Esoteric Lessons for the First Class I
GA 270 — 22 April 1924, Dornach
Neunte Stunde
Meine lieben Freunde! Wir lassen zuerst - ohne dabei irgendwie etwas zu notieren - diejenige Mahnung an die Menschensecle an unserem Gemüte vorüberziehen, welche hinweist den Menschen auf das uralt heilige Wort des Erkennens:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.
Wir können, meine lieben Freunde, hinaufschauen in die Weiten der Sterne und unseren Blick ruhen lassen auf demjenigen, was uns entgegenleuchtet und entgegenglänzt aus den Weltenweiten in den Ruhesternen, in den Sternen, die uns bestimmte Formen ihrer Gruppierung entgegenbringen. Wir werden, wenn wir uns in das Erhabene hineinversetzen, was da aus den Weltenfernen auf uns wirkt, immer stärkere und stärkere innere Kraft gewinnen. Und wir werden insbesondere dann, wenn wir brauchen die Kraft, die Seele freizuhalten von dem Körperlichen, wir werden dann besonders darauf angewiesen sein, diesen Blick auf die Sternenwelt so zu richten, dass wir ihn rein innerlich richten. «Innerlich», damit ist gemeint: Wir haben den Anblick der Sterne so und so oft gehabt, wir haben ihn bewahrt in unserem Gemüte; wir sind nun nicht mehr darauf angewiesen, auf den äußeren Sternenhimmel zu schauen, um in unserem Bewusstsein regsam zu machen das gewaltige Bild des Himmelsdomes, der sternenbesetzt uns entgegenleuchtet. Wenn dieses Bild aus unserem eigenen Inneren auftaucht, wenn die Seele sich erkraftet, dieses Bild in sich selber zu erschaffen, dann wird sie erst recht in der Lage sein, durch diese erstarkten Kräfte ihr Seelisches freizubekommen vom Körperlichen.
Und wir können ferner hinschauen auf alles dasjenige, was uns durchstrahlt und durchströmt von den wandelnden Sternen, die den Umkreis um die Erde machen, die wohl auch in ihrem Umkreis mitreißen dasjenige, was auf der Erde webt und west an Wind und Wetter. Und wir können wiederum von alledem, wenn wir es im Gemüte bewahren, uns ein Bild machen, sodass wir dieses Hineinverwobensein in die Bewegung des Umkreises als ein Zweites erleben.
Und wir können dann, wenn wir aufmerksam werden auf alles dasjenige, was uns an die Erde fesselt, was da macht, dass wir ein schwerer Körper sind unter anderen schweren Körpern, was also in uns lebt als Empfindung unseres Erdgebundenseins, wir können dies in der Seele rege machen. Und es wird das ein Drittes sein.
Und aus diesen drei inneren Erlebnissen: Aus dem, was wir wie einen, aber jetzt in sich erglänzenden, in sich webenden und wesenden Gedanken gewonnen haben an den Ruhesternen; durch dasjenige, was wir haben, wenn wir uns, aufgehend in den Gang unserer eigenen Erde durch das Weltenall, aufgehend in all dasjenige, was die Wandelsterne in ihren Bewegungen bedeutungsvoll vom Raume herein uns sagen, wenn wir uns so, wie wir uns den Ruhesternen gegenüber als ruhender Mensch empfinden, selbst durch den Kosmos in Bewegung gekommen fühlen; wenn wir uns dann zum dritten fühlen als gebunden an die Erde, als gewissermaßen durch die Kraft der Erde an diese Erde gezogener Teil dieser Erde, dann werden wir ebenmäßig und richtig immer mehr und mehr dazu kommen, den Anfang damit zu machen, in die geistige Welt einzutreten. Und diesen Anfang, ihn kann heute jeder Mensch machen.
Da kann allerdings die Frage aufgeworfen werden: Wie kommt es denn, dass ihn so wenige Menschen machen? Darauf muss die Antwort werden: Die meisten Menschen wollen eigentlich nicht so intim erleben, um in das Geistige hineinzukommen. Sie verschmähen es, so intim zu erleben. Sie möchten tumultuarischer erleben, so, dass ihnen die geistige Welt entgegentritt mit allen Eigenschaften der sinnlichen Welt.
