Wiederaufbau Des Goetheanums.

GA 286 — 1 January 1924, Dornach

Und ich werde mir erlauben, zu dem gestern Gesprochenen noch einiges Wenige hinzuzufügen, und dann den verehrten Freunden, die ums Wort gebeten haben, dieses Wort erteilen.

Sie werden sich erinnern, daß von mir versucht worden ist, die Gestaltung der Außenseite des Goetheanums, so gut es damals ging, als ein bauliches Problem zu lösen. Es war ja allerdings durch die Schnelligkeit, mit der dazumal verlangt wurde, daß der Bau in Szene gesetzt werden soll, manches schwieriger gemacht, als es eigentlich notwendig gewesen wäre, aber dennoch glaube ich, ist damals für den - im wesentlichen - Rundbau gefunden worden eine Gestaltung der Fassade, eine Gestaltung desjenigen, was an Pforten, an Fenstern, an Gesimsen und so weiter nach außen hin dasjenige, was das Goetheanum als Inhalt hatte, wiedergab.

Jetzt wird ja der Bau im wesentlichen so wirken sollen, wie ich es Ihnen gestern nun nicht als Rundbau im Grundrisse zu erklären versuchte, sondern wirken sollen als nur teilweise runder, teilweise eckiger Bau. Da wird es notwendig sein, gerade für diese Formen den aus dem Betonmaterial gemäßen modernen Stil zu finden.

Solche Dinge bedeuten ja immer außerordentlich große Schwierigkeiten. Es ist natürlich leichter, sozusagen abstrakt aus den Formen heraus zu arbeiten, dann das Material zu suchen, als das Material wie ein notwendig Gegebenes hinzunehmen, und aus dem Material die Formen herauszusuchen, die zum Teil eben gegeben sind durch die Verhältnisse, durch jene Verhältnisse, die ich Ihnen gestern geschildert habe. Nun möchte ich Ihnen, da wir zu Weiterem ja nicht Zeit haben, nur ein Wesentliches, die Portalform und Fensterform sozusagen im Prinzip hier mitteilen, damit Sie sehen, wie nun versucht werden soll, die innere Gestaltungskraft, die in der alten Form lag, doch auch geltend zu machen in der neuen Form des spröden Betonmaterials.

Ich möchte erreichen, daß wirklich — geradeso, wie der Beton es fordern wird, wenn man eine flächige Abdachung nach oben hat, die in ihren Abfalls-Wandungen für das Auge eine bestimmte Druckgewalt darstellt -, ich möchte erreichen, daß diese Druckgewalt auch für das Auge durch das Portal, respektive die Fenstergesimse abgefangen wird, und ich möchte erreichen, daß gleichzeitig auch innerlich, geistig zum Vorscheine kommt, daß man es zu tun hat mit etwas, was einen als Portal aufnimmt oder was als Fenster das Licht aufnimmt, um es in den Innenraum hineinzulassen. Ich möchte aber zugleich mit dieser Form erreichen, daß in gewisser Weise daran zur Offenbarung kommt, wie das Goetheanum sein soll eine Art Schutz für den, der Geistiges in diesem Goetheanum sucht. Das wird sich auch schon im Portal ausdrücken müssen. Und so möchte ich, daß etwa das Folgende zur Offenbarung kommt. [Faksimile siehe Beilage 4, Tafel XT]

Wenn sich in dieser Weise das Dach erheben wird zum Beispiel nach Westen, nach vorne, dann möchte ich, daß nach diesem Dache zunächst erscheint eine Art kleine, aus dieser Bedachung herausgewachsene, kleine folgende Form. Ich werde das, was einfarbig erscheint, hier in verschiedenen Farben festhalten, damit Sie es leichter sehen können.

