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Esoteric Lessons for the First Class I

GA 270 — 21 March 1924, Dornach

Sechste Stunde

Meine lieben Freunde! Es sind ja die Wahrheiten, die der Mensch lernen kann von dem Hüter der Schwelle, an die wir in diesen gegenwärtigen Betrachtungen herantreten. Und dasjenige, was die fortwährende Ermahnung des Hüters der Schwelle ist, besteht ja darinnen, dass der Mensch gewahr werde, wie er im geistigen Leben seelisch vorwärtskommt, wenn er sich zum Bewusstsein bringt sein wahres Verhältnis zur Welt.

Das wahre Verhältnis zur Welt zum Bewusstsein bringen: Der Mensch lernt zunächst die Welt kennen, indem er um sich herum sieht die Reiche der Natur, jene Reiche der Natur, die außer seiner eigenen Wesenheit liegen. Der Mensch lernt kennen das Tierreich, das Pflanzenreich, das Mineralreich. Er wird aufgefordert durch das Verhältnis, das sich ihm zunächst darbietet, Pflanzen, Tiere, Mineralien kennenzulernen, sie wohl auch zu bewundern, sich ihrer zu bedienen zur Ausführung seiner Willensimpulse, und so weiter, und so weiter. Der Mensch lernt diese ganze Welt als seine Außenwelt kennen und wird im gewöhnlichen Bewusstsein nur wenig gewahr, wie er nun eigentlich aus dieser ganzen Welt heraus gewachsen ist, wie es in ihm eine tiefe Verwandtschaft gibt zu dieser ganzen Welt.

Allein man kann auch nicht, wenn man nur den Blick herumschweifen lässt über diese äußere Welt, diese Verwandtschaft mit den Reichen der Welt fühlen. Man muss vorschreiten zu einem selbsterkennenden Sichhineinfühlen in die Welt. Und dann darf man gar nicht, wenn man zu diesem selbsterkennenden Sichhineinfühlen in die Welt kommen will, dann darf man gar nicht, meine Lieben, stehenbleiben dabei, die Dinge so anzusehen, wie sie sich dem äußeren Anblick darbieten; dann muss man zurückgehen zu demjenigen, was zwischen den Dingen sich offenbart.

Seit der neueren Phase der Menschheitsentwickelung sieht man nur noch wenig hin auf dasjenige, was sich zwischen den Dingen ‚offenbart. Man sieht auf die äußeren Wesenheiten der drei Reiche der Natur. Aber Ihnen, meine Lieben, ist ja bekannt, dass man als reale Wesenheit zunächst hinter den Reichen der Natur zu sehen hat dasjenige, was man die Welt der Elemente nennt.

Wir können sagen: Unsere Füße setzen auf auf den Boden der festen Erde. [Es wird an die Tafel geschrieben]:

Erde

Und dasjenige, was unsere Füße als feste Erde trägt, das sendet ja auch seine Substanz hinein in Tiere, in Pflanzen, in Mineralien, auch in unseren physischen Menschenleib. Und wenn wir unseren Blick erheben von dem Boden, den unsere Füße betreten, wenn wir gewissermaßen auf dasjenige hinblicken, was mit uns von gleicher Höhe ist, so ist ja da nicht etwa bloß das Luftartige vorhanden, sondern das Luftartige ist immer durchsetzt von dem Wässrigen. Zwar ist die Lebensweise des Menschen auf der Erde so geworden, dass er dieses Wässrige nur in der feinen Auflösung der Luft um sich herum empfindet und es zu seinem eigenen Gebrauche im Organismus erst verdichten muss; aber man kann doch sagen: Der Mensch lebt in diesem wässrigen Elemente. [Über «Erde» wird angeschrieben:]

Wasser

Und er lebt dann im luftförmigen Elemente, in dem er ja seine Atmung zu vollziehen hat. [Über «Wasser» wird angeschrieben:]

Luft

In dem Augenblicke, wo wir auf diese Elemente hinschauen, können wir nicht so sagen, wie wir sagen müssen gegenüber den Wesenheiten der Naturreiche, die wir in scharfen Konturen vor uns schen: Wir sehen die einzelnen festen Körper scharf konturiert. Aber vom Festen als solchem, vom Erdigen, können wir nur sagen, dass wir in ihm leben. Wir sind zu verwandt mit dem Erdigen, als dass wir es besonders unterscheiden würden. Dasjenige, was zu uns selber gehört, das unterscheiden wir ja nicht von dem anderen. Ein Tisch, ein Stuhl, die außer uns stehen, die unterscheiden wir von uns. Dasjenige, was in uns ist, das schauen wir nicht als ein Begrenztes an. Wir schauen unsere Lunge, unser Herz nicht als Begrenztes an uns selber an. Nur wenn wir sie ebenso wie ein Außending zum Objekte machen, in der Anatomie, schauen wir sie uns an. Aber ebenso wie wir verwandt sind mit unserem eigenen Leibe, so sind wir in einem größeren Umfange verwandt mit demjenigen, was die Elemente sind. Wir leben in Erde, wir leben in Wasser, wir leben in Luft, wir leben in Wärme. Die gehören zu uns. Sie stehen uns zu nahe, um sie völlig innerhalb der Welt als scharf Konturiertes zu verstehen.

Legen wir uns einmal vor dasjenige, was da als elementarische Welt um uns herum und zugleich in uns ist, sodass wir es als Inhalt der Welt und als Inhalt von uns selbst betrachten müssen: Da haben wir eben dasjenige, was wir als Erde bezeichnen, dasjenige, was wir als Wasser bezeichnen, dasjenige, was wir als Luft bezeichnen, was wir als Wärme bezeichnen. [Über «Luft» wird angeschrieben:]

Wärme

Wenn wir weiter hinaufgehen aus dem dichteren Substanziellen ins Ätherische, von der Wärme, die ja schon ätherisch ist, so kommen wir ins Licht [über «Wärme» wird angeschrieben]

Licht

und in dasjenige, was wir mit einem trockenen, abstrakten Ausdrucke immer den chemischen Äther und seine Wirkungen genannt haben. Wir wollen das heute, weil dadurch die Ordnung der Welt hervorgerufen wird, die Gestaltung der Welt hervorgerufen wird, wir wollen den großen Chemismus des Kosmos einmal als Weltgestaltung bezeichnen. Es ist schwer, dafür einen richtigen Ausdruck zu finden. [Über «Licht» wird angeschrieben:]

Weltgestaltung

Und wir wollen dasjenige, was dann im Ätherischen als das Höchste zu bezeichnen ist, das Weltenleben nennen: Lebensäther, Weltenleben. [Über «Weltgestaltung» wird angeschrieben:]

Weltenleben

Nun werden Sie aber schon aus der letzten Klassenstunde hier, meine Lieben, die Anschauung empfangen haben, dass der Mensch, so wie er auf der Erde lebt, eigentlich nicht in allen diesen Elementen in gleicher Art mit seiner inneren Verwandtschaft drinnensteht. Eigentlich lebt der Mensch innerlich voll verwandt nur in dem Element der Wärme. [Das Wort «Wärme» an der Tafel wird rot angekreuzt.]

