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Esoteric Lessons for the First Class I

GA 270 — 14 March 1924, Dornach

Fünfte Stunde

Meine lieben Freunde! Wir haben gesehen, welche Veränderungen mit dem Menschen vorgehen, wenn er bekannt wird mit dem Wesen des Hüters der Schwelle. Und von der Auffassung dieses Wesens vom Hüter der Schwelle hängt es ja ab, ob der Mensch in irgendeiner Form an die geistige Welt herantreten und zum Verständnisse dieser geistigen Welt kommen kann. Wir haben insbesondere gesehen, wie dasjenige, was ja das menschliche Innere ausmacht - Denken, Fühlen, Wollen -, im Bereiche des Hüters der Schwelle eine wesentliche Änderung durchmacht. Und insbesondere in der letzten Klassenstunde hier konnte es uns klar werden, wie gewissermaßen Denken, Fühlen und Wollen verschiedene Wege durchmachen beim Betreten der geistigen Welt, wie sie in andere Verwandtschaften eingehen bei diesem Betreten, als diejenigen sind, in denen sie gewöhnlich für das Erdenbewusstsein des Menschen stehen.

Wir haben gesehen, wie der Mensch seinem Wollen nach stark hingewiesen wird auf seinen Erdenzusammenhang. In dem Augenblicke, wo der Mensch an die geistige Welt herantritt, trennen sich ja in einer gewissen Beziehung in der Seele Denken, Fühlen, Wollen. Und dieses Wollen, das dann in einer viel größeren Selbstständigkeit in der Seele lebt als vorher, dieses Wollen, es erweist sich für den Menschen im hohen Grade als verwandt mit jenen Kräften, die den Menschen zur Erde hinziehen. Das Fühlen erweist sich verwandt mit jenen Kräften, die den Menschen halten in dem Umkreis der Erde, in jenem Umkreis der Erde, den sozusagen das Licht durchwellt, wenn es, morgens erscheinend, den Tag erhellt und abends wiederum an der entgegengesetzten Seite zunächst für den Anblick des Menschen verschwindet. Das Denken aber, es ist die Kraft, die den Menschen nach oben, nach dem Himmlischen verweist. Sodass in demselben Augenblicke, in dem der Mensch vor den Hüter der Schwelle hintritt, dieser Hüter ihn aufmerksam macht darauf, wie er der ganzen Welt angehört: durch sein Wollen der Erde, durch sein Fühlen dem Umkreis, durch sein Denken den oberen Mächten.

Aber das ist es ja überhaupt, meine Lieben, was mit dem Eintritt in das geistige Leben für den Menschen klar werden muss, dass ein Zusammenwachsen durch das Geistesleben mit der ganzen Welt eintritt. Wir stehen für das gewöhnliche Bewusstsein so da in der Welt, dass da draußen außer uns die Mächte walten, die im Pflanzen-, im Mineral-, im Tierreiche, im physischen Menschenreiche tätig sind, die Mächte walten, zu denen wir durch unsere Sinne den Zugang haben und die eigentlich keine Verwandtschaft zeigen zunächst mit dem Menschen. Und da stehen wir dann abseits als Mensch, in uns blickend, unser Denken, Fühlen und Wollen gewahr werdend; gewahr werdend, wie dieses Denken, Fühlen und Wollen etwas von der äußeren Natur Getrenntes ist, etwas für sich Stehendes ist. Und wir fühlen eine tiefe Kluft zwischen unserem Menschenwesen und der sich ausbreitenden Natur.

Aber diese Kluft müssen wir überbrücken. Denn diese Kluft, die wir höchstens ihren Äußerlichkeiten nach im gewöhnlichen Bewusstsein gewahr werden, diese Kluft ist gerade die Schwelle. Und das Gewahrwerden der Schwelle beruht eigentlich darauf, dass wir aufhören, jene Unbewusstheit einfach hinzunehmen, die uns auf uns zurückweist, wenn wir in unser Inneres schauen, und auf eine äußere, menschenfremde Natur weist, wenn wir eben den Blick nach außen richten; eine Kluft, die uns nur sichtbar zu werden braucht, um in ihrer ganzen Größe und Bedeutung nicht nur für das Menschenleben, sondern auch für das Weltenleben hervorzutreten.

Nun, sehen Sie, in dem Augenblicke, wo man das Esoterische betritt, muss eine Brücke hinüber geschaffen werden über diese Kluft, über diesen Abgrund. Wir müssen gewissermaßen zusammenwachsen mit der Natur. Wir müssen aufhören, uns zu sagen: Da draußen ist die Natur, die geht eigentlich das moralische Leben nichts an. Wir fragen nicht bei den Mineralien nach dem Moralischen, an dem unsere Seele das höchste Interesse hat, wir fragen nicht bei den Pflanzen, wir fragen nicht bei den Tieren, und im materialistischen Zeitalter hat man ja auch aufgehört, bei dem Menschen zu fragen, weil man den Menschen nur nach seiner physischen Wesenheit genommen hat.

Und wiederum, wenn man in den Menschen hineinschaut, dann erblickt man für das gewöhnliche Bewusstsein das passive Denken, durch das man sich die Welt bildlich vergegenwärtigt, das aber machtlos dasteht. Der Gedanke, der in uns lebt: Zunächst ist er nur unser Eigentum, durch das wir die Dinge der Welt erkennen; er hat als Gedanke zunächst keine Macht. Unser Fühlen ist unser inneres Leben; wir stehen mit ihm gewissermaßen getrennt, gesondert von der Welt. Und unser Wollen teilt sich zwar den äußeren Dingen mit; aber eben gerade dadurch, dass es sich den äußeren Dingen mitteilt, bekommen diese äußeren Dinge ein ihnen Fremdes.

Ein Großes muss an den Menschen herantreten, wenn er den Abgrund gewahr wird zwischen sich und der Natur, wenn er in die Nähe des Hüters der Schwelle kommt: ein Großes. Und dieses GroRe ist das, was mit den Worten seit alten Zeiten schon ausgedrückt worden ist - Worten aber, die nach jedem Zeitalter neu verstanden werden müssen -, und diese Worte sind: Die Natur muss göttlich erscheinen, und der Mensch muss magisch wesen können, sein können. Was heißt, die Natur muss göttlich erscheinen können?