Das wird also vorstehen (grüngelb), so daß, wenn man am Portal steht, dieses über das Haupt des Eintretenden geht, wenn man unmittelbar am Portal beim Eintritte steht. Darunter wird erscheinen ein Stück, das man wird halten können für ein Stück des Pentagramms, aber immerhin nur ein Stück (rötlich). Das Pentagramm würde ja erst darunter fertig sein.” Und das Ganze wird von einer Gestaltung getragen, die nun zurückgeht (blau). So daß also dasjenige, was Sie als Formenrundung vom früheren Goetheanum in Erinnerung haben werden, hier in seiner Eckigkeit erscheinen wird. Sie müssen sich also vorstellen, daß das hier gleichsam wie eine Bedachung weiter nach vorne liegt, das hier zurückgeht, das im Hintergrunde sicht bar wird (hell), und das Ganze soll nun getragen werden durch eine Säulenform links und rechts, die etwa die folgende Gestalt hat. So daß diese Säule oder dieser Pfeiler zu gleicher Zeit aufnimmt diese schützende Gestalt, die über dem Haupte des Eintretenden steht, also einerseits aufnimmt diese schützende Gestalt in einer solchen Form (orangegelb), aber nun gleichzeitig die Bedachung trägt durch eine entsprechende Form, die aus ihm herauswächst.

Und wir werden die Möglichkeit haben - gerade innerhalb dieser Form, die dann angewendet werden soll auf Portale, Seiten- und Hauptportale, wie auch auf die Fensterbildungen -, wir werden die Möglichkeit haben, wirklich ein Ebenmaß dadurch zu erzielen für den äußeren Eindruck: so daß man gleichzeitig sehen wird, wie die Druckbelastung von oben ergriffen wird, auf der anderen Seite aber die Pfeiler sich erheben werden, um gewissermaßen dasjenige, was von innen herauskommend, sich offenbarend, aufgenommen werden muß, in der entsprechenden Weise zu stützen.

260-06
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In dem entsprechenden Ebenmaß von Stütz- und Laste-Kräften liegt ja beim eckigen Bau dasjenige, worauf es ankommt. Wird er nun übergeführt bei uns in einen organischen Bau, so wird in jedem Gliede außerdem eine Offenbarung des inneren Wesens sein, das ja so gegeben ist, daß nun die Säulen, die beim alten Bau von unten bis oben gingen, in der Weise umzuformen sein werden, daß sie gewissermaßen in dem unteren Stockwerke, in dem Erdgeschosse, sich entwickeln wie Wurzeln, aber natürlich architektonisch aufgefaßt; und daraus werden sich dann erst die wirklichen Säulen für die obere Etage, die wiederum zu Trägern des Ganzen sich entwickeln werden, erheben. Diese werden dann von innen aus das Dach - das innen nicht etwa waagrecht abgeschlossen ist, sondern so abschließend wie es auch die Kuppel war - in seinen Formen abschließen. Die Pfeiler und Säulen werden ja in Träger sich verwandeln, gleichzeitig aber auch wiederum das zum Ausdrucke bringen, was auf der anderen Seite beim alten Goetheanum durch Rundbau zum Ausdruck gebracht werden sollte.

Nun sehen Sie: Wir werden uns durch die Auskalkulierung bemühen müssen, daß eben die Formen so weit primitiv gemacht werden, prinzipiell andeutend gemacht werden, als es nötig ist, um den Bau in dieser Gestalt für etwa 3 bis 3½ Millionen Franken auszuführen. Dann werden wir, wenn wir diesen Entschluß in bestimmter Weise einmal haben - und ich glaube, es ist kein anderer möglich -, dann werden wir hoffentlich recht bald zum Beginnen des Bauens schreiten können, und der Bau wird in einer verhältnismäßig kurzen Zeit, wenn uns die Opferwilligkeit unserer Freunde nicht im Stiche läßt, sondern weiterfließt, als ein neues Goetheanum an der Stelle des alten, wenn auch in viel primitiverer, in viel einfacherer Gestalt erstehen können. Ich darf nun Herrn van Leer, der sich gemeldet hat zu dieser Frage, das Wort erteilen.

Herr van Leer möchte zur Finanzierung des Betriebes des Goetheanums, so wie einen Welt-Schulverein, auch einen WeltGoetheanum-Verein gründen.

