Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie 1923–1925

GA 277d — 20 April 1924, Dornach

Ansprache zur Eurythmie — Matinee

Zu Ostern 1924 wurden erstmals die Worte der Grundsteinlegung («Grundsteinspruch», erste drei Strophen) eurythmisch aufgeführt. Dazu wurden zwei interne Aufführungen am Ostersonntag und Osterdienstag veranstaltet. An den Ostertagen (20. und 21. April) gab es zudem öffentliche, in den Zeitungen angekündigte Eurythmie-Aufführungen, die jeweils um 17 Uhr stattfanden.

Aus: «Die Freie Hochschule für Geisteswissenschaft» («Was in der Anthroposophischen Gesellschaft vorgeht», 27. April 1924) In einer Eurythmie-Aufführung für die Mitglieder der Anthroposophischen Gesellschaft wollten wir zeigen, wie die Impulse, die in der Weihnachtstagung am Goetheanum gelegen haben, sich mit einer gewissen Notwendigkeit weiter entwickeln können. Der neue Zug, der mit dieser Tagung in die anthroposophische Arbeit hat einziehen wollen, muss sich ja auch dadurch zur Geltung bringen, dass in unseren Veranstaltungen nicht bloß lebt, was dem Augenblicke entsprungen sein kann, sondern dass früher Erarbeitetes sich in folgenden Veranstaltungen weiter entfaltet. Die Spruchworte, mit denen bei der Weihnachtstagung der geistige Grundstein in die Herzen der Mitglicderschaft der Anthroposophischen Gesellschaft gelegt worden ist, erstanden in eurythmischer Kunstdarstellung bei dieser Ostertagung wieder. In Verbindung mit ihnen wurden geistgetragene, gemütinnige, seelenwarme Dichtungen Albert Steffens eurythmisiert, die eine Weihestimmung über diese Tagung ausgossen. Weiteres rankte sich, der Osterstimmung Rechnung tragend, um diesen Inhalt der eurythmischen Vorführung. Wir hatten so eine Osterfeier, in die unsere für die Gesellschaft bedeutungsvolle Weihnachtstagung voll hineintönte.

Ankündigungsentwurf und Zeitungsannonce für die Aufführungen Dornach, 20. und 21. April 1924

Der nachstehende Ankündigungsentwurf ist teilweise in der Handschrift von Max Schuurman geschrieben (in der Transkription kursiv gesetzt). Die auf den Seitenrändern in Bleistift geschriebenen Notizen Schuurmans, die Stichworte zu Vorträgen Rudolf Steiners waren, werden hier nicht transkribiert.

277d-56
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Programm zu den internen Aufführungen Dornach, 20. und 22. April 1924

Die Sprüche der «Grundsteinlegung» von Rudolf Steiner
Air in D-Dur von J. S. Bach
«Du hebst die Hände» von Albert Steffen
«Für meine Mutter» von Albert Steffen
Präludium in f-moll von J. S. Bach
«Christus in mir» von Albert Steffen
Andante teneramente in f-moll von Johann Ernst Galliard
Menuett nach dem Lied «Ehrlichkeit währt am längsten» von A.G. Rosenberg
«Wie die Blumen» von Albert Steffen
«Liegt der bloße Erdenleib» von Albert Steffen
Largo in B-Dur op. 2,8 von G. F. Händel
«Vermächtnis» von Robert Hamerling
Präludium von Pugnani-Kreisler

Meine lieben Freunde! Wir wollen nunmehr eine eurythmische Darstellung geben, welche denjenigen Gefühlen und Empfindungen entsprechen soll, die Sie vielleicht der ersten größeren Veranstaltung entgegenbringen, die nach der Weihnachtstagung am Goetheanum hier stattfindet.

Das Wesentliche im inneren Verlauf unserer anthroposophischen Bewegung muss ja in der Zukunft darinnen bestehen, dass sich die Dinge wirklich entwickeln. Sodass nicht, wie es vorher der Fall war, der Fortgang immer wieder abbricht, dass man sozusagen nur in Stücken arbeitet, sondern es muss sich, wie es auch in einem Lebendigen ist, das Spätere aus dem Früheren heraus entwickeln. Dafür muss ein Verständnis aber vorhanden sein innerhalb der Mitgliederschaft. Und wir möchten mit der heutigen Eurythmic-Vorstellung eben etwas geben, was in gewissem Sinne eine Fortsetzung desjenigen genannt werden kann, was mit der Weihnachtstagung inauguriert war.

Deshalb musste auch abgetrennt werden diese Morgen-Eurythmie-Vorstellung von demjenigen, was ja mit der Öffentlichkeit verbunden an den zwei Tagen, Ostersonntag und Ostermontag als Eurythmie-Vorstellungen am Nachmittag gegeben wird. Diese heutige Eurythmie-Vorstellung ist im eminentesten Sinne etwas in die anthroposophische Bewegung selbst Eingereihtes. Und so sollen zunächst im Beginne die Weisheitsworte, die dazumal unsere seelischherzliche Grundsteinlegung für die Anthroposophische Gesellschaft begleitet haben, diese Weisheitsworte sollen heute zum ersten Mal eurythmisch wirken.

Solche Dinge müssen nur immer in der rechten Art verstanden werden. Alle Dinge dieser Art sind bisher viel zu sehr im theoretischen Sinne genommen worden, viel zu sehr so genommen worden, dass man dabei nicht gesehen hat, wie es einfach etwas bedeutet nicht bloß, dass solche Dinge wie die Weisheitsworte existieren, sondern dass sie als lebendige Kraft laufen durch die anthroposophische Bewegung und sie tatsächlich impulsieren. Dann aber, wenn das stattfinden soll, darf man nicht nur schauen auf den Inhalt solcher Worte, sondern auf die reale Tatsache, wie solche Worte durch die anthroposophische Bewegung laufen. Sodass also für das Goetheanum zunächst heute der zweite Entwicklungsschritt ist im Wirken dieser Worte.

Das ist dasjenige, was ich wollte heute in der in die diesmaligen Veranstaltungen besonders eingereihten Eurythmie-Vorstellung als eine Art Begrüßung der anthroposophischen Freunde, die heute erschienen sind, vorausschicken.

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