Der Künftige Baugedanke von Dornach
GA 286 — 31 December 1923, Dornach
Meine lieben Freunde!
Sie können sich denken, daß der Baugedanke von Dornach mich in der letzten Zeit recht beschäftigte, und es wird ja durchaus in der Notwendigkeit der Verhältnisse gelegen sein, daß wir diesen Baugedanken von Dornach möglichst bald zur Ausführung bringen.
Nun war ja ein großer Teil von Ihnen anwesend im Sommer, als über die Finanzierung des künftigen Goetheanums gesprochen worden ist. Alles dasjenige, was dazumal zutage getreten ist, wobei unendliche Opferwilligkeit von Seiten unserer Freunde sich geoffenbart hat, und alles dasjenige, was sich aus der Beobachtung der Verhältnisse seither ergeben hat, zwingt mich doch zu der Meinung, daß es keine andere Möglichkeit gibt, als nun recht schnell dazu zu schreiten, ein Goetheanum hier herzustellen, selbst wenn dieses Goetheanum in bezug auf seine Außenseite nicht dasjenige Bild geben kann, das man sich vielleicht gern versprechen möchte.
Es scheint mir nämlich notwendig, daß dieses Goetheanum so hergestellt werde, daß wir nach der Herstellung auch die Möglichkeit haben, es in der tunlichsten Weise in Betrieb zu haben.
Nun würde, wenn dieser Gedanke, der dazumal in der SommerVersammlung geäußert worden ist in bezug auf den Bau, sich realisiert, ganz gewiß die Möglichkeit eines entsprechenden Betriebes nach der Fertigstellung nicht vorliegen. Denn sehen Sie, die Sache liegt doch so, daß man bei alledem, was da in Betracht kommt, ein wenig zu sehen hat, ich möchte sagen, durch die Wände, nämlich durch die Wände der Geldbörsen unserer lieben Freunde. Und ich weiß ganz gut, daß gegen dasjenige, was ich jetzt äußere, aus dem allerbesten Willen heraus vieles eingewendet werden wird. Aber dennoch, ich meine, daß die Verhältnisse zuletzt mir recht geben werden, wenn ich sage, daß es doch am besten ist, das Goetheanum zunächst so zu projektieren, daß es für den eigentlichen Bau nicht mehr als 3 bis 3½ Millionen Franken in Anspruch nimmt. Denn nur dadurch werden wir, auch bei großer Opferwilligkeit, in den Stand gesetzt werden, den Intentionen, die mit unseren gegenwärtigen Statuten inauguriert sind, hier wirklich fruchtbar dienen zu können.
Es würde ja keine rationelle Denkweise sein, wenn wir sozusagen schon beim Bauen uns als Anthroposophische Gesellschaft bis zum letzten Pfennig verausgaben würden. Das wäre nicht gut. Und so meine ich, daß der Gedanke schon richtig ist, zunächst für den Bau etwa 3 bis 3 1/2 Millionen zu verwenden. Der Bau muß ja, wenn er aus den nun schon einmal vorliegenden Verhältnissen heraus hingestellt wird, so sicher als möglich gegen Schädigungen sein, denen ja das alte Goetheanum leider zum Opfer gefallen ist. Und er muß außerdem die Möglichkeit bieten, auf die ich ja schon in meinen Ausführungen in der Zeitschrift «Goetheanum» hingewiesen habe, daß der Raum für die anthroposophischen Dinge möglichst ausgenützt wird. Wir werden uns also ein wenig beschränken müssen. Aber ich denke, daß gerade dadurch um so sicherer dasjenige wird eintreten können, worauf gestern auch von jugendlicher Seite hingewiesen worden ist: daß ein geistiges Goetheanum hier vor allen Dingen existieren muß, und zwar sobald als nur irgend möglich.
Nun möchte ich heute Ihnen sozusagen zunächst den Grundriß des Goetheanums auseinandersetzen, um dann morgen mehr über die Fassade, über die Außenseite zu sprechen. Diesen Grundriß und die ganze Verteilung des Raumes, den das Goetheanum einnehmen soll, möchte ich in der folgenden Weise gestalten.