Dr. Steiner: Ja, meine lieben Freunde, ich glaube nicht, daß irgend etwas einzuwenden ist gegen das Schaffen einer solchen Form von Mitgliedern zu einem Goetheanum-Verein oder dergleichen, innerhalb dessen man nicht Mitglied der Anthroposophischen Gesellschaft ist. Fragen wird sich ja allerdings, auf was hin man zu dieser Mitgliedschaft wird auffordern können. Es wird natürlich sehr schwierig sein, bloß daraufhin Mitglieder zu bekommen, daß man den Leuten sagt, sie mögen für das Goetheanum oder für sonst irgendeine unserer Sachen Geld bezahlen. Aber wenn in der Tat in einer wirksamen Weise in der Zukunft die Anthroposophie als solche, so wie sie jetzt vertreten wird hier von Dornach aus, in der Welt immer mehr und mehr bekannt gemacht werden wird, wenn von den Leuten, die zunächst nicht gleich den Mut haben, Anthroposophen zu werden, gesehen werden wird, daß tatsächlich in einer fruchtbaren Weise gearbeitet wird, und zwar von Anthroposophie aus, mit Anthroposophie, dann könnte es doch sein, daß man, wenn man den Leuten sagt: Seht hin, das ist eine geistige Bewegung; vielleicht habt ihr noch nichts übrig dafür, aber lasset ihr sie einmal sich ausreifen, tut etwas dazu, daß die Leute sich rühren können, damit sie zeigen mögen, was sie können! -, es kann ganz gut sein, wenn man eingeht auf dasjenige, was sonst in diesen Tagen hier verhandelt worden ist und dieses vor die Welt hinausträgt, daß dann in der Tat eine solche Vereinigung, wie sie eben unser lieber Freund van Leer in Aussicht genommen hat, möglich ist.

Sie müssen ja nicht vergessen, daß mancherlei von dem, was nun in den Statuten steht, ganz notwendig verbunden sein wird mit der vollen Öffentlichkeit der Gesellschaft. Sie werden sehen, in der Praxis ändert sich außerordentlich viel. Und wenn überall verstanden wird, was verbunden ist mit dieser Öffentlichkeit der Gesellschaft, dann kann es schon sein, daß aus diesem heraus auch solch eine Form, wie sie eben van Leer vorgeschlagen hat, gefunden werden kann. Es wird ja durchaus diese Öffentlichkeit von uns ganz, ganz voll ernst genommen. Aber es wird auf der anderen Seite auch von uns hier am Goetheanum, von diesem Vorstande, voll ernst genommen werden, daß künftig nicht mehr unter einem Deckmantel gearbeitet werden kann, nicht mehr so wird gearbeitet werden können, daß man sagt: Ja, wenn man den Leuten mit Dreigliederung oder mit Anthroposophie kommt, dann wollen sie von einem nichts wissen, aber die Sache können wir ihnen bringen. -— Das war das, was uns in den letzten Jahren und seit jeher am meisten geschadet hat, weil es uns wirklich innerlich in eine Sphäre von Unwahrhaftigkeit hineingebracht hat. Aufrichtig und ehrlich für Anthroposophie wird in den verschiedensten Lebensgebieten in der Zukunft von hier aus, von Dornach aus, gearbeitet werden in voller Öffentlichkeit. Dann werden die Leute auch wissen, wofür sie Geld geben. Und ich glaube, gerade wenn man von diesem Gesichtspunkte aus arbeitet, wird schon die Form, die Sie vorgeschlagen haben, möglich werden; während es niemals gehen wird, wenn die Leute sagen: Ja, was ist das eigentlich, wofür sollen wir unser Geld geben?

Das ist, was ich glaube sagen zu müssen. Ich meine, daß die Sache

dann ganz gute Aussichten hätte. Wünscht sonst jemand zu dieser Frage des Wiederaufbaus das Wort?

Miss X glaubt, daß durch die Eurythmie für die Öffentlichkeit viel gezeigt werden kann, was Anthroposophie will. Sie bittet um Bilder, Eurythmie-Bilder und das Bild von Frau Doktor zur Publikation in Südamerika.

Mr. Monges hofft, Interesse in Amerika zu erwecken. «Der Amerikaner muß erst sehen, bevor er gibt.»

Dr. Steiner: Wünscht sonst jemand das Wort?

Herr Donner spricht zur finanziellen Lage.

Dr. Steiner: Wünscht noch jemand das Wort?

Mademoiselle Sauerwein frägt wegen der 12 Schilling, ob sie für die Gesellschaft oder das Goetheanum wären.

