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Esoteric Lessons for the First Class I

GA 270 — 7 March 1924, Dornach

Vierte Stunde

Meine lieben Freunde! Uns hat beschäftigt in den vorangehenden Stunden die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Und diese Begegnung mit dem Hüter der Schwelle muss ja immer mehr und mehr von uns begriffen werden, begriffen werden so weit, dass der ganze Ernst desjenigen, was mit dieser Begegnung mit dem Hüter der Schwelle gemeint ist, wirklich ständig vor unserer Seele stehen kann. Denn wir haben damit ein Gebiet betreten, das sich im Wesentlichen unterscheidet von anderen Gebieten des geistigen Lebens, so wie man sie gewöhnlich gewohnt ist zu betrachten innerhalb dessen, was man in der heutigen Zivilisation die geistige Welt, die Bekanntschaft mit der geistigen Welt und so weiter nennt. Begegnung mit dem Hüter der Schwelle ist ja eigentlich das Erste, das an den Menschen herantritt, wenn in wahrem Sinne und im Ernste irgendein Verhältnis zur geistigen Welt für ihn in Betracht kommt. Ein Verhältnis zur geistigen Welt kann nicht eintreten ohne dieses Verständnis für die Begegnung mit dem Hüter der Schwelle. Denn erst jenseits der Schwelle ist die geistige Welt. Empfängt man Mitteilungen aus der geistigen Welt, dann sind diese Mitteilungen schon so aufzunehmen, dass sie eigentlich bloß als Mitteilungen für uns ein Verhältnis zur geistigen Welt begründen.

Ich möchte dasjenige, was heute vor unsere Seele treten soll, zunächst mit einer Erzählung, meine lieben Freunde, vor Ihre Seele stellen, mit einer Erzählung, die entnommen ist alten esoterischen Traditionen.

Es wurde einmal ein Schüler aufgenommen in die Mysterien. Er absolvierte die Vorstufen. Und als er eine gewisse Stufe der Reife erlangt hatte - die Sie sich durchaus nicht so vorstellen sollen, dass er etwa dadurch gleich in irgendein Gebiet desjenigen eingezogen ist, was vielleicht die meisten Menschen heute unter Hellsehen vorstellen, sondern er ist eben in Beziehung zur geistigen Welt getreten -, und als er in eine solche Beziehung getreten ist, also nur in diejenige Beziehung, wo man gefühlsmäßig richtig die Mitteilungen aus der geistigen Welt entgegennimmt, da sagte der Lehrer zu ihm:

Siehe, wenn ich zu dir spreche, dann sind die Worte, die ich zu dir sage, nicht bloß Menschenworte; dasjenige, was ich zu sagen habe, kleidet sich nur in Menschenworte. Dasjenige, was ich zu dir zu sagen habe, sind Göttergedanken, und diese Göttergedanken werden zunächst durch Menschenworte vor dir ausgesprochen. Aber du musst dir klar sein, dass ich an alles, was in deiner Seele ist, appelliere. Du musst entgegenbringen den Worten, die ich im Auftrage der Götter an dich richte, all dein Denken, all dein Fühlen, all dein Wollen. Du musst entgegenbringen dem, was ich zu dir sage, allen Enthusiasmus deiner Seele, alle innere Wärme, alles innere Feuer. Du musst entgegenbringen deine volle Wachsamkeit; eine Wachsamkeit, so stark als du sie nur entfalten kannst in deinem Seelenleben.

Aber eine Seelenkraft ist, an die ich zunächst bei dir nicht appelliere, gar nicht appelliere: das ist dein Gedächtnis, das ist dein Erinnerungsvermögen. Und ich bin es zufrieden, wenn du gar nicht in dein Gedächtnis aufnimmst dasjenige, was ich zu dir spreche. Ich bin es zufrieden, wenn du morgen schon wieder vergessen hast dasjenige, was ich zu dir spreche. Denn dasjenige, was du gewöhnlich dein Gedächtnis nennst, dasjenige, was die anderen Menschen dein Gedächtnis nennen, das ist ja zunächst nur für die Erdendinge gestimmt, das ist nicht für Götterdinge gestimmt. Und wenn du morgen wiederum vor mir erscheinest und ich wiederum zu dir sprechen werde, appellierend an dein Denken, Fühlen, Wollen, an all deinen Enthusiasmus, an all deine Wärme, an all dein inneres Feuer, an deine ganze Seelenwachsamkeit, dann soll neu sein alles von diesen Kräften deiner Seele im Entgegenbringen dessen, was du entgegennehmen sollst. Neu und frisch lebendig soll es sein, und so übermorgen und so am nächsten Tage. An jedem Tage soll es neu und frisch lebendig sein.

Ich sage, ich appelliere nicht an dein Gedächtnis, ich appelliere nicht an dein Erinnerungsvermögen. Damit sage ich nicht zu gleicher Zeit, du sollst morgen nichts von dem haben, was heute zu dir gesprochen worden ist. Aber du sollst es nicht in deinem Gedächtnisse allein bewahren. Du sollst warten, was dein Gedächtnis damit macht. Was aber morgen dich in einem neuen Zustande zu mir führen soll, das sollen deine Gefühle sein, das soll deine innerste Seelenempfindung sein. Die soll bewahren dasjenige, was heute zu dir gesprochen worden ist. Denn siche, Gedächtnis, Erinnerungsvermögen, das ist zum Lernen da. Dasjenige aber, was die Esoterik dir sagt, soll nicht zum Lernen bloß da sein, sondern das soll zum Leben da sein und soll in jeder Stunde, wo es an dich herantritt, neu erlebt werden können, ohne dass dir dabei das begriffs- und vorstellungsgemäße Gedächtnis zu Hilfe kommt.