Es ist notwendig für den geistigen Fortschritt, sich einer solchen Sache voll bewusst zu sein.

Bedenken Sie nur, wie unmittelbar, so recht unmittelbar Sie Wärme und Kälte als Ihr Eigenes empfinden. Sie machen ja ganz stark mit den Unterschied von Wärme und Kälte. Schon dasjenige, was zum Beispiel im Luftkreis vor sich geht, machen Sie nicht in einer so unmittelbaren Weise mit. Wenn die Luft schlecht oder gut ist, merken Sie das erst ganz mittelbar an der Wirkung auf Ihren Organismus. Und ebenso ist es bei den Wirkungen des Lichtes. Dennoch steht der Mensch Luft und Licht noch außerordentlich nahe. [Die Worte «Luft» und «Licht» werden an der Tafel gelb angekreuzt.] Außerordentlich nahe steht er ihnen.

Aber schon dem wässrigen Elemente unter den dichteren Elementen steht der Mensch, trotzdem er mit ihm verwandt ist, verhältnismäßig ferne. Und doch, es bedeutet das wässrige Element etwas, was durchaus mit dem Menschenleben tief verwandt ist. [Das Wort «Wasser» wird bläulich angekreuzt.] Schauen Sie nur einmal hin, meine lieben Freunde, auf einen recht lebendigen Angsttraum, und untersuchen Sie, wie solch ein Angsttraum sich in Ihrer Transpiration, in der Absonderung des wässrigen Elementes zeigt, wie er sich darinnen offenbart. Merken Sie, wie das wässrige Element überhaupt eine Rolle spielt im Schlafe, welche bedeutsame Rolle da spielen kann die Absonderung des wässrigen Elementes. Der Mensch lebt im wässrigen Elemente. Dasjenige, was in seiner Umgebung aufgelöste Flüssigkeiten sind, hat eine große Bedeutung für ihn, aber keine so unmittelbare wie die Wärme. Gleich wenn es kalt wird oder warm wird, fühlt das der Mensch als sein Eigenes; er wird mit kalt, er wird mit warm. Dass zum Beispiel, wenn wir in einen Nebel eintreten, diese Nebelbildung einen ebenso bedeutenden, aber indirekten Einfluss auf unser Menschenwesen hat, das merkt das gewöhnliche Bewusstsein nicht so stark. Es ist so: Treten wir in eine Nebelbildung ein, dann verschwimmt gewissermaßen unser eigenes wässriges Element mit dem wässrigen Elemente der Außenwelt. Und wir fühlen dann an diesem sanfteren Übergang von unserem eigenen wässrigen Element in das wässrige Element der Außenwelt - anders als beim Übergang unseres wässrigen Elementes in trockene äußere Luft -, wir fühlen bei diesem Übergang, wie wir zusammenhängen mit dem ganzen Kosmos. Trockene Luft lässt uns mehr innerlich als Mensch empfinden, wässrige Luft lässt uns unsere Abhängigkeit zum Kosmos fühlen. Nur haben wir heute keine Schulung in diesen Dingen. Ich habe einmal in einem Zyklus im Haag, der ja auch gedruckt ist, über diese Abhängigkeiten des Menschen von den Elementen im Einzelnen gesprochen. Sie sind da, und es gehört zum esoterischen Leben, sich dieser Abhängigkeiten praktisch bewusst zu werden.

Noch tiefer, möchte ich sagen, im Unterbewussten liegt das Verältnis des Menschen zum erdigen Elemente. [Das Wort «Erde» wird bläulich angekreuzt.] Was weiß viel der Mensch von seinem Verhältnis zum erdigen Elemente? Er weiß, dass Salz sauer ist, dass Zucker süß ist. Die gehören zum erdigen Elemente. Aber was Salz und Zucker in seinem Organismus für besondere Metamorphosen durchmachen, wie er in Verbindung steht mit dem Kosmos im Auflösen des Zuckers oder des Salzes innerhalb seines Organismus, wie gewisse Kräfte aus dem Kosmos hereinwirken in den Organismus, wenn die Süßigkeit des Zuckers durch unseren Leib rollt oder die Salzigkeit des Salzes durch unseren Leib rollt, das merkt ja der Mensch nur an diesem ge ringfügigen Reflex des Salzigen und des Süßen für seinen Geschmack. Das sind Prozesse tiefgehender Art, die sich da abspielen. Die ganze Welt sozusagen hat für gewisse Kräfte ihre Tore geöffnet, wenn der Mensch Zucker auf der Zunge löst und in den Organismus überführt.

Wiederum ist es so, dass, während also diese dichteren Elemente einen indirekten Einfluss auf den Menschen haben, auch die ätherisch dünnen Elemente, Weltgestaltung und Weltenleben, einen indirekten Einfluss auf den Menschen haben, einen verborgenen Einfluss.

[Die Worte «Weltgestaltung» und «Weltenleben» werden bläulich angekreuzt.]

Der offenbarste Einfluss auf den Menschen geht von dem mittelsten Elemente, der Wärme, aus. Stark vorhanden, auch für das gewöhnliche Bewusstsein, sind noch die Einflüsse von Licht und Luft. Aber im Unbewussten liegen die Einflüsse auf der einen Seite von Wasser und Erde, auf der anderen Seite von Leben und chemischer Gestaltung der Welt, chemischer Gestaltung im Kosmos. Daher ist es auch so, dass der Mensch während seines Erdenlebens sich bewusst sein soll, dass er in diesen mittleren Elementen [Luft, Wärme, Licht] eigentlich lebt mit seinem Menschtum und dass seinem Bewusstsein sich entzieht sein Verhältnis zu Wasser und Erde und zur Weltgestaltung und dem Weltenleben.