Das Goetheanum soll in der Zukunft weniger als das alte Goetheanum ein Rundbau sein. Sie können ja heute leicht sagen, meine lieben Freunde: Warum stelle ich nicht das Modell vor Ihre Augen hin? — Ja, Sie müssen aber nicht vergessen, daß dieses neue Goetheanum aus einem verhältnismäßig auch neuen Material, aus Beton, gebaut werden muß. Betonbauten zu einem entsprechend wirklich künstlerischen Stil zu führen, ist außerordentlich schwierig, und die Lösung dieses Problems erfordert sehr, sehr viel.
Sie wissen ja, daß ich versucht habe, ein Haus in Betonstil zu bauen, das Dr. Grosheintz sich errichtet hat hier in der Nähe. Allein, wenn ich auch heute noch glauben muß, daß dieser Stil für ein Wohnhaus wenigstens bis zu einem gewissen Grade - nur bis zu einem gewissen Grade - als ein befriedigender bezeichnet werden kann, ein zweites Haus genau so könnte doch nicht hingestellt werden. Jedenfalls aber war damit der Baustil für ein aus Beton gebautes Goetheanum noch nicht da, und es wird sich darum handeln, daß bei dem neuen Goetheanum abgegangen wird von dem - im wesentlichen - Rundbau, daß man kommen wird wiederum zu einem nicht eigentlichen Rundbau, sondern zu einem mehr rechteckigen, also Eckenbau.
Sie sehen ja, was man in diesem Baustil intendieren kann, auch an dem kleinen Bau unten, der zu einem Eurythmie-Übungssaal errichtet worden ist. Der ist ja natürlich aus einem anderen Material, aber sie sehen daran, daß schon auch mit dem Eckenbau etwas zu erreichen sein wird.
Nun muß natürlich, da es sich für Eurythmie und Mysterienspiele um Bühnen handeln wird, der Eckenbau mit dem Rundbau kombiniert werden. Außerdem muß das neue Goetheanum Räumlichkeiten enthalten für die verschiedenen Betätigungen. Wir werden Ateliers nötig haben, wir werden Vortragssäle nötig haben, denn der einzige kleine weiße Saal, in dem das Feuer zuerst ausgebrochen ist vor einem Jahre, hat sich ja wirklich als ein Raum erwiesen, der für unsere Zwecke durchaus nicht ausreichte. Und so würde das nächste Goetheanum eben so gebaut werden müssen, daß es eine untere Etage, ein Erdgeschoß, und eine obere Etage hat. Die obere Etage würde im wesentlichen der große Vortragssaal sein, der Zuhörer- und Zuschauersaal für die eurythmischen und Mysterien- und sonstigen Aufführungen. Im Erdgeschosse würden sich dann unter diesem Vortragssaale, durch Wände abgeteilt, kleinere Säle finden, welche dazu dienen werden, Räume zu geben für künstlerische und wissenschaftliche Arbeiten.
Auch gedenke ich einen Raum zu schaffen, der dienen soll der Verwaltung der Allgemeinen Anthroposophischen Gesellschaft, so daß diese direkt vom Goetheanum aus verwaltet werden kann. Nun möchte ich gerade aus diesem Baugedanken heraus ein gewisses Problem lösen, das mir auf diese Weise eine praktische Lösung zu finden scheint. Es wird der Grundriß sich ja so gestalten, daß wir nach rückwärts eine Bühne haben, die ein Rundbau sein wird. — Ich bitte, jetzt auf die Größenverhältnisse keine Rücksicht zu nehmen. - Diese Bühne wird im wesentlichen ein Halbkreis sein im wesentlichen. Sie wird umfriedet werden von den Magazin-Aufbewahrungsräumen. Und es wird sich das Ganze nach vorne fortsetzen, oben in den Zuschauerraum, unten in die einzelnen Säle, zwischen denen ein allgemeiner Gang sein wird in der Zukunft, so daß eine freiere Bewegung in diesem neuen Goetheanum möglich sein wird als im alten Goetheanum. Im alten Goetheanum war man direkt im Innern, wenn man nach einem Vorsaale von außen hereintrat. Hier soll man zur freien Beweglichkeit einen geheizten Gang haben, in dem man sich in der verschiedensten Weise wird besprechen können und so weiter, von dem aus man den Zugang zu den einzelnen Sälen in dem Erdgeschoß haben wird. [Faksimile siehe Beilage 4, Tafel X]

Oben wird man dann durch Treppen, die hinaufführen, den großen Saal finden, von dem aus man auf die Bühne, beziehungsweise in den Raum hineinsehen wird, wo die Vorträge und sonstiges geleistet werden.