Die Menschen würden heute leicht zu überzeugen sein von der geistigen Welt, wenn ihnen zum Beispiel aus der geistigen Welt ein Tisch entgegentreten würde. Aber Tische gibt es nicht in der geistigen Welt, sondern nur geistige Wesenheiten gibt es in der geistigen Welt. Die müssen wahrgenommen werden mit demjenigen im Menschen, was selber geistig ist. Geistig aber ist dasjenige, was wir aus den Ruhesternen lesen können, was wir an der Bewegung der Wandelsterne fühlen können, was wir an Kräften, mit denen uns die Erde hält, um uns zum Menschen der Erde zu machen, was wir da erfühlen können.
Deshalb muss es jeder, der da will immer in richtigerem und richtigerem Sinne verstehen, auch innerlich verstehen. Mit dem gesunden Menschenverstande kann man ja alles Anthroposophische verstehen; aber innerlich verstehen heißt, es immer mehr und mehr auch ins innere Leben überführen. Wer da will dieses Ins-innere-Leben-Überführen innerlich als Verständnis haben, der muss sich dazu entschließen, wirklich zu einer solchen inneren, intimen Übung zu kommen, wie sie in diesen drei Gefühlen, Erlebnissen - wie wir es nennen, ist gleichgültig -, in diesen drei Gefühlen, Erlebnissen, sich ergibt.
Und da möchte heute dasjenige, was aus der geistigen Welt durch diese Schule zu Euch, meine lieben Schwestern und Brüder, fließt, das möchte zu Euch von dem sprechen, wie man durch eine intime Übung an seinem Menschenwesen mehr gewahr werden kann an Zusammenhang des Menschen mit der Welt, als man gewöhnt ist, im äußeren Bewusstsein wahrzunehmen.
Zuerst handelt es sich da darum, dass wir als Mensch wirklich uns zu dem im späteren Leben machen, was wir eigentlich als Kind im hohen Grade sind. Wir sind als Kind fast ganz Sinnesorgan, Auge, Ohr. Das Kind nimmt alles, was in seiner Umgebung geschieht, so wahr, wie wenn sein ganzer Körper Sinnesorgan wäre. Deshalb macht es alles nach, weil alles weitervibriert in ihm und wiederum mit derselben Weise, wie es in ihm vibriert, durch seinen Willen aus ihm heraus will.
Nun behält das Kind diese Sinne-Art seines ganzen Leibes eigentlich nur so lange, als wir es davor bewahren, dasjenige zu machen mit diesem seinem ganzen Leibes-Sinn, was wir später als erwachsener Mensch mit diesem Leibes-Sinn machen können. Das Kind entwickelt eigentlich diese innere Sinne-Fähigkeit so lange, als wir es tragen, als wir es immer so bewahren, dass es noch nicht den Kräften der Erde ausgesetzt ist. Und es ist eigentlich etwas ganz Wunderbares im Heranwachsen des Menschen, dass sein Sinne-Sein bewahrt wird vor der Einwirkung der Erdenkräfte, solange dieses Sinne-Sein ganz besonders lebendig ist.
In dem Augenblicke, wo das Kind sich auf seine Füße stellt, anfängt, sich so zu bewegen, dass seine Bewegungen in die Kräfte der Erde hineinfallen, das Kind sein eigenes Gleichgewicht halten muss, in dem Augenblicke hört auch das intime Sinne-Sein des Kindes auf. Sodass der Mensch, der sich ja nicht bis zu dieser ersten Stufe des Menschtums zurückerinnert, gar nicht weiß, was es eigentlich heißt, sich als ganzer Mensch wie ein Sinn zu fühlen. Aber wir müssen uns, wenn wir den Menschen immer mehr und mehr in uns erleben wollen, eben als ein solcher Sinn als ganzer Mensch erfühlen und erleben. Dann aber müssen wir uns als Tastorgan erleben, als ein einziges großes Tastorgan, das unser ganzer Leib ist.
