Esoteric Lessons for the First Class I
GA 270 — 11 April 1924, Dornach
Siebente Stunde
Meine lieben Freunde! Es sind nun eine ganze Anzahl neuer Mitglieder dieser Schule heute hier eingetroffen, und deshalb obliegt es mir, wenigstens mit wenigen Worten noch einmal einiges über die Prinzipien dieser Schule zu sagen.
Zunächst handelt es sich bei dieser Schule darum, dass sie bildet den esoterischen Einschlag derjenigen anthroposophischen Bewegung, die mit der Weihnachtstagung am Goetheanum hier ihre Erneuerung gefunden hat. Früher sind einzelne esoterische Kreise dagewesen. Alle diese esoterischen Kreise müssen nach und nach in dieser Schule aufgehen; denn es handelt sich ja darum, dass mit der Weihnachtstagung ein neuer Geist eingezogen ist in die anthroposophische Bewegung, insofern sie durch die Anthroposophische Gesellschaft strömt.
Ich habe ja wiederholt jetzt auch auswärts die Worte gesprochen, welche hindeuten sollen darauf, was der Unterschied ist zwischen der anthroposophischen Bewegung von vor Weihnachten und derjenigen, die wir nun haben seit Weihnachten. Es war früher die Anthroposophische Gesellschaft eine Art Verwaltungsgesellschaft für anthroposophische Lehre, für anthroposophischen Inhalt. Anthroposophie wurde sozusagen innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft gepflegt. Seit Weihnachten handelt es sich darum, dass durch die Anthroposophische Gesellschaft nicht nur Anthroposophie gepflegt wird, sondern dass sie getan wird; das heißt, dass alles dasjenige, was durch die Anthroposophische Gesellschaft geht an Handlungen, an Gedanken, selber Anthroposophisches wieder ist.
Das, was damit an Erneuerung geschehen ist, das muss nur, meine lieben Freunde, tief genug erfasst werden; und es muss vor allen Dingen auch mit dem tiefsten Ernst erfasst werden. Denn es wird sich unterscheiden die Anthroposophische Gesellschaft im Allgemeinen und diese esoterische Schule innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft. Die Anthroposophische Gesellschaft wird selbstverständlich - im Sinne des Öffentlichkeitsprinzipes, das geltend gemacht worden ist gerade bei der Goetheanum-Weihnachtstagung -, sie wird selbstverständlich nichts weiter von den Mitgliedern verlangen können, als dass sie sich in ehrlicher Weise bekennen können zu demjenigen, was Anthroposophie ist, und dass sie gewissermaßen Zuhörer dieser Anthroposophie sind, dass sie aus dieser Anthroposophie alles dasjenige machen, was ihnen ihr Herz, ihre Seele eingibt.
Anders steht es mit dieser Schule. Wer dieser Schule als Mitglied beitritt, erklärt damit, dass er ein wirklicher Repräsentant der anthroposophischen Bewegung sein will. In dieser esoterischen Schule, die allmählich auf drei Klassen erweitert werden wird, in dieser esoterischen Schule muss gewiss jene Freiheit, die für jedes Mitglied innerhalb der Anthroposophischen Gesellschaft ist, auch herrschen; aber auch für den Vorstand am Goetheanum, der für diese Schule verantwortlich ist, für diesen Vorstand muss völlige Freiheit herrschen. Das heißt aber in diesem Falle: Es muss in dieser Schule nur demjenigen das, was ihr Inhalt ist, gegeben werden, den diese Schule als ein richtiges Mitglied derselben anerkennen kann.
Daher wird es sich darum handeln, dass bei einem Mitglied dieser Schule wirklich in alledem, was durch dieses Mitglied zutage tritt, die anthroposophische Sache vor die Welt hintritt; und es muss der Entscheidung des Vorstandes am Goetheanum anheimgestellt sein, auch für Mitglieder, die ihm so erscheinen, dass sie nicht Repräsentanten der anthroposophischen Bewegung sein können, für diese Mitglieder die Mitgliedschaft der Schule zu streichen. Es muss ein gegenseitiges Verhältnis sein.