Das praktische Problem, von dem ich eben gesprochen habe, ist dieses: Man litt in dem alten Gotheanum namentlich dadurch, daß die Eurythmie-Übungen unmittelbar auf der Bühne stattfinden mußten. Nun kamen ja immer auswärtige Besucher, die sich die Sache anschauten, die hoffentlich auch in der Zukunft kommen werden, aber man brauchte ja zu den Arbeiten selber den Zuschauerraum, und so war niemals eine Verteilung möglich, wie sie eigentlich notwendig ist zu den Übungen und zu der entsprechenden Vorbereitung für Aufführungen.
Dieses Problem möchte ich nun so lösen, daß im Erdgeschosse, also in der unteren Etage, genau derselbe Bühnenraum sein wird wie oben in der ersten Etage. Nur wird er in der ersten Etage bei denselben Abmessungsverhältnissen für die Aufführungen dienen, in der unteren Etage bloß für die Übungen. Es wird also ein unterer Übungsraum sein, in dem man bis zur Generalprobe wird üben können, so daß der obere Raum immer frei sein wird. Der in der unteren Etage wird bloß für diejenigen, die an den Übungen teilnehmen, einen Vorraum haben, in dem sie sich werden aufhalten können, sitzen können. In der oberen Etage wird die Bühne unmittelbar übergehen in den Zuschauerraum. Der Zuschauerraum wird ebenso groß sein wie der Grundriß des eckigen Gebäudes.
Auf diese Weise wird man die Möglichkeit haben, wirklich praktisch in dem Raume zu arbeiten. Es wird nicht notwendig sein, die Höhe des neuen Goetheanums wesentlich größer zu machen als die Höhe des alten Goetheanums, da ich nicht wieder einen Kuppelbau auszuführen gedenke, sondern einen Abschluß nach oben versuche, der aus Flächen zusammengesetzt ist, die sich in ihrem räumlichen Zusammenstimmen, glaube ich, nicht weniger ästhetisch anziehend ausnehmen werden als ein Kuppelbau.
Wir werden also von der einen Seite durch eine Fassade, die ich morgen noch beschreiben werde, von der Hauptseite aus in das Goetheanum eintreten können, wir werden dann die Treppen finden, um hinaufzugehen in den oberen Raum; wir werden einen Gang haben, um in die einzelnen Säle eintreten zu können und so weiter. Wir werden auch an den Seiten Zugänge finden und werden in diesem Raume die Anordnung dadurch namentlich treffen können, daß der Bühnenraum in entsprechender Weise kleiner ist, im Grundriß kleiner ist als der Magazinraum, den ich durch Wände nach vorne fortzusetzen gedenke, um die einzelnen Säle zu bekommen. Wir werden dadurch die Möglichkeit haben, nach oben solche Abschlüsse zu gewinnen, daß wir durch Oberlicht den ganzen Raum auch mit Tageslicht immer werden durchleuchten können, so daß wir werden wechseln können mit Tageslicht, wenn es eben da ist, und mit künstlichem Lichte, wenn wir es brauchen.
Auf diese Weise wird es möglich sein, einen praktischen Bau zu haben, dessen Kubikraum möglichst ausgenützt werden kann. Man wird vieles zugleich in diesem Bau tun können, währenddem eigentlich im alten Bau nur ein einziger Akt möglich war.