Es ist in der Tat so. Wir sollen an dasjenige, was esoterische Wahrheiten sind, herantreten so, dass uns niemals der Gedanke kommt: Das weiß ich eigentlich schon. Denn nicht im Wissen liegt das Wesen der Esoterik, sondern im unmittelbaren Erleben. Und innerlich, in tieferen Schichten unseres Seelenlebens als da, wo das Gedächtnis wurzelt, soll uns das Esoterische ergreifen und soll sich bewahren.

Wenn Ihr, meine lieben Freunde, dies bedenkt, so werdet Ihr aus diesem Eurem Bedenken sehr viel für die Auffassung wahren esoterischen Lebens in der nächsten Zeit zu begreifen haben. Denn das muss durchaus ernst genommen werden, dass schon in dem Augenblicke, wo wir Esoterisches entgegennehmen, unser bloßes Verstehen des Esoterischen in uns ein anderes Verhältnis des Denkens, des Fühlens, des Wollens hervorruft, als wir gewohnt sind für das alltägliche Bewusstsein.

Für das alltägliche Bewusstsein sind Denken, Fühlen und Wollen im Menschen innig miteinander verbunden. Wir können ein ganz, ich möchte sagen, triviales Beispiel nehmen, und wir werden uns überzeugen können an einem trivialen Beispiel, wie eng verbunden im gewöhnlichen Leben, im gewöhnlichen Bewusstsein Denken, Fühlen und Wollen sind. Denkt einmal, Ihr kennet einen Menschen, irgendeinen Menschen, Ihr habt zu dem Menschen in einem näheren oder entfernteren Verhältnis gestanden. Ihr habt dasjenige, was Ihr mit ihm erlebt habt, in Euer Gedächtnis aufgenommen, mit Eurem Gefühle durchdrungen. Es führt Euch, wenn Ihr mit dem Menschen zusammenkommt, zu gewissen Impulsen Eures Handelns, Eures ganzen Verhaltens zu ihm. Ihr lebt mit dem Gedanken, mit dem Gefühl an diesen Menschen weiter. Eines Tages kommt jemand, erinnert Euch an diesen Menschen, spricht irgendein Wort von diesem Menschen, er regt den Gedanken an diesen Menschen in Euch auf. Sogleich werden dieselben Gefühle, die Ihr sonst gegen diesen Menschen oder für diesen Menschen in Euch habt, in Euch aufleuchten. Habt Ihr ihn geliebt, leuchtet Eure Liebe auf, hasst Ihr ihn, leuchtet Euer Hass auf. Wolltet Ihr dies oder jenes mit ihm anfangen, leuchtet das auf, dass Ihr dies oder jenes mit ihm anfangen wolltet. Ihr könnt gar nicht trennen dasjenige, was Ihr im Gefühl und im Willen trägt für diesen Menschen, von dem Gedanken an diesen Menschen.

Derjenige, der noch ganz in dieser Art der Seelenverfassung drinnen steht, kann eigentlich esoterische Wahrheiten nicht im richtigen Sinne begreifen, sondern erst derjenige kann esoterische Wahrheiten im richtigen Sinne begreifen, der zum Beispiel zu Folgendem imstande ist. Er kennt einen Menschen; er hat ein ganz bestimmtes Verhältnis zu diesem Menschen. Ihm sind gewisse Dinge an diesem Menschen außerordentlich antipathisch. Er wird erinnert an diesen Menschen und er kann vorstellen diesen Menschen, ohne dass die Antipathien, die er für diesen Menschen in der Seele trägt, irgendwie in ihm aufdämmern. Er kann ihn ganz bloß denken.

Stellt Euch vor, meine lieben Freunde, dass es doch einigermaßen schwierig ist, sagen wir, seinen Feind bloß zu denken, ohne die feindlichen Gefühle aufleben zu lassen. Man kann sich durch ein richtiges Erfassen des Künstlerischen in solchen Dingen üben. Man kann sich die Frage vorlegen: Bin ich zum Beispiel imstande, gewisse, sagen wir, abscheuliche Naturen, wie sie zuweilen Shakespeare schildert, rein vorstellungsmäßig aufzufassen? Ich würde, wenn mir diese Menschen im Leben begegnen würden, viele Antipathien gegen sie haben. Künstlerisch kann ich sie immerhin, vielleicht gerade deshalb, weil sie so vorzügliche Bösewichter sind, objektiv vor mich hinstellen, sie bloß denken. Im Künstlerischen ist das dem Menschen zuweilen möglich; denn nicht immer kommen ja den Menschen Begierden, wenn sie einen Shakespeare’schen Bösewicht auf der Bühne sehen, hinaufzuspringen und ihn durchzuprügeln. Also im Künstlerischen ist es möglich, das Denken vom Fühlen loszulösen.

