«Der Athlet»
Schauspiel in drei Aufzügen von Hermann Bahr
Aufführung im Lessing-Theater, Berlin
Von Hermann Bahrs theatralischen Versuchen ist dieser der beste. Was Rechtes ist er allerdings trotzdem nicht. Ein österreichischer Baron ist, wie man sagt, aus der Art geschlagen. Er hat so seine eigenen Ideen und Grundsätze. Es heißt das nicht viel anderes, als daß er gegenüber den sonstigen Mitgliedern seiner aristokratischen Verwandtschaft relativ vernünftig ist. Deshalb gilt er diesen andern als Sonderling. Er hat sich verheiratet, nicht aus leidenschaftlicher Liebe zu seiner Frau, sondern — nun, weil er sich verheiratet hat. Das ist in dem ganzen «Athlet» das Charakteristische, daß man auf jedes «Warum» ohne «Darum» bleibt. Der Mann arbeitet mit der Frau fleißig zusammen. Die gemeinsamen Pflichten machten sie einander schätzenswert. Sie ist das, was man eine ganz tadellose Frau nennt. Aber sie berrügt doch ihren Mann. Warum? Ja, weil es eben Bahr so gefällt. Der Mann erfährt die Sache. Er ist zuerst zerknirscht. Er will sich mit dem Verführer schlagen. Sein Bruder soll die Sache einleiten. Als dieser kommt, tritt dem guten Mann die Lächerlichkeit der Gesinnung vor Augen, auf der bei seinen Verwandten in solchen Fällen das Duell beruht. Er gibt es auf, sich zu duellieren. Er kann der Frau zwar nicht verzeihen, aber er wird sich mit ihr weiter den gemeinsamen Pflichten widmen.
Das Ganze ist eine Sammlung dramatisierter Apergus, die Bahr über das Leben gemacht hat. Unzusammenhängend, unmotiviert, launisch, bahrisch. Dieser Mann hat eine ganz hervorstechende Geisteseigentümlichkeit. Man kann sie an seinen kritischen Ausführungen ganz besonders studieren. Er hat eine selbst erfundene Erkenntnislehre. Bekanntlich kann man viel nachdenken, wodurch etwas wahr ist, das man als wahr behauptet. Der eine führt da dies, der andere jenes an. Bahr hat immer nur einen Grund, warum er etwas behauptet. Das ist der, daß es ihm eben eingefallen ist.