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Esoteric Lessons for the First Class I

GA 270 — 18 April 1924, Dornach

Achte Stunde

Meine lieben Freunde! Da heute eine größere Anzahl von anthroposophischen Freunden in der Klasse hier erscheinen, welche vorher noch nicht anwesend waren, so obliegt es mir, mit einigen einleitenden Worten über die Einrichtung der Schule zu sprechen. Es ist ja in allem Ernste festzuhalten, dass mit der Weihnachtstagung am Goetheanum hier ein neuer Zug in die anthroposophische Bewegung gekommen ist. Und dieses Eintreten eines neuen Zuges muss durchaus in das Bewusstsein insbesondere der Mitglieder unserer Freien Hochschule für Geisteswissenschaft übergehen. Ich habe es ja öfter angedeutet, aber ich weiß, wie viele anthroposophische Freunde heute hier sind, die die Sache noch nicht gehört haben, sodass ich sie noch einmal betonen muss.

Es ist ja so, dass bis zur Weihnachtstagung es immer wieder betont werden musste: Streng auseinanderzuhalten sind anthroposophische Bewegung und Anthroposophische Gesellschaft.

Anthroposophische Bewegung stellte dar das Einfließen in die Menschheitszivilisation der geistigen Weistümer und geistigen Lebensimpulse, die unmittelbar für unsere heutige Zeit aus der geistigen Welt geschöpft werden können und auch geschöpft werden sollen. Diese anthroposophische Bewegung, sie ist da, nicht weil es Menschen so gefällt, dass sie da ist, sondern sie ist da, weil es den geistigen Mächten, welche die Welt lenken und leiten, die Menschheitsgeschichte bewirken, weil es diesen geistigen Mächten als das Richtige erscheint, das Geisteslicht, das durch Anthroposophie kommen kann, heute in der entsprechenden Weise in die Menschheitszivilisation einfließen zu lassen.

Dazu war dann die Anthroposophische Gesellschaft begründet, um als eine Verwaltungsgesellschaft das anthroposophische Weisheits- und Lebensgut zu verwalten. Und immerzu musste betont werden, dass Anthroposophie etwas Übergesellschaftliches ist und dass die Anthroposophische Gesellschaft eben die exoterische Verwalterin ist.

Das hat sich seit der Weihnachtstagung am Goetheanum hier geändert. Seit dieser Weihnachtstagung ist das Gegenteil der Fall. Und nur weil dieses Gegenteil der Fall ist, konnte ich mich bereit erklären, mit dem Vorstande, der auf der Weihnachtstagung gebildet worden ist und mit dem die entsprechende, nun aufzunehmende Arbeit geleistet werden kann, konnte ich mich bereit erklären, mit dem Vorstand zusammen den Vorsitz der damals zu Weihnachten begründeten Anthroposophischen Gesellschaft zu übernehmen. Denn dasjenige, was dadurch geschehen ist, kann ich in einen Satz kleiden. Dieser Satz ist der: Bis dahin wurde Anthroposophie verwaltet durch die Anthroposophische Gesellschaft; jetzt muss alles dasjenige, was durch die Anthroposophische Gesellschaft geschieht, selber Anthroposophie sein. Es muss seit Weihnachten Anthroposophie in der Anthroposophischen Gesellschaft getan werden. Jedes einzelne Tun muss unmittelbar dadurch einen esoterischen Charakter haben. Die Einsetzung des Dornacher Vorstandes auf der Weihnachtstagung war daher eine esoterische Maßnahme, die Maßnahme, die unmittelbar gedacht werden muss als aus der geistigen Welt heraus geworden. Nur wenn dies im Bewusstsein unserer anthroposophischen Freunde liegt, kann die Anthroposophische Gesellschaft, die damals begründet worden ist, gedeihen. Sodass anthroposophische Bewegung und Anthroposophische Gesellschaft nunmehr identisch geworden ist.

Daher ist der Dornacher Vorstand, wie schon auf der Weihnachtstagung betont wurde, ein Initiativ-Vorstand. Selbstverständlich muss verwaltet werden. Aber das Verwalten ist nicht dasjenige, das er in erster Linie als seine Aufgabe betrachtet, sondern er betrachtet es als seine Aufgabe, Anthroposophie durch die Anthroposophische Gesellschaft fließen zu lassen und alles dasjenige zu tun, was zu diesem Ziele führen kann.

Damit aber ist auch die Stellung des Dornacher Vorstandes innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft gegeben. Und es muss klar sein, dass nunmehr jedes Verhältnis innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft nicht auf irgendwelchen Bürokratismus gebaut werden kann, sondern dass es gebaut wird durchaus auf Menschliches. Man hat daher auf der Weihnachtstagung nicht Statuten vorgelegt, die Paragrafen enthalten: Das muss man bekennen, wenn man ein Mitglied ist, zu dem muss man seine Zustimmung geben oder dergleichen, - sondern es wurde erzählt in den Statuten, mitgeteilt, was der Vorstand am Goetheanum will. Und so ist die Anthroposophische Gesellschaft heute konstituiert. Auf das menschliche Verhältnis ist sie begründet.

Es ist eine Kleinigkeit, aber ich muss es immer wieder betonen: Es wird jedem Mitgliede eine Mitgliedskarte ausgehändigt, die von mir selber unterschrieben ist, sodass wenigstens, wenn das auch eine abstrakte Sache zunächst ist, gleich das persönliche Verhältnis in irgendeiner Weise vorhanden ist. Es wurde mir nahegelegt, einen Stempel aufdrucken zu lassen mit meinem Namenszug. Ich tue das nicht - trotzdem es nicht gerade eine Bequemlichkeit ist, zwölftausend Mitgliedskarten zu unterschreiben nach und nach -, aber ich tue es nicht, weil das erste, allerdings abstrakteste persönliche Verhältnis dadurch begründet wird zu jedem einzelnen Mitgliede, dass einmal, wenn auch nur für Minuten, das Auge ruht auf dem Namen desjenigen, der die Mitgliedskarte trägt. Und selbstverständlich werden alle anderen Verhältnisse noch menschlicher, aber es beginnt eben damit das konkrete Wirken innerhalb unserer Gesellschaft.