Aber man muss es, um richtiger Esoteriker sein zu können, auch im Leben dahin bringen können. In dem Augenblicke, wo dasjenige, was aus der Esoterik heraus gesagt wird, richtig an die Seele herandringen soll, muss es aber möglich sein, in dieser Art das Denken von dem Fühlen loszulösen. Denn es löst sich nicht von selber los. Zunächst sind die Dinge der Esoterik, wenn wir sie denken, so stark, möchte ich sagen, in dem Gedanken drinnen, und sie sind ja von einer dem persönlichen Fühlen so ferne liegenden Art, dass wir sie gar nicht erfassen, wenn wir sie nicht im reinen Gedanken erfassen. Wenn wir aber nicht wie ein Sack Stroh dann der Esoterik zuhören wollen und alles an uns mit Gleichgültigkeit vorübergehen lassen wollen, dann müssen wir abgesondert von demjenigen, was uns der Gedanke gibt, Gefühle, Willensimpulse entwickeln. Denn Gefühle sollen entwickelt werden, weil eben Esoterik nicht bleiben soll ein kaltes eisiges Feld, das bloß über unseren Verstand hin sich ergießt, weil Esoterik uns tauchen soll in den hellsten Enthusiasmus. Aber dieser Enthusiasmus, diese Gefühlswelt, sie müssen ja von ganz woanders herkommen, wenn sie nicht aus den Gedanken kommen sollen.

Sehen Sie, da müssen wir uns - wenn nun unsere Gefühlswelt in der richtigen Weise aufwarmen soll -, da müssen wir uns klar sein darüber, dass, wenn in rechter Weise aus dem Esoterischen heraus gesprochen wird, gesprochen wird aus der Göttersphäre heraus und dass wir unsere Gefühle nun nicht den Gedanken entgegenbringen, sondern den Realitäten.

Daher war es, dass ich in der ersten Stunde, die ich für diese erste Klasse gegeben habe, dass ich in der ersten Stunde davon sprach, dass die Schule spricht, das heißt der reale Geist, der durch die Schule geht, und dass es vonnöten ist, dass wir einsehen, dass die Schule nicht irgendeiner persönlichen Absicht entsprungen ist, sondern dass ie aus der geistigen Welt heraus gewollt und eingesetzt ist. Wenn wir die Schule so auffassen, dann wird das Dasein der Schule uns den Enthusiasmus geben, den wir brauchen.

Und dann werden wir ein anderes noch verstehen. Ja, meine lieben Freunde, im gewöhnlichen Leben und in der gewöhnlichen Wissenschaft, da spricht man zu uns Worte. Und indem wir die Worte auffassen, kommen uns die Gedanken, die uns vermittelt werden sollen, weil sie in den Worten liegen. Der Esoteriker muss sich auch der Worte bedienen, denn er muss ja sprechen. Aber er braucht die Worte nur als Gelegenheit, um bemerklich zu machen, wie der Geist in seiner Realität in Strömen heranzieht und in die Menschenherzen sich hineinergießen will.

Daher ist es notwendig, dass allmählich der Sinn ausgebildet werde in einer esoterischen Schule, hinter die Worte zu hören. Und wenn dieser Sinn ausgebildet wird, dann wird man sich aneignen dem Esoterischen gegenüber dasjenige, was zu allen Zeiten in esoterischen Strömungen mit einer so großen Heiligkeit genannt worden ist, man wird sich angewöhnen das Schweigen, das heilighaltende Schweigen. Und dieses heilighaltende Schweigen, das hängt mit etwas anderem zusammen, ohne das die Esoterik den Menschen nicht fördern kann. Es hängt zusammen mit dem, was wir zunächst für die Esoterik gar sehr brauchen. Es hängt zusammen mit der innersten menschlichen Bescheidenheit. Und ohne innerste menschliche Bescheidenheit ist zunächst nicht an Esoterik heranzukommen. Warum? Ja, wenn wir ermahnt werden, hinter die Worte zu hören, dann ist an das innerste Wesen unserer Seele appelliert; nicht an unser Gedächtnis, sondern an das innerste Wesen unserer Seele ist appelliert. Da kommt unsere Fähigkeit in Betracht, da kommt in Betracht, wie weit wir fähig sind, hinter die Worte zu hören. Und wir tun gut, für uns, für unsere eigene Seele, möglichst viel zu hören. Aber wir tun gut, nicht gleich dasjenige, was in unserer Seele aufdämmert, als maßgebend so weit zu betrachten, dass wir es nun selber in die Welt hineintragen können als etwas unbedingt Gültiges. Wir werden lange brauchen - gerade wenn wir hinter die Worte hören - wir werden lange brauchen, bis wir mit uns selber zurechtkommen. Und wir sollen diese Stimmung entwickeln, dass Esoterik im wortlosen Weben der Seele sich erst ausleben muss, bevor sie innerlich in uns als gereift angesehen werden kann.