Sie greifen, meine lieben Schwestern und Brüder, irgendetwas an. Es drückt auf Sie. Sie nehmen den Druck wahr. Oder Sie nehmen die Oberflächen-Beschaffenheit wahr, indem Sie tasten. Aber Sie tasten in Wirklichkeit fortwährend, indem Sie durch Ihren ganzen Körper von oben nach unten sich auf die Erde stellen und die Erde unten mit Ihren Fußsohlen betasten. Sie sind es nur so gewöhnt geworden, dass Sie es nicht beachten. Wenn Sie beginnen, es zu beachten, dann fühlen Sie sich als Mensch erst in den Erdenkräften drinnenstehend. Daher die Mahnung an der Schwelle zur geistigen Welt:
[Es wird an die Tafel geschrieben; siehe Seite 756-757]
O Mensch, ertaste in deines Leibes ganzem Sein,
Wie Erdenkräfte dir im Dasein Stütze sind.
Damit haben wir die erste Stufe dieses inneren Erlebens in uns wirken lassen.
Nun können wir uns aber wiederum als der Mensch fühlen, der da tastet. Wir können erleben dieses Tasten, können uns als der Mensch innerlich fühlen, in dem webt und lebt dieses Tasten. Wenn wir dazu aufsteigen, dieses Tasten selber nun zu empfinden, dann nehmen wir nicht die Erdenkräfte wahr, sondern dann fangen wir an, in uns die vibrierenden Wasserkräfte wahrzunehmen, die Flüssigkeitskräfte, die als Blut, als andere Säfte in unserem Körper wellen und weben. Und in diesen Kräften fühlen wir dann, wie alles, was in uns flüssig ist, was wellt und webt als Flüssiges, zusammenhängt mit dem Äther in der Welt.
[Es wird an die Tafel geschrieben:]
O Mensch, erlebe in deines Tastens ganzem Kreis,
Wie Wasserwesen dir im Dasein Bildner sind.
Wären nur die von uns als ganzer Mensch zu ertastenden Erdenkräfte in uns, wir würden darstellen etwas, was nach unten immerdar zerfällt. Die Wasserkräfte, welche in uns sind, die bilden uns eigentlich zu dem gestalteten Menschenleib aus dem Weltenäther heraus. Auf dasjenige, was in uns fest ist, feste Erdenkräfte sind, hat auch nur die Erde Einfluss. Auf dasjenige, was in uns Flüssigkeit ist, hat die ganze weite Welt des Äthers Einfluss.
Dann aber können wir uns wiederum versenken auf dritter Stufe in dasjenige, was da in der Flüssigkeit webt und lebt. Wir können das innerlich fühlen, dann, wenn wir zum Beispiel den Atem fühlen. Dann werden wir entdecken, wie wir als Menschen aus den Wesen des Atmens, aus den Wesen der Luft heraus fortwährend gepflegt werden. Wir wären hilflose Kinder in der Welt, wenn wir nicht fortwährend durchströmt würden von den Atemkräften, die uns pflegen, die uns aus hilflosen Kindern erst zu Menschen machen. [Es wird an die Tafel geschrieben]
O Mensch, erfühle in deines Lebens ganzem Weben,
Wie Luftgewalten dir im Dasein Pfleger sind.
Und nun können wir, wenn wir so zur dritten Stufe des innerlichen Erlebens aufgestiegen sind, zu der vierten kommen, wo wir uns innerlich durchwärmt fühlen, wo wir aufmerksam werden auf unsere eigene uns erfüllende Wärme, die im Atem, die in allem lebt, was luftförmig ist in uns. Denn nur durch dasjenige, was luftförmig in uns webt und lebt, wird die Wärme in uns, die uns auch körperlich verinnerlicht, in uns erzeugt.
Das aber, was da innerlich als Wärme in uns lebt, das können wir mit dem Gedanken erreichen. Und hier ist ein sehr bedeutsames Geheimnis der Menschennatur gegeben.