Daher wird auch in der Handhabung dieser Schule immer mehr und mehr ein sehr ernster, in gewissem Sinne strenger Geist einziehen müssen. Wir können sonst ja mit der anthroposophischen Bewegung nicht weiterkommen, wenn wir nicht uns als Schule wirklich fühlen, wie wenn wir einen Fels für Anthroposophie erbauen wollten. Wir werden es mit Anthroposophie noch recht schwer haben, und die Mitglieder der Schule müssen wissen, dass sie mit diese Schwierigkeiten aufzunehmen haben. Sie sind eben nicht bloß Anthroposophen, sie sind Mitglieder einer esoterischen Schule.
Und es muss als eine Verpflichtung, eine innerlichste Verpflichtung angesehen werden, dass auch die Einsetzung des Vorstandes, wie er jetzt zusammengesetzt ist, als eine esoterische Sache angesehen werde. Das muss immer mehr und mehr zum Bewusstsein der Mitglieder kommen. Es ist noch nicht überall zum Bewusstsein gekommen. Es muss dafür getan werden, dass dies zum Bewusstsein komme. Es ist ja damit, dass nun aus Esoterik heraus selber ein Vorstand geschaffen worden ist, sehr viel gesagt.
Das Weitere ist, dass eigentlich alle diejenigen, die sich als rechtmäßige Mitglieder der Schule betrachten, ansehen diese Schule als nicht von Menschen begründet, sondern tatsächlich als eine aus dem Willen der heute die Welt regierenden geistigen Mächte begründete ansehen; als etwas, was aus der geistigen Welt eingesetzt ist und was im Sinne der geistigen Welt wirken will; sich nur dieser geistigen Welt gegenüber verantwortlich fühlt, aber auch im strengsten Sinne sich dieser geistigen Welt gegenüber wirklich verantwortlich fühlt. Daher wird jedes Nicht-ernst-Nehmen dieser Schule, wenn es irgendwie zutage tritt, unweigerlich dahin führen müssen, dass für solche die Sache nicht ernst nehmenden Mitglieder die Mitgliedschaft gestrichen wird.
Es ist ja so, dass Lässigkeit in ganz besonderem Maße in den letzten Jahren in die Anthroposophische Gesellschaft eingezogen ist. Dass sie wiederum ausziehe aus ihr, das wird die Aufgabe, mit eine der Aufgaben der Mitglieder dieser Schule sein. Wir sollen bis zu dem Worte, das wir sprechen, uns verantwortlich fühlen, sollen uns vor allen Dingen verantwortlich dafür fühlen, dass ein jegliches Wort, das wir sagen, im allerernstesten Sinne so weit von uns geprüft wird, dass wir es als Wahrheit vertreten können. Denn nicht-wahre Aussagen, auch wenn sie sozusagen aus gutem Willen hervorkommen, sind etwas, was innerhalb einer okkulten Bewegung zerstörend wirkt. Darüber darf keine Täuschung sein, sondern darüber muss völligste Klarheit herrschen. Nicht Absichten sind es, auf die es ankommt, denn die nimmt der Mensch oftmals sehr leicht, sondern objektive
Wahrheit ist es, auf die es ankommt. Und zu den ersten Pflichten eines esoterischen Schülers gehört es, dass er sich nicht bloß dazu verpflichtet fühlt, dasjenige zu sagen, wovon er glaubt, dass es wahr ist, sondern dass er sich verpflichtet fühlt, zu prüfen, ob dasjenige, was er sagt, wirklich objektive Wahrheit ist. Denn nur, wenn wir im Sinne der objektiven Wahrheit dienen den göttlich-geistigen Mächten, deren Kräfte durch diese Schule gehen, werden wir hindurchsteuern können durch all diejenigen Schwierigkeiten, die sich der Anthroposophie bieten werden.