Daher ist es so, dass wir mit der Esoterik allerdings zurückgehen müssen von demjenigen, was im gewöhnlichen Leben im Sinn der Worte liegt, zu demjenigen, was in der tieferen Auffassung der Seele liegt. Und das ist ja dasjenige, was in der letzten Klassenstunde hier an uns herangebracht worden ist, indem ich mantrische Sprüche vor Sie hingestellt habe, meine lieben Freunde, bei denen es auf das Skandieren ankommt: bei denen es darauf ankommt, dass der erste Spruch einen trochäischen Rhythmus hatte, der zweite Spruch einen jambischen Rhythmus hatte, der dritte Spruch einen spondeischen Rhythmus hatte. Nur wenn wir innerlich fühlen, wie wir beim trochäischen Rhythmus heruntersteigen vom Berge in das Tal, und fühlen, indem wir dieses, was sich auf unsere Gedanken bezieht, richtig erfassen, wenn wir mit der Seele fühlen dieses Heruntersteigen vom Himmlischen zu dem Irdischen talwärts, dann fühlen wir uns hinein in die Stimmung gegenüber unserem Gedankenweben. Daher war dieser Spruch trochäisch, begann mit einer betonten Silbe, ging herunter zu der unbetonten Silbe und sollte in uns gewissermaßen eine seelische Blutzirkulation hervorrufen, die sich hineinstellt in den Geistesraum. Wir stehen nicht bloß da, indem wir ein solches Mantrisches in unserer Seele rege machen, irgendetwas auch nur im Gedanken aussprechen, sondern wir bewegen uns mit demjenigen, was sich geistig in der Welt bewegt, indem die menschlichen Gedanken weben in der Menschenseele. Und so war der erste Spruch, der sich auf das Gedankenweben bezieht:

Sieh in dir Gedankenweben:
Weltenschein erlebest du,
Selbstheitsein verbirgt sich dir;
Tauche unter in den Schein:
Ätherwesen weht in dir;
Selbstheitsein, es soll verehren
Deines Geistes Führerwesen.

Ja, die Götter haben uns zu sich hinaufgenommen, indem sie uns die Gedanken gegeben haben. Und wir steigen - indem wir die Gedanken webend erleben in unserer Seele -, wir steigen von den Gipfeln, auf die uns die Götter gestellt haben, indem sie uns mit den Gedanken begnadet haben, wir steigen von diesen Gipfeln herunter in die Täler, wo wir mit diesen Gedanken umfassen und ergreifen die irdischen Dinge.

Anders steht es mit dem Fühlen. Da verhalten wir uns in der Seele recht, wenn wir uns fühlen untenstehend im Tal, und durch unser Gefühl hinaufkommen wollen wie auf einer geistigen Leiter zu den Göttern. Das Fühlen bringt uns in die entgegengesetzte Wellenbewegung, von unten nach oben. Daher ist der mantrische Spruch jambisch gestaltet. Die wenig betonte Silbe beginnt und steigt an zu der stark betonten Silbe. Und wir sollen das empfinden:

Vernimm in dir Gefühle-Strömen:
Es mengen Schein und Sein sich dir,
Die Selbstheit neigt dem Scheine sich;
So tauche unter in scheinendes Sein:
Und Welten-Seelenkräfte sind in dir;
Die Selbstheit, sie soll bedenken
Der eignen Seele Lebensmächte.

Wieder anders ist es, wenn wir zum Wollen kommen. Wollen wir zum Wollen kommen, dann müssen wir uns bewusst werden, wie unser Menschenwesen in uns eigentlich gespalten ist. Dann müssen wir uns den Göttern nahen im Gefühl und müssen durch die Stärke des Gefühls auf halbem Wege den Willensimpuls gebären können. Das ist allein gegeben, wenn wir spondeisch meditieren. Betonte Silbe, betonte Silbe beginnt:

Lass walten in dir den Willens-Stoß:
Der steigt aus allem Scheineswesen
Mit Eigensein erschaffend auf;
Ihm wende zu all dein Leben:
Der ist erfüllt von Welten-Geistesmacht;
Dein Eigensein, es soll ergreifen
Weltschöpfermacht im Geistes-Ich.

Und ich sagte schon das letzte Mal: Hier handelt es sich darum, dass wir nicht bloß den Sinn der Worte ergreifen, sondern dass wir ergreifen dasjenige, was in der Bewegung der Worte liegt und unsere Seele hineinreißt in diese Bewegung. Dadurch stellen wir uns nicht mehr bloß auf uns selbst, sondern wir wachsen hinein in die Welt.

Worte, dem Sinne nach bloß aufgefasst, lassen uns bei uns. Dasjenige aber, um was es sich handelt bei der Esoterik, das ist, dass wir zusammenwachsen mit der Welt, dass wir immer mehr und mehr aus uns herauskommen. Denn nur so, dass wir aus uns herauskommen, ertragen wir das Getrenntsein von Denken, Fühlen und Wollen. Im Innern hält zunächst unser körperliches Ich für das Alltagsbewusstsein Denken, Fühlen und Wollen zusammen. Draußen müssen sie zusammengehalten werden durch die Götter. Da aber müssen wir in das göttliche Sein hineinkommen. Da müssen wir zusammenwachsen mit der Welt. Da müssen wir wirklich jene Stimmung entwickeln lernen, durch die wir in aller Ehrlichkeit und in allem Ernste uns sagen lernen: Hier habe ich meine Hand; ich betrachte sie. Dort steht der Baum; ich betrachte ihn. Ich betrachte meine Hand: Das bist du. Ich betrachte den Baum: Das bist du. Ich betrachte die Wolke: Das bist du. Ich betrachte den Regenbogen: Das bist du. Ich betrachte den Donner: Das bist du. Ich betrachte den Blitz: Das bist du. Ich fühle mich eins mit der Welt.