Die Natur muss göttlich erscheinen können: So wie sie zunächst den Sinnen erscheint, wie sie der Verstand erfasst, ist sie ja wahrhaftig ungöttlich. Man möchte sagen: Die Göttlichkeit verbirgt sich in der Natur. Die Natur erscheint ihrer Äußerlichkeit nach. Wir sehen zunächst höchstens im Traume etwas von einer Verwandtschaft der Natur mit dem menschlichen Innenleben. Wir können gewahr werden, wie eine Unregelmäßigkeit in unserem Atmungsprozesse nach der einen oder nach der anderen Seite uns entweder freudig erregte Träume bereitet oder aber Angst- und Furchtträume bereitet. Wir können gewahr werden, wie die rein natürliche Überhitztheit eines Zimmers in gewissen Träumen zum Vorscheine kommt, die eine Art moralisch-seelischen Inhalt haben. Der Traum rückt die Natur an das Seelische heran.

Allein wir wissen auch: Im Traume ist unser Bewusstsein hinuntergetaucht, und der Traum ist doch nicht dasjenige, was uns das Geistige unmittelbar vermitteln kann. Wir müssen vielmehr sehen, wie sich dem erweckten, nicht dem eingeschlafenen Bewusstsein das Natürliche darstellt.

Nun, im Natürlichen haben wir zunächst, meine Lieben, eine Verwandtschaft des menschlichen physischen Leibes mit dem Festen in der Natur, mit demjenigen, was Erdenwesenheit trägt. Wir haben eine Verwandtschaft des ätherischen Leibes des Menschen mit demjenigen, was wässerige Wesenheit in sich trägt. Allein, diese Verwandtschaft des menschlichen physischen Leibes mit dem Erdigen, die Verwandtschaft des menschlichen Ätherleibes mit dem Flüssigen, mit dem Wasserförmigen, sie liegt tief unter demjenigen, was der Mensch zunächst erlebt.

Dasjenige, was dem Menschen nahesteht, ist eigentlich erst sein Atmungsprozess, der da waltet im Luftförmigen. Und erst vom Atmungsprozess nach aufwärts beginnt diejenige Region, in der der Mensch sich zunächst, wenn er an das Geistige herantritt, verwandt fühlen kann mit der Natur.

Wir haben, indem wir auf den Atmungsprozess hinschauen, das Luftförmige, in dem wir wesen und leben. [Es wird an die Tafel geschrieben; siehe Seite 724]

Luft

Wir haben dann über dem Luftförmigen das Wärmehafte [Über «Lufes wird arigeschriebeni]

Wärme

und über dem Wärmehaften das Lichtwesenhafte: Wärmeäther, Lichtäther. [Über «Wärme» wird angeschrieben]

Licht

Wenn wir höher hinaufkommen, so kommen wir schon in eine Region, die wir später besprechen müssen, die dem Menschen zunächst nicht so nahe liegt. Dass der Mensch webt und lebt im Luftelemente, das kann ja für eine ganz äußerliche Betrachtung offenbar sein. Denn man braucht nur eben auf die Träume hinzuschauen, wie sie abhängig sind in gewissen Gestaltungen von Unregelmäßigkeiten, Abnormitäten des Atmungsprozesses. Wenn der Atmungsprozess im wachen Leben verläuft: Wir achten seiner nicht, weil wir in der Regel nicht auf dasjenige achten, was eben im normalen Leben verläuft.

Dass für den Menschen das Wärmeelement, das Leben in der Wärme etwas wesenhaft Durchgreifendes bedeutet, kann auch wiederum aus der oberflächlichen Betrachtung klar werden. Wenn wir mit einem kalten Körper, der kälter ist als unser eigener Leib, sagen wir, mit einer kalten Stricknadel uns betupfen, so empfinden wir die kalten Stellen, auch wenn sie schr nahe beieinanderliegen, als getrennt. Wir sind sehr empfindlich für das Kalte. Wenn wir uns mit einem Gegenstande betupfen, der wärmer ist als unser eigener Leib, dann merken wir die Unterschiede nicht so stark. Wir können zwei kalte Stricknadeln ganz nahe aneinanderhalten, wir merken die Kälte beider. Wenn wir erwärmte Stricknadeln halten, so fließen nahe Berührungen zusammen in einen Punkt, und wir müssen mit den Stricknadeln sehr weit auseinandergehen, um die Eindrücke als getrennt wahrzunehmen. Wir sind eben für die Kälte viel empfindlicher als für die Wärme. Warum? Wir ertragen die Wärme leichter, weil wir ein Wärmewesen sind, weil die Wärme unsere eigene Natur ist, weil wir in der Wärme weben und leben. Die Kälte ist uns fremd, für die sind wir außerordentlich stark empfindlich.

Nun, für das Licht ist das schwieriger auseinanderzusetzen dem gewöhnlichen Bewusstsein. Wir wollen ja heute in das Esoterische in Bezug auf diese Dinge eindringen. Und so mag es genügen, dass ich auf das Luftförmige und auf das Wärmeartige hingewiesen habe für das gewöhnliche Bewusstsein. Aber im gewöhnlichen Erleben fühlt der Mensch eben die Luft als etwas Äußerliches, Naturhaftes. Er fühlt die Wärme als etwas, was ihn von außen berührt in irgendeiner Weise, und er fühlt das Licht als etwas, was von außen an ihn herankommt.

In dem Augenblicke, wo der Mensch jenen Ruck seines Lebens durchmacht, der ihn in die Nähe des Hüters der Schwelle bringt, in dem Augenblicke wird der Mensch gewahr, wie er mit demjenigen, dem er sonst fremd gegenübersteht, inniglich verwandt wird.