Meine lieben Schwestern und Brüder, Ihr könnet nicht erreichen mit dem Gedanken, sondern nur mit dem Tastgefühle, wie Erdenkräfte auf Euch wirken und Euch Stütze sind. Ihr könnet nicht mit dem Gedanken erreichen, sondern nur mit dem innerlichen Erleben, wie Wasserkräfte in Euch plastische Bildner sind. Ihr könnet nicht mit dem Gedanken erreichen, sondern nur innerlich erfühlen, wie Luftgewalten in Euch Pfleger sind. Ihr könnet dankbar sein diesen Pflegern, Ihr könnet lieben diese Pfleger, aber Ihr könnet sie nicht mit dem Gedanken unmittelbar erreichen. Aber das kann der Mensch meditierend erreichen, dass er sich in seine Wärme mit dem Gedanken hinunterversenkt, dass er wirklich innerlich sich durchlebt als ein Wärmewesen.
Der Arzt kommt mit dem Fieberthermometer; er misst die Wärme von außen. Wie sie verschieden sein kann an den einzelnen Körperstellen, so ist die Wärme im Inneren nach den einzelnen Organen verschieden. Man kann den Gedanken hinunterlenken zu den einzelnen Organen, und man kann finden den ganzen inneren Wärme-Organismus in sich differenziert. Man kann sich als Wärme-Organismus mit dem Gedanken erreichen.
Dann aber, wenn man das hat, dann hat man ein ganz bestimmtes Gefühl. Dieses Gefühl, meine lieben Schwestern und Brüder, ist hier an dieser Stelle vor Eure Seele hinzubringen. Denkt Ihr Euch, Ihr erreicht es, dass Ihr vom Gedanken ausgehend diesen Gedanken hinunterversenkt in Euren Organismus, sich differenzierende Wärme Ihr erreicht: die Wärme der Lunge, die Wärme der Leber, die Wärme des Herzens, die ja alle in Wirklichkeit gottgeistgeschaffene Wesenheiten in Euch sind. Ihr erreicht das mit dem Gedanken. Da wisst Ihr erst, wer der Gedanke ist. Vorher habt Ihr nicht gewusst, was der Gedanke ist. Da wisst Ihr erst, dass der Gedanke, indem er hinunterzicht in die Wärme, die vorherige bloße Wärme zur Flamme macht, zum Feuer macht. Denn der Gedanke, er erscheint Euch ja in einer unwahrnehmbaren Innerlichkeit als abstrakter Gedanke im gewöhnlichen Leben. Wenn Ihr ihn hinunterversenkt in den eigenen Leib, erscheint der Gedanke Euch so, dass er leuchtend, strahlend einzieht in Lunge, in Herz, in Leber. Wie das Licht, das von Eurer Stirne ausgeht, sich nach unten erstreckt, so durchleuchtet der Gedanke, sich differenzierend in die verschiedenen Farbennuancen hinein, die einzelnen Organe.
Man kann nicht bloß sagen: Ich durchdenke mich nach den Unterschiedenheiten meiner Wärme; man muss sagen: Ich durchleuchte mich durch den Gedanken nach den Verschiedenheiten meiner Wärme. [Es wird an die Tafel geschrieben:]
O Mensch, erdenke in deines Fühlens ganzem Strömen, Wie Feuermächte dir im Dasein Helfer sind.
Das Ganze kann dann zusammengefasst werden. Alles dasjenige, was in diesen acht Zeilen liegt, kann zusammengefasst werden, indem man gewissermaßen dasjenige, was man da innerlich durchgemacht hat, noch einmal zusammenfassend auf seine Seele wirken lässt in den Worten: [Es wird an die Tafel geschrieben, die Elemente hinter die entsprechenden Mantramsätze:]
O Mensch, erschaue dich in der Elemente Reich.
Elemente:
Erde
Wasser
Luft
Feuer
So durchmisst Ihr Euch, durchstrahlt, durchkraftet Ihr Euch in Bezug auf den Leib. Aber bemerkt nur einmal, wie dieses Durchkraften, dieses Durchmessen aus dem mehr physischen Fühlen in das Moralische übergeht: Hier haben wir zuerst die Stütze des Menschen, die physische Stütze. [Im ersten Mantramsatz wird «Stütze» unterstrichen.]