Daher war es immer so, dass, als noch das alte instinktive Bewusstsein geherrscht hat, dem immer eine Nuance von Hellsichtigkeit beigemischt war, dass da in den Mysterien die Schüler auf einer bestimmten Stufe ihrer Entwickelung die Mahnung erhielten: Vertrauet dem Feuer, vertrauet der Luft, vertrauet auch dem Licht; doch werdet vorsichtig der Unterwelt gegenüber, dem Wasser, der Erde; werdet vorsichtig der Oberwelt gegenüber, der Weltengestaltung und dem Weltenleben. Denn weil die Beziehungen da so stark ins Unbewusste hineingestellt sind, treten auf die Verlockungen Luzifers in Weltenleben und Weltgestaltung, und es treten auf die Verführungen Ahrimans von Erde und Wasser.

[Es werden die Worte «Luzifer» und «Ahriman» angeschrieben; das Schema ist jetzt vollständig; siehe Seite 730:]

Weltenleben x Luzifer

Weltgestaltung x

Licht x

Wärme x

Luft x

Wasser x Ahriman Erde x

Und die esoterische Anleitung hat nun immer in den Mysterien auch darinnen bestanden, dass der Mensch das richtige Verhältnis finden sollte zu diesen Elementen, in richtiger Weise seine Verwandtschaft mit den Elementen fühlen sollte. Wenn der Mensch zum imaginativen Leben aufsteigt, dann fühlt er gerade diese Verwandtschaft mit den Elementen. Im gewöhnlichen Bewusstsein: Wir schauen hinaus, lernen kennen als außer uns stehend Tierheit, Pflanzheit, Mineralsein. Lernen wir aber kennen die Elemente in ihrer Verwandtschaft mit uns: Wir dürfen ja dann nicht hinausschauen in die Welt, sondern wir müssen erfühlen, erleben dasjenige, was in uns und in der Welt zugleich ist.

Dann können wir, wenn wir ins imaginative Leben aufsteigen, unsere Verwandtschaft mit dem Erdigen fühlen. Da machen wir uns dann, wenn wir in der richtigen Weise dieses Gefühl entwickeln, ein intensives Geständnis. Und in dem Selbstgeständnisse-Machen besteht ja eigentlich die fortschreitende, wirkliche, wahre Selbsterkenntnis des Menschen. Man wird gewahr: Eigentlich ist man zunächst nur Mensch, wenn man gewissermaßen entlassen ist aus der Welt, mit der man innerlich zusammenhängt, in diese Welt der Erde, in der man einsam steht, wo Pflanzheit, Tierheit, Mineralsein außer uns im Fremden liegt. Wird man durch eine imaginative Erkenntnis gewahr seine Verwandtschaft mit der Erde, dann fühlt man sich nicht mehr in seiner Menschheit, dann fühlt man sich in seiner Tierheit, dann fühlt man die innige Verwandtschaft des Menschen mit dem ausgebreiteten Wesen der Tierheit.

Und fühlt man sich eins mit dem Wassersein auf Erden, dann wird man gewahr: Du bist ja eigentlich verwandt mit der Pflanzheit. Es ist etwas in dir, was so schlafend, so träumend in der Welt ist wie die Pflanzheit.

Und wird man gewahr seiner Verwandtschaft mit der Luft, dann fühlt man das Mineralsein in sich. Dann fühlt man, wie wenn etwas vom Mineralischen einen ganz, durch die ganze Haut, erfüllte.

Man fühlt sich, sobald man in die Elementenwelt eintritt mit der Imagination, verwandt mit Tier, Pflanze, Stein. Und man fühlt anders gegenüber diesen Reichen der Natur, wenn man sich so selbst ihnen angehörig fühlt. Man fühlt die innige Verwandtschaft, die man mit diesen Reichen hat, etwa in der folgenden Weise.

Man schaut hinaus auf das Tierreich. Man schaut die trägen Tiere, die langsam einen Schritt nach dem anderen machen. Man schaut die regsamen Tiere, die latternden Vögel. Man schaut alles dasjenige, was in der Tierheit so in Bewegung ist, dass es aus dem Eigenwesen heraus die Welt mit Bewegung erfüllt. Dann sagt man sich: In alledem, was da aus dem innersten Wesen der Tierheit heraus sich regt, ist ja dasselbe ersichtlich, dasselbe offenbar wie dein eigener Wille. Und man fühlt die Verwandtschaft des eigenen Willens mit der Tierheit.

Aber man fühlt zugleich eines noch: Man bekommt Furcht vor sich selber. Und das ist es, was man so gerne möchte, dass gerade derjenige, der in ein esoterisches Leben eintritt, fühle diese Furcht vor sich selber, nicht damit er in ihr stecken bleibe, sondern damit er sie verwandeln könne in eine höhere Seelenkraft. Aber es ist schon so, wenn man gewahr wird, dass eigentlich diese Menschengestalt in uns nur dadurch da ist, dass wir einsam dastehen und die Reiche der Natur außer uns sind, wie wir sie nach außen hin anschauen können, dann fühlt man: Die Erde, so wie sie wirklich ist als Element, macht uns noch nicht zum Menschen, die macht uns zum Tiere. Da sind wir Tier. Von Erden wegen sind wir Tier. Und da das Erdige immer da ist, so ist immer die Gefahr vorhanden, dass wir in die Tierheit hinuntersinken. Und wenn man das nicht bloß mit abstrakter, theoretischer Erkenntnis, wie man’s heute gewohnt ist, auffasst, sondern wenn man es fühlt, dann bekommt man die Angst davor, in jedem Augenblicke in die Tierheit hinunterfallen zu können. Aber gerade diese Angst muntert einen auf, sich immerfort erheben zu wollen über diese Tierheit, herauszutreten aus dem elementarischen Leben in das Leben, das uns zwar mit der fremden Welt umgibt, das uns zugleich aber in das Menschliche hereinführt. Fühlend zu erkennen sein Verhältnis zu der Welt, das ist dasjenige, was in die wirkliche Esoterik hineinführt.