Dr. Steiner: Es ist dadurch, daß Mademoiselle Sauerwein diese Frage auf die Tagesordnung gebracht hat, nötig, daß ich zur Interpretation desjenigen, wovon hier die Rede ist, das Folgende aus jener Komiteesitzung mitteile, die vor einigen Tagen gehalten worden ist unter den Generalsekretären der verschiedensten Gebiete, mit dem Vorstande zusammen und zusammen mit den Vertretern der schweizerischen Gruppen. Es ist nötig, daß ich Ihnen das Ergebnis hier vortrage. Es handelt sich ja darum, daß der einzige Punkt der Statuten, der für den Druck der Statuten unerledigt geblieben ist, erledigt werden kann. Wir haben ja die Statuten angenommen und nur diesen kleinen Punkt, den jährlichen Beitrag für das einzelne Mitglied von seiten der Gruppen, noch leer gelassen, weil ich damals sagte, es sei eben das beste, diesen Punkt im engeren Kreise vorerst zu beraten.

Nun habe ich damals in diesem engeren Kreise folgenden Gesichtspunkt eingenommen. Sehen Sie, wer Anthroposoph ist - ich will es so aussprechen, obwohl was ich sage natürlich sehr anfechtbar sein wird -, wer Anthroposoph ist, der denkt nicht in Illusionen, sondern muß real denken, real auch für die Zukunft denken. Real denkt man, wenn man weiß: für irgend eine Sache braucht man so und so viel -, wenn man gewissermaßen ein präliminarisches Jahres-Budget aufstellen kann, das dann einem die Möglichkeit bietet, auszukommen. Es nützt uns nämlich für die Begründung der Anthroposophischen Gesellschaft in finanzieller Beziehung gar nichts, wenn hier möglichst darüber viel geredet wird, was der Einzelne glaubt, daß man für das einzelne Mitglied als Jahresbeitrag zahlen soll, sondern nur, wenn man hier sagt, was wir brauchen werden und wieviel voraussichtlich herauskommt dann, wenn dasjenige, was gebraucht wird, durch die Zahl der zahlenden Mitglieder dividiert wird. Mit diesem Problem habe ich mich nun eben auch ganz gründlich befaßt seit der Zeit, da ich - im Einvernehmen mit den Vorstandsmitgliedern, die ich dann als die richtigen zu bezeichnen hatte — beschlossen hatte, den Vorsitz der Anthroposophischen Gesellschaft selbst in die Hand zu nehmen. Und ich kann nicht anders, als aus dem, was sich mir ergeben hat, aus dieser Erwägung heraus sagen: Es ist das einzig Mögliche, daß wir den Betrag, den wir als einbezahlt von jeder Gruppe für jedes einzelne Migtlied brauchen, festsetzen, wenn wir hier die Gesellschaft, die Sie ja selber beschlossen haben, wirklich führen wollen. Und da können wir nicht anders, als den Mitgliedsbeitrag einsetzen, den jede Gruppe für jedes ihrer Mitglieder zu bezahlen hat: 12 S jährlich. Es ist ja nur 1 S monatlich. Rechnen Sie sich‘s aus, wie furchtbar wenig dies im Tage ist! Aber wir können nicht wirtschaften, ohne die 12 § jährlich für das einzelne Mitglied zu haben. Wir hätten ja, nicht wahr, die Sache auch umgekehrt machen können - ich weiß nicht, ob es würdiger gewesen wäre -, aber wir hätten es umgekehrt machen können. Wir hätten zunächst sagen können: Wir brauchen von jedem Mitglied 12 S, dann begründen wir die Anthroposophische Gesellschaft. Es wäre vielleicht der rationellere Weg gewesen. Aber wie gesagt, sie wird real nur begründet sein, wenn wir diese 12 § jährlich haben.