Sie müssen ja bedenken, meine lieben Freunde, daß dies nicht bloß sein soll eine Verbesserung, die dann von manchem vielleicht als eine Verschlimmbesserung aufgefaßt werden könnte, sondern daß dies zusammenhängt mit der ganzen Entwickelung. Ich habe ja oftmals unter Ihnen betont, daß derjenige, der in der Realität lebt und nicht in Ideen, die Realität der Zeit ganz besonders anerkennen muß. Die Zeit ist eine Realität. Allein, es ist schwer, Verständnis hervorzurufen für die Zeit als Realität. Es gibt heute noch Leute, die mit denselben Sätzen die Dreigliederung des sozialen Organismus vertreten, wie ich sie vertreten habe aus den Zeitverhältnissen heraus 1919. Ja, die Geschichte schreitet jetzt so schnell vor, daß es einem eigentlich vorkommt: Wenn heute einer die Dinge in derselben Weise vertritt, mit der man sie 1919 vertreten hat, man da um Jahrhunderte zurückgeblieben ist. Und so kann man auch wirklich, nachdem ja etwas geschehen ist in der anthroposophischen Bewegung, 1924 nicht ebenso bauen, wie man 1913/1914 gebaut hat. 1913, 1914 ist die Idee des Goetheanums lediglich hervorgegangen aus der Einsicht, daß für die Mysterienspiele ein künstlerischer Raum geschaffen werden müsse, und es war eigentlich damals nur an die Mysterienspiele und an die Vorträge gedacht. Nun hat sich seit jener Zeit vieles ereignet - ich wünschte nur, daß sich noch mehr ereignet hätte -, aber ich hoffe, daß sich auch ohne die 75 Millionen Franken, von denen ich gesprochen habe, in kurzer Zeit noch manches ereignet. Und das muß durchaus berücksichtigt werden.
Dasjenige, was sich ereignet hat, ist ja, daß seit dem Jahre 1913 die Eurythmie sich erst entwickelt hat. 1913 war sie ja nicht da, sie hat sich erst entwickelt, daher kann nicht gesagt werden, daß dasjenige, was dazumal gut war, auch heute gut sein könnte. Außerdem, trotzdem damals mir versichert worden ist, daß man den Bau mit einer Summe weit unter einer Million deutscher Reichsmark aufführen könne, hat er im Laufe der Zeit, wie Sie wissen, das mindestens Sieben- bis Achtfache gekostet. So wollen wir nicht wieder abstrakt rechnen, sondern wir wollen jetzt mit ganz bestimmten Zahlen rechnen. Es muß der Bau jetzt so aufgeführt werden, daß wir in möglichster Bälde dasjenige ausführen können, was in unseren Statuten vorgezeichnet ist. Das kann aber nur geschehen, wenn wir den Bau in einer solchen Weise aufführen, wie ich es Ihnen angedeutet habe.
Es wird dennoch möglich sein, aus dem spröden Betonmaterial heraus Formen zu gewinnen, die dem künstlerischen Anschauen etwas Neues bieten können. Die alten Goetheanum-Formen - über diese Dinge werde ich noch heute abend einiges zu Ihnen zu sprechen haben -, die alten Goetheanum-Formen, meine lieben Freunde, die werden schon der Geschichte angehören müssen, das heißt Ihren Herzen. Betonformen werden ganz andere sein müssen, und es wird auch manches getan werden müssen, was das spröde Betonmaterial auf der einen Seite wirklich so bezwingt, daß das menschliche Seelenauge ihm künstlerisch folgen kann in seinen Formen; aber es wird auf der anderen Seite notwendig sein, manches scheinbar Dekorative, aber aus dem Betonmaterial Hervorgehende, künstlerisch, malerisch, plastisch zu schaffen, um eben das Betonmaterial einmal auch künstlerisch zur Offenbarung zu bringen. Nun bitte ich Sie, diesen Keimgedanken als denjenigen zu betrachten, aus dem nun wirklich das Goetheanum hervorgehen soll. Es ist von mir ja geltend gemacht worden, daß ich in bezug auf die künstlerische Herstellung des Goetheanums allein arbeiten darf, und es wird nicht möglich sein, im weiteren Umfange irgendwie von da und dort geholte Anerbietungen oder Ratschläge zu beobachten, wie sie schon — in wohlwollender Weise selbstverständlich - gemacht worden sind. Es wird nichts nützen, mir zu sagen: Da oder dort sind Betonbauten aufgeführt worden, da oder dort arbeitet eine Fabrik rationell und so weiter. Wenn das Goetheanum als Betonbau zustande kommen soll, so muß es aus einem ursprünglichen Gedanken hervorgehen, und alles, was in Betonbau bis jetzt geleistet worden ist, ist eigentlich keine Grundlage für dasjenige, was hier entstehen soll.