Daher muss auch - ich muss das auch betonen - klar sein, im Bewusstsein der Mitgliedschaft liegen, dass - ich betone es, weil dagegen schon gesündigt worden ist —, es muss im Bewusstsein der Mitgliedschaft liegen, dass, wenn der Name «Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft» gebraucht wird, dass dann erst eingeholt werde die Zustimmung des Vorstandes am Goetheanum. Ebenso, dass, wenn irgendetwas, was vom Goetheanum in Dornach ausgeht und weiter verwendet wird als ein Esoterisches, dies nur geschehe auf Grundlage einer Verständigung mit dem Vorstande am Goetheanum. Sodass also nichts anerkannt werden wird, was im Namen der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft auftritt, von uns hier nichts anerkannt werden wird als berechtigt, was hier an Formeln und an Lehren gegeben wird vom Goetheanum aus, wenn nicht eine Verständigung mit dem Vorstande am Goetheanum stattfindet. Es wird kein abstraktes Verhältnis in der Zukunft möglich sein, sondern nur ein konkretes Verhältnis. Dasjenige, was vom Goetheanum ausgeht, muss konkret vom Goetheanum entgegengenommen werden. Daher ist für den Gebrauch des Titels «Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft», den man etwa über Vorträge setzt, die irgendwo gehalten werden, oder für den Gebrauch von Formeln und dergleichen, die hier gegeben werden und die man weiter mitteilen will als tätiges Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft, zu schreiben an den Schriftführer der Anthroposophischen Gesellschaft am Goetheanum, an Frau Wegman, um die Zustimmung des Vorstandes am Goetheanum dazu zu erhalten. Es ist nötig, dass der Vorstand am Goetheanum wirklich als der Mittelpunkt der anthroposophischen Bewegung in der Zukunft aufgefasst werde.

Nun, wiederum dasjenige, was Verhältnis dieser Schule zur Anthroposophischen Gesellschaft ist, muss genau in das Bewusstsein der Mitgliedschaft übergehen. Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft wird man, wenn man den inneren Herzensdrang hat, dasjenige kennenzulernen, mit demjenigen mit zu leben, was als anthroposophisches Weisheitsgut und Lebensimpuls durch die Welt gehen will. Man übernimmt keine anderen Verpflichtungen als diejenigen, die sich einem für Seele und Herz aus der Anthroposophie heraus selbst ergeben. Aus dieser allgemeinen Mitgliedschaft kann man dann, wenn eine gewisse Zeit - vorläufig ist das Minimum zwei Jahre festgesetzt -, wenn eine gewisse Zeit der Mitgliedschaft in der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft verflossen ist, dann kann um die Mitgliedschaft in der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft angesucht werden.

Bei dieser Hochschule für Geisteswissenschaft handelt es sich nun darum, dass man nun auch wirkliche ernste Verpflichtungen für die Gesellschaft, das heißt für die anthroposophische Sache übernimmt, das heißt, dass man als Mitglied wirklich sein will ein echter Repräsentant der anthroposophischen Sache vor der Welt. Das ist heute notwendig. Unter anderen Bedingungen kann die Leitung der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft sich nicht bereit erklären, mit jemandem zusammen als Mitglied zu arbeiten.

Sagen Sie nicht, meine lieben Freunde, das sei eine Beschränkung der Freiheit. Freiheit bedingt, dass alle, die daran beteiligt sind, frei sind. Und ebenso wie man Mitglied der Schule sein kann und frei sein soll in dieser Beziehung, so muss auch die Leitung der Schule frei sein, das heißt erklären können, mit wem sie zusammenarbeiten will und mit wem nicht. Wenn daher die Leitung der Schule aus irgendeinem Gesichtspunkte heraus die Ansicht haben muss, dass ein Mitglied nicht ein wirklicher Repräsentant der anthroposophischen Sache vor der Welt sein kann, so muss es dieser Leitung der Schule möglich sein, entweder, wenn die Aufnahme angesucht wird, diese Aufnahme nicht zu bewilligen, oder auch, wenn die Aufnahme stattgefunden hat, der Betreffende schon Mitglied geworden ist, zu sagen, dass die Mitgliedschaft erlöschen muss. Das muss unbedingt im strengsten Sinne in der Zukunft eingehalten werden; sodass da in der Tat ein freies Zusammenwirken der Leitung der Schule und der Mitgliedschaft dadurch gegeben sein wird.

Nun werden wir Schritt für Schritt - das alles ist ja schon in den Mitteilungen, die dem «Goetheanum» beigegeben werden, ausgesprochen -, wir werden Schritt für Schritt versuchen, auch diejenigen, die nicht am Goetheanum teilnehmen können an der fortlaufenden Arbeit der Schule, in irgendeiner Weise an ihr teilnehmen zu lassen. Es wird - wir können immer nur den fünften Schritt nach dem vierten machen, nicht den siebenten Schritt nach dem ersten; wir müssen eins nach dem anderen machen, und es ist seit der Weihnachtstagung sehr viel hier zu tun -, aber es wird schon alles eingeleitet werden in dem Maße, als wir das können. Wir werden zu Rundbriefen kommen, durch die teilnehmen können diejenigen, die auswärts sind - als auswärtige Mitglieder -, an demjenigen, was in der Schule hier vorgeht. Beginnen konnten wir ja nur damit zunächst, dass die an der Schule beteiligten Mediziner in einem Rundbrief, den Frau Doktor Wegman verschickt hat, an der Arbeit der Schule teilnehmen konnten. Die Dinge werden aber schon ihren Fortgang nehmen, je nach den Möglichkeiten. Ich bitte Sie, in Bezug darauf natürlich Geduld zu üben.