Hier haben wir die plastischen Bildekräfte. [Im zweiten Mantramsatz wird «Bildner» unterstrichen.] Es ist noch etwas Physisches, obwohl vom Ätherischen durchzogen.
Hier haben wir Pfleger. [Im dritten Mantramsatz wird «Pfleger» unterstrichen.] Es ist schon etwas Moralisches. Denn kommt man herauf vom Wasser in die Luft, so empfindet man: Die Wesen, die in der Luft sind, sind schon von Moralität durchzogen.
Und im Feuer haben wir nicht nur Pfleger, sondern Helfer [«Helfer» im vierten Mantramsatz wird unterstrichen], Kameraden, Wesen, die gleichgeartet sind mit uns.
Ebenso aber, wie man den Leib in dieser Weise durchfühlt, kann man auch die Seele selber durchfühlen. Da muss man aber nicht auf die Elemente hin sich konzentrieren, da muss man sich konzentrieren auf dasjenige, was in den Wandelsternen um die Erde herum zieht und Luft- und Meeresströmungen mitreißt. Sein Leibliches in seiner Geistigkeit fühlt man, wenn man in der Weise, wie es auseinandergesetzt ist, den Leib durchmisst; sein Seelisches aber durchlebt man. Die weiteren Details sollen in späteren Stunden entwickelt werden; heute soll kurz dasjenige hingeschrieben werden, was dieses Durchfühlen der Seele erleben lässt. [Es wird an die Tafel geschrieben:]
O Mensch, so lasse walten in deiner Seele Tiefen
Der Wandelsterne weltenweisende Mächte.
Wieder kann das zusammengefasst werden in dem Satze:
O Mensch, erwese dich durch den Weltenkreis.
Dasjenige, wodurch wir auch das Geistige in uns erfassen und erleben, das wird erreicht, wenn wir den Geist erheben zu den Ruhesternen, zu denjenigen Sternen, die uns in ihren Gruppen Formungen, Gestaltungen entgegensenden und so wie zur Himmelsschrift für uns werden. Wenn wir bewahren dasjenige, was so eingeschrieben ist in den Sternenhimmel, dann werden wir unserer eigenen Geistigkeit in uns gewahr, jener Geistigkeit, die nicht persönlich vom Menschen spricht, sondern die vom ganzen Weltenall spricht.
[Es wird an die Tafel geschrieben]
O Mensch, erhalte dir in deines Geistes Schaffen
Der Ruhesterne himmelkündende Worte.
Zusammenfassend:
O Mensch, erschaffe dich durch die Himmelsweisheit.
Nicht mit allgemeinen Sätzen, nicht mit allgemeinen Empfindungen kommen wir dazu, mit unserem Seelischen aus dem Leibe immer mehr und mehr herauszukommen und in die Allwelt überzugehen, sondern allein dadurch kommen wir dazu, dass wir in so bestimmter Weise ergreifen Element nach Element, Bewegung der Wandelsterne, Sinn der Ruhesterne. Wir verbinden uns mit der Welt, indem wir dies tun.
Und wir werden bemerken, indem wir dies tun, dass wir in einer solchen Übung, indem wir ihren ersten Teil absolvieren, fühlen das Leben in uns, das Leben der Welt:
[Neben die ersten acht Mantramzeilen wird geschrieben:]
Leben
Indem wir den zweiten Teil absolvieren, fühlen wir uns in Liebe zu aller Welt: [Neben die zehnte und elfte Zeile wird geschrieben:]
Liebe
Indem wir den dritten Teil absolvieren, fühlen wir uns im Frommsein: [Neben die dreizehnte und vierzehnte Zeile wird geschrieben:]
Frommsein
Und es ist wirklich ein Hinaufheben des Menschen vom Leben durch die Liebe zum Frommsein, zum wirklich religiösen Welterleben, was durchgemacht werden kann an solchen mantrischen Worten.