Ich habe ja öfter darauf aufmerksam gemacht, wie wir im Grunde genommen in jedem Augenblicke unseres Lebens, auch für das gewöhnliche Bewusstsein, unsere Weltverwandtschaft gerade durch unser Verhältnis zur Luft gewahr werden können. Da ist die Luft draußen; dieselbe Luft, die jetzt draußen ist, habe ich etwas später in mir drinnen; dann ist sie wiederum draußen, dieselbe Luft, die in mir drinnen war. Das werden wir nicht gewahr, dass wir - während wir unsere Muskeln, während wir unsere Knochen fortwährend in uns tragen, ihr Entstehen und Vergehen nur gewahr werden mit dem Embryonalleben und dem Tode -, dass wir fortwährend, indem wir ein Luftmensch sind, eigentlich dasjenige, was wir in uns tragen, nach außen entlassen, das Äußere wieder aufnehmen, sodass wir eins werden mit dem ganzen Weben und Leben und Wesen des Luftartigen, in dem wir als Erdenmenschen sind.

In dem Augenblicke, wo wir eintreten in das geistige Gebiet, bleibt das nicht mehr so. In diesem Augenblicke fühlen wir, wie wir mit jeder Ausatmung, mit jedem Ausatmungszug gewissermaßen mitgehen, wie wir auf den Flügeln der ausgeatmeten Luft hinausdringen in die Weiten des Daseins, in die sich die ausgeatmete Luft zerstreut, wie wir die geistigen Wesen, die Geister, die im Luftkreislauf leben, mit der Einatmung in uns hineinnehmen. Geistige Welt fließt in uns mit der Einatmung; unser eigenes Wesen fließt in die Umwelt mit der Ausatmung.

So aber ist es nicht nur mit dem Luftartigen; so ist es- und zwar in einem noch höheren Grade - mit dem Wärmeartigen. Wie wir eins sind mit dem Umkreise der Luft, die die Erde umgibt [es wird gezeichnet: die beiden weißen Kreise], ein Wesen als Luftmensch dadurch ausmachen, so ist es in einem noch höheren Grade mit dem Wärmewesen, das die Erde umgibt und durchdringt [rot]; mit ihm sind wir eines.

Und während wir, wenn wir an die geistige Welt herantreten, tatsächlich das Erlebnis haben, Geistiges in uns hereinzubekommen mit der Einatmung, unser eigenes Wesen hinaus zu entlassen in die Weltenweiten mit der Ausatmung, also ein geistiges Weben durchmachen mit der Einatmung und Ausatmung, ist es beim Wärmewesen so, dass wir noch intensiver fühlen, wie wir mit dem Steigen der Wärme, insofern wir selber in dem Wärmeelement sind, mehr Mensch werden, mit dem Sinken der Wärme weniger Mensch werden. Da hört dann die Wärme auf, etwas bloß Naturhaftes zu sein; da fühlen wir es - wo wir uns sagen: Erkennen wir das innere Seelenhafte der Wärme, das Geisteswirkliche der Wärme -, dann fühlen wir es innig verwandt mit unserem Menschsein. Dann fühlen wir, dass Steigerung der Wärme bedeutet vonseiten der in dem Wärmeelement wirkenden Geister: Ich gebe dir durch das Wärmelement dein Menschtum; ich nehme dir durch das Kälteelement dein Menschtum weg.

Und gehen wir gar an das Licht heran, dann weben und leben wir auch im Lichte. Nur bemerken wir das nicht, weil wir im gewöhnlichen Bewusstsein keine Ahnung davon haben, dass das innere Weben des Lichtes in unserem eigenen Denken enthalten ist, dass jeder Gedanke aufgefangenes Licht ist: aufgefangenes Licht beim physisch Sehenden, aufgefangenes Licht beim physisch Blinden. Das Licht ist ein Objektives. Das Licht nimmt nicht nur der physisch Sehende auf, das Licht nimmt auch der physisch Blinde auf, wenn er denkt. Denn der Gedanke, den wir innerlich in uns festhalten, der Gedanke, den wir innerlich in uns einfangen, er ist in uns vorhandenes Licht.

Und so können wir sagen: Treten wir vor den Hüter der Schwelle hin, so ermahnt uns dieser Hüter der Schwelle in der folgenden Art: Mensch, indem du denkst, ist dein Wesen nicht in dir, es ist im Lichte. Mensch, indem du fühlst, ist dein Wesen nicht in dir, es ist in der Wärme. Mensch, indem du willst, ist dein Wesen nicht in dir, es ist in der Luft. Bleibe nicht in dir, o Mensch. Denke nicht, dein Denken sei im Kopfe. Denke daran, dass dein Denken nichts anderes ist als dein Erlebnis mit dem die Welt durchwellenden und durchwebenden Licht. Denke daran, dass dein Fühlen nichts anderes ist als das in dir zur Wirkung kommende allgemeine Weben und Leben des Wärmeelementes. Denke daran, dass dein Wollen nichts anderes ist als das in dir zur Wirkung kommende allgemeine Weben und Leben des Luftelementes.

Das muss man stark ins Bewusstsein aufnehmen, dass man eigentlich vor dem Hüter der Schwelle zerteilt wird in die Weltelemente, dass man sein Wesen nicht mehr so selbstverständlich zusammenfassen kann, wie man es zusammenfasst, dunkel, chaotisch, im gewöhnlichen Bewusstsein. Und das ist das große Erleben, das dann die Einweihungserkenntnis dem Menschen gibt, dass er aufhört ernst zu nehmen, dass er in der Haut eingeschlossen ist. Es ist ja nur ein Zeichen dafür, dass wir da sind als Mensch. Es ist ja vor dem geistigen Bewusstsein eine Illusion dasjenige, was sich da innerhalb der Haut konzentriert; denn der Mensch ist so groß wie das Weltenall. Seine Gedanken sind so weit wie das Licht, seine Gefühle sind so weit wie die Wärme, sein Wollen ist so weit wie die Luft.