Das Weitere, was noch zu erwähnen wäre, wäre dieses, dass diese Schule aufgefasst werden muss im Besonderen nicht als die Einsetzung durch menschlichen Impuls, sondern als die Einsetzung von Seiten der geistigen Welt. Ein Ratschluss der geistigen Welt ist mit den Mitteln, die möglich sind, eingeholt worden; sodass diese Schule als eine Institution der geistigen Welt für die Gegenwart aufzufassen ist, wie es immer zu allen Zeiten in den Mysterien der Fall war; sodass heute gesagt werden darf: Diese Schule muss sich entwickeln zu demjenigen, was in unserer Zeit eine wirkliche Mysterienschule sein kann. Dadurch wird sie die Seele sein der anthroposophischen Bewegung.

Damit ist aber auch schon angedeutet, in welchem ernsten Sinne die Mitgliedschaft zu dieser Schule aufzufassen ist. Es ist selbstverständlich, dass alles dasjenige, was an esoterischer Arbeit vorher geleistet worden ist, einläuft in die Arbeit dieser Schule. Denn diese Schule ist der esoterische Grundstock und Grundquell alles esoterischen Wirkens innerhalb der anthroposophischen Bewegung. Und es müssen daher diejenigen Persönlichkeiten, welche aus irgendwelchen Untergründen heraus vermeinen, irgendetwas Esoterisches in der Welt zu begründen ohne den Zusammenhang mit dem Vorstande am Goetheanum, die müssen entweder sich mit dem Vorstande am Goetheanum voll verständigen oder aber sie können unmöglich irgendetwas, was vom Goetheanum ausgeht, in ihre Lehren oder in ihre Impulse einfließen lassen. Wer Esoterik treiben will unter anderen Bedingungen als die eben ausgesprochenen, kann nicht Mitglied dieser Schule werden. Er muss dann außerhalb der Schule, unanerkannt von dieser Schule, seine Esoterik treiben, muss aber sich klar sein darüber, dass in dieser nichts enthalten sein kann, was von dieser Schule ursprünglich ausgeht. Die Verbindung mit der Schule muss als eine durchaus konkrete aufgefasst werden. Sodass also jedes Mitglied der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum in Dornach, dass jedes Mitglied sich klar sein muss: Die Schule muss der Meinung sein können, das Mitglied sei ein wirklicher Repräsentant der anthroposophischen Sache vor der Welt und ein jedes Mitglied vertrete exoterisch die Anthroposophie so, wie es sie vertreten muss als Mitglied der Schule,

Es ist ja versucht worden, das Goetheanum in der Zeit, als ich noch nicht selber die Leitung hatte, nicht den Vorsitz der Anthroposophischen Gesellschaft hatte, in einer gewissen Weise nachzubilden den anderen Hochschulen. Allein das geht unter den gegebenen Verhältnissen nicht. Hier wird man dasjenige Esoterische finden, was man eben an sonstigen Hochschulen nicht finden kann. Und es wird gar nicht angestrebt werden, irgendwie in Konkurrenz mit den Hochschulen der Welt zu treten zunächst, sondern gerade da zu beginnen, wo der ehrlich strebende Mensch heute auf irgendeinem Gebiete des Lebens dazu kommt, Fragen aufzuwerfen, die eben außerhalb der Esoterik nicht beantwortet werden.

Es muss daher, insbesondere von den Mitgliedern der Schule, in der Zukunft - diese Dinge sind ja nun einmal so: weil mit der Weihnachtstagung wirklich etwas geschehen ist, es muss daher das, was mit ihr geschehen ist, ernst genommen werden; es ist nun einmal so, dass in der Zukunft deshalb, weil die Impulsivität, welche von dieser Stätte hier am Goetheanum ausgehen soll, im ernstesten Sinne ihre Aufgabe erfüllen muss, sich unbedingt stellen muss auf den Standpunkt, dass die Aufgabe erfüllt werden muss -, es muss daher klar sein, dass in der Zukunft all der Firlefanz aufhören muss, für die Mitglieder der Schule aufhören muss, der da immer wieder und wiederum zurückzuckt davor, frank und frei sich zu bekennen dazu: Ich bin da als Repräsentant der vom Goetheanum ausgehenden Anthroposophie. - Wer das nicht will, wer in einer unfreien und nicht freimütigen Weise immer wieder und wiederum nur damit kommt, man müsse erst schweigen über Anthroposophie, die Leute langsam vorbereiten, wer in irgendeiner Weise nach dieser Richtung Politik treiben will und glaubt, dass er weiterkommt damit, dass er erst uns verleugnet, um dann zu uns zu führen - es führt ja gewöhnlich nicht zu uns -, der möge lieber seine Mitgliedschaft zur Schule sogleich aufgeben. Ich kann Ihnen versprechen, dass die Mitgliedschaft zur Schule in der Zukunft im allerernstesten Sinne genommen werden wird. Das wird, wie ich glaube, denjenigen Mitgliedern der Schule, die es nun wirklich um der Anthroposophie willen, nicht aus irgendeinem anderen Grunde halten, um der Anthroposophie willen halten mit ihrem Wirken, im Sinne der Anthroposophie halten mit ihrem Wirken, denen wird es etwas Herzliebes sein; diejenigen, die aber immer wieder und wiederum mit der Phrase kommen: Man kann den Leuten nicht gleich mit Anthroposophie kommen, man muss ihnen zum Munde reden oder dergleichen - die können ja wählen, eben ihren Standpunkt außerhalb der Schule zu nehmen.

