,
Wo die ew'gen Götterziele
Welten-Wesens-Licht
Dem eignen Ich
Zu freiem Wollen
Schenken;
Und du wirst wahrhaft denken
In Menschen-Geistes-Gründen.
Denn es walten des Geistes - Weltgedanken
Im Weltenwesen Licht-erflehend.
Ihr Seelen-Geister
Lasset aus den Tiefen erbitten,
Was in den Höhen erhöret wird:
Dieses spricht:
In des Geistes Weltgedanken erwachet die Seele.
Das hören die Geister in Ost, West, Nord, Süd:
In der Zeiten Wende
Trat das Welten-Geistes-Licht
In den irdischen Wesensstrom;
Nacht-Dunkel
Hatte ausgewaltet;
Taghelles Licht
Erstrahlte in Menschenseelen;
Licht,
Das erwärmet
Die armen Hirtenherzen;
Licht,
Das erleuchtet
Die weisen Königshäupter.
Gösttliches Licht,
Christus-Sonne
Erwärme
Unsere Herzen;
Erleuchte
Unsere Häupter;
Dass gut werde,
Was wir
Aus Herzen gründen,
Was wir
Aus Häuptern
Zielvoll führen wollen.
Januar 1924
Friede walt' in diesem Haus;
Das bedenk' ein jedermann,
Der da gehet ein und aus,
Herzhaft stark, so viel er kann.
Verwaltungsgebäude Dornach
Frühjahr 1920
Grundsteinlegung des Hauses «Vreede»
In diesem Hause lebe Seele
Sie durchdringe der Geist
Der suche im Grunde
Den festen Willen
Dass ihm werde
Der fromme Sinn
In allen Räumen des Baues
Und dass von oben
Sich einen kann
Des Geistes Segen
Und Gottes Gnade
In allen, die drinnen leben.
Der Grundstein wurde in die Erde versenkt am siebenundzwanzigsten Oktober 1921. Ihm geben mit ihre Gedanken im obigen Sinn, die da waren beteiligt am Entstehen des Baues.
Arlesheim, 27. Oktober 1921
Grundsteinspruch für den Neubau der Freien Waldorfschule Stuttgart
Es walte, was Geisteskraft in Liebe
Es wirke, was Geisteslicht in Güte
Aus Herzenssicherheit
Aus Seelenfestigkeit
Dem jungen Menschenwesen
Für des Leibes Arbeitskraft
Für der Seele Innigkeit
Für des Geistes Helligkeit
Erbringen kann.
Dem sei geweiht diese Stätte:
Jugendsinn finde in ihr
Kraftbegabte, Lichtergebene
Menschenpfleger.
In ihrem Herzen gedenken des Geistes,
der hier walten soll, die, welche
den Stein zum Sinnbild
hier versenken, auf dass
er festige die Grundlage,
über der leben, walten, wirken soll:
Befreiende Weisheit
Erstarkende Geistesmacht
sich offenbarendes Geistesleben.
Dies möchten sie bekennen:
In Christi Namen
In reinen Absichten
Mit gutem Willen. —
42 Unterschriften
- Dezember 1921
Für die Schule in Hamburg-Wandsbeck
Aus dem Ernst der Zeit
muss geboren werden
der Mut zur Tat.
Gebt dem Unterricht,
was der Geist euch gibt,
und Ihr befreit die Menschheit
von dem Alpdruck,
der auf ihr lastet durch
den Materialismus.
Für den Christian Rosenkreutz-Zweig in Nizza
Grosser erhabener Geist,
Der du die Weltenweiten erfüllest,
Der du in Seelengründe tauchest
Erfülle unsere Arbeitsstätte
Erfülle unsere suchenden Seelen
Bestärke unser Wollen
Erwärme unser Fühlen
Läutre unser Denken
Jetzt und immerdar.