Und wenn ein entsprechend - dem Bewusstsein nach — entwickeltes Wesen von irgendeinem anderen Weltenkörper herunterstiege, so würde es den Menschen in ganz anderer Weise ansprechen, als die Menschen auf der Erde für das gewöhnliche Bewusstsein untereinander ansprechen. Ein solches Wesen würde sagen: Differenziert ist das Licht, das die Erde umwebt [um den Luft- und Wärmekreis wird die Lichthülle gezeichnet: gelb]. Da sind viele einzelne differenzierte Wesenhaftigkeiten im Lichte drinnen. Man muss das so vorstellen, dass in diesem Erdenlichte, das die Erde umgibt, das die Erde umwebt und umwallt, trotzdem alles in einem Raume ist, in diesem einen Raume viele Wesenhaftigkeiten sind, so viele als Menschen auf der Erde sind. Sie alle decken sich in der Lichtwelt der Erde. Und alle Gedanken sind für ein solches Wesen, das von einem fremden Weltenkörper zur Erde käme, alle Gedanken der Menschen sind in dieser Lichthülle, in diesem Lichtgewebe der Erde drinnen. Und alle Gefühle sind in der Wärmehülle drinnen, und alle Wollungen sind in der Atmosphäre, in der Lufthülle drinnen.

Dann würde ein solches Wesen sagen: Da habe ich rein qualitativ herausdifferenziert ein Wesen. Dass das da ist, wird mir angezeigt durch einen Leib a; ein anderes, das wiederum in der ganzen Umhüllung ist, wird mir angezeigt durch einen Leib b und so weiter [in das Gelb werden zwei verdichtete Einschlüsse a und b gezeichnet]. Das sind die äußeren Zeichen, dass das da ist. Die wirklichen Menschenwesen stecken alle ineinander in Licht, Wärme und Luft und umgeben die Erde.

Das ist für den, der wirklich vor den Hüter der Schwelle hintritt, keine Spekulation, das ist Erfahrung. Und darinnen besteht das geistige Vorrücken, dass der Mensch zusammenwächst mit der umgebenden Welt. Es ist wenig getan, wenn diese Dinge theoretisch ausgesprochen werden. Es ist wahrhaftig keine besonders tiefe Mystik, wenn man davon spricht, dass man eins werde mit der Welt, und hat nur den Gedanken im Auge, wenn man nicht beginnt, tatsächlich innerlich erlebend gewahr zu werden, wie man, indem man denkt, eigentlich in dem ganzen Lichte der Erde lebt, eins wird mit dem ganzen Lichte der Erde und wie man dadurch, dass man eins wird mit dem ganzen Lichte der Erde, als Mensch aufgeht in einem göttlich-geistigen Sein, gewissermaßen durch alle Poren seiner Haut heraustritt und eins wird mit dem Erdenwesen selber und ebenso mit den anderen Gliedern der Erdenwesenheit. Das ist es, was in ganz ernster Weise von demjenigen, der nun wirklich ein Verhältnis gewinnen will zur geistigen Welt, erfasst werden muss.

Sehen Sie, zunächst muss gewissermaßen das Licht moralisch wirken. Und der Mensch muss gewahr werden, wie er dem Lichte, das Licht ihm verwandt wird im esoterischen Erleben der Welt. Dann aber, dann tritt einem sehr klar vor das Bewusstsein, wie in dem Augenblicke, wo man die Schwelle betritt, das Licht recht wesenhaft wird und einen harten Kampf zu bestehen hat gegen die finsteren Mächte. Da wird Licht und Finsternis real. Und da tritt etwas vor dem Menschen auf, durch das er sich sagt: Wenn ich ganz mit meinem Denken im Lichte aufgehe, dann verliere ich mich an das Licht. Denn in dem Augenblicke, wo ich mit meinem Denken in das Licht aufgehe, erfassen mich Lichtwesen, die zu mir sagen: Du Mensch, wir lassen dich nicht wiederum aus dem Lichte los, wir halten dich im Lichte zurück. - Und das drückt auch das Wollen dieser Lichtwesen aus. Diese Lichtwesen wollen fortwährend durch das Denken des Menschen den Menschen an sich ziehen, ihn mit dem Lichte eins machen, ihn entreißen allen Erdenmächten und ihn verweben mit dem Lichte. Es gibt um uns herum jene Lichteswesen, die eigentlich den Menschen in jedem Augenblicke seines Daseins hinwegreißen wollen von der Erde und ihn verweben wollen mit dem über die Erde hinwellenden Sonnenlichte. Da leben sie, diese Lichtwesen, im Umkreis der Erde und sagen: Du Mensch sollst nicht mit deiner Seele in deinem Leibe bleiben; du sollst des Morgens mit dem ersten Strahl der Sonne im Lichte auf die Erde hin selber leuchten, du sollst mit der Abendröte untergehen, sollst als Licht die Erde umkreisen!

Immer wieder und wieder finden sich verlockend da diese Lichteswesen. In dem Augenblicke, wo man die Schwelle betritt, wird man es gewahr: Immer wieder und wieder verlocken da diese Lichteswesen und wollen den Menschen hinwegziehen von der Erde, wollen ihm klarmachen, dass es seiner nicht würdig ist, in den Fesseln der Erde zu verbleiben, durch die Schwere an die Erde gefesselt zu sein. Sie wollen ihn in den Schein der Sonne aufnehmen. Ja, für das gewöhnliche Bewusstsein scheint die Sonne da droben, und wir stehen herunten und lassen uns als Menschen von der Sonne bescheinen; für das entwickelte Bewusstsein steht die Sonne am Himmel als der große Verlocker, der uns immer mit seinem Lichte vereinen will und uns von der Erde losreißen will, der uns immerdar in das Ohr flüstert: © Mensch, du brauchst nicht auf der Erde zu bleiben, du kannst ein Wesen im Sonnenstrahl selber sein, dann wirst du die Erde bescheinen und beglücken können, dann brauchst du dich nicht mehr auf der Erde bescheinen und beglücken zu lassen.