Das ist dasjenige, was nun einmal vorausgesetzt werden muss. Und es musste heute erwähnt werden, weil eben zahlreiche anthroposophische Freunde da sind, welche bisher nicht an den Arbeiten dieser Schule teilgenommen haben. Gerade aus dem Grunde, weil heute ja so viele Freunde neu gekommen sind, mussten wir so lange auf den Beginn dieser Stunde warten, mussten auch hier noch, bevor diese Stunde begonnen hat, diese Einleitung hören, und es ist daher in gewissem Sinne diese heutige Stunde eine Art Vorbereitung. Ich werde eine zweite Stunde halten, deren Zeitpunkt ich noch angeben werde; aber an dieser zweiten Stunde werden keine anderen Freunde teilnehmen können als diejenigen, die schon heute da sind. Also ich bitte diejenigen, die später kommen, zu beruhigen. Wir kommen sonst überhaupt nicht zustande, wenn jedes Mal, wenn eine Stunde hier gehalten wird, immer wiederum Neue ankommen. Mit der heutigen Stunde muss dasjenige erschöpft sein, was Mitgliedschaft zunächst sein kann. Gewiss, man kann Mitglied werden; aber an der nächsten Stunde können nur diejenigen teilnehmen, die auch heute schon da sind. Sie wird ja nur die Fortsetzung der heutigen sein.

Nun möchte ich heute damit beginnen — ohne dass Sie zunächst irgendetwas notieren, dass Sie zunächst nur anhören -, jene mantrische Formel hier auszusprechen, welche hinweist auf dasjenige, was durch alle Zeiten - zunächst ausgehend von den Mysterien, dann aber für die Mysterien ausgehend von der in den Sternen, im ganzen Kosmos geschriebenen Schrift - in die Menschenseele, in das Menschenherz hereintönt, hereintönt als die große Aufforderung an den Menschen, nach einer wirklichen Erkenntnis seiner selbst zu streben. Diese Aufforderung: «O Mensch, erkenne dich selbst!», sie ertönt aus dem ganzen Kosmos heraus.

Blicken wir auf zu den Ruhesternen, zu denjenigen Sternen, die in besonders deutlicher Schrift im Tierkreis stehen, zu jenen Ruhesternen, die durch ihr Zusammenlagern in gewissen Formen die groRen kosmischen Schriftzüge zum Ausdruck bringen, dann wird für den, der diese Schrift versteht, zunächst angeschlagen der Inhalt des Weltenwortes: «O Mensch, erkenne dich selbst!»

Blickt man auf zu demjenigen, was die Wandelsterne in ihren Bewegungen ausführen, zunächst Sonne und Mond, aber auch die anderen Wandelsterne, welche zur Sonne und zum Mond gehören, dann offenbart sich in den Bewegungen dieser Wandelsterne, wie sich in den Formen der Ruhesterne der Inhalt des weltenkräftigen, seelengewaltigen Weltenwortes enthüllt, so in den Bewegungen der Wandelsterne der Herzens-, der Weltenherzensinhalt, der Gemütsinhalt.

Und durch dasjenige, was wir in den Elementen erleben, die draußen im Umkreise der Erde um uns sind, an denen wir teilnehmen, die auch durch unsere Haut, durch unsere Sinne, durch alles, was wir an uns haben, in uns einziehen und in unserem eigenen Körper wirken — Erde, Wasser, Feuer, Luft -, durch das wird der Willensimpuls in diese Worte eingegossen.

Und so können wir dieses zum Menschen ertönende Weltenwort auf unsere Seele wirken lassen bei den mantrischen Worten:

O Mensch, erkenne dich selbst!
So tönt das Weltenwort.
Du hörst es seelenkräftig,
Du fühlst es geistgewaltig. Wer spricht so weltenmächtig?
Wer spricht so herzinniglich?
Wirkt es durch des Raumes Weitenstrahlung
In deines Sinnes Seinserleben?
Tönt es durch der Zeiten Wellenweben
In deines Lebens Werdestrom? Bist du es selbst, der sich
Im Raumesfühlen, im Zeiterleben
Das Wort erschafft, dich fremd
Erfühlend in Raumes Seelenleere,
Weil du des Denkens Kraft
Verlierst im Zeitvernichtungsstrome.

Meine lieben Freunde, meine lieben Schwestern und Brüder, es gibt kein Erkennen, das nicht herandringt an die geistige Welt; alles dasjenige, was man Erkennen nennt und was nicht entweder erforscht wird aus der geistigen Welt heraus oder mitgeteilt wird von solchen, die forschen können in der geistigen Welt, das ist kein wirkliches Erkennen. Denn der Mensch muss sich klar sein darüber, wenn er herumschaut in der Welt, in den Reichen der Natur, schaut dasjenige, was Farb’ an Farbe west, dasjenige, was Glanz an Glanz sich offenbart, dasjenige, was oben lebt in den strahlenden Sternen, dasjenige, was in der wärmenden Sonne weset, dasjenige, was unten sprosst aus den Tiefen der Erde heraus: Es ist in alledem Erhabenes, Großes, Schönes, Weisheitsvolles. Und der Mensch würde höchst unrecht tun, wenn er vorbeigehen würde an diesem Schönen, Erhabenen, Gewaltigen, Weisheitsvollen. Der Mensch muss auch, wenn er Esoteriker wird, wenn er an wirkliche Erkenntnis herandringt, er muss einen Sinn haben für dasjenige, was ihn in der Welt umgibt, einen offenen, freien Sinn. Denn während der Zeit zwischen Geburt und Tod, während seines irdischen Daseins, obliegt es ihm, aus den Kräften der Erde heraus seine Kraft zu ziehen, in die Kräfte der Erde hinein seine Arbeit zu leisten.

Aber so wahr es ist, dass der Mensch wahrhaftig teilnehmen müsse an alledem, was ihn Farb’ an Farbe, Ton an Ton, Warmheit an Warmheit, Stern an Stern, Wolke an Wolke, Naturwesen an Naturwesen im äußeren Reiche umgibt, so wahr ist es, dass, wenn da der Mensch hinausschaut in all das, was ihm an Großem, Gewaltigem, Erhabenem, Weisheitsvollem, Schönem seine Sinne übermitteln können, er dann nicht dasjenige findet, was er selbst ist. Gerade dann, wenn er einen rechten Sinn hat für das Erhabene, Schöne, Große in seiner Umgebung im Erdenleben, dann wird er darauf aufmerksam: In diesem lichten, hellen Reich der Erde ist der innerste Urquell des eigenen Seins nicht vorhanden. Der ist woanders. Und das volle Erfühlen davon, das bringt den Menschen dazu, aufzusuchen jenen Bewusstseinszustand, der ihn versetzt an dasjenige, was wir nennen die Schwelle zur geistigen Welt. Diese Schwelle, die unmittelbar vor einem Abgrunde liegt, an sie muss man herantreten, an ihr muss man sich erinnern: In all dem, was einen auf der Erde umgibt im irdischen Dasein zwischen Geburt und Tod, liegt der Urquell des Menschen nicht.