Und wiederum, wenn man fühlt seine Verwandtschaft mit der Wasserwelt, mit dem Wasserelemente, dann wird man gewahr: Von Wasser wegen wären wir nicht Menschen, wären wir Pflanzen. Und unser Gefühl, das ja ein träumendes Wesen hat, wie ich Ihnen oftmals auseinandergesetzt habe, meine Lieben, unser Gefühl hat fortwährend die Tendenz, pflanzenhaft zu sein. Versuchen Sie, gerade sich zu vertiefen in die intimsten, in die leisesten Gefühle, Sie werden empfinden können das Pflanzenhafte des Gefühlslebens. Und dann werden Sie das Gefühl bekommen: Es droht Ihnen nicht nur die Gefahr, hinunterzusinken in die Tierheit, sondern auch die Gefahr, mit gelähmtem Bewusstsein dahinzuleben wie eine Pflanze, wie schlafend, träumend. Aber dieses Gefühl der Lahmheit, das in den Tiefen des Bewusstseins sitzt, das muss sich umwandeln in das Gefühl, sich zu erwecken für das Menschendasein. Die Furcht vor der Tierheit muss sich umwandeln in den Mut, sich selber zum Menschen zu erheben. Das Gefühl der Lahmheit im Pflanzensein muss sich umwandeln zum inneren Weckruf, zur inneren Kraft, sich selber in der Welt zum erwachten Menschen zu bringen.

Und wird man gewahr, wie man lebt im Luftwesen, dann, wenn man das gewahr wird, dann schaut man, wie eigentlich alles Denken das wissen ja die Menschen nicht -, aber wie eigentlich alles Denken nichts anderes ist als ein verfeinertes Atmen. Denken ist verfeinertes Atmen. Die Gedanken, in denen wir leben, sind durchaus ein verfeinerter Atmungsprozess. Der Einatmungsstrom, das Atmunghalten, das Ausatmen, sie wirken, ich möchte sagen, im Groben auf der einen Seite hinein in unsere Blutzirkulation, auf der anderen Seite aber verfeinert in das Vibrieren der Gehirnorgane. Und wie da das Atmen verläuft, das ist Denken in der physischen Welt; sublimiertes Atmen ist Denken.

Wer zur Imagination vorschreitet, der glaubt ja gar nicht mehr an dieses abstrakte Denken, das da wie irgendetwas ganz Dünnes im Gehirn lebt. Wer zur Imagination vorschreitet, der empfindet die Einatmung, das Ausbreiten des Atems im Gehirn; er fühlt, wie der Atem sich ausbreitet. Wenn der Atem sich so ausbreitet, dass er sich gewissermaßen schließt, entstehen die geschlossenen Begriffe, die geschlossenen Vorstellungen. Wenn der Atem ein anderes umschließt und wellig wird, entstehen die Vorstellungen des Sichbewegens. Es ist nur ein verfeinerter Atmungsprozess, der durch uns webt und wellt, was wir als Vorstellen, als Denken bezeichnen.

Aber gerade so, wie man fühlt: Ich atme ein, ich ziehe den Atem bis hinauf in das Gehirn, ich lasse den Atem stoßen an mein Ohr, so fühlt man: Er lebt mir als Gedanke aus dasjenige, was ich als Ton, was ich als Schall, was ich als Klang höre; ich lasse den Atem stoßen in mein Auge: Er lebt mir aus, was ich als Farbe sehe. Es ist ja die innere Sprache des Atmens, was als Vorstellung wirkt. Wenn der Atem, ganz verfeinert, an die Sinnesorgane stößt, macht er die Vorstellungen. Aber wird man das gewahr, wird man sich gewissermaßen als Denker und zugleich als Atmer gewahr, dann fühlt man diese zum Denken verfeinerten Atmungsprozesse wie ein organisiertes Mineral, wie einen organisierten Stein, der einen erfüllt.

Sie wissen, dass ja der Sauerstoff im Menschen in Kohlensäure sich verwandelt. Dieses Erfassen des Kohlenstoffes in den feineren Verzweigungen des Atmens im menschlichen Haupte, das stellt sich ja dar wie ein Abfangen der Kohlensäure. Das ist ein Mineralisierungsprozess. Und je mehr man in der Lage ist, sich innerlich zu vertiefen in das Abfangen des Kohlenstoffes durch den Sauerstoff, umso mehr hat man den Mineralisierungsprozess. Man ergreift die Kohle in sich, den Kohlenstoff, die Kohle. Und die Kohle ist der Stein der Weisen; nur eben innerlich im Menschen ist die Kohle der Stein der Weisen.

Lesen Sie nach bei alten instinktiven Hellsehern, wie sie den Stein der Weisen beschreiben. Sie werden überall finden, dass sie beschreiben: Der Stein der Weisen - die Menschen kennen ihn nur nicht -, er ist überall zu finden; man kann ihn überall erzeugen. Man kann ihn finden, wo er seine Fundstätten hat; er ist in der Erde zu finden. Es

wird ganz genau beschrieben, wie man die Kohle erzeugt, indem man Holz verbrennt. Er kann überall erzeugt werden, der Stein der Weisen. Kohle ist er. Er ist in den Kohlengruben der Kohlenbergwerke enthalten [Lücke im Stenogramm] ein mineralischer Prozess. Man fühlt sich innerlich versteint [Lücke im Stenogramm] in dem Vermineralisieren durch das Im-Lüftewehen-Leben, wie man sich verpflanzt, also in der Pflanzenheit fühlt durch das Im-Wasserwesen-Leben, wie man sich in der Tierheit fühlt durch das In-der-Erde-Leben.

Das ist es, was der Hüter als Ermahnung dem Menschen gibt: sich bewusst zu werden dieser seiner Verwandtschaft mit den Reichen der Natur. Daher haben wir von dem Hüter der Schwelle diese Ermahnungen, die wie zum Menschen gesprochene Meditationssätze sind. Und wenn der Mensch sie mit tiefem Gefühl, mit ernster Empfindung auf sein Gemüt wirken lässt, dann wird er etwas gewahr von seiner Verwandtschaft mit dem Elemente der Erde, was verwandt ist mit seinem Willen; mit dem Elemente des Wassers, was verwandt ist mit seinem Fühlen; mit dem Elemente der Luft, die in dieser Weise, wie ich’s Ihnen jetzt geschildert habe, verwandt ist mit seinem Denken, mit seinem Vorstellen.