Abstrakt, das heißt unehrlich, ist das leicht herbeizuführen. Konkret, das heißt ehrlich, bedarf der Mensch gar vieler innerer Überwindungen, um das herbeizuführen. Nur wenn er sich nicht scheut, diese inneren Überwindungen zu vollziehen, dann kommt er in die Stimmung hinein, die er braucht. Denn die Frage muss vor dem Esoteriker stehen, meine lieben Freunde: Ich betrachte meine Hand; sie gehört zu mir. Was wäre ich in diesem Erdenleben, das vor einigen Jahrzehnten begonnen hat, geworden, wenn ich die Hand nicht hätte? Es ist notwendig für all dasjenige gewesen, was ich geworden bin. Aber der Baum: Der Baum, er ist so, wie er heute vor uns steht, in seiner Anlage im alten Mondendasein, aus dem ganzen Mondorganismus heraus gebildet worden. Dasjenige, was im ganzen Mondenorganismus war, konnte nicht sein, ohne dass die Anlage zum Baum herausgebildet worden ist. Damals aber ist aus dem ganzen Sein des Mondendaseins auch die Anlage zu meinem Denken entstanden. Wäre der Baum nicht, ich würde heute nicht denken. Die Hand ist nur notwendig für mein gegenwärtiges Erdendasein. Der Baum ist notwendig, dass ich überhaupt ein denkendes Wesen geworden bin. Wie soll mir die Hand mehr wert sein als der Baum? Wie soll ich die Hand mehr zu meiner Leiblichkeit rechnen als den Baum? Ich komme dazu, dasjenige, was ich Außenwelt nenne, nach und nach viel mehr zu meinem Inneren zu rechnen als dasjenige, was ich als das Innere meiner Leiblichkeit für diese Inkarnation ansehen kann. Das aber in aller Tiefe und Ehrlichkeit fühlen, muss gelernt sein.

Und heute wollen wir vor uns drei Sprüche hinstellen, mantrische Sprüche, durch die sich dieses Eins-Fühlen mit allem sogenannten äußeren Dasein allmählich tief in die Seele hineinprägen kann.

Wie stehen wir zunächst zum äußeren Dasein? Wir schauen hinunter auf die Erde: Wir fühlen uns abhängig von dieser Erde; sie gibt uns dasjenige, was wir zum äußeren Leben brauchen.

Wir schauen in die Weiten: Da kommt die Sonne am Morgen herauf; da geht die Sonne am Abend unter; das Licht streift gewissermaßen über die Erde hin; aus den Weiten kommt es, in die Weiten geht es.

Wir schauen hinauf: Nächtlich der Sternenhimmel, geheimnisvoll spricht er zu uns.

Wir haben in diesem dreifachen Blick unser Verhältnis zur Welt bestimmt: Ich schaue hinunter, ich schaue in die Weiten, ich schaue hinauf. Aber tun wir das mit dem intensivsten Bewusstsein, tun wir es so, wie es in folgenden mantrischen Sprüchen liegt:

Fühle wie die Erdentiefen
Ihre Kräfte deinem Wesen
In die Leibesglieder drängen.
Du verlierest dich in ihnen,
Wenn du deinen Willen machtlos
Ihrem Streben anvertrauest;
Sie verfinstern dir das Ich.

[Diese Strophe wird nun an die Tafel geschrieben; siehe Seite 718:]

Fühle wie die Erdentiefen
Ihre Kräfte deinem Wesen
In die Leibesglieder drängen.
Du verlierest dich in ihnen,

— in den Kräften —

Wenn du deinen Willen machtlos
Ihrem Streben anvertrauest;
Sie verfinstern dir das Ich.

Ja, das ist es, meine lieben Freunde, dass wir dasjenige, was uns an die Erde fesselt und bindet, nicht in Zusammenhang bringen in vollem Bewusstsein mit unserem menschlichen Wesen. Wir schauen hinunter zur Erde, wissen, dass in ihr Kristalle entstehen, dass sie das Erdreich von einem Fleck zum andern trägt, wissen, dass si Schwerkraft ausübt, dass sie den Stein anzieht, zur Erde fallen lässt, wissen, dass sie uns selber anzieht. Wir denken an das alles. Wir denken nicht daran, dass in uns Triebe, Instinkte, Begierden, Leidenschaften leben, dass in uns all dasjenige lebt, was wir zur niederen Menschennatur zählen, und dass das zur Erde gehört. Wenn wir den Blick hinunterrichten und sagen, was schafft die Erde in uns, dann sollen wir uns erinnern: Da liegt in uns, geschaffen durch die Erde, alles dasjenige, was uns unter den Menschen herunterziehen will, was unser Ich verfinstern will, was uns ins Untermenschliche treiben will. Das aber müssen wir uns zum Bewusstsein bringen, dass wir mit der Erde so verbunden sind, dass - trotz aller Schönheit und Erhabenheit desjenigen, was über die Oberfläche der Erde ausgebreitet ist - für uns Menschen das Hinunterziehende zu gleicher Zeit das ins Untermenschliche Ziehende ist. Im ehrlichen Gestehen dessen entwickeln wir uns zum wahren Menschen hin.

Dann, dann werden wir in die Lage kommen, nun nicht nur den Blick nach unten zu wenden, uns entwickelnd menschlich, sondern den Blick in die Weiten, die mit uns selber gleich hoch sind, zu wenden; den Blick zu wenden in all dasjenige hinein, was um die Erde gewissermaßen herumkreist und unser Menschensein im Kreisen aufnimmt. Da beginnt schon im Physischen etwas, was gewissermaßen uns über die hinunterziehenden Erdentiefen-Kräfte erhebt. Durch die Erdentiefen-Kräfte kann der Mensch böse werden; nicht so leicht durch den Atem, der auch zu dem um die Erde Kreisenden gehört; noch weniger durch das Licht, das die Sonne um die Erde kreisen lässt. Aber wir betrachten Atem und Licht als etwas, was nicht geistige Bedeutung hat. Aber Götter leben in Atem und Licht. Und wir müssen uns bewusst sein, dass insbesondere im Lichte Göttermächte walten, anders walten, indem sie durch uns Menschen gehen, als die Erdentiefen-Kräfte.