1911
Zur Einweihung des Novalis-Zweiges in Rom
Spiriti eccelsi, che eravate perfetti
Prima che scorresse la sorgente del nostro principio,
La vostra Sapienza Creatrice formò l'universo,
E dal mondo della Vostra Sapienza sorse:
La Forza del nostro pensare
La Vita del nostro sentire
Il Fine del nostro volere.
Che la Vostra Forza, la Vostra Vita, il Vostro Fine
Compenetrino gli organi delle anime nostre:
Onde possano contemplare la Vostra Sapienza Creatrice,
Onde possano vivere il Sentire Creativo,
Onde possano creare nel Volere Divino.
Ex Deo nascimur
In Christo morimur
Per Spiritum Sanctum reviviscimus
🕈
Hohe Geister, die Ihr vollendet ward
Bevor unseres Anfangs Quelle floß,
Eure schaffende Weisheit bildete die Welt,
Und Eurer Weisheitswelt entstieg
Unseres Denkens Kraft,
Unseres Fühlens Leben,
Unseres Willens Ziel.
Eure Kraft, Euer Leben, Euer Ziel
Ergieße sich in unsere Seelenglieder,
Auf dass sie schauen Eure schaffende Weisheit,
Auf dass sie leben schaffendes Fühlen,
Auf dass sie schaffen im göttlichen Wollen.
April 1910
Für die Versammlungen des Novalis-Zweiges in Rom
Nel segno della croce
Circondata da rose
Vediamo sentendolo
Il risveglio dello Spirito del Mondo
dalle profondità dell’ anima.
Si staccano dalle profonditä dell’ anima
Le forze nascoste del mistero.
Forze che agivano nel principio,
Forze che devono agire alla fine,
Forze nelle quali
noi pensando siamo,
nelle quali
noi amando viviamo,
nelle quali
la devozione respiriamo.
Im Zeichen des Kreuzes
von Rosen umgeben
sehen wir fühlend
die Erweckung des Weltengeistes
aus Seelentiefen.
Es lösen sich aus Seelentiefen
des Mysteriums verborgene Kräfte.
Kräfte, die im Anfange wirkten,
Kräfte, die am Ende wirken sollen,
Kräfte, in welchen
wir denkend sind,
in welchen
wir liebend leben,
in welchen
wir Andacht atmen.
Am Anfang und Ende so zu sagen, dass jedesmal ein anderes Mitglied laut diese Formel sagt, die andern sich meditativ von ihr erfüllen. Wenn so viele Versammlungen stattgefunden haben, dass jedes Mitglied an der Reihe war, beginnt wieder das Mitglied, welches das erste war.
ca. 1911
Für den Emerson-Zweig in London
Aus des Geistes lichten Höhen
Erstrahle Gottes helles Licht
In Menschenseelen
Die suchen wollen
Des Geistes Gnade
Des Geistes Kraft
Des Geistes Sein.
Er lebe
Im Herzen
Im Seelen-Innern
Unserer
Die wir
In Seinem Namen
Hier uns versammelt fühlen.
Zur Eröffnung der Mitglieder-Zusammenkünfte
Mai 1913
Zur Gründung der Gruppe St. Michel in Paris
Grosser umfassender Geist
Es erhebe mein Denken
Zu Deiner Weisheit sich
Es erhebe mein Fühlen
Zu Deiner Offenbarung sich
Es erhebe mein Wollen
Zu Deinem Schaffen sich
So möge meine Seele
Dich dreifach ahnen
Und Einen in ihren Tiefen
Sich Deinem Wesen
Jetzt
und alle Zeit.
Mai 1913
Zur Einweihung des Vidar-Zweiges in Bochum
Ihr, die Ihr das geistige Leben leitet, und gebet den Menschen je nach den Epochen, was der Mensch braucht,
Ihr arbeitet mit, wenn hingebungsvoll dem geistigen Leben unsere Freunde hier in dieser Stadt dienen.
Solches möchten wir als Gebet zu den geistigen Leiter, den höheren Hierarchien in diesem Augenblick, der in zwiefacher Beziehung feierlich ist, hinaufsenden. ...