Das ist das Wesenhafte, was uns entgegentritt bei der Begegnung mit dem Hüter der Schwelle, dass die Natur, die vorher ruhig außer uns war und keinen Anspruch an uns gemacht hat für unser gewöhnliches Bewusstsein, dass diese Natur gewinnt die Kraft, zu uns zu sprechen in moralischer Weise. Auf tritt diese Natur, wie in der Sonne, als eine Verlockerin. Was erst nur ruhig scheinendes Sonnenlicht war, wird sprechend, wird verlockend, wird verführend, wird versuchend. Und die erste Art, wodurch wir gewahr werden aus dem Sonnenlichte, dass Geistiges in diesem Sonnenlichte webt und lebt, das Erste ist, dass uns im Lichte der Sonne die verlockenden, die versuchenden Wesen erscheinen, die uns von der Erde hinwegtragen wollen. Denn diese Wesenheiten sind im fortwährenden Kampfe mit demjenigen, was das Erdeninnere ausmacht, mit der Finsternis.

Und wenn wir dann ins Extrem verfallen - und man tut das durchaus, denn die Erlebnisse vor dem Hüter der Schwelle sind eben durchaus ernste und tiefgehende und die Menschenseele ergreifende -, wenn wir gewahr werden, wie verlockend das Sonnenlicht ist durch seine Lichteswesen, dann wollen wir davon los, wenn wir noch eine Erinnerung daran haben, dass wir Mensch sein sollen. Und diese Erinnerung dürfen wir nicht verlieren. Wenn wir sie verlieren, werden wir eben - wenn auch wir zunächst noch das physische Leben auf der Erde fortleben -, wir werden in einer gewissen Weise seelisch gelähmt. Aber wenn wir gewahr werden, wie verlockend das Sonnenlicht ist, dann wenden wir uns nach der entgegengesetzten Seite, dann wollen wir Ruhe finden vor diesen Verlockungen in der Finsternis, mit der das Licht immerdar kämpft. Und pendeln wir hin aus dem Lichte in die Finsternis, dann verfallen wir in das entgegengesetzte Extrem. Dann droht uns in der Finsternis dieses Selbst -, das hinaustragen wollte ins helle, scheinende Sonnenlicht die eine Seite des Daseins -, dieses Selbst droht uns in der Finsternis einsam zu werden, getrennt zu werden von allem übrigen Sein. Und wir Menschen können nur in der Gleichgewichtslage zwischen Licht und Finsternis leben.

Das ist das große Erlebnis vor dem Hüter der Schwelle: Dass wir der Verlockung des Lichtes gegenüberstehen; der entselbstenden Gewalt der Finsternis gegenüberstehen. Licht und Finsternis werden moralische Mächte, die moralische Gewalt über uns haben. Und wir Menschen müssen uns sagen: Es ist gefährlich, das reine Licht, gefährlich, die reine Finsternis zu schauen. Und wir werden innerlich erst beruhigt an der Schwelle, wenn wir schen, wie die mittleren Götter, die guten Götter, die Götter des normalen Fortschrittes uns das Licht abdämpfen zum hellen Gelb, zur hellen Röte, und wenn wir wissen, dass wir nicht mehr für die Erde verloren sein können, wenn wir nicht das Licht gewahr werden, das uns im Erblenden verlockt, sondern wenn wir gewahr werden die Farbe im Geiste, die abgedämpftes Licht ist.

Und ebenso gefahrvoll ist es, sich hinzugeben der reinen Finsternis. Und wir werden innerlich befreit, wenn wir nicht der reinen schwarzen Finsternis gegenüberstehen im Geisterland, sondern wenn wir gegenüberstehen der aufgehellten Finsternis in dem Violetten, in dem Blauen. Gelb und Rot sagen uns im Geisterland: Es wird das Licht dich nicht durch seine Verlockungen von der Erde hinwegheben können. Violett und Blau sagen uns: Es wird die Finsternis dich nicht in der Erde begraben können als Seele; du wirst dich halten können gegenüber demjenigen, was die Schwere der Erde auf dich auswirkt.

Das sind die Erlebnisse, wo Natürliches und Moralisches in eins verwachsen, wo Licht und Finsternis wesenhaft werden. Und ohne das, dass Licht und Finsternis wesenhaft werden, werden wir nicht gewahr die wirkliche Natur des Denkens. Daher sollen wir die Worte hören, die der Hüter der Schwelle spricht, indem wir ihm begegnen mit unserem selbstständig gewordenen, im Seelenleben getrennten Denken:

Es kämpft das Licht mit finstren Mächten
In jenem Reiche, wo dein Denken
In Geistesdasein dringen möchte.
Du findest, lichtwärts strebend,
Dein Selbst vom Geiste dir genommen;
Du kannst, wenn Finstres dich verlockt,
Im Stoff das Selbst verlieren.

Das ist das Gewahrwerden der Zweiheit, in die man hineingestellt ist und zwischen der man den Ausgleich, die Harmonie finden muss im Denken. [Diese Strophe wird nun an die Tafel geschrieben; siehe Seite 724-725:]

Es kämpft das Licht mit finstren Mächten
In jenem Reiche, wo dein Denken
In Geistesdasein dringen möchte.
Du findest, lichtwärts strebend,
Dein Selbst vom Geiste dir genommen;
Du kannst, wenn Finstres dich verlockt,
Im Stoff das Selbst verlieren.

Man muss solche Impulse, die aus solchen Worten kommen können, stark aufnehmen in das Denken, muss empfinden lernen am äußeren Lichte, an der äußeren Finsternis, wie dieses Licht eigentlich nur ertragen wird, wenn es zur Farbe abgedämpft wird. Und man muss sich dann zusammensuchen im geistigen Anschauen, wie das Denken versetzt wird in diesen Kampf zwischen Licht und Finsternis: wie es, wenn es ins Licht kommt, gewissermaßen hingenommen wird, aufgenommen wird, verwoben wird in das Licht; wenn es ins Finstere kommt, erlischt. Wollen wir in die Materie hinein, in die finstere Materie, erlischt uns das Denken. Dann lebt man sich in das Geistige hinein.