Man darf eben nicht außer Acht lassen - meine lieben Freunde, ich sage das hier im Umkreise der Schule; dasjenige, was im Umkreise der Schule gesprochen wird, bleibt innerhalb des Umkreises der Schule -, man darf nicht vergessen, dass jetzt von maßgebenden Persönlichkeiten etwa das Folgende gesprochen wird. Von maßgebenden Persönlichkeiten wird gesagt: Diejenigen, welche das Prinzip der römischen Kirche vertreten, werden alles daransetzen, in der nächsten Zeit die einzelnen Staaten des ehemaligen Deutschen Reiches selbstständig zu machen und aus den selbstständigen Staaten, mit Ausschließung - ich erzähle nur - der Vorherrschaft von Preußen, wieder aufzurichten das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das sich selbstverständlich, wenn es von so hervorragender Seite aufgerichtet wird, in seiner Macht über die umliegenden Nachbargebiete erstrecken wird. Denn - so sagen die betreffenden Leute - wir haben es nötig, auf diesem Wege die allergefährlichsten, allerschlimmsten Bewegungen, die es heute gibt, mit Stumpf und Stiel auszurotten. Und - so fügen diese Leute dazu - wenn es nicht gelingen sollte, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation aufzurichten, und es wird gelingen - so sagen die Leute -, wenn es nicht gelingen sollte, so werden wir andere Mittel finden, die widerstrebendsten, die gefährlichsten Bewegungen der Gegenwart mit Stumpf und Stiel auszurotten, und das sind die anthroposophische Bewegung und die Bewegung zur religiösen Erneuerung.
Ich zitiere Ihnen fast wörtlich. Und Sie sollen sehen, dass die Worte, die ich von Zeit zu Zeit immer spreche - dass die Schwierigkeiten nicht kleiner werden, sondern mit jeder Woche größer -, dass diese Worte durchaus auf einem festen Untergrunde erbaut sind. Ich möchte sie gerade heute zu Herzen derjenigen bringen, die aus ihrem Herzensernste heraus sich zur Mitgliedschaft dieser Schule bekennen. Nur wenn wir aus solchem vollen Ernste heraus Mitglieder der Schule sind, aber aus einem aktiven Ernste heraus, werden wir den Fels errichten können, den wir nötig haben, wenn wir durch die Schwierigkeiten der Zukunft hindurchwollen.
Sie sehen aber daraus, dass tatsächlich gewichtiger von den Gegnern genommen wird Anthroposophie - denn die religiöse Erneuerung ist ja nur ein Zweig von ihr -, dass gewichtiger genommen wird Anthroposophie von den Gegnern als von vielen derjenigen, die innerhalb der Mitgliedschaft leben. Denn wenn man heute erfahren kann, dass das im Jahre 1806 untergegangene Heilige Römische Reich Deutscher Nation wieder aufgerichtet werden soll, um solch eine Bewegung wegzuschaffen, so bedeutet das doch, dass man die Sache sehr ernst nimmt. Es handelt sich bei einer Bewegung, die im Geiste gründet, nicht, wahrhaftig nicht darum, meine lieben Freunde, wie viel Mitglieder sie zählt, sondern es handelt sich darum, welche Kraft ihr innewohnt gerade aus der geistigen Welt heraus. Das sehen die Gegner, dass ihr eine starke Kraft innewohnt; deshalb wählen sie nicht leichte, sondern wählen scharfe und starke Mittel.
Nun, meine lieben Freunde, die Betrachtungen dieser Klassenstunden haben sich ja hauptsächlich bezogen auf dasjenige, was mitgeteilt werden kann über die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle, jene Begegnung mit dem Hüter der Schwelle, die die erste Erfahrung, das erste Erlebnis bedeutet für das Erringen wirklicher, wahrer übersinnlicher Erkenntnisse. Ich möchte heute zu den Betrachtungen, die schon hier gepflogen worden sind, einiges hinzufügen.
Nicht eher kann man davon sprechen, dass die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle wirksam erfolgt sei, bis man nicht die Erfahrung gemacht hat, was es heißt, mit seiner menschlichen Wesenheit in Ich und astralischem Leib außer dem physischen Leibe zu sein. Denn der Mensch kann, wenn er mit seinem Wesen eingeschlossen ist im physischen Leibe, nur dasjenige in seinem Umkreise wahrnehmen, was er durch die Werkzeuge des physischen Leibes wahrnimmt. Und durch die Werkzeuge des physischen Leibes kann nur die Sinneswelt wahrgenommen werden, die ein Abglanz ist einer geistigen Welt, die aber für die Sinne zunächst nicht enthüllt, wovon sie ein Abglanz ist.