Daß dies walten möge, das sei heute unser Weihnachtsgebet: daß auch dieser Zweig werden mag ein lebendiger Zeuge dessen, was als Kraft in die Menschheitsentwickelung aus höheren Welten hineinfließt und immer mehr und mehr den Menschenseelen das Bewusstsein geben kann von der Wahrheit der Worte:
Es sprechen zu den Sinnen
Die Dinge in den Raumesweiten,
Sie wandeln sich im Zeitenstrome;
Erkennend dringt die Menschenseele,
Von Raumesweiten unbegrenzt
Und unerreicht vom Zeitenstrom,
Ins Reich der Ewigkeiten ein.
V. 21. Dezember 1913
Für die Gründung des Zweiges Mannheim II
Im Seelen-Innern zu empfinden,
Was ewig als des Menschen Wesenskern
Ihn bindet an den Weltengeist
Und so dem Leben und dem Streben
Den wahren Sinn verleiht:
Das durchdringt des Geistes Wissenschaft.
Und dies auch walte um uns, über uns,
Da wir uns einen zum Seelenwerk;
Des Lebens große Geistesführer
Sie mögen in solchem Werk
Uns segnend ihre Gnade-Liebe schenken.
Im Gedenken an die sich
in Mannheim bildende
Gemeinschaft für Geisteswissenschaft
21. Dezember 1915 Rudolf Steiner
Dezember 1915
Weihespruch für einen Raum in Schloß Tannbach
Du selbst, erkennender, fühlender, wollender Mensch
Du bist das Rätsel der Welt
Was sie verbirgt
In dir wird es offenbar, es wird
In deinem Geiste Licht
In deiner Seele Wärme,
Und deines Atems Kraft
Sie bindet dir die Leibeswesenheit
An Seelenwelten
An Geistesreiche.
Sie führt dich in den Stoff
Dass du dich menschlich findest
Sie führt dich in den Geist
Dass du dich geistig nicht verlierest.
An Ludwig und Bertha v. Polzer-Hoditz,
10. Juni 1918
Für die Arbeitsgruppe von Alice Kinkel in Stuttgart
Des Geistes Sphäre ist der Seele Heimat;
Und der Mensch gelangt dahin,
Geht er den Weg des wahren Denkens,
Wählt er des Herzens Liebekraft
Zum starken Führer sich,
Und öffnet er den innern Seelensinn
Der Schrift, die überall
Im Weltensein sich offenbaret,
Die er stets finden kann
Als Geistverkündigung
In allem, was da lebt und lebend wirkt,
Und in allen Dingen auch,
Die leblos sich im Raume breiten,
Wie in allem, was geschieht
Im Werdestrom der Zeit.
Rudolf Steiner
1923
Zur Gründung der Threefold Group in New York
Dringe unser Fühlen
In unseres Herzens Mittelpunkt
Und suche in Liebe sich zu vereinen
Mit den Menschen gleichen Zieles
Mit den Geistern die gnadevoll
Auf unser ernstlich herzliches Streben
Aus Lichtregionen uns stärkend
Und unsere Liebe erhellend
Herunterschauen.
November 1923
Den Berliner Freunden
Es siehet der Mensch
Mit dem welt'erzeugtem Auge;
Ihn bindet, was er siehet,
An Weltenfreude und Weltenschmerz;
Es bindet ihn, an alles,
Was da wird, aber minder nicht,
An alles, was da stürzet
In Abgrundes finstre Reiche.
Es schauet der Mensch
Mit dem geist'verlieh'nem Auge;
Ihn bindet, was er schauet,
An Geisteshoffen und Geistes-Halte-Kraft;
Es bindet ihn an alles,
Was in Ewigkeiten wurzelt
Und in Ewigkeiten Früchte trägt.