Und man muss, um solches zu erleben, meine Lieben, Mut haben, inneren Mut. Sagt man sich noch nicht, dass man Mut braucht, leugnet man sich ab, dass man Mut braucht, dann weiß man überhaupt nicht, um was es sich handelt. Dann denkt man, man braucht Mut, um sich einen Finger abschneiden zu lassen, aber man braucht keinen Mut, um das abgesonderte Denken hineinströmen zu lassen in jenen Strudel, von dem es ergriffen wird, wenn es an der Schwelle verstrickt wird in den Kampf zwischen Licht und Finsternis. Und da steht es immer drinnen. Nur bedeutet Erkenntnis, dass dasjenige, was immer ist, man auch gewahr wird.

In jedem wachen Augenblicke steht man mit seinem Denken drinnen in einer solchen Gefahr, dass es gewisse geistige Wesenheiten auf uns benachbarten Weltenkörpern gibt, die da wissen, wie es möglich ist in jedem Zeitalter, in jedem Jahrhundert, dass für das Menschliche Licht über Finsternis oder Finsternis über Licht siegen kann.

Ja, meine Lieben, für den Menschen im gewöhnlichen Bewusstsein erscheint das Leben so gefahrlos wie für den Nachtwandler, der noch nicht angerufen worden ist: Er fällt nicht herunter. Für denjenigen, der hineinschaut in das Leben, für den ersteht ein Kampf, und er kann gar nicht mit Bestimmtheit sagen, ob in hundert Jahren Licht oder Finsternis den Sieg davongetragen haben werden, ob das Menschengeschlecht auf der Erde überhaupt noch in einem menschenwürdigen Dasein dasein werde. Und er kann ganz gut wissen, warum sich solche Katastrophen in der bisherigen Entwickelung der Menschheit auf Erden nicht vollzogen haben.

Ich könnte noch einen anderen Vergleich gebrauchen: Wenn Sie einen Seiltänzer auf dem Seile schen, dann haben Sie das Bewusstsein, dass er jeden Augenblick herunterfallen kann nach links oder nach rechts. Dass Sie seelisch selber auf einem solchen Seile gehen - nach links und rechts abstürzen kann jeder Mensch seelisch -, davon ist im gewöhnlichen Leben kein Bewusstsein vorhanden, weil man links und rechts den Abgrund nicht sieht. Er ist aber da.

Das ist die Wohltat, die der Hüter der Schwelle den Menschen gewährt, dass er ihnen diesen Abgrund nicht sichtbar sein lässt, bis sie durch seine eigenen Ermahnungen für ihn vorbereitet sind. Das aber war auch immer das Geheimnis aller Mysterien zu allen Zeiten, dass den Menschen gezeigt wurde dieser Abgrund und dass dadurch die Menschen in die Lage kamen, erst die Kräfte, die für die Erkenntnis der wirklichen Welt notwendig sind, sich anzueignen.

So wie es mit dem Lichte in Bezug auf das Denken ist, so ist es mit der Wärme in Bezug auf das Fühlen. Derjenige, der mit Bezug auf das Fühlen vor den Hüter der Schwelle hintritt, der wird gewahr, wie er in einen Kampf eintritt zwischen dem Warmen und dem Kalten: wie das Warme fortwährend verlockt unser Fühlen, denn es möchte dieses Fühlen in sich aufsaugen. Wie die Lichtwesen, die luziferischen Lichtwesen mit uns gewissermaßen von der Erde fortfliegen, zum Lichte wollen, so wollen die luziferischen Wärmewesen unser Fühlen aufsaugen in der allgemeinen Weltenwärme. Alles Fühlen der Menschen soll den Menschen verloren gehen und aufgesogen werden in der allgemeinen Weltenwärme.

Und verlockend ist das aus dem Grunde, weil vorhanden ist, was der die Einweihungswissenschaft Empfangende gewahr wird, wenn er mit seinem Fühlen vor die Schwelle hintritt: Dann erscheinen die Wärmewesen, die in Überfülle, im Übermaß dasjenige dem Menschen geben wollen, was eigentlich sein Element ist, in dem er lebt: die Wärme. Sie wollen sein ganzes Fühlen aufsaugen lassen von der Wärme. Das aber, indem es der Mensch gewahr wird - er tritt ja hin vor die Schwelle, diese Wärmewesen sind da, er wird warm, warm, warm, er wird ganz selber Wärme, er fließt über in die Wärme -, das ist eine Riesenlust, das ist das Verlockende. All das rieselt fortwährend durch den Menschen. Und all das muss man wissen. Denn ohne dass man weiß, diese Verlockung in der Wärmelust ist da, ist es unmöglich, dass man eine freie Aussicht in das Geisterland gewinne.

Und die Feinde dieser luziferischen Wärmewesen sind die ahrimanischen Kältewesen. Diese ahrimanischen Kältewesen, sie ziehen den Menschen an, der sich noch ein Bewusstsein davon erhält, wie gefährlich es ist, in der Wärmelust zu verschweben. Er möchte in die gesundende Kälte eintauchen. Da gerät er in das andere Extrem: Da kann die Kälte ihn verhärten. Und dann entsteht, wenn die Kälte in dieser Situation, in dieser Lage an den Menschen herantritt, dann entsteht unendlicher Schmerz, der gleich physischem Schmerz ist. Physisches und Psychisches, Stoffliches und Geistiges werden eins. Der Mensch erlebt die Kälte als sein ganzes Wesen in Anspruch nehmend, wie zerreißend in maßlosem Schmerz.

Dass das hinter dem Menschen steht, dass der Mensch eigentlich fortwährend in diesem Kampf zwischen Wärme und Kälte drinnen lebt, das ist dasjenige, was man sich als die Ermahnung des Hüters der Schwelle wiederum klarmachen soll in Bezug auf das Fühlen:

[Die zweite Strophe wird an die Tafel geschrieben:]

Es kämpft das Warme mit dem Kalten
In jenem Reiche, wo dein Fühlen
Im Geistesweben leben möchte.
Du findest, Wärme liebend,
Dein Selbst in Geisteslust verwehend;
Du kannst, wenn Kälte dich verhärtet,
Im Leid das Selbst verstäuben.