[Es wird an die Tafel geschrieben; siche Seite 730:]

Du steigst ins Erden-Wesenhafte Mit deines Willens Kraftentfaltung

Das bleibt für das gewöhnliche Bewusstsein ganz unbewusst. Jedes Mal, wenn wir etwas wollen, steigen wir ins Erdenelement hinunter. Aber das gewöhnliche Bewusstsein weiß nichts davon. In dem Augenblicke, wo dieses Hinuntersteigen bewusst wird, dann verwandelt man sich selber vom Menschentum ins Tieretum, dann erscheint man sich als irgendeines der Tiere - wenigstens in der ätherischen Gestalt, die man dann schaut -, verwandt mit irgendeiner Tierheit. Man wird ja nicht gerade genau zum Elefanten oder genau zum Stiere, aber es wird so etwas aus einem für das Willenselement, das man mit Stierhaftem, Elefantenhaftem, Adlerhaftem und so weiter zum Ausdruck bringen kann. [Es wird weitergeschrieben.]

Betritt als Denker du das Erdensein,
Es wird Gedankenmacht dir dich
Als deine eigne Tierheit zeigen;

Aber solche Ermahnungen des Hüters der Schwelle, meine Lieben, sind nicht dazu da, um sie als Begriffe, als Theorien aufzunehmen; sie sind da, um vom ganzen Menschen erlebt zu werden. Schaut man nach dem, wohin der Wille tritt, wird man gewahr der eigenen Tierheit, dann erhält man vor dem Selbst Furcht, die sich aber verwandeln muss in Seelenmut. Dann kommt man weiter. Dann kommt man in die geistige Welt hinein.

[Es wird weitergeschrieben:]

Die Furcht vor deinem Selbst
Muss dir in Seelen-Mut sich wandeln.

Da haben wir den ersten Hinunterstieg, den Hinunterstieg in jenes Reich, wo so stark die ahrimanischen Kräfte wirken. Unser rechtes Verhalten wird uns geradezu angedeutet durch die eben angegebene Mahnung des Hüters der Schwelle:

Du steigst ins Erden-Wesenhafte
Mit deines Willens Kraftentfaltung;
Betritt als Denker du das Erdensein,
Es wird Gedankenmacht dir dich
Als deine eigne Tierheit zeigen;
Die Furcht vor deinem Selbst
Muss dir in Seelen-Mut sich wandeln.

Es ist in der Regel dasjenige, was wir als das Beste erhalten können zu unserem geistigen Fortschritte, hervorgehend aus etwas, was uns eigentlich herunterbringt. Wenn wir etwas, was uns herunterbringt, wie diese Furcht vor der eigenen Tierheit, wenn wir diese bezwingen, wenn wir sie verwandeln in eigenes inneres Tun, in Seelenmut, dann wird sie der Antrieb zu einer hohen Eigenschaft des Menschen. Die brauchen wir, um im Geistigen vorzurücken.

Den anderen Hinunterstieg, in das Wasserwesen, wir lernen ihn durch folgende Mahnung des Hüters der Schwelle - denn die Worte, die ich Ihnen hier mitteile, sind die Worte des Hüters der Schwelle -, wir lernen ihn durch folgende Mahnung:

Du lebest mit dem Wasserwesen
Nur durch des Fühlens Traumesweben;
Durchdring erwachend Wassersein,
Es wird die Seele sich in dir
Als dumpfes Pflanzendasein geben;
Und Lahmheit deines Selbst
Muss dich zum Wachen führen.

Die Verwandlung ins Gegenteil von diesem schlafenden Fühlens-Traumeswesen, wenn wir wirklich bewusst hinuntersteigen, wird zum Wecker in uns selber.

[Die zweite Strophe wird nun an die Tafel geschrieben:]

Du lebest mit dem Wasserwesen
Nur durch des Fühlens Traumesweben;
Durchdring erwachend Wassersein,
Es wird die Seele sich in dir
Als dumpfes Pflanzendasein geben;
Und Lahmheit deines Selbst
Muss dich zum Wachen führen.

Und wenn der Mensch seine Verwandtschaft fühlt mit dem Luftwesen, dann fühlt er schon im gewöhnlichen Bewusstsein auch seine Verwandtschaft genauer. Er steigt nicht so tief ins Unterbewusste hinunter. Aber trotzdem bleibt noch eine Spur von ahrimanischer Verführung auch in diesem Hinuntersteigen. Wir sind ja, wenn wir in unseren Erinnerungen leben, in unserem Gedächtnisse leben, vorzugsweise in einer inneren Atmungstätigkeit. Wenn wir die gewöhnliche Atmung verfeinern zum Denken desjenigen, was in unserer Umgebung ist, dann ist allerdings kaum eine Gefahr vorhanden. Wenn aber Erinnerungen aufsteigen, der Atem von innen aus wirkt, dann ist noch immer eine Gefahr vorhanden, wenn diese Gefahr auch am leichtesten zu beobachten ist. Und dieses Hinuntersteigen aus dem Denken in das Sinnen, wo wir es vorzugsweise mit unseren Gedächtnisvorstellungen zu tun haben, das ist es, gegenüber dem der Hüter der Schwelle uns die folgende Mahnung gibt:

[Die dritte Strophe wird an die Tafel geschrieben:]

Du sinnest in dem Lüftewehen
Nur in Gedächtnis-Bilderformen;
Ergreife wollend Lüftewesen

Das kann man, meine Lieben, wenn man mit ebensolcher innerer Aktivität, mit Impulsivität einen Gedanken an den andern reiht, wie man das sonst gegenüber den äußeren Handlungen tut. Der Mensch ist gewöhnt, einen Stuhl von einem Orte zum andern zu stellen, indem er sich anstrengt. Der Mensch ist nicht gewöhnt, einen Gedanken von einer Stelle an die andere zu rücken. Er möchte nur denken am Leitfaden der äußeren Erscheinungen, wie sich ihm die Dinge geben. Er möchte, dass ihm das Buch die Folge der Gedanken zeigt; er möchte, dass ihm die Zeitung die Folge der Gedanken zeigt, und er ist beruhigt, wenn das der Fall ist. Das wäre geradeso, wie wenn Sie erwarten würden, dass alles dasjenige, was Sie eigentlich tun sollen in der äußeren Willensentfaltung, von einer objektiven Macht erst angeregt würde: Wenn Ihnen der Arm bewegt werden sollte, damit Sie einen Stuhl ergreifen; wenn einer dastehen sollte als Geist und Ihnen fortwährend die Beine eines vor das andere stellen würde, damit Sie gehen können. In Bezug auf sein Denken ist ja der Mensch so, wie er wäre, wenn er darauf rechnete, dass ihm ein Bein vor das andere gestellt würde, damit er gehen könnte.

[Es wird weitergeschrieben, nachdem die zuletzt angeschriebene Zeile «Ergreife wollend Lüftewesen» sprechend wiederholt wurde:]

Es wird die eigne Seele dich
Als kalterstarrter Stein bedrohn

— dieses Mineralisch-Werden.