Nun, meine lieben Freunde, es werden gewiß viele Gruppen sagen: Das bringen wir nicht auf. - Trotzdem, es gibt ja Gruppen, die haben nicht einmal so viel Mitgliedsbeitrag, und sie wollen ja alle noch vom Mitgliedsbeitrag für sich die Hälfte mindestens zurückbehalten! Nun ja, das mag schon gehen, dann muß eben im einzelnen mit den Gruppen verhandelt werden, wieviel sie weniger bezahlen. Das müssen wir halt dann auf irgendeine andere Weise aufbringen. Brauchen werden wir es trotzdem. Aber als Norm kann nur angegeben werden dieser gewissermaßen minimale Betrag, den wir brauchen, unter den heruntergegangen werden kann bis - es wird sich schon selber in der Praxis machen, man kennt diese Dinge -, bis zum Verschwindungspunkt. Es kommt sehr häufig bis zum Verschwindungspunkt. Aber ich hoffe, es kommt auch nach der anderen Richtung bis zur Carnegieschen Höhe, also die Asymptote nach dem Unendlichen zu! Aber jedenfalls ist das der Vorschlag, den ich in einem engeren Kreise habe machen wollen. Der engere Kreis hat ja auch nicht gerade gleich seine Zustimmung gegeben. Aber ich glaube doch, daß die meisten mittlerweile eingesehen haben, daß das nicht anders geht. Denken Sie - die Staaten machen es ja auch so -, ich kann nicht ein Budget aufstellen und jeden einzelnen Steuerzahler befragen: Wieviel kannst du bezahlen? — Das macht man nicht. Wir haben allerdings keine Zwangsgewalt, um die Dinge einzubringen, wollen es auch nicht, selbstverständlich, denn Freiheit muß bei uns sein, aber wir müssen sagen, was wir brauchen. Und deshalb bitte ich Sie, darüber sich zu äußern, wenn sie wollen, oder wenigstens darüber abzustimmen, ob Sie damit einverstanden sind im allgemeinen, im Prinzip, daß der Mitgliedsbeitrag 12 S beträgt; wobei durchaus verhandelt werden soll mit dem Einzelnen, so weit herunterzugehen, als es im einzelnen Falle notwendig ist. Das mußte ich zunächst erörtern, wenn überhaupt über diese Sache gesprochen werden soll. (Beifall)

Mademoiselle Sauerwein sagt, daß von Frankreich diese 12 S gegeben werden, weil sie eben notwendig sind, und bittet nur, zu sagen, bis zu welchem Zeitpunkte es geschehen soll.

Dr. Steiner: Der Zeitpunkt wird nur eine Sache der Amtsführung sein. Wir werden in der allernächsten Zeit — weil das ja auch schon wegen der Kürze der Zeit hier nicht mehr gehen würde - eine Geschäftsordnung an die einzelnen Gruppen ergehen lassen, und darinnen werden wir uns ja äußern, wann diese Beträge bezahlt werden können. Es braucht das durchaus nicht etwa zu gleicher Zeit zu geschehen. Auch darüber wird sich ein Modus finden; man wird Abkommen treffen können, wann die eine oder die andere Gruppe nach ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten bezahlt. Drücken werden wir schon ganz gewiß nicht. Wünscht nun jemand gerade zu dieser Frage des Mitgliedsbeitrages das Wort?

Mr. Pyle schlägt vor, sofort die Zustimmung auszudrücken zu diesem Punkt, daß die 12 § jedes Jahr zusammengebracht werden, weil es eine absolute Notwendigkeit ist.

Dr. Steiner: Es ist der Vorschlag gemacht worden, daß wir unmittelbar jetzt abstimmen über diese Frage des Mitgliedsbeitrages. Wünscht jemand zu diesem Antrag, der ein Geschäftsordnungsantrag ist, das Wort? - nur zu diesem Antrag, nicht zu der Frage. Wenn das nicht der Fall ist, bringe ich den Antrag jetzt zur Abstimmung. Ich bitte diejenigen Freunde, die dafür sind, daß mit der angegebenen Modalität der Mitgliedsbeitrag von 12 S als ein Normalbeitrag erhoben werden soll, die Hand zu erheben. (Es geschieht.)

Diejenigen Mitglieder-Freunde, welche dagegen sind, bitte ich, ebenfalls die Hand zu erheben. - Nun, es scheint ja gerade über diese Frage eine herzliche Übereinstimmung zu herrschen.