Nun ist es ja im Allgemeinen für den Menschen nicht schwierig, aus seinem Leibe herauszugehen. Er tut das jedes Mal, wenn er einschläft. Er ist dann außerhalb seines Leibes. Aber wenn er im Schlafzustande außerhalb seines Leibes ist, dann ist auch sein Bewusstsein hinuntergedämpft bis zur Unbewusstheit. Nur die illusorischen oder vielleicht auch nicht-illusorischen Träume wogen herauf aus dieser Bewusstlosigkeit. Aber es handelt sich bei der Erringung höherer Erkenntnisse darum, dass dieses Herausgehen aus dem physischen Leib mit voller, bewusster Besonnenheit vollzogen wird, sodass dann der Mensch außerhalb seines physischen Leibes so um sich herum wahrnimmt, wie er innerhalb seines physischen Leibes mithilfe der physischen Sinne die physische Welt wahrnimmt. Und er nimmt dann außerhalb des physischen Leibes die geistige Welt wahr.
Aber der Mensch ist zunächst ja bewusstlos schlafend. Es wird ihm nicht unter gewöhnlichen Verhältnissen mitgeteilt dasjenige, was er schauen kann, wenn er außerhalb seines Leibes ist. Und dass er das nicht kann, rührt gerade davon her, dass der Mensch zunächst geschützt ist davor, unvorbereitet heranzutreten an die geistige Welt.
Ist der Mensch genügend vorbereitet, was geschieht dann mit ihm? Dann, wenn der Mensch an den Abgrund zwischen Sinnenwelt und geistiger Welt tritt [es wird gezeichnet: rot], dann nimmt der Hüter der Schwelle, wenn der Mensch so vorbereitet gefunden wird, wie das in den letzten Stunden angedeutet worden ist, die wahre Wesenheit des Menschen heraus; die kann den Abgrund überflügeln [es wird gezeichnet: gelb] mit denjenigen Mitteln, die in den letzten mantrischen Sprüchen angedeutet worden sind. Und es kann dann der Mensch zunächst von jenseits der Schwelle sein eigenes sinnliches Wesen, sein physisches Wesen betrachten.
Das ist der erste große Eindruck wirklicher Erkenntnis, meine lieben Freunde, wenn der Hüter der Schwelle sagen kann zum Menschen: Siehe, da drüben, da bist du so, wie du äußerlich erscheinst in der physischen Welt; bei mir bist du, wie du deinem inneren Wesen nach bist.
Und dann erklingt wiederum von dem Hüter der Schwelle ein bedeutsames Wort. Es erklingt von dem Hüter der Schwelle das bedeutsame Wort, das dem Menschen zugerufen wird - jetzt über den Abgrund hin -, ihm vergegenwärtigend, wie anders er sich schaut, wenn er jenseits des Abgrundes steht. Er schaut sich anders. Er schaut sich als eine Dreiheit [es wird gezeichnet: grünlich]; er schaut sich als die Dreiheit, die sich seelisch ausdrückt in Denken, Fühlen und Wollen. Das sind eigentlich drei Menschen: der denkende Mensch, der fühlende Mensch, der wollende Mensch, die in jedem Menschen stecken und die eigentlich nur durch den physischen Leib zunächst für die physische Welt in eins zusammengezogen sind. Und dasjenige, was da der Mensch schaut, in folgender Weise ertönt es von den Lippen des Hüters der Schwelle:
O schau die Drei
Sie sind die Eins
Wenn du die Menschenformung
Im Erdendasein trägst.
— oder auch Menschenprägung; man muss ja die Worte übersetzen aus der okkulten Sprache —
O schau die Drei
Sie sind die Eins
Wenn du die Menschenprägung
Im Erdendasein trägst. Erlebe des Kopfes Weltgestalt
Empfinde des Herzens Weltenschlag
Erdenke der Glieder Weltenkraft Sie sind die Drei
Die Drei, die als das Eins
Im Erdendasein leben.