Mit dem Wollen taucht der Mensch in eine Welt ein, die uns anscheinend recht nahe liegt. Sie ist auch nahe. Es ist die Welt der Luft, die Welt, die unsern Atmungsprozess unterhält. Man ahnt nicht, wie innig verwandt das menschliche Wollen mit dieser Luft ist, in der wir atmen, denn von unserem Atem hängt unser Wollen ab. Und in der Luft, meine Lieben, liegt Leben und Tod, liegt der belebende Sauerstoff, liegt der ertötende Stickstoff. Da haben wir es, ich möchte sagen, fast handgreiflich. Und der Chemiker sagt mit seiner schrecklichen, unwahren Abstraktion: Die Luft besteht aus Sauerstoff und Stickstoff. - Ja, solange man im gewöhnlichen Bewusstsein verweilt, sagt man: Sauerstoff und Stickstoff. Tritt man hin an den Hüter der Schwelle, so wird einem klar: Sauerstoff, das ist ja die Offenbarung von lauter Geistwesen, denjenigen Geistwesen, die dem Menschen das Leben geben. Stickstoff, das ist ja die äußere Offenbarung von lauter Geistwesen, denjenigen Geistwesen, die dem Menschen den Tod geben, auch den Tod, der in jedem Augenblicke unseres wachen Lebens, in dem wir denken, in dem wir das Seelenleben entwickeln, partiell abtötend, in uns abbauend ist.

In der Luft ist ein Kampf: Da kämpfen die luziferischen Sauerstoffgeister mit den ahrimanischen Stickstoffgeistern. Die Luft besteht, solange man nicht an die Schwelle hingetreten ist, aus jenen Abstraktionen, die der Chemiker kennt: aus Sauerstoff und Stickstoff. Tritt man an die Schwelle hin, so besteht sie aus Ahriman und Luzifer, und der Sauerstoff ist die äußere Maske für Luzifer, der Stickstoff ist die äußere Maske für Ahriman. Und ein Kampf wird in der Luft gekämpft. Verdeckt ist dieser Kampf für das gewöhnliche, illusionäre Bewusstsein. Man tritt in ihn ein, wenn man an die Schwelle herantritt.

Und da wiederum wird, wenn man erfassen soll dasjenige, was in den Sauerstoffgeistern lebt, was in dem Lebenselemente lebt, wenn man sein Wollen verbinden will mit Geistesschaffen, wenn man will von den Sauerstoffgeistern bewegt werden zu wackerem, immer wackererem Schaffen, da tritt die Gefahr ein, dass man hingenommen wird mit seinem ganzen Schaffen vom Geistesschaffen, dass man aufhört, ein Mensch zu sein, dass dasjenige, was man an Kraft zum Wollen hat, von der geistigen Welt, der luziferischen Welt, für sich in Anspruch genommen wird.

Und wendet man sich jetzt nach der entgegengesetzten Seite, dann locken die Stickstoffmächte, die ahrimanischen. Dann lockt dasjenige, was als Tod im Luftelemente waltet. Da bleibt einem nicht der Tod nur dasjenige, was man bloß im Physischen schaut, mit dem man aber nicht verwandt wird. Wird man verwandt mit dem Tode, fängt man an, den Tod als etwas zu betrachten, mit dem man sich einen will, dann kommt man nicht von ihm wieder los. Während im Lebenselemente die Geister einen ergreifen wollen, sodass ihre Taten aufnehmen die Taten der Menschen, wird man da geworfen nach der entgegengesetzten Seite, nach Seiten der ahrimanischen Stickstoffgeister, wird man geworfen in das Nichts des Lebens. Man will im Tode sein Tun entfalten, man will im Tode handeln, im Nichts handeln. Man krampft, statt dass man handelt, man verkrampft im Selbst.

Wiederum ist der Mensch zwischen diese zwei Gegensätze hineingestellt, die er gewahr werden muss in Bezug auf sein Wollen:

[Die dritte Strophe wird an die Tafel geschrieben:]

Es kämpft das Leben mit dem Tode
In jenem Reiche, wo dein Wollen
Im Geistesschaffen walten möchte.
Du findest, Leben fassend,
Dein Selbst in Geistesmacht verschwinden;
Du kannst, wenn Todesmacht dich bändigt,
Im Nichts das Selbst verkrampfen.

Meine Lieben, und wenn der Mensch nun sagt: Da möchte ich ja lieber fliehen vor dem Erkennen! Warum soll ich mir das antun, dass ich hintrete vor den Hüter der Schwelle, wenn dasjenige, was sonst wohltätig dem Menschen verhüllt ist, nun vor mir auftritt? Kann es ersprießlich sein dem Menschen, dass er diese furchtbaren Wahrheiten gewahr wird? - Es ist naheliegend, dass des Menschen Bequemlichkeit diesen Einwand macht, namentlich ihn macht, indem gefragt wird: Was soll man mit solchen Wahrheiten anfangen? Wenn einem das gesagt wird, so wird einem ja etwas gesagt, was man lieber nicht wissen möchte.

Aber, meine lieben Freunde, die Aufgabe der gegenwärtigen Zeit ist diese, dass der Mensch eindringe in die Wirklichkeit, dass der Mensch nicht feige zurückschrecke vor der Wirklichkeit, dass er eindringe in die Wirklichkeit, damit er sich vereinigen kann mit dem, was doch sein Wesen ausmacht. Denn wir können ja nur, solange wir dieses kurze Erdenleben durchmachen, unseren Kopf in den Sand stecken und nichts wissen wollen von diesen Wahrheiten; das dürfen wir aber nicht mehr, wenn wir nun eintreten in ein anderes Zeitalter, in dem der Mensch nur dann gedeiht nach dem Tode, wenn er sich hier im Erdenleben ein Bewusstsein von dem aneignet, was er nach dem Tode erleben wird.