Das aber bringen wir uns in dem zweiten mantrischen Spruch zum Bewusstsein:

[Die zweite Strophe wird sogleich an die Tafel geschrieben]

Fühle wie aus Weltenweiten
Göttermächte ihre Geisteshelle
Dir ins Seelenwesen leuchten lassen.
Finde dich in ihnen liebend,
Und sie schaffen weisheitwebend
Dich als Selbst in ihren Kreisen
Stark für gutes Geistesschaffen.

Nicht immer werden wir uns dessen bewusst, dass wir lieben können dasjenige, was als Licht über unsere Erde hinzieht, sei es Sonnen-, sei es Sternenlicht. Nicht immer werden wir uns dessen bewusst. Aber wenn wir uns dessen bewusst sind, dass wir lieben können das Sonnenlicht, lieben können warm wie einen Freund, dann lernen wir auch, wie Götter im Lichtgewande um die Erde kreisen. Dann hört auf das bloße Sonnenlicht über die Erde hin leuchtend zu scheinen, dann wird das Sonnenlicht zum Göttergewande. Und Götter wandeln über die Erde hin im Leuchtegewande. Und dann wird für

uns dasjenige, was wir erleben mit dem Lichte, wirklich zur Weisheit. Dann bringen Götter ihre Weisheit in unsere Herzen, in unsere Seelen hinein. Und wir sind dann tatsächlich, indem wir differenziert haben in den Gefühlen, sind tatsächlich aufgestiegen.

Wir haben zuerst die entsprechenden Gefühle gegenüber den Erdentiefen-Kräften entwickelt. Wir haben den Teil unseres Menschentums, der den Erdentiefen-Kräften angehört, in richtiger Weise verspürt. Wir haben uns erhoben zu jenem höheren Teil unseres Menschenwesens, das den über die Erde im Leuchtegewande hinziehenden Götterwesen angehört, die den Menschen nicht lassen wollen im Erdenkreise, sondern, schon während er auf Erden wandelt, in ihre Kreise aufnehmen wollen, sodass er dann, wenn er durch des Todes Pforte geht, in ihren Kreisen weiter wandeln kann. Denn die Götter wollen uns nicht auf Erden allein lassen, sie wollen uns in ihre Kreise ziehen. Sie wollen uns zu Wesen machen, die unter ihnen leben. Die Erdentiefen-Kräfte wollen uns entreißen den Götterkräften.

Daher hieß es in einem der früheren Sprüche, die Euch hier übermittelt worden sind:

Des ersten Tieres Knochengeist,
Er ist die böse Schöpfermacht
Des Wollens, die den eignen
Leib Entfremdet deiner Seelenkraft
Und ihn den Gegenmächten weiht,
Die Weltensein dem Göttersein
In Zukunftzeiten rauben wollen.

Das aber müssen wir fühlen, auch indem wir uns in die Welt hineinstellen und mit der Welt uns identifizierend eins fühlen.

Aber wir haben noch nicht unser Vollmenschliches in unser Bewusstsein hereingenommen, wenn wir nicht auch hinaufzuschen vermögen. In die Tiefen müssen wir schauen, in die Weiten müssen wir schauen, in die Höhen müssen wir schauen, und rege machen müssen wir in dem einen alltäglichen Bewusstsein, das Tiefe, Weite und Höhe vermischt, differenzieren müssen wir Tiefenbewusstsein, Weitenbewusstsein, Höhenbewusstsein:

[Die dritte Strophe wird an die Tafel geschrieben; siehe Seite 719.]

Fühle wie in Himmelshöhen
Selbstsein selbstlos leben kann

Das können wir fühlen, wenn wir vollbewusst in die Höhen hinaufschauen. Denkt Ihr Euch nur einmal, meine lieben Freunde, draußen auf dem Felde stehend, beim sternbedeckten Himmel hinaufschauend in die Himmelshöhen. Deutlicher nur ist es, wenn wir diese Gelegenheit wählen; es kann natürlich auch im vollen Sonnenlichte geschehen. Aber deutlicher wird es, wenn wir uns draußen stehend fühlen im Felde und hinaufschauen auf den sternenbedeckten Himmel. Wir fühlen uns eins mit dieser Welt; wir fühlen: Das bist du. Aber der eine Punkt, an dem wir stehen auf der Erde, den wir für so wertvoll halten, dass wir immer nur als von unserem eigenen Selbst von ihm reden, es zerfließt, wenn wir hinaufschauen in die Weiten. Es ist ausgebreitet zur Halbkugel. Fühlen wir da recht, dann hört das enge Selbstsein auf und wird selbstlos, denn es ist unendlich verbreitet in den Weiten der Höhen:

Fühle wie in Himmelshöhen
Selbstsein selbstlos leben kann,

[Es wird weitergeschrieben:]

Wenn es geisterfüllt Gedankenmächten
In dem Höhenstreben folgen will

Wer wirklich gefühlt hat, wie mit dem um die Erde ziehenden, strömenden Sonnenlichte im Leuchtegewande Götter mit jedem Atemzuge in die Menschenseelen einziehen und ausziehen, und wer dann hinaufschaut, selbstlos in seiner Selbstheit fühlend, in Himmelshöhen, der kommt schon dazu, auch das Weitere in sich bewusst zu entwickeln, was unter den folgenden Zeilen kommt, unter den folgenden Zeilen also:

Fühle wie in Himmelshöhen Selbstsein selbstlos leben kann,

Wenn es geisterfüllt Gedankenmächten In dem Höhenstreben folgen will

[Es wird weitergeschrieben:]

Und in Tapferkeit das Wort vernimmt,
Das von oben gnadevoll ertönet
In des Menschen wahre Wesenheit.