Aber schauen kann der Mensch
Nur wenn er des Innern Auge
Selber fühlet als Geistes-Gottes-Glied,
Das auf der Seele Schauplatz
In Menschen-Leibes-Tempel
Der Götter Taten wirket.
Es ist die Menschheit
Im Vergessen an das Gottes-Innre,
Wir aber wollen es nehmen
In des Bewusstseins helles Licht,
Und dann tragen über Schutt und Asche
Der Götter Flamme im Menschenherzen.
So mögen Blitze unsre Sinneshäuser
In Schutt zerschmettern;
Wir errichten Seelenhäuser
Aus der Erkenntnis
Eisenfestem Lichtesweben.
Und Untergang des Äußern
Soll werden Aufgang
Des Seelen-Innersten.
Das Leid dringet heran
Aus Stoffes-Kraft Gewalten;
Die Hoffnung leuchtet,
Auch wenn Finsternis uns umwallt;
Und sie wird dereinst
In unsre Erinnerung dringen,
Wenn wir nach der Finsternis
Im Lichte wieder leben dürfen.
Wir wollen nicht, dass diese Leuchte
Dereinst in künft'gen Helligkeiten uns fehle,
Weil wir sie jetzt im Leide
Nicht in unsre Seelen eingepflanzet haben.
November 1923
Weihespruch für den Zweigraum der Berliner Jugend
Raumeswände trennen schützend uns
Von der Welten störend’ Lärmgetriebe;
Seele findet in der Stille sich
Zu der Seele in dem Geistesraum;
Aber Welten-Kräfte binden wirksam,
Was die stärkste Wand gesondert hält;
So auch muss die Liebe kräftig tragen
Menschenkräfte in der Seelen Geistverein.
Ostern 1924
Raumeswände trennen schützend uns
Von der Welten störend’ Lärmgetriebe
Seele findet in der Stille sich
Zu der Seele im umgrenzten Geistbereich
Aber Welten-Kräfte weben in das All
Was die stärkste Wand gesondert hält
So auch muss die Liebe kräftig tragen
Menschenkräfte in der Seelen Geistverein.
Entwurf
Für die Lehrer der Freien Waldorfschule
Im Schein des Sinnewesens,
Da lebt des Geistes Wille,
Als Weisheitslicht sich gebend
Und innre Kraft verbergend;
Im Ich des eignen Wesens,
Da scheinet Menschenwille,
Als Denkens Offenbarung,
Auf eigne Kraft sich stützend;
Und eigne Kraft dem Lichte
Der Weltenweisheit machtvoll
Geeinet zu dem Selbste:
Gestaltet mich, der ich mich
Zum Göttlich-Hohen wende
Erleuchtungskräfte suchend.
September 1919
Für die Lehrer der Freien Waldorfschule
Geistiges Blicken,
Wende dich schauend nach Innen;
Herzliches Tasten
Rühre am zarten Seelen-Sein;
Im ahnenden Geistes-Blicken,
Im herzhaften Seelen-Tasten,
Da webt sich Bewusst-Sein.
Bewusst-Sein, das aus dem Oben
Und dem Unten des Menschen-Wesens
Binder Welten-Helle
An das Erden-Dunkel.
Geistiges Blicken
Herzliches Tasten
Erblicke, Ertaste
Im Menschen-Innern
Webende Welten-Helle
In waltendem Erdendunkel:
Mein eigenes
Menschen-Bilde-Kraft
Zeugendes
Krafterschaffendes
Willentragendes
Selbst.
- Oktober 1923
Gedankenwirksamkeit eine uns,
Da wir im Raum getrennt sein müssen. —
Was wir schon gemeinsam vollbracht,
Es krafte jetzt durch die Lehrerschaft.
Es ziehe seine Kreise durch Ihren Eigenrat,
Da jener Rat, der so gerne käme,
Die Schwingen frei nicht hat.
Aus dem Brief an die Lehrer
Goetheanum, 15. März 1925
Für die anthroposophischen Ärzte
Vorbereitung: Wie finde ich das Gute?