[Das Mantram wird nun an die Tafel geschrieben; siehe Seite 742:]
O schau die Drei
Sie sind die Eins
Wenn du die Menschenprägung
Im Erdendasein trägst. Erlebe des Kopfes Weltgestalt
Empfinde des Herzens Weltenschlag
Erdenke der Glieder Weltenkraft Sie sind die Drei
Die Drei, die als das Eins
Im Erdendasein leben.
Es wird hier von dem Hüter der Schwelle hingedeutet, wie die Drei - die sich sofort voneinander trennen, wenn der Mensch seinen physischen Leib verlässt -, wie die Drei aussehen im Verhältnis zu diesem physischen Leib. Hingelenkt wird der Blick auf den physischen Leib, auf Kopf, Herz, Gliedmaßen, und gesagt wird von dem Hüter der Schwelle: Wenn du in wirklicher Weltenwahrheit das menschliche Haupt schaust, so ist dieses menschliche Haupt ein Abbild des himmlischen Weltenalls. Du musst hinaufschauen in die Weiten, wo die Welt dir begrenzt erscheint - wo sie in Wahrheit auch durch den Geist begrenzt ist, denn sie ist nicht so, wie sich’s physikalische Einfalt vorstellt -, du musst hinaufschauen, und du musst dich beim Hinaufschauen erinnern, dass dein Haupt in seiner Rundung wirklich ein echtes Abbild ist desjenigen, was draußen als die himmlische Welt ist. Und man füge hinzu, indem man das mantrische Wort hier zum Bewusstsein sich bringt:
Erlebe des Kopfes Weltgestalt
man füge hinzu das Zeichen. [Es wird vor die Zeile gezeichnet:]

durch das man haltmacht bei diesem Satze des mantrischen Spruches, um die Richtung nach den Weltenweiten, nach oben - und überall um die Erde herum ist ja in die Weltenweiten hinaus oben -, um diese Richtung sich zu vergegenwärtigen.
Empfinde des Herzens Weltenschlag
Durch diese kosmisch-himmlische Lage geht der Weltenrhythmus, der als Weltenmusik ertönt. Wenn wir das menschliche Herz schlagen fühlen, scheint es so, als ob dieses menschliche Herz nur schlüge von demjenigen, was im menschlichen Organismus vor sich geht. In Wahrheit ist dasjenige, was im Herzen schlägt, ein Widerschlag desjenigen, was als Weltenrhythmus nicht bloß durch Jahrtausende, sondern durch Jahrmillionen kreist. Daher mache man wieder halt - so sagt der Hüter der Schwelle - bei dem Worte «Empfinde des Herzens Weltenschlag», und empfinde dasjenige, was im Herzen sowohl nach unten wie nach oben wirkt. [Nun wird vor die entsprechende Zeile gezeichnet]

Das [Dreieck mit Spitze nach unten] verbindet mit demjenigen, was oben ist, mit diesem Zeichen [Dreieck mit Spitze nach oben]. Erdenke der Glieder Weltenkraft
Diese Weltenkraft ist diejenige, die in der Schwerkraft und den anderen irdischen Kräften von unten her konzentriert ist. Wir müssen in unserem Denken - das so, wie es ein Erdendenken ist, geeignet ist nur, zu begreifen das Irdische - hinunterschauen, dann begreifen wir dasjenige, was von der Erde ausströmt, um im Menschen zu wirken. Wiederum mache man halt bei dem «Erdenke der Glieder Weltenkraft» in dem Dreieck, das nach unten gerichtet ist. [Es wird vor die entsprechende Zeile gezeichnet:]

Und man wird fühlen das Wort des Hüters in der Art, wie es auf das menschliche Herz, auf die menschliche Seele heute wirken soll, wenn man diesen mantrischen Spruch in der entsprechenden Weise in sich rege macht und wirken lässt:
O schau die Drei
Sie sind die Eins
Wenn du die Menschenprägung
Im Erdendasein trägst.
Erlebe des Kopfes Weltgestalt
- man sage den Spruch, indem man vor dem Haupte das Zeichen macht -:

Empfinde des Herzens Weltenschlag
— man sage den Spruch, indem man vor der Brust das Zeichen macht—:

Erdenke der Glieder Weltenkraft
— man sage den Spruch, indem man das Zeichen nach unten macht -:

Sie sind die Drei
Die Drei, die als das Eins
Im Erdendasein leben.