Es sprechen die Höhen. Und so, wie wir in Liebe zusammenwachsen können mit den Göttern, die um die Erde ziehen im Leuchtegewande, so können wir mit dem aus den Höhen tönenden Worte zusammenwachsen, wenn wir den Sinn dafür entwickeln, mit den Gedankenmächten in die Höhen der Himmel zu streben.

Aber, meine lieben Freunde, nur dann werdet Ihr richtig diese Empfindungen, die Euer Bewusstsein zu einem Tiefen-, Weiten- und Höhenbewusstsein machen, innerlich durchführen können, wenn Ihr die gegensätzlichen Sprüche [vom dritten, zweiten und ersten Tier] so recht tief und anschaulich für die Seele kontrastieren könnt mit diesen [an der Tafel stehenden drei Sprüchen].

Ihr tretet vor den Hüter der Schwelle. Lebhafte Gedankenvorstellungen davon sollen in Eurer Seele walten. Der Hüter der Schwelle zeigt Euch das dritte der Tiere, von dem wir gesprochen haben in den letzten Stunden. Es klingt in Euch dasjenige, was dieses dritte der Tiere charakterisiert:

Des dritten Tieres glasig Auge,
Es ist das böse Gegenbild
Des Denkens, das in dir sich selbst
Verleugnet und den Tod sich wählet,
Absagend Geistgewalten, die es
Vor seinem Erdenleben geistig
In Geistesfeldern lebend hielten.

Das ist das Hinunterziehende.

Dem entreißen wir uns, indem wir in tapferer Seele uns sagen:

Fühle wie die Erdentiefen
Ihre Kräfte deinem Wesen
In die Leibesglieder drängen.
Du verlierest dich in ihnen,
Wenn du deinen Willen machtlos
Ihrem Streben anvertrauest;
Sie verfinstern dir das Ich.

Da sind sie [die beiden Sprüche] noch für den Anblick, ich möchte sagen, wenig unterschieden, wenn Sie hinschauen auf das Tier, wenn Sie hinschauen auf dasjenige, was entreißt. Bedenken Sie, wie das eine der Mantren ähnlich klingt dem andern, charakterisierend beide das Hinunterziehende, nur das eine konkret das Tier schildernd, das andere das Aufmerksamwerden.

Aber gehen wir zum zweiten Tier, und nehmen wir dasjenige, was uns entreißt dem zweiten Tiere; stellen wir die beiden mantrischen Sprüche nebeneinander: Ganz und gar verschieden wird die Stimmung. Das eine Mal grausige Schilderung des zweiten Tieres, das andere Mal der Appell an die Götter, die im Leuchtegewande an uns herankommen. Und hören wir nebeneinander diese zwei mantrischen Sprüche, wie verschieden sie in ihrer ganzen Stilisierung sind:

Des zweiten Tieres Spottgesicht, Es ist die böse Gegenkraft Des Fühlens, das die eigne Seele Aushöhlet und Lebensleerheit In ihr erschafft statt Geistgehalt, Der vor dem Erdensein erleuchtend Aus Geistessonnenmacht ihr ward. Fühle wie aus Weltenweiten
Göttermächte ihre Geisteshelle
Dir ins Seelenwesen leuchten lassen.
Finde dich in ihnen liebend,
Und sie schaffen weisheitwebend
Dich als Selbst in ihren Kreisen
Stark für gutes Geistesschaffen.

Indem wir zuerst das dritte Tier charakterisieren, müssen wir uns noch in diesem mantrischen Spruch [Fühle wie die Erdentiefen ...] wie neben dieses dritte Tier hinstellen. Wir vermögen zunächst uns nicht loszureißen, haben nur die Aufforderung, uns bewusst zu werden, wohin uns dieses Tier führen will. Indem wir uns an das zweite Tier wenden und an den helfenden mantrischen Spruch [Fühle wie aus Weltenweiten ...], da ist der Spruch bereits dazu angetan, uns weit hinwegzuführen von dem Tiere, das wir in seiner Grausamkeit als Spottgesicht charakterisieren.

Und gehen wir jetzt an das erste heran, und wir werden sehen, wie die Charakteristik des ersten Tieres, das uns verhindern will, unser menschliches Leben zu heiligen im Aufblick zu den Himmelshöhen, wie dieses erste Tier charakterisiert ist seinem Stile nach und wie wir uns entreißen in unserem Innersten diesem Tier, wenn wir uns an jenen mantrischen Spruch, der uns hinaufweist in die Himmelshöhen, wenden:

Des ersten Tieres Knochengeist,
Er ist die böse Schöpfermacht
Des Wollens, die den eignen Leib
Entfremdet deiner Seelenkraft
Und ihn den Gegenmächten weiht,
Die Weltensein dem Göttersein
In Zukunftzeiten rauben wollen.

