Die Entstehung und Entwickelung der Eurythmie 1923–1925

GA 277d — 21 October 1924, Hamburg

Eurythmie-Aufführung

277d-80a
277d-80a

Aus einem Brief von Rudolf Steiner an Marie Steiner, Dornach, 23. Oktober 1924

M. l. M. Ich habe nun noch alles in die Oberon-Titania-Sczenen eingefügt, wofür es mir gelungen ist, Formen zu finden. Es scheint sich also bis zu Titan.: «... zur Laube finden» alles zusammenzuschließen. - Nur «Bohnenblüte, Senfsamen» geht nicht, muß man auslassen. Was aber da noch folgt auf S. 46: beim besten Willen ich kann keine Form finden; ich glaube, das könnte die Wirkung auch nur verderben.

So glaube ich, dass Du jetzt alles hast, was Du haben kannst. Ich denke, Du erhältst die Sache schneller, wenn ich diesen Brief Dr. Wachsmuth mitgebe, der heute abends nach Berlin reist. [...]

In herzlichen Gedanken verfolge ich Deine Tätigkeit; grosse Freude hatte ich über Brief aus Lübeck und auch über Nachricht, dass es in Hamburg das zweite Mal gut gegangen ist.

Aus einem Brief von Marie Steiner an Rudolf Steiner, Berlin, 24. Oktober 1924

Lieber E., danke vielmals für Deinen langen Brief, der Dich hoffentlich nicht zu sehr angestrengt hat, und für alle Zusendungen. Jetzt haben wir alles, was wir brauchen für den Johannisnachtstraum, sogar mehr, denn für die Szenen mit Zettel wird die Zeit doch nicht reichen. Das werden wir uns denn aufsparen für das Zusammenwirken mit den Schauspielern. Es fehlt jetzt übrigens gar nicht viel, um die Geisterszenen vollständig zu haben. Und ich dachte schon, dass es Dir vielleicht recht wäre, da Du ja jetzt im Bilde bist dessen, was Du selbst dabei willst, ob ich Dir nicht gleich alle die Szenen schicke, in denen noch etwas fehlt. Ich füge sie hier bei. Ich habe die Seiten angegeben, und die Stellen angestrichen, an denen noch etwas zu machen ist. Was übrig geblieben ist, bezieht sich meistens auf die Abenteuer der Athener. Das habe ich auch innerhalb der Reden, die wir jetzt zur Darstellung bringen, gestrichen. Das würde aber nötig sein, wenn wir mit den Schauspielern zusammenwirken. So lege ich sie Dir denn auf alle Fälle zur Begutachtung bei.

Nun haben wir unsere erste Matinee hinter uns. Sie verlief ausgezeichnet, und es hat sich gar keine Gegenstimmung gezeigt, - nur Beifall. Was die Presse bringen wird, könnte ja anders sein. Es heißt, es wäre am Freitag ein Schmähartikel im Berliner Tageblatt erschienen. Jedenfalls hat er bei der Matinée keine Wirkung ausgeübt; das Lessingtheater war ausverkauft, und das Publikum ging restlos mit.

Im allgemeinen hat uns die Presse dies Mal gut behandelt. Manchmal wider Willen, wie in den Hamburger Nachrichten, aber grade dadurch, heißt es, Eindruck machend. Nur auf mich haben sie hin und wieder geschimpft, oder haben Gedichte unnütz gefunden. Die Stimme hat mir auf dieser Reise ganz gut gehorcht. Nur in der Mitglieder-Aufführung von Stuttgart war ich etwas geniert, und bei der zweiten Aufführung von Hamburg fühlte ich etwas die Erkältung von Lübeck nach. (In Lübeck selbst noch nicht.) Das Kammerspiel-Theater von Hamburg ist auch akustisch ungünstig; das Thalia-Theater sehr gut. Auch das Lessing-Theater hier ist akustisch günstig.

Hier habe ich aber nun eine etwas beängstigende Aufgabe an den Johannisnacht-Szenen; denn ich habe doch einige ungeschickte Leute für den Chor und wenig Zeit. Ich habe jeden Tag neben der Aufführung Probe, die Elfenszenen geprobt und das war eine große Anstrengung. (Wir durften uns im Lessing Theater ziemlich ausgiebig aufhalten.) Nun bin ich doch heute morgen vor der Matinée mit starker Migräne und Schaumspeien aufgewacht. Da das aber schon um 5 Uhr vor sich ging, konnte ich mich bis % 12 richten, und es hat niemand etwas bemerkt. Nur ist auch für mich das Reden mit den Menschen das, was mich durcheinanderbringt, dafür reicht die Kraft kaum mehr. So konnte ich leider Deinen Wunsch nicht erfüllen, mich an der Tagung stark zu beteiligen. Gestern hatte ich mit den zwei Proben zu viel zu tun, und heute muss ich mich mit ziemlicher Mühe aufrecht erhalten. Morgen muss ich sehr viel proben: das Michaeli-Programm für Dienstag und Mittwoch, und das neue.

German original of Eurythmy Performance · ← Previous · Next →