Dann aber, wenn wirklich das so durchgemacht wird, wenn wir zuletzt endigen im Frommsein durch eine solche Übung, dann hört die Welt auf, physisch für uns zu sein. Dann sagen wir uns mit aller inneren Wahrheit: Das Physische an der Welt ist nur Schein, Maja; die Welt ist durch und durch überall Geist. Wir gehören als Mensch zu diesem Geiste. Und wenn wir uns als Geist in der Geistwelt fühlen, dann sind wir jenseits der Schwelle zur geistigen Welt.
Dann aber, wenn wir jenseits der Schwelle zur geistigen Welt sind, dann empfinden wir, wie unser Leib hier zusammenhält, durch seine äußerliche Leibeskraft zusammenhält Denken, Fühlen, Wollen; wie aber in diesem Augenblicke, wo wir leibfrei in unserem Erleben werden, Denken, Fühlen, Wollen eines nicht mehr sind, sondern eine Dreiheit sind. Denn es ist so, als ob wir, indem wir uns mit den Erdengewalten in Erde, Wasser, Luft, Feuer verbinden, wie wenn wir da unser Wollen der Erde zuführten und eins würden durch unser Wollen mit der Erde.
Es ist weiter, indem wir fühlen unsere Seele in Liebe zu den Bewegungen der Wandelsterne, das heißt zu den Geistwesen, welche darinnen leben, es ist so, dass wir da die kreisenden Gewalten des Weltenraumes erleben als Fühlen. Und wenn wir sagen können: Sonne bewegt sich im Gefühl des Weltenraumes, Merkur bewegt sich im Gefühl des Weltenraumes, Mars bewegt sich im Gefühl des Weltenraumes, dann haben wir das Fühlen in seinem Weltendasein getrennt vom Denken ergriffen und getrennt vom Wollen.
Und wenn wir das Denken so erfassen können, dass wir den Gedanken freibekommen vom physischen Dasein, dann ist es, wie wenn unser Denken weit hinausflöge zu den Ruhesternen und in den Ruhesternen selber ruhte. Und wir sagen uns, wenn wir jenseits der Schwelle angekommen sind: Mein Denken ruht in den Ruhesternen; mein Fühlen bewegt sich in den Wandelsternen; mein Wollen gliedert sich ein den Kräften der Erde. Und Denken, Fühlen, Wollen sind im Weltenall aufgeteilt.
Und sie müssen wiederum zusammengefügt werden. Hier auf der Erde braucht der Mensch nicht Denken, Fühlen und Wollen zusammenzubinden, denn sie sind dadurch, dass der physische Leib eine Einheit ist, für den physischen Menschen zusammengebunden. Fortwährend würden Denken, Fühlen und Wollen auseinanderfallen, wenn sie nicht durch den physischen Menschen, ohne dass der Mensch es beabsichtigen oder wollen kann, zusammengehalten werden. Jetzt aber sind sie so getrennt, Denken, Fühlen und Wollen, dass das Denken oben ruht bei den Fixsternen, dass das Fühlen kreist mit den Planeten, dass das Wollen unten sich eingliedert den Kräften der Erde. Und wir müssen uns mit festem innerem Erkraften hinstellen und die drei, die weit auseinanderliegen, durch unsere eigenen Kräfte zu einer Einheit zusammenfassen.
Dazu müssen wir so, wie wir das durch eine solche mantrische Formel können, Denken, Fühlen und Wollen empfinden, damit wir dem Denken, das zu den Ruhesternen gegangen ist, etwas mitteilen können vom Wollen und Fühlen; dem Fühlen, das in den Wandelsternen kreist, etwas mitteilen können vom Denken und Wollen; dem Wollen, das an die Erde gebunden ist, etwas mitteilen können vom Denken und Fühlen.