Wer nicht die Imagination kennt, weiß ja nicht, wie hart das gewöhnliche Denken ist. Das gewöhnliche Denken ist steinhart. Man fühlt wirklich das Denken mit Ecken und Kanten, wenn man einmal in die spirituelle Welt den Eintritt erlangt hat. Das Denken tut sogar weh, wenn es in seinen besonderen Abstraktionsformen auftritt. Wer spirituelles Leben hat, kann noch allenfalls mit demjenigen, was gedacht wird aus menschlichem Gefühle heraus, was gedacht wird aus menschlicher Impulsivität heraus, mitleben. Er kann selbst mitleben, wenn Hasses- und Zornesausbrüche aus menschlicher Wesenheit heraus in Gedanken sich äußern; aber er fühlt sich innerlich wie durch Ecken und Kanten verwundet, wenn ihm die abstrakten Gedanken der heutigen Zivilisation in seine Organisation hineingehen. Was gelitten werden kann an den heutigen Gedanken, das macht sich derjenige, der eben diesen Satz nicht kennt: «Es wird die eigne Seele dich als kalterstarrter Stein bedrohn», der macht sich das nicht klar. Aber wenn man bewusst hinuntersteigen wird in das Reich der Erinnerungen, in das Reich des Lüftewehens, wenn der Atem ergriffen wird vom Vorstellen aus, dann wird das so, wie ich es geschildert habe. Aber dieser innere Tod im Denken, dieser Kältetod, der muss wiederum uns anfeuern zu einer Gegenkraft, eben im Gedanken das Geistig-Lebendige aus innerer Kraft hervorzurufen.

[Es wird weitergeschrieben:]

Doch Deiner Selbstheit Kälte-Tod,
Er muss dem Geistesfeuer weichen.

Das sind die drei Ermahnungen gegenüber der Unterwelt, der Welt der unteren Elemente, die der Hüter der Schwelle an denjenigen, der an die Schwelle kommt, richtet, indem er ihm zeigt, wie der Mensch seine innere Verwandtschaft mit den drei Reichen der Natur gewahr werden muss, wenn er ein Erkennender werden will: wie er gewahr werden muss durch seine Verwandtschaft mit dem Erdenwesen seine Tierheit und damit das Wesen der Tiere seiner Umgebung; wie er gewahr werden muss durch seine Verwandtschaft mit dem Wasserwesen seine eigene Pflanzenheit und damit das Wesen der Pflanzen seiner Umgebung; wie er gewahr werden muss durch seine Verwandtschaft mit dem Lufteswesen das eigene Mineralreich, das eigene Mineralwesen, das eigene Steinwesen, und damit die Wesenheit des Mineralreiches seiner Umgebung.

Furcht, Lahmheit, Tod müssen sich als die negativen Eigenschaften dabei entwickeln, müssen sich aber metamorphosieren in die positiven, ins Geistige hineinführenden Eigenschaften von Seelenmut, von Weckekraft, Aufwachekraft, belebendem Feuer.

Das ist es auch, was der Hüter der Schwelle in dem Vorbeischreitenden hervorruft: erst das innere Angstesfühlen vor dem Hinuntersteigen in die Tierheit; dann das innere Ohnmachtfühlen in der Lahmheit des Pflanzenseins; dann aber die Sehnsucht, gegenüber dem auskühlenden, auskaltenden Steinesdasein das belebende Feuer zu entwickeln.

So lautet diese dreifache Ermahnung des Hüters der Schwelle:

Du steigst ins Erden-Wesenhafte
Mit deines Willens Kraftentfaltung;
Betritt als Denker du das Erdensein,
Es wird Gedankenmacht dir dich
Als deine eigne Tierheit zeigen;
Die Furcht vor deinem Selbst
Muss dir in Seelen-Mut sich wandeln. Du lebest mit dem Wasserwesen
Nur durch des Fühlens Traumesweben;
Durchdring erwachend Wassersein,
Es wird die Scele sich in dir
Als dumpfes Pflanzendasein geben;
Und Lahmheit deines Selbst
Muss dich zum Wachen führen. Du sinnest in dem Lüftewehen
Nur in Gedächtnis-Bilderformen;
Ergreife wollend Lüftewesen,
Es wird die eigne Seele dich
Als kalterstarrter Stein bedrohn;
Doch deiner Selbstheit Kälte-Tod,
Er muss dem Geistesfeuer weichen.

Und wie wir da [unterer Teil des Schemas, siehe Seite 129] in Ahrimans Reich kommen und durch den Hüter der Schwelle ermahnt werden, wie wir uns erretten vor den Versuchungskünsten Ahrimans, so dringen wir auf der anderen Seite [oberer Teil des Schemas], indem wir im Erdenleben stehen und ins Esoterische hineinwollen, in Licht, Weltengestaltung, Weltenleben.

Wir nehmen das Licht auf. Wir wissen gewöhnlich nicht unmittelbar, dass das Licht, wenn es durch das Auge dringt, eben sich mit dem Atem verbindet - die Wärme liegt ja nur dazwischen -, der Atem der Luft verbindet sich mit dem Lichte [mittlerer Teil des Schemas]: Es entsteht die Vorstellung über der Wahrnehmung. Wir leben im Lichte, indem wir Gedanken uns bilden, ebenso, wie wir nach der anderen Seite, nach dem unteren Reiche, in der Luft leben, im Atem. Wir halten von dem Lichte die Gedanken zurück. Wir wissen nicht, dass die Gedanken in uns nur leben können, wenn sie am Lichte erleuchtet werden, wenn der Atem am Lichte erleuchtet wird.

Für den, der zur Imagination aufsteigt, ist das Denken ein leises Atemverhauchen, das vom Lichte, das innerlich aufgenommen wird, durchleuchtet wird, durchglänzt wird, durchvibriert wird.