Dann muss man wissen: An dieser Schwelle steht eine Geistgestalt, die man nennt den Hüter der Schwelle. Jener Hüter der Schwelle, er sorgt in einer dem Menschen wohltätigen Weise dafür, dass der Mensch nicht unvorbereitet - nicht, ohne jene Empfindungen in aller Tiefe in der Seele durchlebt zu haben, von denen ich eben gesprochen habe -, dass der Mensch nicht unvorbereitet an diese Schwelle herantrete.

Dann aber, wenn der Mensch wirklich mit innerlichem Ernst vorbereitet ist für Geisteserkennen - sei es, dass er es im hellsichtigen Bewusstsein erwirbt, sei es, dass er es für den gesunden Menschenverstand, denn beides ist möglich, mitgeteilt erhält: Er muss in beiden Fällen entweder schauen oder wissen in Bezug auf den Hüter der Schwelle -, erst dann ist es möglich, dass der Hüter der Schwelle wirklich die weisende Hand ausstreckt und den Menschen über den Abgrund hinüberschauen lässt. Da, wo der Mensch seinem innersten Wesen nach urständet, seinen Ursprung hat, da aber liegt zunächst - jenseits der Schwelle - die äußerste Finsternis.

Meine lieben Freunde, meine lieben Schwestern und Brüder, Licht suchen wir, um in dem Lichte unser eigenes menschliches Wesen seinem Ursprunge nach zu sehen. Finsternis breitet sich zu nächst aus. Dieses Licht, das wir suchen, es muss herausstrahlen aus der Finsternis. Und es strahlt nur heraus aus der Finsternis, wenn wir gewahr werden, wie dasjenige, was die drei Grundimpulse unseres Seelenlebens sind, Denken, Fühlen, Wollen, hier in diesem Erdendasein durch unseren physischen Leib zusammengehalten wird. Verbunden ist Denken, Fühlen und Wollen im physisch-irdischen Dasein.

Soll ich schematisch aufzeichnen, wie das verbunden ist, so muss ich das so zeichnen [siehe Seite 748]: Das Denken [gelb]; in das Denken erstreckt sich hinein das Fühlen [grün]; in das Fühlen erstreckt sich hinein das Wollen [rot]. Sodass die Dreie in dem irdischen Dasein für den Menschen verbunden sind.

Es muss der Mensch empfinden lernen, dass die Dreie sich voneinander scheiden. Und er wird - wenn er immer mehr und mehr jene Meditationen, die ihm von der Schule aus hier empfohlen werden, zum kraftvollen Inhalt seines Seelenlebens macht -, er wird merken, dass das an ihn herantritt [es wird nochmals gezeichnet]; Das Denken [gelb] wird frei, löst sich heraus aus der Verbindung mit dem Fühlen, das Fühlen [grün] wird für sich; das Wollen [rot] wird für sich. Denn der Mensch lernt wahrnehmen ohne seinen physischen Leib.

Der physische Leib hat zusammengehalten Denken, Fühlen und Wollen, sie ineinander gedrängt [um die erste Zeichnung wird ein Oval gezeichnet]; hier [bei der zweiten Zeichnung von Denken, Fühlen, Wollen] ist der physische Leib nicht vorhanden.

Der Mensch kommt allmählich durch die Meditationen, die er hier von der Schule empfängt, dazu, sich außerhalb seines Leibes zu fühlen; und er kommt in jenen Zustand, in dem dasjenige, was Welt ist, für ihn Selbst wird, und dasjenige, was Selbst war, für ihn Welt wird. Stehen wir hier auf der Erde in unserem irdischen Dasein: Wir fühlen uns als Mensch; wir sagen, indem wir uns innerlich gewahr werden: Dies ist mein Herz, dies ist meine Lunge, dies ist meine Leber, dies ist mein Magen. Dasjenige, was wir unsere Organe nennen, was wir die physische Menschenorganisation nennen, das bezeichnen wir als unser Eigenes. Und wir weisen hinauf: Das ist die Sonne, das ist der Mond, das sind die Sterne, die Wolken, das ist der Baum, der Fluss. Wir bezeichnen diese Wesenheiten als außer uns stehend. Wir sind in unseren Organen drinnen. Wir sind außerhalb dessen, worauf wir hinweisen: Das ist die Sonne, das ist der Mond, das sind die Sterne und so weiter.

Wenn wir genügend unsere Seele zubereitet haben, dass sie ohne den Leib, das heißt, außerhalb des Leibes im Geistes-All wahrnehmen kann, dann tritt für uns gerade das umgekehrte Bewusstsein ein. Wir sprechen zur Sonne, wie wir jetzt hier im irdischen Dasein zu unserem Herzen sprechen: Das ist mein Herz. Wir sprechen zum Monde: Das ist der Schöpfer meiner Gestalt. Wir sprechen zu den Wolken etwa so, wie wir auf der Erde zu unseren Haaren sprechen. Wir nennen dasjenige, was Glieder des Weltenalls für den irdischen Menschen sind, unseren Organismus. Und wir weisen hin: Siehe da, ein menschliches Herz, eine menschliche Lunge, eine menschliche Leber: Das ist objektiv, das ist Welt. So, wie wir hier vom Menschen aus sehen nach Sonne und Mond, wenn wir im physischen Leibe die Welt schauen, so schauen wir vom Weltenall aus so, dass Sonne und Mond und Sterne und Wolken und Flüsse und Berge in uns sind, auf den Menschen hin, der unsere Außenwelt ist. Die Schwierigkeit ist nur in den Raumesverhältnissen gegeben. Und diese Schwierigkeit wird überwunden.