- Kann ich das Gute denken?
Ich kann das Gute nicht denken.
Denken versorgt mein Ätherleib.
Mein Ätherleib wirkt in der Flüssigkeit meines Leibes.
Also in der Flüssigkeit des Leibes finde ich das Gute nicht.
- Kann ich das Gute fühlen?
Ich kann das Gute zwar fühlen; aber es ist durch mich
nicht da, wenn ich es nur fühle.
Fühlen versorgt mein astralischer Leib.
Mein astralischer Leib wirkt in dem Luftförmigen meines Leibes.
Also in dem Luftförmigen des Leibes finde ich das durch
mich existierende Gute nicht.
- Kann ich das Gute wollen?
Ich kann das Gute wollen.
Wollen versorgt mein Ich.
Mein Ich wirkt in dem Wärmeäther meines Leibes.
Also in der Wärme kann ich das Gute physisch verwirklichen.
Ich fühle meine Menschheit in meiner Wärme.
- Ich fühle Licht in meiner Wärme.
(Achtgeben, dass diese Lichtempfindung auftritt in der Gegend, wo das physische Herz ist)
- Ich fühle tönend die Weltsubstanz in meiner Wärme.
(Achtgeben, dass die eigentümliche Ton-Empfindung vom Unterleib nach dem Kopfe, aber mit Ausbreitung im ganzen Leibe geht.)

- Ich fühle in meinem Kopfe sich regend das Weltenleben in meiner Wärme.
(Achtgeben, dass die eigentümliche Lebensempfindung vom Kopfe nach dem ganzen Körper sich verbreitet)
An Helene v. Grunelius für die Ärzte
Was ich jetzt auf die Tafel schreibe, ist nicht dazu da, dass Sie es wissen, sondern dass es anregt in Euch immer wieder diese Belebung Eures medizinischen Sinnes. Es ist etwa so:
Ihr heilenden Geister
Ihr verbindet euch
Dem Sulphursegen
Des Ätherduftes;
Ihr belebet euch
Im Aufstreben Merkurs
Dem Tautropfen
Des Wachsenden
Und Werdenden.
Ihr machet Halt
In dem Erdensalze
Das die Wurzel
Im Boden ernährt. —
Das ist gewissermaßen dasjenige, was die Seele erwirbt, indem sie auf den Umkreis hinschaut, den inneren Sinn erweckend für das, was sie umgibt. Der Mensch kann dann antworten:
Ich will mein Seelenwissen
Verbinden dem Feuer
Des Blütenduftes;
Ich will mein Seelenleben
Erregen am glitzernden Tropfen
Des Blättermorgens;
Ich will mein Seelensein
Erstarken an dem
Salzerhärtenden
Mit dem die Erde
Sorgsam die Wurzel pflegt.
V. Dornach, 5. Januar 1924
Erlebe das Feuer
Du wandelst mit dem Sonnenwesen.
Wärme ♄
Erlebe die Luft
Du wandelst mit dem Sonnenlicht.
Licht ⊙
Erlebe das Wasser
Du wandelst mit dem Sonnenwirken.
Chem. ☾
Erlebe die Erde
Du wandelst mit dem Sonnenleben.
♂♀
Januar 1924
Notizbuch
In Zeichen denke den Menschen
In die Knochen
Im Bildwandel schaue den Menschen
In die Muskeln
Im gestaltenden Ton fühle den Menschen
In die Organe
Im sinnvollen Wort wolle den Menschen
In die Tätigkeit der Organe.
Für V. 7. Januar 1924
Notizbuch
Seele bist du
Körper ist Gottes
Wesen in dir
Deiner Seele
Wohnet inne der Geist
Deinem Körper
Wohnet inne der Geist
Doch lasse in des Körpers Geist
Die Gottheit walten
Und lasse in der Seele Geist
Die Ichheit walten
Denn nimmt deiner Seele Geist
Deinen Körper für sich als Kraft
So bist du körperkrank
Und nimmt deines Körpers Geist
Deine Seele für sich als Kraft
So bist du seelenkrank.