Wir sind damit nur bei einer Unterbrechung angelangt gewesen, ich wollte eigentlich die Frage an den Schluß der heutigen Tagesordnung stellen, aber sie ist ja damit erledigt, und wir können nun fortfahren in der Tagesordnung, falls jemand noch das Wort erbittet zu dem Wiederaufbau des Goetheanums oder zu demjenigen, was Herr van Leer vorgeschlagen hat.

Mrs. Merry meldet sich zum Wort.

Dr. Steiner: Wünscht sonst jemand zu dieser Frage das Wort?

Herr Koschützki berührt die Geldfrage, er hält Forschungsinstituts-Arbeiten am geeignetsten, um von Nicht-Anthroposophen Geld für das Goetheanum zu bekommen.

Dr. Steiner: Nur müssen diese Dinge in Zukunft stets vor die Welt in innigem Zusammenhang hingestellt werden mit der Anthroposophie. Man darf nicht wiederum den Glauben erwecken, als ob man einfach durch die äußerliche Wissenschaft irgend etwas machen wollte. Wir wollen in der Zukunft die Dinge nur so hinstellen, wie sie sich aus dem Zentralen der Anthroposophie ergeben. Da gibt es natürlich manches, was doch in einer solchen Weise vor die Öffentlichkeit getragen werden muß, wie es nicht geschehen kann dadurch, daß man Bilder bringt, denn die Bilder können höchstens das Übersinnliche versinnlichen. Aber wir sollen ja das Übersinnliche vor die Welt hinstellen. Das ist natürlich schwierig, schwieriger als das Sinnliche hinzustellen, doch es muß uns eben dieses gelingen. Nun, es wird schon gelingen, aber ich bitte Sie, ein Herz dafür zu haben, daß wir das Übersinnliche hinstellen wollen, und nicht durch irgend etwas anderes bloß wie durch eine Maske erscheinen lassen wollen. Das hat uns Unheil genug gebracht. Wünscht jemand weiter das Wort?

Herr Leinhas spricht über den Goetheanum-Aufbau und die Organisation. Er glaubt, daß mit Hinweis auf das Statut Freunde gewonnen werden können.

Dr. Steiner: Wünscht noch jemand das Wort?

Dr. Krüger spricht von persönlichen Eindrücken, von Mitempfindung dessen, was hier erlebt worden ist als Urgründung.

Dr. Steiner: Nun werde ich bitten, meine lieben Freunde, das Wort zu einem beliebigen Gegenstand zu ergreifen, von dem der eine oder andere noch wünscht, daß er besprochen werde.

Herr Geuter bemerkt in bezug auf die Zeitung «Anthroposophie» und die Artikel von Hern Steffen und Dr. Steiner, daß diese besonders wertvoll seien zur Verbreitung der Anthroposophie.

Dr. Steiner: Wünscht weiter jemand zu irgendeiner Frage das Wort?

Dr. Zeylmans spricht vom medizinischen Standpunkt. Es gibt wohl kein Gebiet, wo man so sehr eine Erneuerung braucht, wie das der Medizin. Die bei der Gründung der kleinen Klinik im Haag anwesenden etwa fünfunddreißig Ärzte waren am Schluß sehr begeistert gewesen von den Vorträgen. Man kann schon sagen, man möchte nicht anderes haben, aber mehr haben. Die bisherigen Vorträge waren großartig, aber man möchte nicht nur eine solche Brücke haben, sondern ein völlig neues Reich im Herzen gründen, damit es möglich werde, als Arzt zum Heiler zu werden, wie das früher war. Er begrüßt daher besonders die Gründung der medizinischen Sektion.

Dr. Steiner: Sie gestatten, meine lieben Freunde, daß ich über solche Fragen, wie die Gestaltung zum Beispiel der medizinischen Arbeit, wie wir sie uns denken, hier weiter im Anschlusse an meinen heutigen Abschiedsvortrag noch einige Worte anfüge. Ich werde das aus dem Grunde tun, weil ich diejenigen Freunde jetzt noch bitten möchte, die über das eine oder das andere ein kurzes Wort sagen wollen, dieses Wort zu ergreifen. Was ich selber Ihnen zum Abschied zu sagen habe, was ich zu sagen habe über solche Fragen, wie sie jetzt in so dankenswerter Weise von Dr. Zeylmans angeregt worden sind, werde ich mir erlauben, in Verbindung mit meinem Vortrag am Abend vorzubringen. Ich bitte also diejenigen Freunde, die noch zu einem kurzen Wort ihre Stimme erheben wollen, dies zu tun.