So nehmen wir wahr, sobald wir mit unserem Denken herausgetreten sind aus unserem physischen Leibe: Dieses Denken ist eins mit alledem, was in den Ruhesternen sich offenbart. Wie wir hier das Gehirn unser Eigen nennen, es ansprechen als Werkzeug unseres Denkens, so beginnen wir die Ruhesterne, namentlich die Ruhesterne des Tierkreises als unser Gehirn zu empfinden, wenn wir draußen sind in der Welt und auf den Menschen herniederschauen als auf das uns jetzt Außenstehende.

Und dasjenige, was als Wandelsterne kreist, wir empfinden es als dasjenige, was unser Fühlen ist. Unser Fühlen webt dann im Laufe der Sonne, im Laufe des Mondes, im Laufe der anderen Wandelsterne. Ja, es ist zwischen dem, was wir erleben als Denken in den Ruhesternen - Weltendenken - und dem Fühlen, die Sonne in uns selber, und zwischen dem Fühlen und dem Wollen liegt der Mond, die wir in uns fühlen. [Zwischen Gelb und Grün der zweiten Zeichnung wird das Sonnenzeichen und zwischen Grün und Rot wird das Mondenzeichen gesetzt.] Und einfach, indem wir diese Figur meditieren, liegt in dieser Figur die Kraft, immer mehr und mehr uns einer geistigen Anschauung zu nähern. Man muss nur darauf kommen, dass dasjenige, was mit diesen Worten, die ich hier sage, ausgesprochen wird, wirklich innerlich erlebt werden kann: das Herausgehen aus dem physischen Leibe, das Sichausdehnen über den Kosmos, das Fühlen der Glieder des Kosmos - Sonne und Mond, Sterne und so weiter - als die eigenen Organe, das Hinschauen auf den Menschen als auf unsere Außenwelt.

Da aber muss uns völlig klar werden: Unser Denken, unser Fühlen, unser Wollen werden aus einer Einheit, die sie ja nur durch den physischen Leib auf der Erde sind, eine Dreiheit. Und wir lernen empfinden diese Dreiheit, wenn wir vor allen Dingen auf das Denken selbst hinschauen.

Liebe Freunde, liebe Schwestern und Brüder, dieses Denken, das der Mensch übt hier auf der Erde zwischen Geburt und Tod, es ist ja ein Leichnam. Es lebt nicht. Was der Mensch auch durch sein Gehirn ausdenken mag an noch so Schönem, Erhabenem, Großem über die irdische Welt seiner Umgebung: Diese Gedanken leben nicht. Gelebt haben sie im vorirdischen Dasein. Gelebt haben sie, diese Gedanken, als wir noch nicht heruntergestiegen waren in die physische Welt, sondern als geistig-seelische Wesen oben in der geistig-seelischen Welt gelebt haben. Da waren diese Gedanken lebendig, die wir hier haben auf der Erde, und unser physischer Leib ist das Grab, in dem die sterbende Gedankenwelt begraben wird, wenn wir heruntersteigen auf die Erde. Und hier tragen wir die Gedankenleichname in uns. Und mit Gedankenleichnamen, nicht mit lebendigen Gedanken, denken wir dasjenige, was in der sinnlichen Umgebung hier auf Erden ist. Aber bevor wir heruntergestiegen sind in diese physische Welt, da war in uns ein lebendiges Denken.

Meine lieben Freunde, man braucht nur mit aller inneren Wucht und Kraft immer wieder und wieder sich von dieser Wahrheit zu durchdringen: Man kommt dazu, im Bewusstsein ein Wissen zu entwickeln, dass das so ist. Man lernt so den Menschen kennen. Man lernt ihn so kennen, dass man ihn anschaut dann: Da ist das menschliche Haupt. Dieses menschliche Haupt ist der Träger und Boden für das irdische Leichnamdenken. Da sprossen heraus, aber tot, die Gedanken, die sich ergießen über das durch die Augen Wahrgenommene, durch die Ohren Wahrgenommene, durch den Wärmesinn, durch andere Sinne Wahrgenommene. Da schauen wir hin auf das Denken, das sich auf die Erde bezieht.

Aber wir lernen allmählich durchschauen durch dieses Denken. Dahinter in der Geisteszelle des menschlichen Hauptes, da ist noch der Nachklang des wahren, lebendigen Denkens, in dem wir gelebt haben, bevor wir heruntergestiegen sind in die physische Welt. Schaut man hin auf den Menschen [es wird der Umriss eines Hauptes gezeichnet], dann - eigentlich schaut man auf sein totes Denken zunächst [rot des Hauptes] —, aber hinter diesem toten Denken ist in der Kopfes-Geisteszelle das lebendige Denken [gelber Teil des Hauptes]; und dieses lebendige Denken hat die Kraft mitgebracht, unser Gehirn erst zu bilden. Das Gehirn ist nicht der Erzeuger des Denkens, sondern das Produkt des vorgeburtlichen lebendigen Denkens.

Schaut man daher mit dem richtig entwickelten Bewusstsein hin auf den Menschen: Er offenbart an der Oberfläche seines Hauptes das irdisch-tote Denken; schaut man hinein in die Geisteszelle dahinter, dann schaut man auf das lebendige Denken, das eigentlich so ist wie ein Wollen, das man gewahr wird als Wollen sonst in dem menschlichen motorischen System, das eigentlich schlafend in uns ist. Denn wir wissen nicht, wie der Gedanke hinuntergeht - wenn er die Absicht hat, dies oder jenes zu wollen - in unsere Muskeln und so weiter. Schauen wir auf dasjenige, was als Wollen in uns lebt: Wir erblicken das Wollen als Denken in der Geisteszelle hinter dem auf das Sinnliche gerichteten Denken. Dann aber ist dieses Wollen, das wir als Denken da gewahr werden, schöpferisch für unser Denkorgan; da ist dieses Denken nicht mehr menschliches Denken, da ist dieses Denken Weltendenken.