Wir müssen, hinaufschauend zu den Ruhesternen, andächtig uns sagen: Da ruhet dein Denken. Aber ich bringe diesen ganzen Sternenhimmel in Bewegung, wie das Gefühl es sonst bei den Planeten tut, ich bewege im Geiste den Sternenhimmel langsam hin. Ich fühle mich wie angezogen vom Sternenhimmel; ich möchte hinauf, ich möchte eins werden als ganzer Mensch mit dem Sternenhimmel. So habe ich Fühlen und Wollen dem an die Ruhesterne gebundenen Denken einverleibt.
Nun schaue ich hin auf die Wandelsterne und fühle: In diesen Wandelsternen wandelt mein eigenes Fühlen. Aber ich will mich bemühen, den Augenblick, den ich angeschaut habe, der sich immer in den Wandelsternen verändert, festzuhalten, wie fest sonst nur die Fixsterne stehen. Und ich will mit meinem ganzen mittleren Menschen, mit all dem, was zu Herz und Lunge gehört, eins werden mit dem ganzen Planetensystem. Dann habe ich das Denken und das Wollen zugeteilt dem Fühlen.
Und werde ich gewahr, wie ich als Mensch gebunden bin an die Erde, durch diese mantrische Formel, dann soll ich zumischen diesem Gebundensein an die Erde Fühlen und Denken. Ich soll in mir im Gedanken die Erde in Bewegung setzen, sodass ich mit ihr wie ein Wandelstern fortkreise und ihre Schwere nicht wahrnehme, die Gebundenheit der Erde mir so wird, wie wenn ich die Erde durch den Weltenraum tragen würde. Fühlen ist dem Wollen beigemischt. Denken mische ich bei, wenn ich mit der Erde mich fortbewege in Gedanken, aber wieder stillhalten kann, die Erde selber zum Ruhestern durch meine eigene Gedankenkraft meditierend mache.
Wenn ich solch eine Meditation durchführe und immer wieder und wieder durchführe, ich komme dazu, mich als Mensch im Weltenall außer dem Leibe nach und nach zu fühlen.
Dazu lasse man, meine lieben Schwestern und Brüder, wirken eine mantrische Formel, die besonders kräftig auf die Seele wirken kann: [Es wird an die Tafel geschrieben; siehe Seite 757:]
Trag’ in Denk-Erleben
Das als reines Sinnen
— das heißt: als Meditieren, als Sinnen —
In der Seele lichtvoll glänzt
Fühlen und Wollen
Und du bist Geist
Unter reinen Geistern
Als Zweites:
Trag’ in Fühlenskräfte
Die als edle Liebe
Durch die Seele wärmend weben
Denken und Wollen
Und du bist Seele
Im Reich der Geister
Als Drittes:
Trag’ in Willensmächte
Die als Geistestriebe
Um die Seele wirkend leben
Denken und Fühlen
Und du schaust dich selbst
Als Leib aus Geisteshöhen
Erst so angeschaut erscheint der Leib des Menschen in seiner wahren
Gestalt. Was so erkundet wird aus der geistigen Welt, was erlebt der Ein geweihte in der geistigen Welt, wenn das so in Worte gefasst wird, so sind es mantrische Worte, und derjenige, der es nacherlebt, wird hineingeführt in die geistige Welt.
Daher ist es eine wirkliche Führerschaft in die geistige Welt, wenn Eure Seele eben auf sich die Worte wirken lässt:
Trag’ in Denk-Erleben
Das als reines Sinnen
In der Seele lichtvoll glänzt
Fühlen und Wollen
Und du bist Geist
Unter reinen Geistern Trag’ in Fühlenskräfte
Die als edle Liebe
Durch die Seele wärmend weben
Denken und Wollen
Und du bist Seele
Im Reich der Geister Trag’ in Willensmächte
Die als Geistestriebe
Um die Seele wirkend leben
Denken und Fühlen
Und du schaust dich selbst
Als Leib aus Geisteshöhen
Dann, wenn solches Euch immer klarer und klarer wird, meine lieben Schwestern und Brüder, was in solchen mantrischen Worten liegt, dann werdet Ihr, wenn Ihr immer wieder und wieder kommt zu diesen Stunden, mit immer größerem Verständnisse, das heißt mit immer größerem Welterleben hier hören die Worte:
O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich? Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.