Das, meine lieben Freunde, möchte ich Ihnen zunächst hier vorlegen, aber damit nicht etwa irgend etwas gesagt haben, was stoppen könnte die von unserem lieben Freunde van Leer und anderen, von den Vertretern der verschiedenen Ländern inaugurierten Sammlungen. Denn die Summe, die dazumal in Aussicht genommen worden ist, wird trotzdem notwendig sein, wenn wir dasjenige ausführen wollen, was notwendigerweise ausgeführt werden muß. Aber gerade um vielleicht Ihren Eifer nach dieser Richtung etwas anzuspornen, möchte ich sagen, daß eben der Versuch gemacht werden wird, das Geld, das einkommt, in der günstigsten Weise, nämlich auch zur anthroposophischen Arbeit dadurch in Anspruch zu nehmen für den Betrieb des Goetheanums, daß das Goetheanum zunächst mit der denkbar kleinsten Summe aufgeführt wird, und zwar in der Ausführung, die eben möglich ist mit dieser denkbar kleinsten Summe. Wir werden uns hier bemühen, in möglichst kurzer Zeit ein Goetheanum zustande zu bringen.
Morgen werde ich dann noch zu sprechen haben über das Bild, das das Goetheanum dann nach außen hin beschreiben wird, namentlich über die Fassade.
Jetzt möchte ich nur noch zurückkommen auf etwas, was von vielen Seiten her, ich möchte sagen, wie ein Angstprodukt an mich herankommt. Von allen Seiten werde ich gefragt, wie denn der Modus sein soll in bezug auf die drei Klassen und Sektionen der Freien Hochschule für Geisteswissenschaft am Goetheanum. Meine lieben Freunde, die Sektionen, die gehen zunächst überhaupt niemanden was an. Die Sektionen werden gebildet zur Arbeit hier. Also über die Sektionen brauchen wir uns gar nicht zu unterhalten. Die wird man vorfinden, so wie sie eben nach der entsprechenden Leistung vorgefunden werden müssen. So daß eigentlich nur gesprochen werden kann über die Allgemeine Anthroposophische Gesellschaft als Grundbau, und über die drei Klassen. Dafür steht alles Nötige, meine lieben Freunde, ich glaube mit absolutester Klarheit, in unseren Statuten. Es steht da in § 5: «In dieselbe», also in diese Schule, «werden auf ihre Bewerbung hin aufgenommen die Mitglieder der Gesellschaft, nachdem sie eine durch die Leitung des Goetheanums zu bestimmende Zeit die Mitgliedschaft innehatten. Sie gelangen dadurch in die erste Klasse der freien Hochschule für Geisteswissenschaft. Die Aufnahme in die zweite, beziehungsweise in die dritte Klasse erfolgt, wenn die um dieselbe Ansuchenden von der Leitung des Goetheanum als geeignet befunden werden.»
«§ 7. Die Einrichtung der freien Hochschule für Geisteswissenschaft obliegt zunächst Rudolf Steiner, der seine Mitarbeiter und seinen eventuellen Nachfolger zu ernennen hat.»
In diesen Sätzen liegt, soviel ich glaube, mit aller Klarheit ausgesprochen, daß man sich wird zu wenden haben persönlich an mich mit irgendeiner schriftlichen oder mündlichen Meldung; am besten von Anfang an - weil ja wirklich die mündlichen Meldungen nicht zu übersehen wären — mit schriftlichen Meldungen an mich persönlich. Und die Sache wird besorgt werden. — Das steht da. Ich glaube, es liegt der Ansturm wesentlich nicht darinnen, daß eine Unklarheit vorliegt, sondern daß schon notwendig sein wird, meine lieben Freunde, daß man sich nach und nach an die Klarheit gewöhnt. Vielleicht wird ja von mancher Seite eine Unklarheit gewünscht. Aber es soll - trotzdem jede Pedanterie in der Zukunft ausgeschlossen sein soll und Bürokratie etwas sein wird, was wir über die Grenze abschieben werden -, es soll in allen Dingen, die von hier ausgehen wenigstens so nehmen wir es uns vor -, die absoluteste Klarheit herrschen. Und man kann aus dem, was da steht, entnehmen, daß man nur ein Briefchen schreibt und sich meldet. Das Briefchen wird man persönlich an mich richten. Wie die Antwort erfolgen wird, wird man ja sehen. Man muß eben Vertrauen haben.
Das ist dasjenige, was ich zu sagen habe. Im weiteren ist Herr Hahl gemeldet, um über den Aufbau des Goetheanums zu sprechen. Ich bitte jetzt Herrn Hahl, das Wort zu nehmen.
Herr Hahl spricht zu diesem Thema.
[Antwort Rudolf Steiners siehe Anhang Seite 290.]