Können wir den Menschen so verstehen, dass wir gewissermaßen durch das irdische Denken hindurchblicken auf dasjenige Denken, im vorderen das erst die Grundlage für das irdische Denken im Gehirn gemacht hat, dann verfließt ins Weltennichts das sinnliche Denken und aufersteht wie ein Wollen das ewige Denken.

Das alles bringen wir uns zum Bewusstsein, wenn wir in uns wirken lassen die mantrischen Worte:

Sich hinter des Denkens Sinneslicht,
Wie in der finstren Geisteszelle
Wollen sich hebt aus Leibestiefen;
Lasse fließen durch deiner Seele Stärke
Totes Denken in das Weltennichts;
Und das Wollen, es erstchet
Als Weltgedankenschaffen.

Diese Imagination muss allmählich vor Euch stehen, meine lieben Freunde, diese Imagination, dass vom Kopfe ausstrahlt das Gedankentote, das auf die Sinneswelt gerichtet ist. Dahinter liegt - zunächst wie als Finsternis - das durch die Sinnesgedanken hindurchscheinende wahre Denken, das das Gehirn erst schafft, indem der Mensch heruntersteigt aus der geistigen Welt in die physische. Das ist aber wie ein Wollen. Und man sieht dann, wie aus dem Menschen heraufsteigt das Wollen [einige weiße Striche von unten nach oben], sich ausbreitet und im Haupte zum Weltendenken wird [weiße Form im Haupte], weil, was im Wollen als Denken lebt, eben schon Weltendenken ist.

Man suche daher immer besser zu verstehen, immer mehr zu begreifen, immer mehr und mehr zur Bildhaftigkeit zu bringen die mantrischen Gedanken, die man mit diesen Worten in die Seele hineinlegen kann in der folgenden Weise: [Die erste Strophe wird nun an die Tafel geschrieben; siehe Seite 748-749]

Sieh hinter des Denkens Sinneslicht, Wie in der finstren Geisteszelle

  • also man muss hinter das Denken schauen - [«hinter» wird dabei unter strichen]

Wollen sich hebt aus Leibestiefen;

— nun muss man stark werden in der Seele, verfließen lassen das gewöhnliche Sinnendenken —

Lasse fließen durch deiner Seele Stärke
Totes Denken in das Weltennichts;
Und das Wollen, es erstehet
Als Weltgedankenschaffen.

In diesen sieben Zeilen ist eigentlich das Geheimnis des menschlichen Denkens in seinem Zusammenhang mit dem Weltenall enthalten.

Man muss nicht Anspruch machen darauf, diese Dinge mit dem Intellekt aufzufassen. Man muss diese Dinge im Gemüte als Meditation leben lassen. Und diese Worte haben Kraft. Sie sind harmonisch gebaut. «Denken», «Wollen», «Weltennichts», «Wollen» und «Weltgedankenschaffen» [diese Worte werden an der Tafel unterstrichen] sind hier zusammengefügt in innerer Gedankenorganisation so, dass sie auf das imaginative Bewusstsein wirken können.

Ebenso wie wir hinschauen können auf das menschliche Haupt, das menschliche Haupt uns ein Mittel wird, in das Weltgedankenschaffen hineinzuschauen, so können wir hinblicken auf das menschliche Herz als den Repräsentanten, den physischen Repräsentanten, den imaginativen Repräsentanten der menschlichen Seele. Wie das Denken der abstrakte Repräsentant des menschlichen Geistes ist, so können wir hinblicken auf das menschliche Herz als den Repräsentanten des Fühlens. Wiederum können wir in das Fühlen, wie es zugewandt ist dem Erdenwesen im menschlichen irdischen Dasein zwischen Geburt und Tod, wir können in das Fühlen hineinschauen, aber jetzt nicht hinter das Fühlen, sondern in das Fühlen. [Zeichnung: gelbes Oval mit gelber Schraffur.] Denn so, wie wir in der Geisteszelle hinter dem Denken wahrnehmen das Weltgedankenschaffen, so nehmen wir in dem Fühlen, dessen Repräsentant das Herz ist, wir nehmen in dem Fühlen wahr, das Fühlen durchströmend, etwas, was vom ganzen Kosmos im Menschen ein- und ausgeht: Weltenleben nehmen wir wahr, Weltenleben, das im Menschen Menschenseelenleben wird.

Muss da stehen [im ersten Spruch]: «hinter des Denkens Sinneslicht», so muss es nun heißen: «in des Fühlens» im zweiten Mantram, das mit dem ersten harmonisch zusammenverwoben werden muss:

Sieh in des Fühlens Seelenweben,
Wie in dem Träumedämmern
Leben aus Weltenfernen strömt;
Lass in Schlaf durch die Herzensruhe
Menschenfühlen still verwehen;
Und das Weltenleben geistert
Als Menschenwesensmacht.

[Diese zweite Strophe wird nun an die Tafel geschrieben:]

Sieh in des Fühlens Seelenwehen,
Wie in dem Träumedämmern

Das Fühlen ist nur ein wachendes Träumen. Die Gefühle werden dem Menschen nicht so bewusst wie die Gedanken. Sie werden ihm so bewusst wie die Bilder des Träumens. So ist das Fühlen ein Träumen im Wachen. Daher heißt es:

Sieh in des Fühlens Seelenwehen,
Wie in dem Träumedämmern

[Es wird weitergeschrieben:]

Leben

—hier [beim ersten Spruch] strömt «Wollen» aus Leibestiefen herauf; hier aber strömt aus Weltenfernen ein in das Seelenwehen «Leben» - [Das Wort «Leben» wird unterstrichen und die Mantramzeile weiter angeschrieben.]

aus Weltenfernen strömt;

[In der Zeichnung werden vier waagerechte Pfeile gemacht.]