Januar 1924
Notizbuch
Schau in deiner Seele
Leuchtekraft
Fühl in deinem Körper
Schweremacht
In der Leuchtekraft
Strahlet Geistes-Ich
In der Schweremacht
Kraftet Gottes-Geist
Doch darf nicht
Leuchtekraft
Ergreifen
Schweremacht
Und auch nicht
Schweremacht
Durchdringen
Leuchtekraft
Denn fasset Leuchtekraft
Die Schweremacht
Und dringet Schweremacht
In Leuchtekraft
So binden in Welten-Irre
Seele und Körper
In Verderbnis sich. —
V. Dornach, 9. Januar 1924
Es strömen an der Schwelle
Sinnesdunkel und Geisteshelle
Zum Blendwerk ineinander
Dieses Blendwerks Abbild
Ist die Krankheit
In der Krankheit lebet der Hüter.
Begegnung im Geist bewusst
Begegnung im Körper unbewusst.
Jannar 1924 Notizbuch
Es war in alten Zeiten,
Da lebte in der Eingeweihten Seelen
Kraftvoll der Gedanke, dass krank
Von Natur ein jeglicher Mensch sei.
Und Erziehen ward angesehen
Gleich dem Heilprozess,
Der dem Kinde mit dem Reifen
Die Gesundheit zugleich erbrachte
Für des Lebens vollendetes Menschsein.
Im 1. Rundbrief für Ärzte
11. März 1924
Schau, was kosmisch sich fügt,
Du empfindest Menschengestaltung. ☾
Schau, was luftig dich bewegt,
Du erlebest Menschenbeseelung. ⊙
Schau, was irdisch sich wandelt,
Du erfassest Menschendurchgeistung. ♄
V. Dornach, 22. April 1924
Fühle in des Fiebers Maß
Des Saturn Geistesgabe
Fühle in des Pulses Zahl
Der Sonne Seelenkraft
Fühle in des Stoff's Gewicht
Des Mondes Formenmacht:
Dann schauest du in deinem Heilerwillen
Auch des Erdenmenschen Heilbedarf.
V. Dornach, 24. April 1924
Schiebe die Frühzeit
In des Kindes Alter
Und des Kindes Alter
In die Jugendzeit:
Dir erscheint verdichtet
Menschenäthersein
Hinter Körperwesen —
Schiebe die Altersdichte
In die Menschenreifezeit
Und das Reifealter
In das Jugendleben:
Dir ertönt in Weltenklängen
Menschenseelenwirken
Aus dem Ätherleben.
V. Dornach, 25. April 1924
Fühle das Denken!
Es hat verloren:
der Erde Lasten
der Lüfte Weben
des Kosmos Scheinen.
Erkrafte das Denken!
Es wird gewinnen:
der Erde Lasten ganz gering
der Lüfte Weben stärkren Grades
des Kosmos Scheinen vollen Lebens.
Fühle das Wollen!
Es hat verloren:
des Kosmos Wirken
der Lüfte Sprechen
der Erde Sinnen.
Erkrafte das Wollen!
Es wird gewinnen:
des Kosmos Wirken ganz vernehmlich
er Lüfte Sprechen fast verständlich
der Erde Sinnen leise lebend.
April 1924
Notizblatt
Aus uralt heil'ger Opferstätte
Erfloss einst Heilerkunst
In Menschenschaffen
Gedenket Eurer Offenbarung:
Saget sie am neuen Heiler-Ort.
Und geben geistgetragne Menschenseelen
Gehör euerem Mysterienruf
So werden sie
Heil-erwirkend
schaffen
Im Menschen-Lebens-Weben.
Ich will des Geistes-Ohren Kraft
Im liebenden Herzen
Suchen, zu hören den Ruf.