Da gehen die verdünnten Atmungswellen. [Es wird gezeichnet: Wellen.] Sie leuchten auf im Lichte [gelb]. Denn als Licht wird in der Geisteswissenschaft alles bezeichnet, was überhaupt durch die Sinne wirkt. Nicht nur das, was durch das Auge wirkt, auch dasjenige, was im Ton wirkt, ist Licht; auch dasjenige, was in der Tastempfindung wirkt, insofern wir wahrnehmen, ist Licht, Das ganze Wahrgenommene durch die Sinne ist Licht. Aber, wenn wir das gewahr werden, wie da dieses Denken, dieses Haben von Gedanken, feiner Atem ist, auf dem Licht wellt und webt - es ist ja wirklich so, wie wenn man die Meeresoberfläche sehen würde und darauf, auf der Meeresoberfläche, das Sonnenlicht erglänzen sehen würde auf den Wellen [rot auf den gelben Lichtreflexen], aber wie wenn man da drinnen wäre, spüren würde, fühlen würde das Weben in den Wellen, das Glänzen darauf -, so ist alles Wahrnehmen, wenn man es innerlich erlebt.

Da tritt die Verlockung Luzifers heran; denn das ist etwas ungeheuer Schönes, das ist etwas, was ungeheure Lust und ungeheures Wohlbehagen verbreitet. Eine wahre innere Wollust überkommt den Menschen. Er verfällt leicht den Verlockungen, den Versuchungen Luzifers, die ihn wegziehen wollen von der Welt, in die Schönheit dieser Welt hinein, die sie selber beherrschen. Sie wollen den Menschen entreißen den irdischen Elementen und ihn hinaufheben ins Engel-, ins Geisterreich, sodass er nach jedem Schlafe nicht mehr heruntersteigen will in den physischen Leib. Da tritt die luziferische Versuchung ein, so wie gegenüber den dichteren Elementen die ahrimanische Versuchung eintritt.

Aber da handelt es sich darum, dass wir die Mahnung des Hüters der Schwelle hören und uns nicht hineinbegeben in dieses Reich, ohne dass wir den festen Entschluss bewahren, alle Erdennöte nicht zu vergessen. Dann, dann wird das Band mit dem Erdensein, das wir doch durchwandern müssen, sich fest gestalten. Daher lautet die Mahnung des Hüters der Schwelle:

Du hältst von Lichtes-Scheines-Macht
Gedanken nur im Innern fest;
Wenn Lichtesschein in dir sich selber denkt,
So wird unwahres Geisteswesen
In dir als Selbstheitwahn erstehn;
Besinnung auf die Erdennöte
Wird dich im Menschensein erhalten.

[Die erste Strophe dieses Mantrams wird nun an die Tafel geschrieben; siche Seite 730-731:]

Du hältst von Lichtes-Scheines-Macht
Gedanken nur im Innern fest;
Wenn Lichtesschein in dir sich selber denkt,

  • also der Mensch ganz verwandt wird durch die Imagination dem Schein des Lichtes, und die Gedanken nicht mehr in ihrer Abstraktheit hat, sondern als spielendes Licht über den Atmungswogen

So wird unwahres Geisteswesen
In dir als Selbstheitwahn erstehn;
Besinnung auf die Erdennöte
Wird dich im Menschensein erhalten.

Steigen wir weiter hinauf in das ätherische Element, dann wird die luziferische Verlockung schon intensiver. Da werden nicht nur unsere Gedanken, in denen wir uns verhältnismäßig noch leicht zurechtfinden, in Betracht kommen, sondern da wird das dumpfe Element des Fühlens in Betracht kommen. Denn der Mensch hält von der Weltgestaltung, von dem, was im chemischen Äther kosmisch wirkt und webt, dasjenige, was das Substanzielle ist, in seinen Gefühlen fest. Und wenn er nun imaginativ hinaufsteigt, wirklich in diese Weltenchemie hinein sich fügt - da geht es ja nicht so zu wie in einem gemütlichen, philiströsen, irdisch-chemischen Laboratorium, wo der Chemiker am Laboratoriumstisch steht und alles außer ihm ist -, da muss er, der Mensch, in alle Stoffe hinein, im Mischen und Entmischen selber drinnen sein. Da wird er selber zum kosmischen Chemiker und ist mit seinen chemischen Prozessen verwebt. Da fühlt er in diesem Verwebtsein mit der Weltengestaltung die luziferische Versuchung in der Gestalt wie ein Ohnmächtigwerden. Erst wird der Mensch in eine gewisse Art von innerer Wollust versetzt, dass er Geist sein kann. Er will nicht mehr zurück, wenn er sich nicht auf die Erdennöte besinnt. Jetzt wird er ohnmächtig gemacht, dass er sich nicht mächtig ist seines Menschenwesens, um hineinzukommen. Er muss vor dieser Seelenohnmacht sich bewahren, indem er nur herantritt an diese Welt, nachdem er die Liebe zu all dem, was wertvoll ist auf Erden, zu den Erdenwerten sich erworben hat.

Du hältst vom Weltgestalten

— so sagt der Hüter der Schwelle —

Gefühle nur im Innern fest;
Wenn Weltenform in dir sich selber fühlt,
So wird ohnmächtig Geist-Erleben
In dir das Selbstheitsein ersticken;
Doch Liebe zu den Erdenwerten
Wird dir die Menschenseele retten.

[Die zweite Strophe wird nun an die Tafel geschrieben:]

Du hältst vom Weltgestalten
Gefühle nur im Innern fest;
Wenn Weltenform in dir sich selber fühlt,
So wird ohnmächtig Geist-Erleben

— das eben von Luzifer kommt —

In dir das Selbstheitsein ersticken;
Doch Liebe zu den Erdenwerten
Wird dir die Menschenseele retten.

Man kann sein kosmisches Ziel nur erreichen, wenn man zur rechten Zeit Engel wird. Während des Jupiterdaseins steigen ja die jetzigen Menschen zum Engeldasein auf. Luzifers Verführung besteht darinnen, dass er den Menschen zur Unzeit, noch während des Erdendaseins zum unreifen Engel machen will, zum verkümmerten Engel. Dann wäre die Menschenseele verloren und eine verkümmerte Engelseele entstanden. Die Mahnung des Hüters der Schwelle sollen wir hören:

Doch Liebe zu den Erdenwerten
Wird dir die Menschenseele retten.