Nun handelt es sich darum, wie hier [im ersten Spruch] das Denken ins Weltennichts durch die Seelenstärke verfließen soll, dass wir jetzt verwehen lassen die Träume des Fühlens, dafür aber in dem Seelenweben des Fühlens wahrnehmen, was als Weltenleben hereinströmt. Wenn das Träumen des Fühlens ganz in Schlaf verweht, wenn das einzelne menschliche Fühlen aufhört, dann webt herein in den Menschen Weltenleben:

Leben aus Weltenfernen strömt

[Es wird weitergeschrieben.]

Lass in Schlaf durch die Herzensruhe

Hier [im ersten Spruch] brauchen wir Seelenstärke; hier [im zweiten Spruch] brauchen wir innere vollständige Beruhigung, dann verwehen in Schlaf die Träume des Fühlens, und das göttliche Weltenleben strömt in das menschliche Seelische herein:

Lass in Schlaf durch die Herzensruhe

[Es wird weitergeschrieben und dabei werden die Worte «verwehen», «Weltenleben» und «Menschenwesensmacht» unterstrichen:]

Menschenfühlen still verwehen;
Und das Weltenleben geistert
Als Menschenwesensmacht.

In diesen sieben Zeilen ist das ganze Geheimnis des menschlichen Fühlens, wie es sich verselbstständigen kann aus der Einheit in die Dreiheit, enthalten. Ebenso können wir hinschauen auf die menschlichen Glieder, in denen sich das Wollen äußert. Da können wir, wenn wir auf diese menschlichen Glieder, in denen sich das Wollen äußert, hinschauen [Zeichnung: Arm, weiß], da können wir nicht sagen «Sieh hinter», «Sich in», da müssen wir sagen «Sich über», denn vom Haupte strömt herunter in das Wollen das Denken [weißer Pfeil im Arm], allerdings ohne dass es der Mensch im gewöhnlichen Bewusstsein schauen kann, aber es strömt vom Haupte in die Glieder der Gedanke, damit in den Gliedern das Wollen wirken kann.

Dann aber, wenn wir in den Gliedern das Wollen wirkend schauen, wenn wir sehen in jeder Armbewegung, in jeder Beinbewegung, wie der Strom des Wollens strömt, dann werden wir auch gewahr, wie in diesem Wollen ein geheimes Denken lebt, ein Denken, das im Menschen unmittelbar das irdische Sein ergreift. Es ist ja im Grunde genommen unser Wesen aus früheren Erdenleben, das da durch die Glieder das irdische Dasein ergreift, damit wir in diesem Ergreifen das gegenwärtige Dasein haben. Denken senkt sich herunter in die Glieder. Aber wenn wir es im Wollen der Glieder sehen, wie es sich da heruntersenkt, dieses Denken, dann erblicken wir im Wollen das Denken [Zeichnung: rot vom Haupte abwärts in den Arm].

Dann müssen wir, indem wir hinschauen mit der Seele, wie im Arm, in den Händen, in den Beinen, in den Füßen, in den Zehen Denken lebt, das uns nur sonst verborgen wird, dann müssen wir sehen, wie dieses Denken Licht ist. Es strömt das Denken als Licht durch Arme und Hände, durch Beine und Zehen. Und es verwandelt sich das Wollen, das sonst in den Gliedern als ein schlafendes Wollen lebt, es verwandelt sich das Wollen, und das Denken erscheint als Willenszauberwesen, das den Menschen aus früheren, zu Geist gewordenen Erdenleben in das gegenwärtige Erdenleben hereinversetzt:

Sieh über des Wollens Leibeswirken,
Wie in schlafende Wirkensfelder
Denken sich senkt aus Haupteskräften;
Lass durch die Seelenschau zu Licht
Menschenwollen sich verwandlen;
Und das Denken, es erscheinet
Als Willenszauberwesen.

Es zaubert, das heißt, es wirkt magisch das unsichtbare Denken in dem Willen der Glieder. Der erst versteht den Menschen, der da weiß, dass der Gedanke, weil wir im Wollen schlafen, dass der Gedanke, der nicht im Wollen geschaut wird, magisch wirkt in den Gliedern als Wollen. Und der versteht erst wahre Magie, der diese Magie zunächst erschaut als den Gedanken, der durch Arme und Hände, durch Beine und Zehen lebt.

[Es wird nun die dritte Strophe an die Tafel geschrieben, und dabei werden die Worte «Denken», «verwandlen», «Denken», «Willenszauberwesen» unter strichen:]

Sieh über des Wollens Leibeswirken,
Wie in schlafende Wirkensfelder
Denken sich senkt aus Haupteskräften;
Lass durch die Seelenschau zu Licht
Menschenwollen sich verwandlen;
Und das Denken, es erscheinet
Als Willenszauberwesen.

Darinnen ist das Geheimnis des menschlichen Wollens, wie es als solches Wollen aus dem Weltenall heraus schaffend, magisch schaffend im Menschen wirkt, enthalten.

Und so wollen wir denn, meine lieben Freunde, meine lieben Schwestern und Brüder, dieses als eine Grundlage betrachten - zu einer Zeit, die ich noch ankündigen werde, auf dieser Grundlage etwas weiterbauen -, als eine Grundlage betrachten, indem wir uns immer wieder und wieder meditierend die mantrischen Worte durch die Seele ziehen lassen:

Sieh hinter des Denkens Sinneslicht, Wie in der finstren Geisteszelle Wollen sich hebt aus Leibestiefen; Lasse fließen durch deiner Seele Stärke Totes Denken in das Weltennichts; Und das Wollen, es erstehet Als Weltgedankenschaffen.

Sieh in des Fühlens Seelenwehen,
Wie in dem Träumedämmern
Leben aus Weltenfernen strömt;
Lass in Schlaf durch die Herzensruhe
Menschenfühlen still verwehen;
Und das Weltenleben geistert
Als Menschenwesensmacht.

Sieh über des Wollens Leibeswirken,
Wie in schlafende Wirkensfelder
Denken sich senkt aus Haupteskräften;
Lass durch die Seelenschau zu Licht
Menschenwollen sich verwandlen;
Und das Denken, es erscheinet
Als Willenszauberwesen.

German original of Lesson VIII · ← Previous · Next →