Und wie wird es sein nach dem Tode? Wenn der Mensch durch die Todespforte tritt, noch indem er unerlöscht hat sein Bewusstsein, zurückblickt und der Rückblick ihm anfängt bewusst zu werden, so raunen geistige Wesenheiten in diesen Rückblick hinein, sodass es als ein leiser Nebenton da ist. Man schaut zurück - die paar Tage nach dem Tode, in denen der Ätherleib sich auflöst im allgemeinen Weltenäther -, man schaut zurück noch, schaut die Bilder des verlebten Erdenlebens; da raunen gewisse Geister hinein:

Es kämpft das Leben mit dem Tode
In jenem Reiche, wo dein Wollen
Im Geistesschaffen walten möchte.
Du findest, Leben fassend,
Dein Selbst in Geistesmacht verschwinden;
Du kannst, wenn Todesmacht dich bändigt,
Im Nichts das Selbst verkrampfen.

Jetzt weiß man, das ist eine Realität; denn das eine oder das andere kann einem, wenn man nicht die Richtung mittendurch findet, sondern die Richtung links oder rechts findet, geschehen.

Und wiederum, wenn man hindurchgegangen ist durch die Zeit des Schlafens nach dem Tode, die nicht lange dauert, eintritt in das Bewusstsein, wo man durchwandert - in einer Zeit, die ein Drittel des Erdendaseins ausmacht -, durchwandert das durchlebte Erdenleben, wie wir es beschrieben bekommen in den allgemeinen anthroposophischen Vorträgen, dann tritt an einen heran, da wo das Bewusstsein dieses Rückwärtslebens beginnt, eben dieses Erleben. Aber immer wieder und immer wiederum treten, ich möchte sagen, an Meilensteinen dieses Erlebens die mahnenden Geister auf und sprechen zu uns:

Es kämpft das Warme mit dem Kalten
In jenem Reiche, wo dein Fühlen
Im Geistesweben leben möchte.
Du findest, Wärme liebend,
Dein Selbst in Geisteslust verwehend;
Du kannst, wenn Kälte dich verhärtet,
Im Leid das Selbst verstäuben.

Gedenkend dieses, habe ich so manchem, der da gefragt hat, wie er sich den Verstorbenen gegenüber, die ihm nahegestanden haben, verhalten soll, geraten, jene Gedanken an die Verstorbenen zu richten, die zum Beispiel den Sinn haben: Meine Liebe wandle zu dir, dass sie wärme deine Kälte, lindre deine Wärme -, weil während des ganzen nach rückwärts gelenkten Lebens dieses Warme und Kalte jene Rolle spielt. Aber uns wird es auch zugerufen, dass es jene Rolle spielt die ganze Zeit über. Die Dinge sind eben durchaus Realitäten.

Und wenn wir dann übertreten aus diesem Rückwärtserleben in jenes Erleben, wo wir im freien Geisterlande sind, uns vorbereitend für das nächste Erdenleben, dann treten wiederum an diesen Meilensteinen dieses Erlebens die mahnenden Geister auf und rufen ohne Ende uns zu:

Es kämpft das Licht mit finstren Mächten
In jenem Reiche, wo dein Denken
In Geistesdasein dringen möchte.
Du findest, lichtwärts strebend,

— da ist das Streben eine rechte Realität: Man kann rechts, man kann links gehen —

Dein Selbst vom Geiste dir genommen;
Du kannst, wenn Finstres dich verlockt,
Im Stoff das Selbst verlieren.

Meine lieben Freunde, als der Mensch noch ein instinktives Hellsehen hatte, da war es so, dass, wenn er durch die Todespforte ging, er gerade durch dieses instinktive Hellsehen Worte, die ihm so gesprochen werden an den drei Stationen seines Lebens nach dem Tode, verstehen konnte. In dem Zeitalter, durch das der Mensch durchgehen musste, um sich die Freiheit zu erringen, wurde es ihm immer weniger und weniger möglich, dasjenige, was ihm da zugerufen wurde, zu verstehen. Und jetzt leben wir in jenem Zeitalter, in dem die Menschen, wenn sie nicht während des Erdenlebens aufmerksam gemacht werden auf den Sinn dieser Worte, diese Worte zugerufen erhalten in der Geistessprache und sie nicht verstehen.

Das ist es aber, was passieren kann dem Menschen, wenn er der Zukunft entgegenlebt, dass er durchgehen muss durch eine Welt, in der ihm entgegengerufen werden diese Worte, und er sie nicht verstehen kann und alle Qualen des Nichtverstehens durchleben muss. Und alle diese Qualen dieses Nichtverstehens, was bedeuten sie? Sie bedeuten das immer stärkere Überhandnehmen der Angst in der Seele, den Zusammenhang mit den schaffenden Geistesmächten zu verlieren und am Ende der Tage nicht anzukommen bei denjenigen Mächten, denen man das Dasein verdankt, sondern bei fremden Mächten zu verlieren seinen Menschenursprung.

In die Esoterik eindringen bedeutet eben durchaus, meine Lieben, nicht einen bloßen Unterricht, nicht eine bloße Theorie, bedeutet: an sich herannehmen eine ernste Angelegenheit des Lebens. Und wer in Esoterik eintaucht, taucht nicht in Lehre, nicht in Theorie ein, taucht in das Leben ein. Das Leben, das unsere Sinne gewahr werden, es ist nur die äußere Offenbarung; hinter dem ist in jeder Stunde die geistige Welt. Wir dringen nicht in sie, wenn wir uns verschließen vor demjenigen, was in solchen Worten liegt. Vertiefen wir uns aber meditierend in solche Worte, dann erstarkt unser Denken, Fühlen und Wollen, dann wird unser Denken, Fühlen und Wollen in die Lage kommen, den Geist, in den wir eindringen müssen als Mensch, den Geist wirklich zu ergreifen.

Die Fortsetzung dann am nächsten Freitag. Morgen und übermorgen ist dann um acht Uhr der allgemeine anthroposophische Vortrag, Sonntag um fünf Uhr eine Eurythmie-Vorstellung.

German original of Lesson V · ← Previous · Next →