Und nun: Wie wenn wir verbrennen wollten dasjenige, was in diesem Spruch gesagt ist und uns in den Flammen erheben wollten, so steht der andere Spruch - der Tröster sein soll und begnadend gegenüber dem, was das erste Tier ist, durch unsere eigene tapfere Seelenkraft -, so steht der andere Spruch ihm gegenüber:

Fühle wie in Himmelshöhen
Selbstsein selbstlos leben kann,
Wenn es geisterfüllt Gedankenmächten
In dem Höhenstreben folgen will
Und in Tapferkeit das Wort vernimmt,
Das von oben gnadevoll ertönet
In des Menschen wahre Wesenheit.

Sehen Sie, haben wir das letzte Mal gesehen, dass wir einen innerlichen Rhythmus aufnehmen, wenn wir in das Weben der Leuchtewesenheit der Welt mit unserem eigenen Wesen hineinkommen wollen, so müssen wir heute uns damit bekannt machen, wie die Dinge, die nun in dieser Esoterik an uns herantreten, einen inneren Zusammenhang haben und wie wir jedes Mal zurückgreifen müssen auf das Frühere, nicht aber nur zurückgreifen müssen mit Bezug auf den Sinn der Worte, denn der bleibt immer irdisch, sondern zurückgreifen müssen durch die Stimmung. Und diese Stimmung, sie wird uns aus dem Ganzen entgegenkommen, sie wird uns aber auch aus den Einzelheiten entgegenkommen.

Denn nehmen Sie den ersten Spruch: «Fühle wie die Erdentiefen». Also wir werden verwiesen an die Erdentiefen. Und der andere Spruch weist uns auf «Des dritten Tieres glasig Auge». Sie stehen nebeneinander.

Im zweiten Spruch «Fühle wie aus Weltenweiten»: Wir fühlen, wie im Lichtgewande die Götter herankommen. Hier sind wir erhoben, wenn wir es wirklich fühlen können, über dasjenige, was des Göttlichen spottet in der Welt. «Des zweiten Tieres Spottgesicht», es wird wahrhaftig ausgelöscht durch den hellen Sonnenschein, wenn wir den hellen Sonnenschein nur geistig ergreifen wollen.

Und gar der dritte Spruch, wie er beginnt: «Des ersten Tieres Knochengeist», er erstarrt uns. Wir werden nur warm, wenn wir aus der Erstarrung uns lösen durch den Aufblick in die Himmelshöhen. Und so können wir auch sagen:

Erblickst du des dritten Tieres glasig Auge, stehe fest und fühle, was die Erdentiefen von dir wollen. Schaust du des zweiten Tieres Spottgesicht, empfange liebend Sonnenlicht. Erstarrst du durch des ersten Tieres Knochengeist, erwarme menschlich als Mensch, indem du zu den Himmelshöhen das Herz warm erhebest.

So sollen wir uns allmählich einfühlen in geistiges Leben, und dieses geistige Leben wird immer verwandter und verwandter unserer Seele werden.

Meine lieben Freunde, es ist notwendig, dass ich einen kleinen Satz anfüge. Denn die Schule selbst muss im Ernste leben, und die Dinge, die ich an jenem Mittwoch, wo ich über die Bedingungen der Schule gesprochen habe, gesagt habe, müssen im Ernste erfasst werden: Ich bin genötigt gewesen, einer Persönlichkeit, die - weil sie unterlassen hat, was sie hätte tun sollen hier im Dienste - ein großes Unglück hätte bewirken können, das Zertifikat für diese erste Klasse zu entziehen. Ich erwähne dieses aus dem besonderen Grunde, weil ich damit andeuten will, dass tatsächlich Ernst gemacht werden wird mit demjenigen, was bei der Weihnachtstagung hier als Absichten angedeutet worden ist. Und ich bitte durchaus, in der Zukunft dies nicht als irgendeine bloße Redensart aufzufassen, wenn durchaus geltend gemacht wird, dass diese esoterische Schule in vollem Ernste als von der geistigen Welt gewollt gedacht wird und dass in dem Augenblicke, wo irgendjemand nicht in rechter Weise ein Repräsentant der anthroposophischen Bewegung sein will, die Schule das Recht haben muss, ihm das Zertifikat für diese Schule zu entziehen. Ich möchte in allem Ernste darauf hinweisen und unterlasse es deshalb nicht zu erwähnen, dass bereits - wenigstens für eine gewisse Zeit, bis der Betreffende das Gegenteil wiederum durch sein Verhalten bezeugt - einer Persönlichkeit das Zertifikat entzogen werden musste. Wir werden in diese Schule nur in richtiger Weise hineinwachsen, wenn wir abkommen von all denjenigen spielerischen Anschauungen über anthroposophische Bewegung, die gerade so großes Unheil innerhalb dieser anthroposophischen Bewegung angerichtet haben. Wir müssen in den vollen Ernst des Esoterischen hineinwachsen. Und es ist - ich muss es auch heute wieder sagen - noch nicht in jeder Seele aufgegangen dasjenige, was mit der Weihnachtstagung gemeint war. Aber die Leitung der Schule wird wachsam sein, und sie wird diesmal tatsächlich mit dem Ernst der Schule Ernst machen.

Wollen wir auch das als etwas zur heutigen Stunde Gehöriges in unseren Sinn aufnehmen.

German original of Lesson IV · ← Previous · Next →