Entwurf
Es sprach Merkur-Raphael
I) Schauet alten Brauch:
An heilig würd'ger Stätte
Flammenbildung erfassend verborgne Erdenkräfte,
Sie tragend in Merkurs Feuerschlangensiegel
Den Göttern entgegen —
Dass schaffend in Heilern werde
Was in Klüftetiefen
Was im Lüftewehen
Was im Lichterstrahlen
Die Erdenübel bannet. —
II) Erneuert alten Brauch:
Saget was wiedergeboren
An neuem Heilerort
Durch Euer Streben:
Und geben geistgetragne Menschenseelen
Gehör Eurem Sinnen
Über neu entzündetes Feuerschlangensiegel
Und wollen sie heilerweckend schaffen
Im Menschen-Lebensweben.
Sie mögen geloben Euch:
Ich will des Geistes-Ohren-Kraft
Im liebenden Herzen erregen
Zu hören Euer Heiles-Wort.
September 1924
Für den internen Ärztekreis
Im Herzen wohnet
In leuchtender Helle
Des Menschen
Helfersinn.
Im Herzen wirket
In wärmender Macht
Des Menschen
Helferkraft.
So lasst uns tragen
Der Seele vollen Willen
In Herzenswärme
Und in Herzenslicht,
So bringen wir
Das Heil
Den Heilbedürftigen
Durch Gottes Gnadensinn.
Für Krankenschwestern
1924/25
Im Geiste leben,
Im Seelenwesen
Sich findend, weben:
Es wirkt das Selbst,
Und trägt in Sonnenhöh'n
Zur Weltenschöpferkraft
Den Menschen wahrhaft hin.
Für Pfarrer Paul Klein
1914/15
Im Gefühle der Bedürftigkeit DEINER Gnade,
Christus-Licht der Welt, harre ich
nach Kräften
öffnend der Seele Pforten
DEINER Erleuchtung
Still in mir will ich sein
und DIR danken DEINER Gabe
und sie geben
als DEIN Geschenk an Menschen
Werkzeug DEINES Wortes
will ich sein
mit meiner Seele
besten Kräften
echten Tiefen
stillsten Ehrfurchten.
Notizblatt
Zu DIR
Träger des Weltenwortes
sei gerichtet
meine Seele
sich öffnend DEINER
Gnadenpforte,
DEINEM
Liebestore;
Sende den Geist,
Der trägt
DEINES Wortes
Erleuchtung
DEINES Wortes
Liebewärme
DEINES Wortes
Herzenskraft
In meine Seele.
Stille walte in mir
Stille webe durch mich
Dass ich erlausche
DEINES Geistes Stimme
DEINES Geistes weise Führung
Dass spreche
aus mir
Wessen DU würdigest
mich
Es zu legen
mir in Herzenstiefen.
Wache ob meinem Wort
Wache ob meinem Denken
Wache ob DEINEM Diener
DEINEM Boten.
Für Pfarrer Paul Klein
als Meditation vor der Predigt
August 1911
Bewusstsein erfüllet mich,
Dass ich Tempel sein muss
Dem Welten-Schöpfer-Wort.
Mein Auge lerne sehen in Finsternis
Mein Mund lerne sprechen in schweigender Ruhe
Mein Herz lerne fühlen in Geistes-Reine:
Ich sehe Sonnengeist in Mondenseele,
Ich spreche Gotteswort in Erdenohren
Ich fühle Geistesstrom im Menschenblute.
Für Priesterinnen
der Christengemeinschaft
9./10. Dezember 1922
Ich werde gehen den Weg,
Der die Elemente in Geschehen löst
Und mich führt nach unten zum Vater
Der die Krankheit schickt zum Ausgleich des Karma
Und mich führt nach oben zum Geiste
Der die Seele in Irrtum zum Erwerb der Freiheit leitet
Christus führt nach unten und nach oben
Harmonisch Geistesmensch in Erdenmenschen zeugend.
Für Ärzte und Priester
V. Dornach, 18. September 1924