Am intensivsten ist die Verlockung, wenn wir in das letzte Element, in das Weltenleben, in das allgemeine Weltenleben aufsteigen. Daraus halten wir das Wollen fest, das aber wie im Schlafe, wie ich oft gesagt habe, beim Menschen enthalten ist. Wird es aufgeweckt in der Imagination, werden wir gewahr - statt unseres irdisch eng begrenzten Lebens, das in unserer Haut eingeschlossen ist unser Miterleben mit dem Weltenleben: Im Augenblicke sind wir tot. Denn im allgemeinen Weltenleben bewusst leben, heißt, den Tod als einzelne Wesen erfahren. Das universelle Leben tötet uns, wenn es uns ergreift. Wie das Insekt, das in die Flamme fliegt aus Gier nach dem Feuer, nach dem Lichte, im Augenblicke, wo es hineinfliegt, erstirbt, so erstirbt das einzelne Lebende in dem allgemeinen Weltenleben, wenn es bewusst eintritt mit seinem eigenen Geiste. Und wie das Tier aus einer ungeheuren Lust in die Flamme hineinflattert, so - in einer ungeheuren Lust, die aber ein Aufflackern in einem Momente ist - geht der Mensch als einzelnes Wesen sterbend in das allgemeine, in das kosmische Leben hinein mit seinem Geiste.

Wir dürfen nicht einmal denkend uns in dieses Element hineinwagen, wenn wir nicht in uns ausgebildet zunächst haben ein gottergebenes, ein geistergebenes Erdenwollen, das heißt, uns voll bewusst sind, dass wir auf Erden ausführen die Absichten der Geister. Durchdringen wir uns bis zu innerer hingebender Glut-Liebe mit diesem gottergebenen Wollen, dann werden wir uns nicht verlocken lassen, ein degenerierter Engel zu werden, statt ein Mensch zu bleiben, solange das Menschsein notwendig ist für dasjenige Wesen, das in uns lebt. Daher heißt die Mahnung des Hüters der Schwelle:

Du hältst vom Weltenleben
Das Wollen nur im Innern fest;
Wenn Weltenleben dich voll erfasst,
So wird vernichtend Geistes-Lust
In dir das Selbst-Erleben töten;
Doch Erdenwollen geist-ergeben,
Es lässt den Gott im Menschen walten.

[Die dritte Strophe wird nun an die Tafel geschrieben]

Du hältst vom Weltenleben
Das Wollen nur im Innern fest;
Wenn Weltenleben dich voll erfasst,
So wird vernichtend Geistes-Lust
In dir das Selbst-Erleben töten;
Doch Erdenwollen geist-ergeben,
Es lässt den Gott im Menschen walten.

Und hier haben wir die dreifache Mahnung des Hüters der Schwelle gegenüber dem Oben [siehe Schema Seite 129], gegenüber den Elementen des Äthers:

Du hältst von Lichtes-Scheines-Macht
Gedanken nur im Innern fest;
Wenn Lichtesschein in dir sich selber denkt,
So wird unwahres Geisteswesen
In dir als Selbstheitwahn erstehn;
Besinnung auf die Erdennöte
Wird dich im Menschensein erhalten. Du hältst vom Weltgestalten
Gefühle nur im Innern fest;
Wenn Weltenform in dir sich selber fühlt,
So wird ohnmächtig Geist-Erleben
In dir das Selbstheitsein ersticken;
Doch Liebe zu den Erdenwerten
Wird dir die Menschenseele retten. Du hältst vom Weltenleben
Das Wollen nur im Innern fest;
Wenn Weltenleben dich voll erfasst,
So wird vernichtend Geistes-Lust
In dir das Selbst-Erleben töten;
Doch Erdenwollen geist-ergeben,
Es lässt den Gott im Menschen walten.

Es ist die Praxis des Erkennens, die Ihnen in diesen Stunden, meine Lieben, vorgeführt wird. Und dasjenige, was Ihnen in dieser Weise gegeben wird, haben Sie nicht so aufzufassen, als wenn es an Sie dringen würde bloß wie eine Schilderung von theoretischen Dingen, sondern Sie werden das Herzhafte der Sache dann erleben, wenn Sie die wahre Voraussetzung haben. Sie ist so, wenn Sie die wahre Voraussetzung haben: dass dasjenige, was Ihnen in diesen Stunden gesagt wird, eigentlich die Unterweisung des Hüters der Schwelle selber ist, entstanden ist unmittelbar aus demjenigen, was man erhalten kann im Gespräche mit dem Hüter der Schwelle. Denn nicht das, meine Lieben, ist hier in diesen Klassenstunden die Absicht, Theorien zu geben; dasjenige ist die Absicht, die geistige Welt selber sprechen zu lassen. Deshalb wurde in der ersten Klassenstunde davon gesprochen, wie diese Schule angesehen werden soll als eingesetzt aus der geistigen Welt selber.

Das ist das Wesen aller Mysterienschulen gewesen, dass in ihnen die Menschen gesprochen haben als Beauftragte der geistigen Gewalten der Welt. Das muss aber auch das Wesen der Mysterienschulen bleiben. Deshalb ist so stark an den Ernst gemahnt worden, den ein jeglicher Angehöriger dieser Klasse in sich rege machen und bewahren soll. Ohne diesen Ernst kann eigentlich niemand wirkliches Mitglied dieser Schule des geistigen Lebens sein. Das ist dasjenige, was ich als eine ernste Mahnung noch einmal an Sie, meine Lieben, richten möchte. Nehmen Sie diese Schule als konstituiert unmittelbar aus dem Wollen der geistigen Welt selbst heraus, das nur versucht wird in der richtigen Weise zu interpretieren für unser Zeitalter, in das wir eingetreten sind, nachdem die Finsternis vorüber war und ein Licht wieder gekommen ist, ein Licht, das allerdings zunächst sich nur mangelhaft auf Erden äußert, weil die Menschen noch die alte Finsternis bewahrt haben. Aber es ist da. Und nur derjenige, der versteht, dass das Licht da ist, wird das Wesen und Wollen dieser unserer Geistesschule in wahrem Sinne erfassen.

Ich musste heute etwas länger Sie hierbehalten, weil ja jetzt durch meine Reise nach auswärts, durch die Vorträge, die auswärts sind, zunächst die zwei nächsten Freitagsstunden leider ausfallen müssen und der nächste Freitag-Vortrag, die nächste Klassenstunde, am Karfreitag eben erst sein kann. Morgen ist ja der Vortrag für die Anthroposophische Gesellschaft. Am Sonntag wird außerdem um fünf Uhr eine eurythmische Darstellung sein, zuerst eine Darstellung von Eurythmie jüngerer Eurythmisten, Kinder und junger Damen. Und dann wird eine Vorstellung sein, welche von Herren, namentlich Herren unserer Wache gegeben wird im zweiten Teil. Das also Sonntag um fünf Uhr. Sonntag um acht Uhr dann der zweite der Vorträge, die ja gegeben werden Samstag und Sonntag um acht Uhr.

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