Und man versuche, nachdem man diesen mantrischen Spruch auf die Seele hat wirken lassen, die Sinne stumpf zu machen, die Augen zu schließen, mit den Ohren nichts zu hören, nichts wahrzunehmen und eine Weile dunkel um sich zu haben, dass man ganz und gar in der Atmosphäre desjenigen lebt, was durch die Worte tönt. Und man wird sich versetzen auf diese Weise in jene Sphäre, die dann bei der Einweihung in aller Realität erlebt werden kann bei der Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Das ist die eine Verrichtung, durch die der Mensch den ersten Schritt jenseits der Schwelle machen kann.
Aber man muss das weitere Wort des Hüters in vollem Ernste auf sich wirken lassen. Dieses weitere Wort des Hüters, es weist darauf hin, dass in dem Augenblicke, wo wir hinüberkommen über die Schwelle, alles anders wird, als es in der Sinneswelt ist. In der Sinneswelt, da denken wir, dass im Haupte des Menschen das Denken, das Vorstellen säße. So ist es für die Sinneswelt. Allein diesem Vorstellen, diesem Denken des Hauptes ist immer - auch wahrnehmbar für das gewöhnliche Bewusstsein - ein klein wenig Wollen beigemischt. Denn indem wir von einem Gedanken zu dem anderen schreiten, müssen wir ebenso wollen, wie wenn wir einen Arm bewegen oder ein Bein bewegen oder überhaupt etwas wollen. Aber es ist ein leises, feines Wollen, das einen Gedanken in den anderen überführt. So ist es, wenn wir in der Sinneswelt sind: an das Haupt gebunden der ganze weite Umfang des Denkens und ein wenig Wollen, ein leises Wollen. Sobald man hinüberkommt über die Schwelle und an den Hüter herantritt, wird es umgekehrt: wenig Denken an das Haupt gebunden und viel ausgebreitetes Wollen. Und in diesem Wollen, das sonst schlafend ist in dem Menschen, verspürt man den Geist, wie er aus dem Kosmos heraus, aus der Himmelswelt, das menschliche Haupt als sein kugeliges Abbild gestaltet in allen Einzelheiten.
Daher ruft der Hüter der Schwelle, wenn wir hinübergekommen sind jenseits der Schwelle, uns die Worte zu:
[Das neue Mantram wird sogleich an die Tafel geschrieben; siehe Seite 743:]
Des Kopfes Geist,
Du kannst ihn wollen;
Und jetzt sieht man, dass Wollen etwas ganz anderes ist, als es früher war. Früher waren die Sinne eben Vermittler der Sinnesempfindungen, und man hat kein Bewusstsein davon, dass durch das Auge das Wollen, durch das Ohr das Wollen geht, dass durch den Wärmesinn, durch jeden Sinn das Wollen geht. Jetzt sicht man, dass alles dasjenige, was die Augen empfinden als die mannigfaltigen Farben, was die Ohren hören als die mannigfaltigen Töne, was der Mensch wahrnimmt als die Wärme und Kälte, als die verschiedene Rauheit und Glätte und so weiter, Gerüche und Geschmäcke und so weiter, dass das alles, alles in der geistigen Welt ein Wollen ist: [Es wird weitergeschrieben:]
Und Wollen wird dir
Der Sinne vielgestaltig Himmelsweben;
Hat der Mensch dieses durch den Anblick seines Hauptes von jenseits der Schwelle erkannt, wie Wollen geht durch das Haupt [das Verb «wollen» in der zweiten Mantramzeile wird unterstrichen] und wie die Sinne Wollen darstellen [das Wort «Wollen» in der dritten Mantramzeile wird unterstrichen], dann wird er weitergewiesen, wie das Herz die Seele birgt und wie man die Seele im Herzen so fühlen kann, wie des Kopfes Geist man wollen kann gegenüber dem Haupte. Und dann weiß man erst, wenn man das Denken nicht als Eigenschaft des Kopfes, sondern als eine Eigenschaft des Herzens, der Seele des Herzens betrachtet, wie das Denken nicht dem einzelnen Menschen, sondern der Welt angehört; dann erlebt man das Weltenleben, das da kreist als Weltenmusik. [Die zweite Strophe wird an die Tafel geschrieben:]
Des Herzens Seele,
Du kannst sie fühlen;
Und Fühlen wird dir
Des Denkens keimerweckend Weltenleben;
Du lebest in dem Scheine
— nicht in dem wesenlosen Scheine, sondern in dem Scheine, da das Wesen der Welt erscheint.