Lehrer Wullschleger spricht zur schweizerischen Schulfrage, hält eine Schule in Basel für unbedingt notwendig und bittet um Unterstützung in jeder Beziehung.

Dr. Steiner: Wir sind am Ende unserer Tagesordnung, oder sagen wir vielmehr: Es ist durch die Zeitverhältnisse geboten, daß wir am Ende unserer Tagesordnung angekommen sind. Zu unserer Befriedigung werden wir ja heute nachmittag - gerade an dem Tag, wo sich uns hier zum ersten Mal vom Nebenplatze aus das Trümmerfeld noch in den Flammen offenbarte -, wir werden gerade am Jahrestage dieses furchtbaren Tages hier zu einer freien Zusammenkunft um 4 Uhr 30 uns vereinigen. Es kann uns das ein ganz besonders lieber Gedanke sein, gerade heute zu einer solchen Zusammenkunft hier uns zu finden, wo es am intensivsten und besten und innigsten vielleicht dem einen oder anderen möglich ist, zu dem oder jenem in der Weise sich auszusprechen, wie es gerade an diesem heutigen TrauerErinnerungstag angemessen erscheinen muß, durch das Herz gefordert erscheinen muß. — Also um 4 Uhr 30 werden wir uns hier zu dem Rout versammeln. Um 8 Uhr 30 wiederum wird mein Schlußvortrag sein. Die behandelnden Ärzte, die praktizierenden Ärzte werde ich dann bitten, sich morgen um 8 Uhr 30 im Glashaus unten mit mir wieder zu vereinigen. Andere Ankündigungen werde ich mir erlauben, dann heute abend zu machen.

Dasjenige, was der eine oder andere noch zu sagen hat, wird ja jetzt nicht mehr gesagt werden können. Aber es ist ja auch schon das letzte Mal möglich gewesen, wenn man dies oder jenes Wort nicht bloß von Persönlichkeit zu Persönlichkeit, sondern im allgemeinen sprechen will, dies während des Routs zu tun. Und so kann man auch diesmal während des Routs von diesem Orte aus zu den Mitgliedern noch sprechen.

Sodann möchte ich bitten, daß diejenigen Freunde aus Deutschland, welche morgen um 10 Uhr 45 früh fahren wollen, die Hand erheben, damit von Dr. Wachsmuth festgestellt werden kann, wieviel Freunde morgen früh fahren wollen; ebenso diejenigen, die mit dem Abendzug fahren wollen, bitte ich, die Hand zu erheben. Das Dableiben geht nämlich nicht gut. Nur derjenige, der eine wirkliche Paßverlängerung erhalten hat, kann dableiben. Es geht natürlich nicht, daß künftige Veranstaltungen hier dadurch gefährdet werden, daß die Behörden wahrnehmen, daß ungefähr fünfzig Personen oder mehr später reisen, als eigentlich in Aussicht genommen ist. Wenn sich zu wenige melden, kann natürlich nicht für Extraplätze gesorgt werden. Dann möchte ich noch bitten, die nichtverbrauchten Eßmarken bei dieser Gelegenheit im Haus Friedwart abzugeben, und ferner möchte ich bitten, auch die Wolldecken, welche benützt worden sind, im Haus Friedwart abzugeben, weil wir sie für spätere Veranstaltungen wohl wieder brauchen. Dann bitte ich die Freunde, die ihre Pässe noch nicht abgeholt haben im Haus Friedwart, diese Pässe abzuholen, weil wir sie nicht brauchen können. Wir würden ja gerne meinetwillen für jeden Gast wegreisen, wenn es anginge. Dann ist noch aufmerksam darauf zu machen, daß morgen abend, um 7 Uhr, für diejenigen Freunde, die noch da sein werden, hier eine Eurythmieaufführung stattfinden wird. Es wird in dieser Vorstellung noch einmal «Olaf Åsteson» gegeben werden.

German original of The Rebuilding of the Goetheanum · ← Previous · Next →