[Es werden nun die zusammenfassenden Zeilen für die erste und zweite Strophe angeschrieben, deshalb wird die erste Strophe noch einmal gelesen:]
Des Kopfes Geist,
Du kannst ihn wollen;
Und Wollen wird dir
Der Sinne vielgestaltig Himmelsweben;
zusammenfassend das noch in der Zeile:
Du webest in der Weisheit.
Zusammenfassend dasjenige, was sich auf des Herzens Seele, auf das Fühlen bezieht, in dem Satze:
Du lebest in dem Scheine.
[Die Worte «Weisheit» und «Scheine» werden unterstrichen.]
Wie man die Sinne als ein Wollen erkennt, so erkennt man das Denken als ein Fühlen gegenüber dem Weltendasein, wenn man die Drei schaut, die nur in der Sinneswelt eins sind. [In der zweiten Strophe werden die Worte «fühlen» und «Fühlen» unterstrichen.]
Und als Drittes fügt der Hüter der Schwelle hinzu. [Die dritte Strophe wird an.die Tafel geschrieben]
Der Glieder Kraft,
Du kannst sie denken
Nun haben wir die völlige Umkehrung. Während man sonst das Denken konzentriert meint im Kopfe, ist hier [in der ersten Strophe] das Wollen, so wie ich es vorhin angeführt habe, im Kopfe konzentriert. Das Fühlen bleibt im Herzen, wie es auch in der Sinneswelt gefühlt wird; denn dasjenige, was innere Kraft des Herzens ist, geht hinüber in die geistige Welt.
Der Glieder Kraft,
Du kannst sie denken
[«denken» wird unterstrichen]
— jetzt wird das Denken gerade mit den Gliedmaßen in Zusammenhang gebracht, umgekehrt wie in der Sinneswelt — [Es wird weitergeschrieben.]
Und Denken wird dir
Des Wollens zielerfassend Menschenstreben;
— das Wollen wird also zum Denken [«Denken» wird unterstrichen. Es wird weitergeschrieben und das Wort «Tugend» gleichzeitig unterstrichen:]
Du strebest in der Tugend.
So haben wir die völlige Umkehrung in der geistigen Welt, durch den Hüter der Schwelle uns gesagt. Während man sonst unterscheidet Wollen, Fühlen, Denken von unten nach oben im Menschen, hat man zu unterscheiden, wenn der Mensch angeschaut wird als eine Drei von jenseits: Wollen oben im Haupte, Fühlen in der Mitte, Denken unten an den Gliedmaßen.
Da erfährt man dann, wie das Wollende, das im Haupte konzentriert ist, die webende Weltenweisheit ist, in der man lebt; wie das Fühlen der Weltenschein ist, in dem alle Wesen des Geistes erstrahlen; und wie das Denken, das an den Gliedern geschaut wird, das Menschenstreben ist, das als Tugend des Menschen leben kann. Und die Drei erscheinen vor dem geistigen Blick:
Des Kopfes Geist
Des Herzens Seele
Der Glieder Kraft
[Dabei werden an der Tafel die Worte «Kopfes», «Herzens», «Glieder» weiß und die Worte «Geist», «Seele», «Kraft» rot unterstrichen.]
So ist der mantrische Spruch gebaut. Und diese innere Kongruenz ist es, deren man sich bewusst sein muss, sich bewusst sein muss ferner, dass an den Menschen herandringe, wenn er also diesen mantrischen Spruch auf sich wirken lässt:
Himmelsweben
Weltenleben
Menschenstreben
[Dabei werden diese drei Worte an der Tafel gelb unterstrichen.]
Sodass [diese Worte] des Hüters der Schwelle Worte sind, mit denen uns die Drei, die aus der Eins werden, indem wir hinübertreten in die Welt jenseits der Schwelle, vor das geistige Auge geführt werden:
Des Kopfes Geist,
Du kannst ihn wollen;
Und Wollen wird dir
Der Sinne vielgestaltig Himmelsweben;
Du webest in der Weisheit. Des Herzens Seele,
Du kannst sie fühlen;
Und Fühlen wird dir
Des Denkens keimerweckend Weltenleben;
Du lebest in dem Scheine. Der Glieder Kraft,
Du kannst sie denken;
Und Denken wird dir
Des Wollens zielerfassend Menschenstreben;
Du strebest in der Tugend.
Das sind die Empfindungen, die durch die Seele ziehen müssen, wenn wirkliche Erkenntnis errungen werden soll; das sind die Mahnungen, die der Hüter der Schwelle ertönen lässt in dem Augenblicke, wo er uns zugleich sagt:
Tritt ein
Das Tor ist geöffnet
Du wirst
Ein wahrer Mensch werden.
[Es wird an die Tafel geschrieben:]
Tritt ein
Das Tor ist geöffnet
Du wirst
Ein wahrer Mensch werden.
Und das sind die Worte, die seit ungezählten Jahrtausenden an allen Pforten in die geistige Welt hinein mahnend und zugleich aufmunternd erklangen:
Tritt ein
Das Tor ist geöffnet
Du wirst
Ein wahrer Mensch werden.
Stellt Euch vor, meine Schwestern und Brüder, Ihr sagt Euch das erste Mal: Ich will ernst nehmen diese Worte des Hüters der Schwelle; ich will bekennen, dass ich noch nicht ein Mensch war; ich will bekennen, dass ich es werde durch die Einsicht in die geistige Welt.
Stellt Euch vor, meine lieben Schwestern und Brüder, Ihr sagt zum zweiten Mal: O, ich habe das erste Mal noch nicht ernst genug genommen diese Worte; ich will mir sagen, dass ich nicht eine, dass ich zwei der Stufen brauche, um von meiner jetzigen Wesenheit aus, da ich noch kein wahrer Mensch bin, ein wahrer Mensch zu werden.
Und stellt Euch vor, Ihr sprecht zum dritten Male: Ich will bekennen, dass ich drei der Stufen brauche von dem Punkte aus, an dem ich stehe, an dem ich kein wahrer Mensch bin, um ein wahrer Mensch zu werden.
Ernst ist die erste Mahnung, die Ihr Euch selber gebt; ernster ist die zweite der Mahnungen; aber des Ernstes höchste Prägung muss die dritte der Mahnungen tragen. Und wenn Ihr diesen dreifach dreifachen Ernst in den Tiefen Eurer Seelen aufzubringen wisst, dann werdet Ihr eine Ahnung bekommen, was es heißt für den Menschen, durch Erkenntnis ein Mensch zu werden. Und dann werdet Ihr zurückkehren - wie wir heute in dieser Klassenstunde zurückkehren wollen -, zurückkehren zur ersten Mahnung, die als ein uns umwandelnder Spruch in unserer Seele leben soll:
O schau die Drei
Sie sind die Eins
Wenn du die Menschenprägung
Im Erdendasein trägst. Erlebe des Kopfes Weltgestalt
Empfinde des Herzens Weltenschlag
Erdenke der Glieder Weltenkraft Sie sind die Drei
Die Drei, die als das Eins
Im Erdendasein leben.
So, meine Schwestern und Brüder, hat es geklungen in den Herzen aller derjenigen, die, seit es ein Menschendasein auf Erden gibt, nach Erkenntnis rangen.
Es war eine Pause in diesem Ringen seit dem Heraufkommen der fünften nachatlantischen Kulturepoche. Die Pause ist nach dem Willen der die Menschheit leitenden göttlichen, geistigen Wesenheiten zu Ende. An Euch wird es sein, dass in würdiger Weise in Menschenherzen wieder erklinge dasjenige, wodurch die weisen Leiter der Menschheit, seitdem es ein Menschendasein auf Erden gibt, die Menschenherzen hinaufleiteten zum Erschauen desjenigen, was als Geist in der Welt wirkt, was als Geist durch die Welt im Menschen, als der Welten Krone, wirkt.